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Novation Launchpad für iOS Test

Praxis

Sound

Die Launchpad-App klingt richtig gut. So ist das bereits beim Download inbegriffene „House“ Sample-Pack mit einem guten Mix aus genretypischen und moderneren Instrumenten bestückt. Neben klassischen 909-Rides stehen auch karibisches Flair verbreitende Steel-Drums oder scharfe Bass-Leads zur Auswahl, getreu dem allseits beliebten Radio-Motto: Die Hits von früher und das Beste von heute.
Aber auch die anderen Pakete sind mit Sachverstand zusammengestellt. Man hört zwar eindeutige Präferenzen der Ersteller heraus (so fehlen beispielsweise bei „Hip-Hop“ aggressivere Sounds), insgesamt sind die Genres aber sehr stimmig bedient. Es ist schon wirklich ein positiver Wahnsinn, welche Stile Novation dort bedient, von manchen wird man nicht einmal gehört haben.
Von „Glitch Motions“ über „Future RnB“ bis hin zu „Vaporwave“ findet hier so gut wie jeder Topf einen passenden Deckel. Einzelne Künstler-Kollaborationen mit quasi in die Einzelbestandteile zerlegten und damit leicht remixbaren Tracks runden die Auswahl noch zusätzlich ab. Die Pakete gehen für 1,99 Euro über die virtuelle Ladentheke. Vereinzelt tauchen diese, wie beispielsweise „Glitchstep“, aber auch kostenlos auf.

Der Content-Store mit wahnsinnig guter Auswahl.
Der Content-Store mit wahnsinnig guter Auswahl.
Audio Samples
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Hip-Hop Sample Pack House Sample Pack Breaks Sample Pack

Workflow

Durch die Reduzierung auf die für das Abfeuern der Sample-Batterien wichtigen Features läuft die Bedienung der Launchpad-App sehr flüssig. Acht Spuren sind genug, um auch komplexere (Remix-)Tracks im Handumdrehen zu erstellen. Die den verschiedenen Kategorien per Tags zugeordneten Farben erleichtern die Orientierung auch in brenzligen Situationen, beispielsweise sind Drums in Grün und Bässe in Blau gehalten. Der Button, um in das Hauptmenü zu gelangen, ändert während der Wiedergabe seine Funktion und wird zum generellen Stop-Taster, der alle laufenden Clips gleichzeitig beendet. Was leider wirklich stört: Auf dem iPhone gibt es keinen Mixer.
Die einzelnen Samples lassen sich zwar separat in der Lautstärke einstellen, das alleine ist im Live-Kontext allerdings völlig unbrauchbar. So bleiben auf dem Smartphone einzig die fünf Effekte und diverse FX-Samples als Werkzeuge, um Spannung zu erzeugen. Das können vergleichbare Apps deutlich besser – schade. Insgesamt klingen die Effekte aber gut.

Audio Samples
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Delay Filter Gater Stopper Stutter

iPad Zusatzfunktionen

Das iPad hat ein paar Features mehr zu bieten als die iPhone-Variante. Zunächst fällt auf, dass die Pads neben den auch auf dem Smartphone vorhandenen Bezeichnungen wie „Bass“, „Drums“ oder „Percussion“ noch eine weitere Zeile Informationen verpasst bekommen haben, bspw. „Drums Deep Kick“ oder „Bass Nite Ryder“. Das ist praktisch, um seine Sounds besser zu unterscheiden.
Die Matrix hat noch weitere Auswahl-Panels, um FX- oder Volume-Fader sowie die Effekt-Sektion hinzuzuschalten. Zusätzlich zur Pad-Editing-Abteilung des kleinen Bruders bietet die „größere“ Version noch die FX-Edit-Sektion. Diese lässt dann die genannten Effekte tiefgreifender bearbeiten. So kann dem Delay mittels „Character“ ein Filter mit Resonanz hinzugefügt, ein LFO spendiert oder ein Preset verpasst werden. Der Performance-Mode löst einigermaßen das Problem der die Matrix verdeckenden Effekte der iPhone-Version. Diese hinzu schaltbare Oberfläche bedeckt dann nur die untersten zwei Reihen und lässt sich noch um die Editing-Parameter bereichern.

Fotostrecke: 4 Bilder Die iPad-Version bietet mehr Features …
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Auf dem iPad muss man die Funktion, um die Effekte bearbeiten zu können, jedoch pro Einheit einzeln kaufen. Alle sechs zusammen würden dann 18,94 Euro kosten – das finde ich schon einen satten Betrag. Man könnte zwar argumentieren, dass man nicht benötigte Funktionen im Paket so nicht mitkaufen muss, dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack. Zumal die Möglichkeit, eigenes Audiomaterial zu importieren und zu bearbeiten noch mal weitere 6,99 Euro kostet. Hinzu kommen 2,99 Euro für den MIDI-Sync-Output. Um die Launchpad-App also im vollen Umfang mit allen Features nutzen zu können, sind insgesamt 28,92 Euro zu investieren.

Fotostrecke: 3 Bilder Die erweiterte Kontrolle über die Effekte muss einzeln erworben werden.
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Sample-Import

Samples entnimmt man, wie bereits beschrieben, den kostenlosen oder gekauften Sample-Packs. Über die kostenpflichtige Audio-Import-Funktion ist dann auch das Einpflegen eigener Sounds möglich. Doch nach dem Kauf folgt schnell Ernüchterung, denn lediglich AudioCopy und iCloud Drive (auf dem iPad auch Dropbox und AirDrop) stehen als Quellen zur Verfügung. Und weiter: Samples lassen sich bis auf die Lautstärke und Vergabe eines Tags (Bass, Melodic etc.) in keinem einzigen weiteren Parameter bearbeiten. Das ist natürlich viel zu wenig. Klar kann ich jetzt mittels AudioCopy und externen iOS-Apps oder über Ableton Live meine Samples schon perfekt für die Nutzung in der App herrichten und Launchpad als reine Clip-Batterie gebrauchen. Aber das ist für eine Sample-App dieser Art zu mager.
Die Nutzung und der Zugang zu eigenen Samples müsste bedeutend direkter und komplexer sein, um die Intention der App (Remixen) auch wirklich nutzen zu können. Wenn ich innerhalb der Launchpad-App merke, dass mein eigener Sound zu lange klingt und mit anderen Instrumenten kollidiert, ist das nicht mal eben am Decay geregelt. Der Umweg über externe Anwendungen unterbricht mich in meinem Workflow und reißt mich ständig aus dem Fokus. Dass es auch anders geht, beweist die Konkurrenz, die in diesem Bereich schon bedeutend mehr vorzuweisen hat: Spotify-Implementierung, In-App-Recording, ADSR-Hüllkurven und Effekt-Busse im Editor – alles möglich, selbst auf dem iPhone und noch dazu gratis.
Workaround: Nicht auf dem ersten Blick ersichtlich, gibt es eine externe Lösung der Sample-Editing Problematik in Form der Anwendung Blocs Wave. Novation lagert das Bearbeiten und Aufnehmen von Audiomaterial somit in eine andere App aus, auch das Teilen einer gemeinsamen Library ist möglich. Weitere Infos gibt es auf der Blocs Wave Website, unser App-Test folgt in Kürze, dann gehen wir näher auf das Zusammenspiel ein.

Fotostrecke: 2 Bilder Sample-Editing ist kaum möglich.
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MIDI

Die Möglichkeit, MIDI-Controller für die Steuerung der Launchpad-App zu nutzen, ist nur auf dem iPad gegeben. Mit „MIDI Sync Output“ aktiviert, erkennt die Anwendung externe, per Adapter angeschlossene Geräte und verbindet sie mit den entsprechenden Pads. Hier bietet sich natürlich Novations eigene Hardware besonders an, so sind „Launchpad Pro“, „Launchpad MKII“ oder „Launchpad Mini“ ideal, um Clips oder FX abzufeuern. „Launchcontrol“ sowie „Launchcontrol XL“ eignen sich hingegen besser für die Fader der Effekte bzw. des Mixers. Auch Hardware von fremden Herstellern lässt sich einbinden, ebenso externe Apps auf dem gleichen iOS-Gerät.
Die Nutzung eines solchen Controllers ist sinnvoll, Einschränkungen können damit umgangen werden, da beispielsweise die Potis eines Launchcontrols genug Auskunft über den Status der FX-Sektion geben und man nicht gezwungen ist, die Clip-View zu verlassen. Mit MIDI-Controller ist Novations Remix-Sampler dann durchaus auch professionell im Rahmen eines Live-Sets einsetzbar und auch im Studio macht der leichte Zugang zur App auch in Hinblick auf Ableton Link Sinn.

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