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Studie zeigt wie Männerdominiert Pop-Musik noch immer ist

Eine Studie der USC Annenberg hat über zehn Jahre den Frauenanteil in der Musik-Industrie analysiert und kommt zu einem harten Ergebnis: Die sowieso schon unterirdischen Zahlen haben sich seit 2012 quasi nicht verändert.

Eine Studie zeigt, dass die Musik-Industrie noch immer von Männern dominiert wird.
Keine 3% der Produzenten von Pop-Songs sind weiblich. (FOTO: Nick Karvounis)

Dass es auch in der Musik-Industrie keine geschlechtliche Gleichberechtigung gibt, sollte eigentlich niemanden mehr verwundern. Falls es noch immer jemanden gibt, der das nicht einsehen möchte, der sollte doch einfach mal die Line-Ups von diversen deutschen und internationalen Festivals nach weiblichen Künstlerinnen und Headlinerinnen durchgehen. Die Zahlen sind ernüchternd. Seit Jahren versuchen sich zudem Initiativen wie Keychange daran die Situation für Frauen in die Industrie zu verbessern. Im vergangenen Jahr kündigte auch Comedian Karolin Kebekus ein Festival an, auf welchem nur Frauen auftreten werden.

Nun zeigt eine neue Studie der University of Southern California, wie gering der Frauenanteil innerhalb der Musik-Industrie trotz diversen Initiativen, Aktionen und Forderungen noch immer ist. Was fast noch erschütternder ist, als die blanken Zahlen: In den vergangenen zehn Jahren hat sich so gut wie nichts an der Männerdomäne in der Industrie verändert.

Der Frauenanteil in der Musik-Industrie liegt bei nicht einmal 25%

Seit 2012 hat eine Gruppe Forscherinnen und Forscher jährlich die Top 100 Billboard-Jahrescharts, sowie sämtliche Grammy-Nominierungen analysiert und ausgewertet. Insgesamt sind über 900 Songs von fast 1800 Artists in dieser Auswahl. Der Anteil an Künstlerinnen unter den Interpreten liegt bei grade mal 21,6%. Schaut man sich die Credits hinter den Songs an, wird der Anteil an beteiligten Frauen noch geringer: Lediglich 12,6% der Songwriter sind weiblich und nur aberwitzige 2,6% der Produzenten sind Frauen. Betrachtet man nur die Grammys, befanden sich seit 2013 unter allen Nominierten nur 13,4% Frauen.

Vor allem die verschwindend geringen Frauen-Anteile unter Songschreibern und Produzenten sollte mehr als nur ein Alarm-Signal sein. Die Zahlen haben sich auch über die vergangenen zehn Jahre nicht wirklich verändert. Lag der Anteil an Frauen unter den Billboard Top 100 des Jahres 2012 noch bei 22,7 Prozent, liegt er heute mit 20,2% sogar noch tiefer. Auch unter Songwritern (11%) und Produzenten (2,4%) hat sich seit 2012 nichts verändert. Die vielversprochenen Schritte in Richtung Gender Equality, die vor allem große Firmen der Industrie und Majorlabels in gewohnter Regelmäßigkeit rausposaunen, sind also nachweislich nichts als leere Worte.

Die Benachteiligung ist systematisch

Natürlich ist eine Analyse der 900 erfolgreichsten Songs in Amerika laut den Billboard-Charts – wie auch die Wissenschaftlerinnen hinter der Studie betonen – nicht vollständig repräsentativ für die gesamte Industrie, jedoch zeigt grade die Ungleichheit unter den Grammy-Nominierungen eine systematische Benachteiligung von Frauen. Auch dass Frauen lediglich 7,3% an Bandmitgliedern innerhalb der analysierten Songs und Interpreten ausmachen, deutet auf ein großes Problem hin.

Es ist Zeit, dass den vielen Worten zu Gleichberechtigung auch Taten folgen. Natürlich kann ein solches Problem nicht einfach nur durch Frauenquoten gelöst werden. Vielmehr muss weiter geschaut werden, warum so wenige Frauen als Produzentinnen und Songschreiberinnen aktiv sind und selbst Songs, die von Frauen performt werden, von Männern geschrieben und produziert werden.

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von Niklas Wilhelm

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Max Weber sagt:

#1 - 28.04.2022 um 13:45 Uhr

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Vielleicht liegt es schlicht und ergreifend daran, dass zu wenig Frauen Musik machen wollen. Jeder, der an dieser Aussage zweifelt, sollte mal eine gewisse Zeit in einem Musikladen verbringen: Der Frauenanteil unter den Kunden ist verschwindend gering. Das Interesse an neuen Schuhen scheint eben immer noch größer zu sein als das Interesse an Musikinstrumenten.

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