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So geht guter Proberaum-Sound

Der Sound im Proberaum wird leider oft vernachlässigt, dabei ist das Klangbild vor allem bei kreativer, langwieriger und regelmäßiger Arbeit im gemeinsamen Refugium extrem wichtig und kann den Arbeitsprozess stark beeinflussen. Aber wo kann man ansetzen? Die Antwort ist: Überall. Jedes Bandmitglied hat seine eigenen Bedürfnisse und die Band als Ganzes ein klares Ziel beim Proben: Gute Songs schreiben, besser zusammenspielen – gerade Sänger gehen dabei leider oft unter.

(Bild: © Shutterstock, Foto von Videoproyectos)
(Bild: © Shutterstock, Foto von Videoproyectos)


Im Folgenden stelle ich euch ein paar Strategien und Kontrollpunkte vor, die euch dabei helfen, euren Proberaumsound zu verbessern und als Sänger nicht im Sound-Brei unterzugehen.

1. Lautstärkeverhältnisse

Es klingt banal, ist aber extrem wichtig und wird manchmal aus den Augen verloren. Es macht durchaus Sinn, sich immer mal wieder zwischendurch selbst zu fragen, ob und wie gut man sich und den Rest der Band hört.
Abgesehen davon, dass man sich natürlich selbst hören möchte und sollte, um Spaß bei der Sache zu haben, hat die Hörlautstärke vor allem bei Sängern einen immensen Einfluss auf den Stimmsound. Anders als Gitarristen können Sänger nämlich nicht mit einem Blick aufs Griffbrett checken, ob die Töne richtig sitzen. Intonation, Resonanz, Stimmsitz und Krafteinteilung sind nun mal feinmotorische Angelegenheiten, die sich nur schwer unter Kontrolle bringen lassen, wenn man sich nicht richtig hört.
Gerade wenn man noch nie die Erfahrung gemacht hat, sich selbst gut und detailliert beim Singen in der Band zu hören, tendiert man dazu, schlechte Angewohnheiten zu entwickeln. Viele neigen zum Beispiel dazu, mit zu viel Druck zu singen, um den Rest der Band zu übertönen. Es besteht die Gefahr, dass man sich nicht nur an den Klang dieser ungesunden Technik und die stimmliche Einschränkung gewöhnt, sondern auch irgendwann die eigene Heiserkeit und den kratzigen Stimmsound durch die starke Beanspruchung nicht mehr wahrnimmt. Das kann schwerwiegende, zum Teil irreparable Schäden an der Stimme hinterlassen.
Dass man sich als Sänger nicht hört, kann abgesehen von unsinnig hohen Lautstärken der anderen Instrumente aber auch einige andere Gründe haben.

2. Position der Instrumente und Amps

Oft stehen die Verstärker, Boxen, Instrumente und deren Nutzer nicht unbedingt in optimalen Positionen zueinander.
Typischer Fall: Der Gitarrist steht vor seinem Verstärker, sodass die Lautsprecher hauptsächlich Beine und Hinterteil beschallen, und stellt seinen Sound sehr hell und laut ein, damit er die so wunderschön silbrigen Höhen seiner teuren neuen Gitarre hört, obwohl seine Ohren sich nicht mal annähernd im Abstrahlwinkel seines Lautsprechers befinden.
Wenn man dann am gegenüberliegen Ende des Raumes in der direkten Schusslinie des Lautsprechers steht, bekommt die volle Breitseite ab – hauptsächlich bestehend aus unangenehmen Höhen – und hört sich selbst kaum mehr singen (oder spielen).
Die Lösung: Den Gitarristen-Amp so ausrichtet, dass man selbst mit den Ohren direkt vor dem Speaker bzw. in Speakernähe steht. Das erreicht man zum Beispiel, indem der Amp schräg an die Wand gelehnt oder auf ein paar Bierkästen gestellt wird. Dann sind alle anderen aus der Schusslinie und man selbst hört sich besser.
Das lässt sich auch auf alle anderen Signalquellen übertragen: Das Ziel ist es, eine gute Balance zu finden zwischen der Distanz, dem Abstrahlwinkel, der Lautstärke und den jeweiligen Abständen zur eigenen Signalquelle und den anderen Lärmproduzenten im Raum. Es gilt außerdem zu vermeiden, dass zwei Boxen welcher Art auch immer direkt nebeneinander, aufeinander oder sich genau gegenüberstehen. Das führt in der Regel dazu, dass sich die Signale gegenseitig in die Quere kommen und undeutlich bzw. matschig werden. Wenn das dann auch noch darin endet, dass die Betroffenen sich lauter drehen, um sich besser zu hören, wird das Problem nicht wirklich behoben, sondern sogar verstärkt.
Hier mal ein rudimentär gezeichnetes Beispiel, wie ihr eure Boxen in einem rechteckigen Raum strahlen lassen könnt, damit alle Bandmitglieder relativ gut mit allen Signalen versorgt sind (der Abstrahlwinkel der Bassverstärkers ist nicht eingezeichnet, da sich Bassfrequenzen in der Regel ohnehin gut im Raum verteilen):

Position der Instrumente und Amps im Proberaum
Position der Instrumente und Amps im Proberaum

Tipp: Bevor ihr anfangt den Proberaum umzuräumen, zeichnet euch die neue Instrumentenverteilung inklusive der Abstrahlwinkel auf ein Blatt Papier auf, und checkt vorab, ob eure Idee funktioniert.

3. Grundlautstärke – weniger ist mehr

Grundsätzlich kann man sagen: Je leiser, desto einfacher ist es auch, in verhältnismäßig kleinen Räumen einen definierten Bandsound zu erhalten. Je geringer die Lautstärke, desto besser können unsere Ohren spielerische und klangliche Details ausmachen. Bevor alle Rock- und Metal-Bands aufschreien: Manche Stilistiken leben natürlich von einem gewissen Schalldruck. Es lohnt sich trotzdem, den Gesamtpegel ein bisschen zu senken und so vielleicht ein paar mehr Details wahrzunehmen und dem Sänger einen Gefallen zu tun.
Praxistipp von bonedo Vocals-Redakteurin Catharina: “Wir haben in meiner Band, als wir viermal die Woche geprobt haben, angefangen Arbeitseinheiten und Spaßeinheiten voneinander zu trennen. Beim Arbeiten war die Lautstärke unten, beim Spaß haben wir dann mal kurz aufgedreht. Hat gut geklappt.”

4. PA – Equipment

Sich als Sänger mit dem Thema PA-Equipment, also Mikrofone und Gesanganlagen bzw. Monitorboxen, auseinanderzusetzen, kann sich durchaus lohnen – das ist unser Äquivalent zum Gitarren- oder Bassverstärker. Verschiedene Mikrofone und PA-Systeme oder Monitorboxen klingen auch verschieden und sind für bestimmte Einsatzgebiete eben nur bedingt geeignet. Mal etwas Geld in die Hand zu nehmen, um in ein gutes Mikrofon und eine oder zwei leistungsstarke Monitorboxen zu investieren, sodass man sich sowohl im Proberaum als auch auf der Bühne immer gut und mit einem gewohnten Sound hört, ist definitiv eine gute Idee.

5. Raumakustik

Es gibt ein paar raumakustische Faktoren, die Reflektionen und Multiplikationen in höheren und mittleren Frequenzbereichen begünstigen – oder einfach gesagt: die helle Klänge (wie von Snares, Becken, Gitarren) betonen, undefiniert machen und die Ohren “zum Klirren bringen”. Allen voran sind das glatte Oberflächen aus hartem Material, wie zum Beispiel lackiertes Holz, Steinwände, Laminatboden oder Glasscheiben, vor allem wenn sie genau parallel zueinander liegen.
Um den Raum nicht sofort umbauen zu müssen, kann man zum Beispiel beim Spielen die Vorhänge vor den Fenstern zuziehen, den Boden mit Teppich auslegen, die Decke und vor allem die oberen Ecken mit ein paar alten Bettlaken abhängen und große freie Wandflächen und Ecken mit Absorbern verkleiden. Damit verhindert man, dass hohe Frequenzen von der Wand abprallen, zur nächsten Wand “fliegen” um wieder abzuprallen und sich so immer mehr überlagern. Da sich der Gesang oft in den mittleren und höheren Frequenzen aufhält bzw. abspielt, sind auch was das angeht – abgesehen von den Ohren aller Bandmitglieder – oft die Sänger die Leidtragenden. Denn in diesem Höhenmüll geht eine Menge Verständlichkeit und Artikulation verloren.
Aber ACHTUNG: Mit der Bedämpfung sollte man es nicht übertreiben. Ist ein Raum zu “trocken”, macht das auch nicht unbedingt Spaß.

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(Bild: © Shutterstock, Foto von Videoproyectos)

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von Leon Kaack

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