Ein Anruf von einer Band, die dringend einen Ersatz für die erkrankte Sängerin für das Wochenende braucht, kann einem die ganze restliche Woche auf den Kopf stellen.

Wie um Himmels Willen soll man sich in drei Tagen ein Programm von 20-30 Stücken draufpacken? Ich selbst habe genau diese Erfahrung gemacht, sogar mehrmals. Und ja – es geht tatsächlich! Vielleicht merkt man sich nicht jede Textzeile, aber man darf auch mal heimlich Wörter oder Sätze wiederholen. Merkt keiner! Nichtsdestotrotz gehören die nächsten 72 Stunden ganz allein den neuen Songs, die man lernen soll. Doch wo fängt man an? Gibt es eine effektive Methode Songs schnell zu lernen? Wir klären diese Frage und haben eine Checkliste für alle weiteren Dinge, um die man sich kümmern sollte, wenn man den Job zugesagt hat.
1. Was erwartet die Band von mir?Es wird einen guten Grund geben, weshalb die Band dich gefragt hat. Wahrscheinlich hat dich jemand empfohlen, der dich als Sänger/in schätzt. Eine Showband erwartet jedoch mehr als eine gute Stimme. Zum Beispiel, dass du die Band gut “verkaufst”. Das Publikum soll mitgerissen werden und der Veranstalter soll am Ende glücklich sein und die Band wieder buchen. All das hängt zu einem großen Teil von deiner Bühnenpräsenz ab. Man möchte sehen, dass die Frontsänger/innen 100 % geben.
Wenn du schon öfter mit der Band gespielt hast und mit der Art der Veranstaltungen vertraut bist, kannst du dich voll und ganz auf die Musik konzentrieren und musst dir um andere Dinge keine Gedanken machen. Es kommt aber auch vor, dass man mit einer komplett neuen Situation konfrontiert wird. Deshalb solltest du vorweg ein paar wichtige Punkte geklärt haben.
Checkliste:
- Wie lange geht der Job? (von wann bis wann ist Showtime?)
- Wann ist der Soundcheck?
- Wo findet der Auftritt statt?
- Wie komme ich dort hin?
- Gibt es eine Fahrtkostenerstattung?
- Gibt es eine Hotelübernachtung?
- Wie viele Sets werden gespielt?
- Wie viele Songs singe ich alleine und wie viele nur im Background?
- Gibt es noch eine/n andere/n Sänger/in, mit dem/der man sich das Programm teilt?
- Gibt es Aufnahmen oder Noten von den Songs bzw. Arrangements der Band?
- Was für eine Art von Veranstaltung ist das? (elegante Firmenveranstaltung, Stadtfest etc.)
- Wie ist die Bühnensituation? (Ebenerdig im Foyer oder große Bühne im Festsaal? Innen oder Open Air?)
- Wie ist der Dress Code?
- Wie hoch ist die Gage? (Falls du umsatzsteuerpflichtig bist, kläre das gleich!)
- Gibt es Catering? Können spezielle Wünsche erfüllt werden? (Vegan oder vegetarisch)
- Gibt es eine Garderobe mit Spiegel für dich alleine oder musst du dir die Garderobe mit den anderen teilen? (Es sollte eine separate für die Damen geben!)
- Gibt es eine PA mit Monitoren?
- Gibt es ein Mikrofon-Stativ? Um beim Singen auch tanzen zu können, empfiehlt es sich, einen Galgenständer anzufragen.
- Welche Mikrofone stehen zur Verfügung? Am Besten wäre es, du bringst dein eigenes mit.
2. Wie bereite ich mich am besten vor?Sortiere die Songs zunächst nach Schwierigkeitsgrad. Die schwierigeren Stücke nimmst du dir zuerst vor. Die Songs, die du schon etwas besser kennst, kommen im Stapel nach hinten.
Drucke die Texte so aus, dass du sie gut lesen kannst und genug Platz hast, um darauf Notizen zu machen. Manchmal ergeben sich 3-4 Seiten pro Song. Klebe sie so zusammen, dass du sie aufklappen kannst.
Diese Vorbereitung ist vielleicht etwas aufwendig, aber sehr nützlich, weil man tatsächlich schneller und effektiver lernen kann. Verschaffe dir erst einen Überblick über den Aufbau des Songs. Wie viele Strophen und Refrains gibt es? Gibt es ein Interlude/Zwischenspiel? Wo kommen Backings vor? Markiere die einzelnen Parts deutlich, am besten in verschiedenen Farben. Formatiere die einzelnen Formteile (Intro, Strophe, Refrain, Interlude, Outro etc.) in Blöcken. So verschaffst du dir eine bessere Übersicht über den Verlauf des Stückes.
Mithilfe von Zeichen kannst du besondere Stellen markieren. Male zum Beispiel einen kleinen Pfeil über eine tonal aufsteigende Silbe, wenn die Melodie an einer Stelle im letzten Refrain nach oben statt nach unten geht. Oder man zeichnet sich als Orientierung einen langen Strich für einen langen Ton am Ende. Mit Vibrato in der Stimme wird daraus eine Welle. Kurze, perkussive Silben werden mit Punkten über den Silben gekennzeichnet. Lange Töne mit kurzen Strichen. Man kann, wenn man Noten lesen und schreiben kann, auch kleine rhythmische Noten über besonders komplizierte Textzeilen schreiben.
Wenn du diese Vorarbeit gemacht hast, dann fang an, die Songs mit dem Original mitzusingen. Um die kleinen Phrasierungen besser ins Ohr zu bekommen ,hilft es manchmal, nur Mundbewegungen zu machen ohne mitzusingen. Nach ein paar dieser “Trockenübungen” gelingen schwierige Passagen besser.
Nimm dir einen Song nach dem anderen vor. Zwei bis drei Durchgänge pro Titel, dann kommt der nächste. Wenn du mit allen Songs durch bist, fängst du wieder von vorne an. Nach und nach guckst du immer weniger auf deine Texte. Solange bis du sie fast gar nicht mehr brauchst.
Tipp: Um sich wirklich frei zu machen, tanze ich oder gehe beim Singen durch den Raum und stelle mir vor, ich befände mich auf der Bühne vor einem Publikum.
Bei sehr kurzfristigen Anfragen gibt es meistens keine Proben. Man muss sich also selbst so gut vorbereiten, dass man mit den Songs sicher ist. Oft wird aber der Soundcheck genutzt, um ein paar Songs anzuspielen und speziell arrangierte Teile zu proben.

























