Mein Weg zum Custom Bass (Leser-Erfahrungsbericht)

Fabian „Fabs“ Watermann aus Hannover ist nicht nur ein begeisterter bonedo-Leser, sondern auch Bassist mit Leib und Seele. Kürzlich schickte uns “Fabs” diesen spannenden Leserbrief zum Thema „Custom Bass“, den wir euch nicht vorenthalten möchten. Durch Zufall stieß Fabian beim Surfen auf einen ihm unbekannten Basshersteller aus Oberfranken: Nagel Guitars. Den interessanten Weg zu seinem eigenen Custom Bass dokumentierte er mit zahlreichen Bildern und interessanten Schilderungen. Doch lest selbst – wir wünschen euch viel Spaß bei der Lektüre!

Fabian Fabs Watermann Nagel Custom Bass
Verrückt nach “Bass”: Fabian „Fabs“ Watermann schilderte uns den langen Weg zum eigenen Custom Bass.
(Alle Bilder zur Verfügung gestellt von Fabian Watermann)

Custom Bass: Manchmal kommt es anders, als man denkt …

Viele Musiker werden sie kennen, die Suche nach dem perfekten Instrument! Es ist ja nicht so, als hätte man nicht schon eine gewisse Auswahl an Instrumenten-Schätzchen zu Hause herumstehen oder an der Wand hängen. Und dennoch geht der Blick immer wieder nach rechts und links: Gibt es da nicht doch noch etwas Anderes, etwas „Bässeres“? Das Internet und speziell Social Media ist bekanntlich voll von entsprechenden Memes zum Thema “Gear Acquisition Syndrome” (kurz: “GAS”), und irgendwie ist da ja auch etwas Wahres dran.

Tatsächlich stöberte ich an diesem speziellen Tag nicht – wie sonst regelmäßig – durch die neuesten Erscheinungen bei Thomann oder auf dem Gebrauchtmarkt. Stattdessen stieß mir beim Scrollen auf Facebook ein ganz spezieller E-Bass ins Auge, und ich verliebte mich augenblicklich in die Form und die Farbe eines schicken azurblauen Precision/J-Basses.

Der Name „Nagel Guitars“ war mir bis zu diesem Tag noch kein Begriff und es gab auch nur wenige weitere Bilder. Also folgte ich der Facebook-Seite des Unternehmens voller Erwartung, was da noch kommen möge.

Nagel Custom Bass
Fotostrecke: 4 Bilder Durch diese Produktbilder auf Facebook …

Einige Likes später bekam ich eine Nachricht des Bassbauers Klaus Nagel aus der Nähe von Bamberg, einer Hochburg der Instrumenten-Hersteller und Musikalien-Vertriebe (Thomann, Meinl, Pyramid etc.). Wir kamen ins Gespräch und ein paar Wochen später machte ich mich Ende Februar 2025 neugierig auf den Weg, um dem oberfränkischen Gitarrenbauer einen Besuch abzustatten.

Im Wohnzimmer empfingen mich bereits die ersten Modelle aus seiner kleinen Werkstatt im Hof. So dauerte es nur eine Tasse Kaffee und ein paar wenige Krapfen, bis ich tatsächlich den blauen PJ-4-Saiter in der Hand hielt. Man konnte förmlich spüren, wie sich die Vibrationen vom handgefertigtem Hals bis in die letzte Ecke vom Tee-Service erstreckten.

Neben den verschiedenen bekannten Pickup-Bestückungen stand ebenfalls ein P-Bass mit 3 Split-Coils und einem Single-Coil bestückt. Auffällig waren hier nicht nur die vielfältigen Schaltmöglichkeiten, sondern auch das handgeschnitzte obere Horn in Drachenkopf-Optik – irre!

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Wie entsteht ein Custom Bass?

Nach einigem Testen war klar: Für die nächste Tour mit meiner Band Mad Max musste ein Nagel Classic 5 von Nagel Guitars angeschafft werden. Somit gingen wir bei einem gemeinsamen Abendessen in einer hervorragenden fränkischen Wirtschaft direkt zur Planung über. Ich wollte – wie zu der Zeit gerade von mit favorisiert – einen Stingray-artigen Sound mit knurrigen Tiefmitten nicht missen.

Diesen Pickup-Typ hatte Klaus Nagel noch nicht im Sortiment seiner handgewickelten Eigenkreationen, obwohl er wusste, dass der aktuelle Trend in diese Richtung geht. Kurzerhand designten wir einen Test-Humbucker nach bestem Wissen und Gewissen:

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Bereits die ersten Töne auf seinem Test-Brett, auf welchem er verschiedene Pickup-Positionen und Kombinationen relativ einfach testen konnte, waren sehr vielversprechend. Anschließend ergänzten wir das Ganze noch um einen Split-Coil-Tonabnehmer in der Halsposition.

Im weiteren Verlauf teilte ich Klaus meine bevorzugte Halsbreite etc. mit und zeichnete ihm meine Änderungen zum Pickguard-Design sowie meine Ideen zu den Dots im Griffbrett auf. Da hier mit einer „Lasergravur“ gearbeitet wird, sind die Möglichkeiten endlos. Meine Wahl fiel auf Halbmonde, die wellenförmig über das Griffbrett meines Custom-Bass-Modells verteilt werden sollten.

Klaus hatte mir bereits feine Tonhölzer (Body aus Roterle, Hals aus europäischem Ahorn, Griffbrett aus Vogelaugenahorn) zurechtgelegt, somit brauchten wir uns „nur“ noch um die Hardware zu kümmern. Da ich anscheinend ja immer irgendwas Spezielles brauche – in diesem Fall die Farbe „Cosmo Black“ bei der Hardware – gab es keine andere Möglichkeit, als das gesamte Internet nach den passenden Brücken, Dome Knobs, Mechaniken etc. zu durchsuchen. Mein besonderer Dank geht an das Musikhaus Thomann für die hilfreichen Tipps im Rahmen meiner Suche sowie an das ungarische Musikgeschäft „Stageshop“, bei dem man uns schließlich die verzweifelt gesuchten Saitenniederhalter und Dome Knobs in „Cosmo Black“ verkaufen konnte.

Es sollte ein paar Wochen dauern, bis alle ersehnten Teile schließlich eingetroffen waren. Währenddessen wurden fleißig CAD-Zeichnungen hin- und hergesendet und die ersten Späne flogen in der „Nagel Tonwerkstatt“. Ich werde den Moment nicht vergessen, als urplötzlich ein Bild der ersten Lasierung des Bodies auf meinem Smartphone erschien: Ein kräftiges dunkles Lila-Violett, das zusammen mit der Maserung der Roterle an eine Aubergine erinnerte – wahnsinnig schön und im wahrsten Sinne des Wortes “natürlich”! Nur wenig später war auch der Hals fertig.

Nagel Custom Bass
Fotostrecke: 2 Bilder Die ersten Späne fliegen und wenig später …

Custom Bass: Ein E-Bass wird geboren!

Die Nachricht zur Geburt meines Custom-Basses erreichte mich während eines Urlaubs an der Ostseeküste: Ein Bild des fertigen Instruments, sogar mitsamt einer Tonspur: Die frisch aufgezogenen Saiten von Pyramid Strings schallten glasklar aus dem Handy-Lautsprecher.

Für mich war das Gänsehaut pur! Am liebsten hätte ich augenblicklich meine Angelausrüstung eingepackt und wäre direkt bis ins 600 Kilometer entfernte Oberfranken gebrettert. Doch ich entschloss mich, die Vorfreude noch weitere zwei Wochen zu genießen!

Anfang Juni war es dann soweit: Ich buchte einen Zeltplatz an der Werra (zwischendurch eine Runde Forellenangeln muss sein!) auf dem Weg zu Klaus Nagel, mit dem sich durch die zahlreichen Nachrichten und Telefonate mittlerweile eine echte Freundschaft entwickelt hatte. Die Übergabe des „Nagel Classic Fab 5“ fand wie gewohnt bei einer Tasse Kaffee und leckeren Krapfen satt – anscheinend ist dort unten das ganze Jahr über Karneval!

Das Bassmodell war exakt so, wie ich es mir erträumt hatte. Der Klang, die Optik, das Spielgefühl … Ich spürte das Instrument nicht nur in den Fingern, sondern auch im Bauch. Natürlich konnte ich es nicht erwarten, den Bass zu Hause über meinen Ampeg SVT zu hören.

Wieder in Hannover eingetroffen, wurde der Nagel Classic 5 zu allen Songs gespielt, die gerade in der Cubase-Playlist eingepflegt waren und auf Herz und Nieren getestet. Und siehe da: Aufgrund des Balance-Reglers zwischen dem Split-Coil und dem Humbucker lässt sich der Bass genau dort parken, wo er im Mix hingehört. Knurrig mit dem warmen und organischen Klang des unlackierten Ahorns, einfach traumhaft! So stand den Aufnahmen zum neuen Album von Mad Max nichts mehr im Weg!

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Wo in Deutschland kann man einen Nagel Custom Bass antesten?

Hier noch eine weitere schöne Anekdote: Ein paar Wochen später fuhr ich in meinen Geburtsort Steinhude in der Nähe von Hannover und besuchte Holger Gamradt-Dählmann in seinem neu eröffneten Gitarrenladen „Rock Hus“. Natürlich erzählte ich ihm über meine Erfahrungen mit Nagel Guitars, und selbstverständlich hatte ich meinen Bass auch mitgebracht. Holger verkauft in seinem „Rock-Hus“ nicht nur Instrumente und Zubehör, sondern auch Klamotten und Accessoires rund um Rockmusik und Bühne. Außerdem repariert er gebrauchte Instrumente – und das alles in meiner ehemaligen „Ete Hus“-Stammkneipe. Wahnsinn!

Auch hier war die Begeisterung über den „Holzspecht“ aus Oberfranken groß, sodass Holger unbedingt auch ein Custom Bass-Ausstellungsstück in seinen Laden integrieren wollte. Daher machten wir „Nägel mit Köpfen“ und luden Klaus Nagel himself kurzerhand nach Steinhude ein. Nach einem üppigen Abendessen mit selbstgefangenem Leine-Hecht brachte Klaus am nächsten Tag eine kleine Auswahl seiner Instrumente mit.

Eines seiner Vorführmodelle verblieb dort, sodass man sich in Norddeutschland nun auch einen Eindruck der Instrumente von Klaus Nagel machen kann, ohne dafür erst durch die ganze Republik fahren zu müssen. Das Ganze lässt sich übrigens wunderbar mit einem Fischbrötchen in Steinhude kombinieren – irgendwie bin ich auf diese ganze Entwicklung mächtig stolz!

Der nächste Nagel-Bass für meine Iron-Maiden-Tributeband „The Trooper“ aus Bremen nimmt in meinem Kopf übrigens bereits Formen an. Gestiegene Zölle und diverse Gebühren machen den Schritt zu Produkten „made in Germany“ ja finanziell derzeit wesentlich attraktiver. Daher meine Anregung: Vielleicht schaut oder hört ihr euch auch mal in eurer Region um, oder ihr surft mit offenen Augen durchs Internet und gebt auch mal unbekannten Headstocks eine Chance. Ihr könntet dabei – wie ich – den „Nagel auf den Kopf“ treffen!

Nagel Custom Bass
Das Resultat kann sich sehen – und hören – lassen!

Vielen Dank an Klaus Nagel und das gesamte Team der bonedo-Bassredaktion, euer Fabs

Lieber Fabs, danke für deinen ausführlichen Bericht und herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Instrument, mit dem wir dir viel Spaß wünschen! Deine bonedo-Bassredaktion

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