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Shure 545SD Test

Praxis

Minus Honk, plus Frische

Um die klanglichen Eigenschaften des Shure 545SD beurteilen zu können, habe ich es mit dem 57er an verschiedenen Quellen verglichen. Zunächst an einer Yamaha Recording Snaredrum mit nahtlosem Stahlkessel, anschließend an einem 13er sowie einem 18er Yamaha Recording Tom aus Birkenholz. Am Gitarrenamp musste es sich im Clean-, Crunch- und High Gain-Setting bewähren. In der (einfachen) Handhabung gleicht es dem SM57, sieht man davon ab, dass man sich ab und zu versichern muss, ob das Mikrofon eingeschaltet ist, am magnetischen Schieber fehlen nämlich Hinweise darauf, welcher Betriebszustand gerade aktiv ist. Spoiler: “Richtung Korb” bedeutet logischerweise “On”.
Klanglich gibt sich das Testobjekt insgesamt immer eine Spur frischer und neutraler im Sound, ohne den direkten Vergleich würden es die meisten Hörer aber klar als SM57 identifizieren. Fangen wir mit der Snaredrum an.

Shure SM57 vs. Shure 545SD: Die beiden Unidyne-III-Mikros am Drumkit
Shure SM57 vs. Shure 545SD: Die beiden Unidyne-III-Mikros am Drumkit

Mittelhoch gestimmt und mit den Standardfellen Remo Ambassador coated oben und Hazy clear unten ausgerüstet erzeugt die Yamaha Recording Trommel einen klassischen Stahlkessel-Sound mit hellen Obertönen, die das Shure 545SD angenehm integriert einfängt. Der am 57er so geliebte (oder gehasste) „Honk“ im Sound, also die etwas hohl klingende Mittenübertragung, ist beim Vorfahren weniger stark ausgeprägt, die Snaredrum klingt dafür etwas „schneller“ und luftiger.

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Shure 545SD, Snare solo Shure SM57, Snare solo Shure 545SD, Snare im Kit Shure SM57, Snare im Kit

Besonders an den Toms zeigt sich die konstruktive Ähnlichkeit zum SM57

Fast ebenso gerne wie an Snaredrums wird das SM57 an Toms verwendet, denn es bildet die wichtigen Mitten kompakt ab und verleiht den Trommeln eine gute Durchsetzungskraft ohne im Mix künstlich zu klingen. Um es kurz zu machen: das 545SD geht seiner Arbeit an den Test-Toms auf sehr ähnliche Art und Weise nach. Im Kontext mit den anderen Mikrofonen ist der Unterschied wirklich für die allermeisten Anwendungen zu vernachlässigen, so ähnlich sind sich beide Mikrofone. 

Solo abgehört klingt das 545SD detailreicher in den oberen Mitten und Höhen, was sich auch an den sauberer klingenden Übersprechungen von Snaredrum und Hi-Hats zeigt. Am dicken 18×16 Zoll Floortom zeigen sich dieselben Eigenschaften, hier gefällt mir, solo abgehört, das minimal bedeckter klingende SM57 etwas besser. Im Mix ist der Unterschied aber so gering, dass die Identifikation schwer fällt. Trotzdem oder gerade deswegen ist das 545SD ein wirklich gutes Mikrofon am Drumset. 

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Shure 545SD, Tom solo Shure SM57, Tom solo Shure 545SD, Tom im Kit Shure SM57, Tom im Kit Shure 545SD, Floor-Tom solo Shure SM57, Floor-Tom solo Shure 545SD, Floor-Tom im Kit Shure SM57, Floor-Tom im Kit

Am Amp überzeugt das Shure 545SD mit einer guten Balance aus Druck und Auflösung

Als Schallquelle für die Amp-Abnahme kommt ein Budda Superdrive 80 2×12 zum Einsatz, der Gitarrist Michael Krummheuer spielt darüber eine Patrick Eggle Berlin Plus Gitarre. Wir sind gespannt, wie sich der Urahn des meistverwendeten Gitarren-Amp-Mikrofons schlägt. Die Beurteilung fällt leichter als beim Drumset, weil der jeweilige Charakter der Mikrofone am Amp deutlicher zutage tritt. Dass das Shure 545SD eng verwandt ist mit dem 57er, kann es nicht verleugnen, aber schon im Clean-Betrieb zeigen sich Unterschiede. So liefert das 545SD durch die Höhenanhebung eine etwas räumlichere Abbildung des Gespielten und klingt insgesamt etwas detaillierter als das direktere SM57. Dies gilt auch für das Crunch-Signal, welches etwas glasiger und weniger „rotzig“ daher kommt als beim SM57. 

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Shure 545SD, Gitarre, clean Shure SM57, Gitarre, clean Shure 545SD, Gitarre, crunch Shure SM57, Gitarre, crunch Shure 545SD, Gitarre, High Gain Shure SM57, Gitarre, High Gain

Wie so häufig kann das SM57 im High Gain-Modus mit ordentlich Druck in den Mitten punkten aber auch das 545SD klingt nicht gerade dünn. Es addiert auch hier einen etwas „edleren“ Schimmer in den oberen Registern und lässt den Sound so räumlicher wirken. Von besser oder schlechter kann man sicherlich nicht sprechen, hier entscheidet allein der persönliche Geschmack und die Anwendung darüber, welches der beiden besser passt. 

Das Shure 545SD vor dem Gitarrenamp.
Das Shure 545SD vor dem Gitarrenamp.
Kommentieren
Profilbild von Daniel

Daniel sagt:

#1 - 30.05.2022 um 00:22 Uhr

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Ich habe eher den Bruder, das 565 SD, im Auge. Wobei beide ja im prinzip baugleich sind. Mir stellt sich aber eine Frage: Wenn ich das Mic auf hohe Impdeanz umstelle, kann ich es dann auch in ein Gitarrenpedal stöpseln und bekomme am Mixer trotzdem noch genug Signal für einen ordentlichen Live-Sound?

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Nick Mavridis sagt:

#2 - 30.05.2022 um 08:48 Uhr

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Hallo Daniel, der erste und der zweite Teil sind richtig: Das 565 und benutzt ebenfalls die Unidyne-III-Kapsel (https://www.bonedo.de/artikel/was-haben-diese-vier-shure-mikros-gemein-die-kapsel/) , der Unterschied ist ungefähr wie SM57/SM58. Und wenn Du die Impedanz umstellst, hast Du Level und Ausgangsimpedanz, um einen Gitarreneffekt ansteuern zu können. Dritter Teil: Du solltest von dort auf wieder Mikrofon-Signaleigenschaften kommen. Das geht mit einer DI-Box. Manche Mixer haben aber auch einen "Instrument-" oder "DI"-In, der dann verwendet werden kann. Die Zusammenhänge gibt es in diesem Artikel nachzulesen: https://www.bonedo.de/artikel/how-to-gitarrenpedale-im-mixdown-benutzen/ Viel Erfolg und Spaß Nick Mavridis (Redaktion Recording) Beste Grüße und viel Erfolg

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