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Pioneer DJ XDJ-XZ Test

Praxis

Eins ist klar: Steht man als Pioneer-User der Flaggschiff-Serien bzw. neuerer Gerätschaften erstmalig am XZ, gleicht das einem Heimspiel. Super Look & Feel. Newbies dürften nach kurzer Eingewöhnungszeit und einem Blick ins Handbuch ebenfalls gut zurechtkommen.
Zu den Externa: 2x Phono, 2x Line, 1x Aux-In: Das ermöglicht euch, vom Plattenspieler über den zusätzlichen und je nach Modell verlinkbaren CDJ/XDJ bis hin zu einem weiteren Device allerhand Gear anzuschließen.
Für den Aux-Input darf die Eingangsverstärkung angehoben werden, was sich empfiehlt, wenn man beispielsweise mit einem Smartphone mit Spotify-Mucke arbeiten möchte. Hier ließe sich natürlich auch ein DJS-1000 als Sample-Schleuder andocken bzw. das Return-Signal einspeisen, das ihr via Send-Out mit dem ausgewählten Beat-FX-Kanal füttert oder was auch immer ihr bevorzugt.
Der Mixer kommt mit einem musikalischen Boost von 6 dB daher, der Cut reicht von -26 bis Kill, je nach Vorauswahl. Der Crossfader ist butterweich, die Pots lassen sich gut drehen. Die Channelfader- und CF-Curves müssen jedoch wie gesagt in der Software umgeschaltet werden.
Der Sound des XZ ist transparent und druckvoll, der Kopfhörerausgang klar und laut. Moderatoren, Wedding/Event-DJs, Rapper und sangeskundige Naturen bekommen für die beiden rückseitig anschließbaren Mikrofone je einen eigenen, zuschaltbaren Signalpfad mit 12 dB Dreiband-EQ ( Hi@10 kHz, MID@2,5 kHz, LOW@100 Hz) und Gain-Regelung nebst CLIP-LED angeboten.
Die via Menü konfigurierbare Talkover-Funktion leistet gute Dienste, siehe dazu auch Audiobeispiele. Der zweifach schaltbare Feedback-Reducer hilft euch, potenzielle Rückkopplungen je nach Umgebung Light oder Heavy zu unterdrücken. Wie gehabt könnt ihr zudem Output-Level, Dämpfungen, Mikrofonausgabe und zahlreiche sonstige Einstellungen für den XDJ vornehmen. Der Utility/Setup-Mode ist ein Mekka für Individualisten.

Toller Sound, Look & Feel
Toller Sound, Look & Feel

Auf der gegenüberliegenden Seite erlaubt ein Master-EQ die klangliche Abstimmung des Summensignals über drei Bänder mit -26 / +12 dB. Sehr gut, um sich auf das Event einzuschießen. Das Pegelmeter zählt 12 Schritte von -24 dB bis +15 dB plus Clip LED. Schade, dass es hier keinen Balance-Regler gibt, der im Zusammenspiel mit Vinyl beispielsweise durchaus manchmal gute Dienste leisten kann. Die Booth-Regelung findet sich direkt daneben ein und kann auch vom Master-EQ profitieren. Kommt euch die Aufteilung etwas bekannt vor? Der Prime 4 lässt grüßen. Allerdings hat der XDJ-XZ keinen dedizierten Zone-Output anzubieten. Er hat aber auch keine vier USB-Player-Decks. Was es allerdings gibt, ist eine Auto-Play-Funktion. Liste auswählen, Auto-Play einschalten, Erfrischungsgetränk holen.
Was die Effektkiste angeht, können „analoge“ wie digitale DJs aus dem Vollen schöpfen: 14 Beat-FX und 6 Sound-Color-Effekte sind an Bord, das deckt sich mit dem DJM-900NXS2-Mischpult, wobei die Beat-FX frei via Timing-Drehregler, über Tasten oder via Taktraster (X-Pad) getaktet werden können (siehe auch DJM-900NXS2-Test). Sie lassen sich den Kanälen, CF-Seiten, Master und Mikrofonen (hier sogar beiden Mikrofonen) zuweisen.
Die Kanaleffekte sind anwenderfreundlich parametrisiert, wer die Charakteristik noch etwas abändern möchte, nutzt den Parameterregler dafür. Mit den Beat-FX hat man gleich noch eine zweite Armada am Start, die klanglich überzeugt. Was will man mehr? 

Fotostrecke: 3 Bilder Master EQ am XDJ-XZ
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Audio Samples
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Color FX 1 Color FX 2 Beat FX on Freq Beat FX

USB-Mediaplayer

CDJ-like kann Musik auch vom USB-Stick abgespielt werden (auch mit erwähnter Auto-Play-Funktion), SSD-Laufwerke wurden im Test ebenfalls unterstützt. Die möglichen Dateiformate sind (MP3, AAC und dazu Wave und AIFF bis 48 kHz/24 Bit, kein Hi-Res, kein FLAC).
Und obwohl hier vier Kanäle „drauf stehen“, können nur die beiden letztgenannten Kanäle vom USB-Stick bespielt werden. Schade. Zwar lässt sich auch Musik ohne vorzeitige rekordbox Analyse abspielen (Stichwort: Ich hab hier mal ’nen Track mitgebracht, kannst du …), aber die volle Palette an Features und Vorzügen gibt’s nur via zuvorigem RB-Export Mode auf den Stick geschrieben, sind erst einmal die Musikalien auf dem Rechneranalysiert, Playlisten gebaut, Titel getaggt und Cue-Punkte sowie Hotcues vergeben. Seit Jahren ein etabliertes Verfahren bei Pioneer und komfortabel.
Am Gerät selbst geht das Einlesen der bereits analysierten Tracks vom USB-Stick und von der SSD recht flott und die Navigation via Push-Encoder, Touchscreen und der Heerschar an Tasten in der Nähe des Displays ist straight-forward und schnell verinnerlicht.  
Der 7-Zoll-Touchscreen ist auf einen guten Meter Abstand adäquat ablesbar und er zeigt euch beim Browsen eure Playlisten und acht Zeilen Tracks an – eigentlich genug, wie ich finde. Im Player-Modus seht ihr dort detaillierte Informationen zu den Decks und den Beat-FX, darunter Wiedergabeposition, die Tonart, BPM und Pitch-Wert, Quantisierung und Sync-Status Effekte, Name, Kanal, Tempo und Timing und Hotcues et cetera. Unterstützend wirkt hier auch das Jog-Display. In der Track-Preview lässt sich mit dem Finger auf Wunsch grob spulen.

Fotostrecke: 4 Bilder Der 7-Zoll-Touchscreen ist auf einen guten Meter Abstand adäquat ablesbar
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Rekordbox

Hier können vier Decks auf vier Kanälen genutzt werden, wobei die Kanäle mit Phono-Eingängen auch DVS akzeptieren (das entsprechende „Plug-in“ kostet 99 Euro). Das Audiointerface arbeitet mit 44,1 kHz und 24 Bit. Ein Wermutstropfen: Pioneer hat – sicherlich auch wegen der nur zwei USB-Player – keinen Deck-Switch in den Player-Sektionen verbaut. Die Decks müssen via Shortcut-Menü und Touchscreen umgeschaltet werden. Kann man so machen, aber intuitiv ist es nicht.
Klasse auch: Ihr könnt die rekordbox dj Features in Kombination mit den Hardware FX nutzen, dabei auf freikonfigurierbare Performance-Pads zugreifen, Samples abfeuern etc. Hinsichtlich der Performance-Modi weicht die Belegung der über das GUI konfigurierbaren Pads vom Standalone-Modus ab. Einher geht, dass ihr einen weiteren Layer nutzen könnt.
Hierfür möchte ich euch auch den Test des DDJ-1000 empfehlen, der sich detailliert mit den vielen Software-Features von rekordbox dj auseinandersetzt und unseren Crashkurs. Ihr müsst euch allerdings entscheiden, ob ihr rbdj oder USB spielt, ein Mixed-Betrieb ist nicht sinnvoll möglich.

Mobile Device

Musik auf dem Smartphone lässt sich durch eine direkte Verbindung über einen der beiden oberseitigen USB-Ports in den Mix integrieren. Im Test gelang das mit der iPhone-App rekordbox ohne Probleme: Automatisch erkannt, Musikzugriff kein Problem, Browsing und Waveforms – alles da und man kann von beiden Geräten aus Musik aus seiner Sammlung in die Decks befördern und das visuelle Status-Update erfolgt innerhalb von 2-3 Sekunden. Etwas seltsam allerdings: Obwohl ich am Smartphone RGB statt blau eingestellt hatte, waren auf dem XDJ blaue Waveforms zugegen. Eine Ablagevorrichtung fürs Smartphone hätte mir auch gut gefallen.

Fotostrecke: 2 Bilder Touchscreen des XDJ-XZ
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Serato

Damit wären wir nun fast am Ende angelangt, doch zuvor sollte noch erwähnt werden, dass es Anfang 2020 noch ein Firmware-Update geben wird, das den XDJ-XZ Serato-kompatibel macht. Hier dürfte die Controller-Funktionalität Einzug halten und mitunter auch eine DVS-Option. Das dürfte vielerorts Anklang finden.
Mein persönlicher Hauptknackpunkt am XDJ-XZ sind die Einschränkungen für die Player und Inputs am Kanal 1 und 2, selbst wenn mancher Leser oder Nutzer dies mitunter als „einsteigefreundlich“ werten könnte/möchte und anzuführen gedenkt, dass ja zwei zusätzliche CDJs/XDJs via Link den 4 Deck Sync-Reigen bringen können. Oder kommt mitunter noch eine 3000-Euro-Plus-Version, die dann alles erlaubt? Das könnte dann mitunter andere nötige Upgrades nach sich ziehen, wie eine verbesserte CPU-Leistung und ein größeres Display für 4 Decks. Nichtsdestotrotz ist der Pioneer die flexibelste und umfangreichste Komplett-Mixstation des Herstellers und legt die Messlatte für All-In-One-Lösungen im Rekordbox-Kosmos ein Stück höher. Die Konkurrenz schläft allerdings nicht. Dazu möchte ich euch diesen Kaufberater ans Herz legen.

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