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Sire Marcus Miller V7 Vintage 5 WB Test

Praxis

Mein Test-Bass bringt 4,7 kg auf die Waage. Das ist zwar für einen Fünfsaiter noch nicht übermäßig viel, aber ein Fliegengewicht ist er damit auch nicht. Beim Üben, bei Studioarbeit im Sitzen oder bei kürzeren Gigs wird das sicherlich nicht negativ auffallen. Bei mehrstündigen Covergigs sieht das schon wieder anders aus! Sicherlich werden aber auch leichtere Exemplare des MM V7 Vintage zu finden sein.
Im Sitzen spielend ist eine dezente Kopflastigkeit zu spüren. Davon ist jedoch kaum ein Bass dieser Konstruktion gefeit. Im Stehen wiederum – und dafür wurde er ja hauptsächlich gebaut – balanciert er sich ohne mein Zutun gut in einer bequemen Position ein. Hier macht sich das Gewicht des Eschekorpus übrigens wiederum positiv bemerkbar.

Keine Angst: die leichte Kopflastigkeit ist weitaus weniger schlimm als auf diesem Bild!
Keine Angst: die leichte Kopflastigkeit ist weitaus weniger schlimm als auf diesem Bild!

Das Halsprofil würde ich als normales D bezeichnen – man hat angenehm was in der Hand, aber auch nicht zu viel, als dass man über Gebühr kämpfen müsste. Wer von einem Vier- auf einen Fünfsaiter umsatteln möchte und/oder auch nicht die größten Hände hat, wird sich hier schnell wie Zuhause fühlen.
Das Griffbrett besitzt einen leichten Radius, Angaben dazu habe ich allerdings auf der Sire-Homepage nicht gefunden. Gefühlt wurde hier ein Mittelweg zwischen dem stärkeren Radius eines 70er-Jazz-Basses und modernen, flachen Griffbrettern gewählt. Sehr gelungen ist die Abrichtung der Bünde. Bei komfortabler Saitenlage sind bis zum 20. Bund keinerlei Nebengeräusche zu hören. Da darf sich mach anderer Hersteller mit dreifachem Preis gerne mal eine Scheibe abschneiden! Will man die Halskrümmung verstellen, findet man den Zugang am Hals-Korpus-Übergang, ohne weitere Abdeckungen entfernen zu müssen.

Fotostrecke: 2 Bilder Akribische Bundabrichtung bis in die höchsten Lagen!
Fotostrecke

Aber kommen wir doch zum Klang! Zunächst höre ich mir den MM V7 einmal im klassischen Passivbetrieb an. Wie zu erwarten, liefert der Bridge-Pickup wunderbar knochige und trockene Fingerstyle-Sounds. Durch den Versatz in Richtung Brücke klingt er abermals etwas drahtiger und verfügt über mehr Präsenz in den Hochmitten. Für authentische Jaco-Sounds eignet sich sicherlich der 60er-Abstand der Tonabnehmer besser.
Der Sire macht aber dennoch eine ordentliche Figur, vor allem, wenn man die passive Tonblende zu Hilfe nimmt. Im Zusammenspiel mit dem Hals-Pickup ergibt sich der typische Jazz-Bass-Allroundsound “für alle Gelegenheiten” – egal, ob pizzicato oder geslappt. Auch hier hört man schön die 70er-Jahre-Note mit der typischen leichten Betonung der Hochmitten. Das ist durchaus der authentische und gewollte Sound der Jazz-Bässe aus dieser Zeit!

Dieser Sire Marcus Miller ermöglicht authentische 70er-Sounds - und das als Fünfsaiter!
Dieser Sire Marcus Miller ermöglicht authentische 70er-Sounds – und das als Fünfsaiter!

Der Halspickup liefert alleine ein ordentliches Fundament, das sich gut für Preci-ähnliche Rock-, Blues-, Soul- oder Motown-Sounds eignet. Auch hier entpuppt sich die Höhenblende als nützliches kleines Helferlein.

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Beide Pickups Beide Pickups Hals-Pickup, Höhenblende: -50% Steg-Pickup, Höhenblende: -50%

“Aktiviert” man den MM V7, so ergibt sich eine enorme Bandbreite an Sounds, die vor allem in modernerem Kontext passen. Fettes Low End, knackige Höhen, mittenarme Sounds für R&B, geboostete Solopassagen oder Ähnliches ermöglicht einem der Bass von selbst, ohne den Amp bemühen zu müssen!

Günstig und gut: mit der Marcus-Miller-Serie haben Sire bei ihrer Kundschaft ins Schwarze getroffen!
Günstig und gut: mit der Marcus-Miller-Serie haben Sire bei ihrer Kundschaft ins Schwarze getroffen!

Die Elektronik, welche ebenso ein Eigenbau Sires ist, braucht den Vergleich mit verschiedenen Mitbewerbern nicht zu scheuen und macht einen wirklich soliden Job. Sicherlich gibt es Bässe, die noch transparenter auflösen, edler klingen und alles noch ein bisschen besser können ‑ aber wohl nicht zu diesem Preis. In der Praxis, nämlich in der Band oder im Mix, gehen diese feinen Nuancen auch gerne unter. Spätestens wenn man neben einem Drummer steht, egalisieren sich viele Hunderte (oder oft Tausende) Euro Aufpreis zu manch teurerem Mitbewerber meiner Erfahrung nach ohnehin ganz schnell. Die Idee des MM V7 ist eher, einen bodenständigen Allrounder zu bieten, der unaufgeregt seinen Job macht und nebenbei noch sehr flexibel ist.

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Beide Pickups, Bass: +30 %, Mitten: -30% Beide Pickups, Bass: +30 %, Mitten: -50%, Höhen: +30%
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