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Studiologic Numa Organ 2 Test

Praxis

Sound

Beim ersten Anspielen fällt sofort auf, dass die Numa Organ sehr ausgewogen und authentisch klingt. Dazu gibt es unten herum ein gutes Pfund an Bass. Ihren Soundcharakter kann man mit sauber, warm und weich beschreiben. Dies kommt vor allem durch eine weiche Attack-Phase, die übrigens alle sieben Orgelmodelle aufweisen, zustande.

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Drawbars

Die drei Hammond-Modelle weisen deutliche klangliche Unterschiede auf. Das C-Modell klingt schärfer und schriller, was auf eine Betonung der hohen Zugriegel zurückzuführen ist, während der Sound des A-Modells bassbetonter ist. Die oberen Fußlagen erklingen dabei etwas leiser, woraus ein fetterer, bauchiger Klang resultiert. Am breitesten und präsentesten kommt der Sound des B-Modells daher, bei dem eine Hervorhebung der mittleren Zugriegelregister auffällt. Mir gefallen diese Klangunterschiede sehr gut, so hat man je nach musikalischer Stilistik immer die passende Hammond im Gepäck. Im Audiobeispiel hört ihr als erstes das C-Modell, dann das A-Modell und zum Schluss das B-Modell.

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Tonewheel C / A / B

Die Vertreter der elektronischen Orgelklassiker besitzen ebenso die weichen und warmen Klangeigenschaften der Hammond-Modelle. Deutliche Unterschiede zu den Originalen gibt es aber bei der Registrierung. Die Zugriegel verhalten sich mit ihren Fußlagen nämlich weiterhin wie bei einer Hammond-Orgel. Die Orgeln von Farfisa und Vox haben aber mitunter andere Register, die sich nicht zwingend stufenlos mischen, sondern nur an- und ausschalten lassen. Da die drei elektronischen Orgelmodelle nach Schwingungsformen getrennt sind, ist es bei der Numa Organ 2 leider nicht möglich, diese Schwingungsformen miteinander zu kombinieren. Dadurch fehlt mir hier das letzte Quäntchen an Authentizität. Dennoch kann man vor allem in Verbindung mit dem Vibrato-Effekt die gebräuchlichsten Orgelsounds der 60er-Jahre nachbilden. Auch Synthie-ähnliche Klänge sind möglich. Letztendlich sehe ich diese Modelle wegen der nicht authentischen Registrierung aber nicht als komplette Clones der Originale, sondern eher als nette Dreingabe zu den Tonewheel-Modellen. 

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Model V Model F

Gleiches gilt für die klassische Pfeifenorgel. Der Sound klingt zwar sehr schön mit seinem weichen Attack, aber eine strahlende, majestätische Breite bekommt er nicht zustande. 

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Pfeifenorgel

Effekte

Hören wir uns als nächstes die typischen Hammond-Effekte an. Bei aktivierter Percussion wird originalgetreu der 1“-Zugriegel abgeschaltet. Ebenso verstummt die Percussion beim Legatospiel. Klanglich schmatzt und klackt sie sehr schön, könnte für meinen Geschmack aber etwas metallischer klingen. Nach oben hin wird sie schon relativ leise und auch dünner. Aber hier kann man ja erfreulicherweise mit den EDIT-Funktionen nachregulieren. 

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Percussion

Die überarbeitete Emulation des Vibrato-Scanners ist sehr gut gelungen. Die Chorus-Effekte besitzen diese typische Höhenanhebung, die den Sound bissiger macht. Sie verleihen den Orgelsounds mehr Breite und schöne Schwebungen. Allerdings ist im direkten Vergleich mit einer Hammond A100 die Lautstärkenmodulation weniger intensiv. Zwischen den Vibrato-Varianten sind deutliche Unterschiede zu hören. Und zwar nicht nur in der Intensität, sondern im ganzen Charakter des Effekts. Ein unangenehmes „Eiern“ ist nicht wahrnehmbar, sondern eher ein schönes „Wabern“. 

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Vibrato Chorus

Der neue Rotary-Effekt wurde mit viel Liebe zum Detail entwickelt. Er weist authentische Geschwindigkeiten und Anlauf-/Abbremszeiten der Rotoren auf und klingt ausgewogen, aber auch ein wenig flach. Der Effekt des Hornrotors könnte intensiver sein. Es fehlt dem Leslie-Sound etwas an Breite und Tiefe, weshalb der Orgelsound nicht ganz so schön flattern kann, wie man es von einem echten Leslie oder den besten derzeit erhältlichen Simulationen kennt. 

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Rotary

Der Reverb hat – einem Federhall entsprechend – keine Highend-Qualitäten, klingt aber dennoch sehr sauber und klar. Aufgrund seiner angenehmen Dichte und einer mittleren Hallzeit ist er universell mit allen Orgelmodellen einsetzbar.
Der Drive-Effekt ist ein angenehmer, verhältnismäßig brav klingender Verzerrer, der weniger kratzbürstig ist als bei manch anderer Simulation. Die Bandbreite reicht dabei von leicht angeraut bis schmirgelnd. Jedoch hat der Effekt nicht die Reserven für britzelnde, extrem verzerrte Rockorgeln à la John Lord. 

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Drive

Bedienung

Die Numa Organ 2 kommt wie eine alte Hammond-Orgel ohne Display aus. Lediglich beleuchtete Taster geben dem Musiker optisch Auskunft über den Zustand des Instruments. Das hat Vor- und Nachteile. Das Bedienkonzept der alten Tonewheel-Orgeln mit direktem Zugriff auf alle Parameter sorgt für Einfachheit und einen sofortigen Überblick über das Instrument. Als Organist findet man sich schnell zurecht. Auf der anderen Seite gibt es ohne Display keine Klartextanzeige der (Preset-) Einstellungen der Zugriegel, Transpose, Tuning usw. Da muss man nach Gefühl und Gehör arbeiten, was in Live-Situationen schon zu der einen oder anderen Überraschung führen kann. Deshalb wäre zumindest ein kleines Display zur Anzeige der Parameterwerte wünschenswert – gerade angesichts der neuen EDIT-Funktionen. Dennoch ist das Instrument übersichtlich und leicht zu handhaben und legt das Hauptaugenmerk darauf, wozu es erschaffen wurde: Musik machen.

Kommentieren
Profilbild von Markus Galla

Markus Galla sagt:

#1 - 19.07.2014 um 11:13 Uhr

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Sehr detailreicher Testbericht. Im direkten Vergleich mit meiner Nord C2 finde ich, dass die Numa Organ 2 vom Klang her abfällt. Hier hat m. E. Nord die Nase deutlich vorn. Überhaupt liest sich die Feature-Liste irgendwie größtenteils wie ein Auszug aus dem Nord Manual. Aber das ist ja heute an der Tagesordnung - jeder klaut bei jedem. Unterm Strich steht dann der Preis. Wer "nur" Hammond braucht und auf die Samples des Nord Electro verzichten kann, spart einige Scheine und hier sind die Klangunterschiede dann vielleicht auch egal. Für mich nimmt die Numa Organ 2 eine Mittelposition zwischen den in meinen Augen recht schlechten Roland/Hammond Orgeln und den Nord Orgeln ein. Bestimmt kein schlechter Platz. Aber es ist ja noch Raum für Verbesserungen.

Profilbild von Werner Weber

Werner Weber sagt:

#2 - 04.08.2014 um 11:17 Uhr

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Aber hallo,
habe die numa organ 2 gerspielt und finde Sie einfach gelungen. In verbindung mit dem neo vent und dem organ drive, sind alle Variationen
einer guten Hammond orgel über normal blues bis
Hardrock möglich und dies bei einem exellenten Klangbild.Ich finde die Percussion in verbindung mit dem Chorus einfach gelungen.Ich habe in den siebzigern und achtzigern die hammond x5 in verbindung mit einem leslie von Yamaha gespielt. Die hörte sich nicht so gut an wie die numa in verbindung mit dem neo vent.Ich bin einfach überzeugt. Gutes Klangbild.Mit freundlichen Grüssen,Werner Weber

Profilbild von Ralph Zimmermann

Ralph Zimmermann sagt:

#3 - 02.10.2014 um 19:11 Uhr

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Ich selbst spiele die Numa Organ (1!). Diese spielt nur als B3.
Das aber sehr überzeugend. Selbst mit einer billigen Anlage ist der Sound super authentisch. Die V Nord C2 habe ich einmal nur bei einem Jazz-Konzert gehört und nicht selbst gespielt. Hier klang diese für meinen Geschmack viel zu grell und überhaupt nicht warm. Es kann natürlich sein, dass das die Schuld des Mixers war. Bei meinen eigenen Gigs waren das Publikum und die Band äußerst zufrieden mit dem Sound! Hier benutze ich kleine Pevey Microbass als Monitor und die PA ins Publikum mit Leslie-Simulation und Verzerrer der Numa. Der einzige Nachteil ist, dass man den verzerrten Sound von Jon Lord nicht ganz erreicht. Aber z. B. Child in Time (Studioversion) kommt super echt. Die Numa ist eine Simulation einer B3 mit Leslie und nicht mit übersteuerten Marshal!

Profilbild von Wolfgang Frank

Wolfgang Frank sagt:

#4 - 31.03.2015 um 08:46 Uhr

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Ich hab mir die Numa Organ 2 letzte Woche gekauft.Als ich die Numa Organ 2 zuhause an meiner Anlage angeschloßen hatte war ich erst nicht so begeister (ich hab noch den Neo Vetiltor, aber bisher noch nicht an die Numa eingesetzt)Doch jetzt muß ich sagen macht die Numa mir beim spielen spaß und klingt überzeugend.
Auch hat ein Bekanter , der auch Musiker ist und auf Retro Orgelklang wert legt, mich mit der Numa gehört und ist ebenso überzeugt.Mein fazit:
Es gibt "echte Orgeln" und sogar richtige Hammonds die nicht so gut klingen, und das zu diesem Preis.beste Grüße
Wolfgang Frank

Profilbild von Borg Alexander

Borg Alexander sagt:

#5 - 31.12.2021 um 19:45 Uhr

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Super ausführlicher Test, danke.
Ich habe allerdings eine Frage, deren Antwort man auch in der Bedienungsanleitung nicht findet:
Ist die linke Oktave, also die mit den schwarzen Tasten, im MIDI Master-Modus spielbar?

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