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Rupert Neve Designs 5254 Test

Praxis

Grob oder fein – was darf es sein ?!


Auch die Units der Shelford Serie von Rupert Neve Designs sind – wie alle Portico-Geräte – grazil und zurückhaltend designt. Ganz im Gegensatz zum dem klobigen Design von AMS Neve – wobei ich zugeben muss, dass mir das mehr zusagt. Schließlich handelt es sich um Arbeitsgeräte und da will man flink zulangen. Man kann aber auch andersherum argumentieren und sagen, dass der Rupert Neve Designs 5254 auch klanglich sehr feingeistig ist und man ihn besser wie ein Pianist und nicht wie ein Thrash-Metaller bedient.

Warum ich so weit aushole? Ich hatte etwas anderes erwartet und ging in unserer Kennenlernphase durch ein kleines Wechselbad der Gefühle. Das Ding hier ist nix für akustische Proleten, wie ich doch aber gern mal einer bin. Man muss genauer hinhören und könnte meinen, dass der 5254 gar nicht viel macht. Tut er auch nicht, wenn man ihn auf das technische Komprimieren reduziert oder maximale Kontrolle mit unabhängigem Attack und Release gewohnt ist. Auf komplexem und dichtem Material empfand ich seinen einen Timing-Regler irgendwie sperrig, weil man den recht weit gestreuten Sweet Spot aus der Symbiose Ratio, Threshold und Timing förmlich nachlaufen muss. Ich musste viel herumprobieren und mir dann anderes Material besorgen, um meine Klangbeschreibung besser mit akustischen Beweisen zu unterfüttern.

Klang: Erhabenes Understatement


Der RND 5254 macht zweifellos alles edler – unscheinbar-zurückhaltend, aber gleichzeitig doch präsent mit den feinen Obertönen und frei von Nebengeräuschen. Das Teil macht das Signal rund, voll und bringt ordentlich Gewicht rein, besonders mit seinen strammen Bässen. Selbst wenn alle Files schon gute Aufnahmen in ihrer Ausgangslage waren, klangen sie ohne den Neve 5254 dann doch vergleichsweise leblos.

Audio Samples
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Flatpick J45 – DRY Flatpick J45 – 5:1, MedFast, LowTHD Blues Pick – DRY Blues Pick – 3:1, MedFast / Neve MBC 2,5 dB GR max Funky Fender – DRY Funky Fender – 6:1, Fast Clean Fender – DRY Clean Fender – 4:1, Medium Heavy OD – DRY Heavy OD – 2:1, Fast, LowTHD Fingerstyle Jazzbass – DRY Fingerstyle Jazzbass – 6:1, Medium Slap Jazzbass – DRY Slap Jazzbass – 2:1, Medium, LowTHD Bassel Song  – DRY Bassel Song – 3:1, Auto Ephiphone – DRY Ephiphone – UAD Ephiphone – 5254

Das knackige Pfund im Bass ist lecker, dabei aber nie aufdringlich oder gar so dick wie bei einem 1073. Gutem Material wird die kalt-digitale Schärfe genommen und es wird zu einer sämigen Griffigkeit geformt. Entschuldigt also bitte das Klischee, aber: Es geht einfach immer der Vorhang auf. Als würde man ein feines Tuch vom Speaker ziehen.
Bässe, Vocals, luftige Drums – aber insbesondere Gitarren (akustische wie elektrische) profitieren damit ungemein und bekommen den heiligen Feenstaub, welchen man sich in dieser Preisklasse zweifelsohne wünscht. Das UAD-Plugin war zwar schon gut, aber hat genau diese Magie im Vergleich dann doch nicht gehabt. Es fehlt zwar nicht viel, das geb ich zu, aber am Ende geht es genau um diese Millimeter. Weil man auf Grund der unterschiedlichen Parametrisierung jedoch nur schwierig ähnliche Regulierungen findet, habe ich mir den umfangreichen Vergleich gespart.

Audio Samples
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Stripped Rough Beat – Dry Stripped Rough Beat – 4:1 UltraFast Rough Beat – Dry Rough Beat – 6:1 MediumFast Nature Drums – Dry Nature Drums – Medium Nature Drums – Fast / 50% Parallel

Wenn man in einer Produktion jedes Teilsignal mit dem Neve 5254 beglückt, kann man anschließend durchaus ruhigen Gewissens in der Box mischen und trotzdem klingt es am Ende nach „Big Console“. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, insbesondere bei Einzelsignalen, man müsse nicht mal mehr den EQ bemühen, so gut hat alles gepasst. Hierbei war dann auch die Bedienung flink: Zwei, drei Mal dran gedreht und fertig! Technisch gesehen waren die Peaks dann nicht immer kleiner als im Ausgangsfile, sodass man es schon für sinnvoll erachten könnte, einen Limiter zu haben.
Aber halt, welch ein Zufall, den hab ich hier im Rack in Form meines ebenfalls recht jungen Rupert Neve Designs MBC zur Hand, einem sehr hochwertigen AD-Konverter mit Limiter. Mit dessen Hilfe könnte ich solch kleine Ausreißer stilecht wegbügeln oder einfach clippen lassen; wen interessiert das schon. In den Beispielen hab ich jedenfalls immer mein Apollo X16 zum Ausspielen und den MBC ohne Transformer und ohne Limiter zur Aufnahme genutzt. Nur in einem Beispiel hab ich tatsächlich den Limiter bei der Aufnahme eingesetzt, um das File anschließend in der Lautstärke besser matchen zu können. Das ist schon eine absolut traumhafte Kombination, wenn auch sicher nicht die günstigste, das gebe ich zu.

Meine "England"-Abteilung im Rack: RND 5254, RND MBC, Neve 1073 DPX und SSL Fusion.
Meine “England”-Abteilung im Rack: RND 5254, RND MBC, Neve 1073 DPX und SSL Fusion.
Audio Samples
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Vox – Dry Vox – Seriell: 2-1 MedSlow LowTHD / 8:1 UltraFast HighTHD Vox – Seriell: 8:1 UltraFast HighTHD / 2-1 MedSlow LowTHD Vox – Another Seriell

Bei den Vocals habe ich spaßeshalber beide Monokanäle in Reihe geschalten, wobei der erste dann langsam und tief arbeitete, der andere flink sowie in den Spitzen und dann auch noch mal in umgedrehter Reihenfolge. Bekanntlich geht ja alles und das Ohr entscheidet. Cool wäre ein eigener Umschalter dafür zwar schon gewesen, aber sei es drum, über die Patchbay ging es auch. Und am Ende verhält es sich mit solchen Wünschen ein wenig wie bei der Frage, ob an einen Porsche ein Flügel gehört oder nicht. Ein Gentleman würde wohl aber immer verneinen.

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