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LD Systems Roadjack 10 Test

Praxis

Da die Box satte 16 Kilo auf die Waage bringt, bin ich für die Trolley-Funktion dankbar. Dabei fällt auf, dass die Gewichtsverteilung für diese Art der Fortbewegung eher ungünstig ist. Die Box lässt sich zwar geradeaus gut wegrollen, fängt aber bei zügigem Tempo schnell an zu schlingern. Außerdem ist die Kurvenlage eher bescheiden. Im Test machten auch prompt die Rollen schlapp: Bei ebener Strecke sprang in einer Kurve eine Rolle aus der Führung. Also musste ich die Box den Rest des Weges schleppen.Und das macht auf Dauer lange Arme. Dieses Problem ist LD Systems mittlerweile bekannt und ich hoffe auf Nachbesserung. 

Das Bedienpanel mit dem Mediaplayer.
Das Bedienpanel mit dem Mediaplayer.

Konservenmusik und Blauzähne

Zunächst interessiert mich der verbaute Mediaplayer mit Bluetooth-Schnittstelle. Also schiebe ich einen USB-Stick ein, auf dem neben anderen Dokumenten auch WAV-Files, MP3s und WMA-Dateien in verschiedenen Ordnern abgelegt sind. Brav erkennt der Player alle Musikdateien und ignoriert den Rest. Die Musikdateien sortiert er anhand der Verzeichnisstruktur des Mediums numerisch. Obwohl das Display nur den aktuellen Song anzeigt, lässt es sich per Track-Skip oder auch Eingabe einer Track-Nummer zügig navigieren. Das allerdings setzt voraus, dass man mit Inhalt und Struktur des Mediums ein wenig vertraut ist. Wer will, kann sich außerdem über die Gesamtanzahl der Musikstücke, Songlänge oder aktuelle Position informieren lassen. Ein Balkendiagramm klärt bei Bedarf über den Frequenzverlauf des Musikstückes auf.
Der Player bietet außerdem sieben EQ-Presets, die ich aber nicht wirklich hilfreich finde und daher nicht einsetze. Der Sound ist ohnehin sehr basslastig und wenig präsent in den Höhen. Hier zeigt sich die Schwäche des 3-Zoll-Hochtontreibers gegenüber dem riesig dimensionierten 10-Zoll-Basswoofer. Am Zweikanal-EQ im Master drehe ich daher etwa 2 dB Bass heraus und booste die Höhen gut 4 dB. So klingt es annehmbar.

Alles im Blick bei dem Mediaplayer.
Alles im Blick bei dem Mediaplayer.

Bei voller Verstärkung beträgt die Reichweite unter freien Himmel etwa 14 Meter, wenn die Box auf dem Boden steht. Etwas ausgedehnter wird die Partyzone, sobald die Box auf einem Stativ befestigt wird. Über diese Distanz funktioniert auch der Bluetooth-Empfang, der aber durch weitere Bluetooth-Quellen gestört werden kann. Die Reichweite der Fernbedienung indes beträgt nur alberne drei Meter. Ebenfalls etwas ärgerlich: Die Bluetooth-Kommunikation ist offen, im Prinzip kann jeder Spaßvogel seine Playlist über den RJ10 abbfeuern, wenn Kanal drei gerade nicht genutzt wird. Ebenfalls unnötig: Der Quellwahlschalter arbeitet ziemlich geräuschvoll.

Via Bluetooth drahtlos Musik übertragen
Via Bluetooth drahtlos Musik übertragen

Kanal 1, Sprache und Gesang

Hinein mit dem Sure SM58, das satt und knackig aus den Treibern tönt. Die Stimme setzt sich gut gegen das anliegende Playback durch. Dass Kondensatormikrofone mangels Phantomspeisung nicht angeschlossen werden können, ist bei einer solch mobilen Lösung mehr als verschmerzbar. Das schon erwähnte Echo ist einem Bandecho nachempfunden, das sich bei Vollausschlag des Potis ordentlich aufschaukelt. Der Effekt erinnert an eine Jahrmarktbude, ist aber nicht ohne Charme.

Kanal 2, Instrumente, Line und mehr

Gesang Kanal 2 ist für Mikrofone, Line-Signale und Instrumente (mono) gedacht. Das Mikrofon klingt über den Klinkeneingang genauso gut wie in Kanal 1 und mein Bass lässt sich ohne weitere Vorverstärkung gut einschleifen Die Verstärkung ist ordentlich.
Aus Neugier habe ich meinen Bass in den als reinen Mikrofonkanal ausgewiesenen Kanal 1 gesteckt – und siehe da: Er ließ sich genauso gut verstärken wie in Kanal 2. Nun sind Bandecho-Effekte auf einem E-Bass nicht unbedingt sinnvoll, aber kreative Straßenmusiker finden bestimmt einen Einsatzzweck für ihr Instrumentarium.
Laut Hersteller reicht die Ladung des Akkus für 20 Stunden. Ich habe den Roadjack 10 mit einem Mix aus Freilufteinsatz und Bürobeschallung via Bluetooth betrieben, garniert mit einigen Bassetüden. Open Air machte der RJ10 eine gute Figur als potenter Gettoblaster, über den ich sechs Stunden lang eine Lounge-Playlist abgefeuert habe. Im Büro hielt der Akku weitere zwölf Stunden durch, bevor die Ladeanzeige rot aufleuchtete. Nicht ganz 20 Stunden – aber fast!

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