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Rane SL4 Test

DETAILS

RANE SL4 SERATO SCRATCH LIVE ist ein DJ-Paket bestehend aus dem Rane Audio-Interface SL4 und Serato Scratch Live 2.2 oder kurz SSL. Die Software ist an Rane-Hardware gebunden, läuft also nur mit einer kompatiblen USB-Box oder einem entsprechenden Mixer. Nachdem Kollege DJ Rick Ski vor kurzem bereits das SL-2 (Test hier) in den Fingern hatte, ist nun auch das SL-4 in der Redaktion eingetroffen. Anders als der Name es vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um ein 4-Kanal-Interface, sondern vielmehr um eine Box mit fünf Ein- und Ausgangspaaren, die vier externe Timecode-Zuspieler einbindet und einen weiteren I/O stellt. Dazu passend hat Serato auch gleich eine spezielle SL2/4 Fassung der Versionsnummer 2.2 bereitgestellt. Sie bringt nach eigenen Angaben primär Verbesserungen in Stabilität und Performance mit sich. Insgesamt wurden 250 Änderungen vorgenommen und eine erweiterte Controllerunterstützung implementiert. Besonders interessant für potenzielle Käufer könnte zum Beispiel auch die neue(!) ASIO/CORE-Unterstützung sein.  
Das Rane SL4 wendet sich an professionelle Deejays und Anwender mit gehobenem Anspruch und erhält eine unverbindliche Preisempfehlung von 1350 Euro. Verglichen mit Traktor Scratch Pro 2 (UVP 599 Euro), das nicht minder professionelle Eigenschaften für sich beansprucht, ist dies ein wahrlich stattlicher Betrag. Das SL4 kann jedoch ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal vorweisen, denn es ist zum aktuellen Zeitpunkt das einzige DJ-Interface mit einem Dual-USB-Port für DJ-Teams und nahtlose Wechsel. Ob das einen signifikanten Kaufanreiz ausmachen kann?  
Unboxing
Wenn man das SL4 zum ersten Mal in der Hand hat, scheint sich auf den ersten Blick gar nicht so viel getan zu haben: Schwarze Kiste, rot-weiße Aufdrucke, je eine Seite mit Ein- und Ausgängen bestückt. Stellt man jedoch das SL3 daneben, sieht man gleich, dass der Kandidat im Detail doch einige Veränderungen vorweisen kann. Zum einen ist er insgesamt etwas wuchtiger geraten als der Vorgänger. Zum anderen haben In- und Outputs nicht nur quantitativ zugelegt, sondern auch die Seiten gewechselt. Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt als gut einzustufen: Die Platine sitzt in einem dicken, robusten Metallpanzer, der nun eine aufgeraute Oberflächen-Struktur anstelle einer glatten zeigt. Die seitlichen Schrauben sind in einer Senke eingelassen, die Ecken abgerundet. Ranes neuestes Baby misst 18,4 x 12,6 x 4,3 Zentimeter – also etwa so viel wie ein Taschenbuch. Wie üblich bei Scratch-Paketen liegen alle Komponenten zur sofortigen Inbetriebnahme bei. Im Karton finde ich sage und schreibe acht Steuermedien (je vier Timecode-CDs und Vinyls). Dazu gesellt sich der erforderliche Kabelsatz nebst Netzteil und USB-Strippen sowie die Installations-CD, Aufkleber und Handbücher, die leider nur englischsprachige Antworten auf Fragen zur Installation und zum Einrichten der Hardware parat haben.  
Inputs
An der Vorderseite sehe ich insgesamt fünf Stereo-Cinch-Eingänge, die Beschriftungen sind übersichtlich durchnummeriert auf der Oberfläche angebracht. Vier dieser Inputs sind mit Entzerrer-Vorverstärkern für Plattenspieler ausgestattet, können aber auch Line-Pegel verarbeiten. Die Auswahl erfolgt direkt an der Hardware per Dip-Switch. Jedem Preamp-Kanal ist eine grüne LED zugeordnet. Sie leuchtet auf, wenn ein Signal direkt durchgeschleift wird. Das kann zum Beispiel eine Schallplatte sein, die nicht in digitaler Form vorliegt – oder eine der raren Break-Vinyls von Serato. Somit lässt sich das SL4 also als externer Phono-Vorverstärker nutzen. Die Through-Schaltung ist in der Software vorzunehmen. Kanal fünf hingegen (AUX) ist ein reiner Line-Weg, der für die Aufnahme und die Live-Feed-Funktion gedacht ist. Am Frontpanel findet sich zudem eine große Erdungsschraube, welche die Massekabel der Plattenspieler aufnimmt. Sollte ein Scratch-Battle mit zwei DJs und vier Tellern ausgetragen werden, fragt man sich vielleicht, warum nicht (wie am Vorgängermodell) wenigstens zwei GNDs verbaut wurden. Alle vier Kabelschuhe anzubringen kann nämlich, je nach Zustand der Enden und der DJs, eine Herausforderung darstellen. Schade. Ein Lob verdienen sich die Konstrukteure allerdings für die zweifache Aussparung zum Anbringen von Kensington Diebstahlschutz-Vorrichtungen. 

Fotostrecke: 2 Bilder Groß aber einsam…Erdungsschraube sucht bis zu vier Partner
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Das vordere Anschlussfeld findet seinen Abschluss in den beiden USB-Buchsen Typ-B für die Notebooks. Ranes Interfaces sind grundsätzlich mit galvanischer Trennung ausgestattet, die Computer-Störgeräuschen vorbeugt und somit ein möglichst klares Ein- und Ausgangsignal erzielt. Der Frequenzbereich des SL4 liegt laut Herstellerangaben bei 20 Hz-20 kHz, der Klirrfaktor bei 0,007% (1 kHz), die maximale Ausgangs-/Eingangsleistung bei rund 11,8 dBu. Der Dynamikumfang der D/A- Wandler ist mit 104,5 dB angegeben. Bei den A/D Wandlern nennt der Hersteller 103 dB.

Das Frontpanel des SL4
Das Frontpanel des SL4

Outputs
Das Backpanel zeigt vier Stereo-Cinch Audioausgänge für die Software-Decks sowie einen Aux-Out, der in erster Linie für den Sampleplayer SP6 gedacht ist. Die Samplerate während des Betriebes bestimmt ein Schalter (48 oder 96 kHz). Letztlich findet sich hier noch der Anschluss für das externe 7,5-Volt-Netzteil. Die Spannungsversorgung kann sowohl per USB-Power als auch mit dem Netzteil erfolgen. Aus Stabilitätsgründen ist eine externe Stromzufuhr vorzuziehen, gerade auch bei Verwendung der Phono-Preamps. Und zwar nicht nur, um die Investition von 60 Euro zu rechtfertigen (so viel würde das RS6 Netzteil (7,5 V/ 1060 mA) nämlich kosten, wenn der DJ es einzeln bestellen würde), sondern auch aus einem anderen Grund, den Ihr an späterer Stelle noch erfahren werdet.

Das Backpanel von SL4
Das Backpanel von SL4

Scratch Live
Scratch Live erblickte im Jahr 2004 das Licht der Welt. Damals noch eher als reine Vinyl-Emulation ausgeführt, hat es im Laufe der Jahre einige weitere Entwicklungsschritte in Sachen Performance gemacht. Ferner implementierten die Entwickler aber auch interessante Plug-ins, wie den Sampleplayer SP6, VIDEO-SL, das SL3-AUX-Deck, DJ-FX und im letzten Jahr „The bridge“ zum Datenaustausch mit Ableton Live. Nun hält der Vier-bis-Fünf-Deck-Betrieb, auch für zwei Recken, Einzug ins Programm. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Softwareupdates für Scratch Live-User grundsätzlich kostenlos sind. Leider ist es aber manchmal so, dass neue Funktionen (für SL3 – Aux-Deck, mit SL4 der Quad-Betrieb) ein neues Interface einfordern. Und das ist dann definitiv nicht kostenlos.

Fotostrecke: 3 Bilder Einstiegsdroge Rane SL2 mit einer UVP von 599 Euro und zwei Decks
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Die Software selbst ist in zwei Hauptbereiche untergliedert. Die untere Screenhälfte ist der Musikbibliothek vorbehalten. Sie ist mit Funktionen ausgestattet, die einem das DJ-Leben erleichtern. Zunächst sind hier die virtuellen Plattenkisten (Crates) zu nennen, welche sich anhand nützlicher Kriterien gliedern und sortieren lassen – wahlweise als Listen oder mit Cover-Art als Vorschau. Auch die Integration der iTunes-Daten ist als gelungen zu bezeichnen, bildet sie doch den Verzeichnisbaum mit Playlisten und verschachtelten Ordnerstrukturen ab. Wobei in diesem Fall sowohl der Gesamtinhalt des Verzeichnisses als auch die einzelnen enthaltenen Listen separat einzusehen sind. In großen Datenmengen hilft eine inkrementelle Suchfunktion, bereits beim Eintippen irrelevante Daten herauszufiltern. Schnell ist das gewünschte Musikstück gefunden. Obendrein bietet Scratch Live intelligente Crates – also Playlisten, die sich selbst mit Titeln anhand vorgegebener Kennwerte (Genre, Erscheinungsjahr, etc.) befüllen. Schön.  
Im oberen Teil befinden sich die Software-Player mit den Indikatoren, Informationen zum Musikstück, optionalem Artwork, den BPM- und Zeitanzeigen sowie den Transienten-Bändern und den clickbaren Wellenformübersichten. In den Decksektionen sind gleichfalls die Status- und Bedienelemente für Loops, Rolls, Cues und Co untergebracht. Insgesamt stehen vier unterschiedliche Ansichten zur Verfügung, zum Beispiel der praktische Stapelmodus (Stack-View). Sollte der DJ ein Plug-in aktivieren, platziert sich dieses zwischen der Library und den virtuellen Playern.

Software-Tuning
Im Setup-Panel befinden sich zahlreiche Reiter, die nicht nur beim Einmessen der Timecodes behilflich sind, sondern obendrein individuelle Einstellungen wichtiger Umgebungsvariablen ermöglichen. So zum Beispiel in den Punkten USB-Buffer, Bit-Tiefe beim Recording oder Schwellwert beim Auto-Gain, sowie Playback-, Library- und Vinylverhalten, um nur einige zu nennen. Wer detailliertere Informationen zur Software SSL 2.x und ihren Komponenten erfahren will, den möchte ich an dieser Stelle auf den gesonderten SSL2-Testbericht verweisen (Test hier).
ASIO/CORE
Rane/Serato fassen sich ein Herz und statten ihre neuen Audio-Interfaces bereits zu Beginn der Auslieferung mit ASIO und CORE-Treibern aus. Der User kann seine USB-Box nun endlich auch mit alternativer Software, wie Ableton, Cubase oder einer anderen DJ-Applikation einsetzen. Sollten unterschiedliche Programme (zum Beispiel Live und VDJ) auf die Hardware zugreifen wollen, ist dies mit dem Multi-Client-Modus zunächst kein Problem. Doch wer nun denkt, er könne eine Performance mit Traktor Pro und Scratch Live über das SL4 absolvieren, der hat seine Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Wirt – in diesem Fall das SL4 und somit Scratch Live, deaktiviert das Multi-Feature nämlich direkt nach dem Programmstart. Das ist auch nachzuvollziehen, denn der potenzielle Zugriff auf sämtliche vier SSL-Decks und Aux-Weg wäre sonst nicht möglich.

Fotostrecke: 2 Bilder Das Windows SL4 ASIO-Panel
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MIDI
Von Haus aus bringt Scratch Live werkseitige Unterstützung für die nachfolgend aufgelisteten MIDI-Controller mit, die es ohne zusätzliche Konfiguration durch den Anwender einbindet: Denon DN-HC1000S, Denon DN-HC4500, Denon DN-HD2500, Novation Dicer, Numark DMC2, Numark iCDX, Pioneer CDJ-400/900/2000, Pioneer MEP-7000/SEP-C1 und Vestax VFX-1.
Weitere Kommandozentralen kommen über eine MIDI Learn-Funktion ins Spiel, die sehr einsteigerfreundlich konzipiert ist: MIDI-Button aktivieren, in der Software-Oberfläche die Funktion auswählen (zum Beispiel auf den Loop-In-Button klicken), den gewünschten Taster an der Hardware betätigen, fertig. Zusätzlich werden einige Befehle über ein gesondertes Panel bereitgestellt. Einfach, aber dementsprechend weit entfernt von der Komplexität eines Traktor Scratch Pro. Jedem Tierchen sein Pläsierchen – schön, wenn man als DJ die Auswahl hat.

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