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Korg Nautilus 88 Test

Praxis

Einschalten

Wird der Nautilus eingeschaltet, muss man Geduld haben: Nach 2:30 min (!) ist das Instrument endlich spielbereit. Das hat sich im Vergleich zum Kronos nicht verbessert. Auch beim Nautilus werden die benötigten Ressourcen zum Spielen erst eingeladen.

Sieben Betriebsarten

Wie schon erwähnt bietet Nautilus sieben Betriebsarten, die für unterschiedliche Aufgaben des Instruments gewählt werden: Der SET LIST Modus wird genutzt, um bei einer Live-Performance schnell auf die gespeicherten Sounds und Songs zugreifen zu können. PROGRAMS stellen die kleinste Klangeinheit des Nautilus dar. In einer COMBINATION werden bis zu 16 Programs miteinander zu einem komplexen Klang zusammengebaut. Im SEQUENCER-Modus kann man 16 MIDI- und 16 Audiospuren aufnehmen, abspielen und bearbeiten. Im SAMPLING-Modus werden eigene (Multi-)Samples über den Audio-Input aufgenommen und editiert. Im GLOBAL-Modus werden allgemeine Einstellungen gemacht, die sich auf alle Bereiche des Nautilus beziehen. Außerdem können hierWavesequenzen und Drum-Kits editiert werden. Schließlich gibt es noch den MEDIA-Modus, mit dessen Hilfe Daten auf die interne SSD oder einen externen USB-Datenträger gesichert, von dort geladen und verwaltet werden.

Fotostrecke: 8 Bilder Über die MODE-Taste gelangt man zu den Betriebsarten des Nautilus:
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Programs

Auf dieser Ebene wählt man die Einzelsounds aus und kann sie bearbeiteten. Es stehen 2.560 User-Speicher (20 Bänke á 128) für Programs zur Verfügung, von denen ab Werk bereits 1.920 (1280 HD-1 + 640 EXi) belegt sind. Die Programs sind in 18 Kategorien unterteilt und können so zielgerichtet ausgewählt werden. 

Fotostrecke: 3 Bilder Neben der Anwahl der Sounds aus 18 Kategorien …
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Im Unterschied zu vielen anderen Workstations verfügt Nautilus genau wie Kronos über neun verschiedene Sound Engines, die völlig unterschiedliche Technologien zur Klangerzeugung verwenden. Da sind zunächst die acht sogenannten EXi-Engines, die spezielle Klangmodelle von Piano über E-Piano bis hin zu analogen Synthesizern simulieren. Maximal zwei dieser Klangmodelle können in einem EXi-Program gelayert oder gesplittet werden. Der HD-1 Synthesizer nimmt eine Sonderrolle ein. Er verwendet Multisamples als Klangrohstoff. Natürlich verwenden viele EXi-Tonerzeugungen auch Multisamples, allerdings wird das beim Bedienen der entsprechenden EXi-Benutzeroberfläche nicht direkt deutlich. Wie verschieden die EXi-Sounds von den HD-1-Sounds sind, zeigt sich bei der Speicherverwaltung: HD-1-Programs und EXi-Programs müssen auf unterschiedlichen Bänken abgelegt werden. Über die PAGE Taste gelangt man auf weitere Untermenüs, die das Program betreffen. Jedes Programm verfügt über einen parametrischen 3-Band-EQ und lässt sich mittels 12 Insert-, zwei Master- und zwei Total-Effekten mit einem Sortiment aus 197 unterschiedlichen Effekttypen klanglich veredeln.

Fotostrecke: 6 Bilder Durch Betätigen der Taste PAGE kommt man ins Untermenü des Programs.
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Beim Kronos gehört die PAGE-Taste nicht zur Ausstattung, stattdessen sind z. B. auf der Hauptseite eines Programs am unteren Displayrand zwei Zeilen mit Reitern vorhanden. Zuerst wählt man in der oberen Zeile den gewünschten Bereich und dann in der Zeile darunter das Untermenü. Beim Nautilus ersetzt die PAGE-Taste die obere Zeile. Man muss also mehr hin- und herspringen. Die grafische Umsetzung der Benutzeroberfläche gefällt mir beim Nautilus insgesamt trotzdem besser als beim Kronos. Dazu trägt vor allem der „Dark Mode“ bei. Viele Menüseiten sind dunkel hinterlegt und schonen die Augen vor allem auf Bühnen mit wenig Beleuchtung. Kommen wir jetzt zu den verschiedenen Sound Engines:

SGX-2 Premium Piano

Für jede Note wurden zwölf Anschlagstufen in Stereo gesampelt. Die Virtual Memory Technology (VMT) spielt große Samples direkt von der internen SSD ab. Es werden keine Loops verwendet, sodass alle Noten in natürlicher Weise ausklingen. Außerdem stehen mehrere Dämpferresonanzstufen zur Verfügung. Bestimmte Sounds bieten sogar eigens vorbereitete Una Corda-Samples, was dem Klangerlebnis bei Betätigung des linken Pedals entspricht. 

Fotostrecke: 2 Bilder Beim Flügel wird der Öffnungsgrad des Deckels (Lid Position) auch grafisch dargestellt.
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Im Nautilus sind neue, aufwendig gesampelte Pianos verfügbar, die im Kronos (noch) nicht vorhanden sind. Im ganz neu angekündigten Sondermodell Kronos TI in Titanium-Silber wurde das Italian Grand Piano des Nautilus jetzt aber auch installiert. Die älteren Piano-Samples des Kronos sind im Moment noch nicht im Speicher des Nautilus vorhanden, können aber demnächst – so Korg – heruntergeladen werden. Ich habe einige neue Pianos hier einmal angespielt. Neben dem erwähnten Italian F Piano und Japanese Upright U Piano gibt es auch ein „Prepared Piano“, bei welchem Gegenstände wie z. B. Radiergummis, Papier zwischen die Saiten geklemmt wurden, um ein anderes Klangbild zu liefern. Mir gefällt das Italian Grand ausgesprochen gut, es ist sehr klar und transparent und bietet viel Charakter. Ein universell einsetzbarer Flügelklang.

Audio Samples
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Italian Grand Piano SGX2 Japanese Upright Basic SGX2 Bolt Piano SGX2 Paper prepared Piano SGX2 Srew Piano SW1 off Washer SGX2 Srew Piano SW1 on Washer SGX2

EP-1 MDS E.Piano

Diese Klangerzeugung ist darauf spezialisiert, die Sounds klassischer E-Pianos zu reproduzieren. Im Vergleich zum Kronos gibt es ein weiteres Modell: „Tine EP I Early“, das einem frühen Fender Rhodes entspringt.

Fotostrecke: 3 Bilder Das Panel gleicht dem eines Fender Rhodes Pianos.
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Mit vielen E-Piano-typischen Parametern kann der Sound angepasst werden, wie z. B. einem Preamp und auch die mechanischen Anschlaggeräusche sind regelbar. Ein passender Bodeneffekt kann angewählt und beeinflusst werden, ohne dass dafür die Effektsektion des Nautilus beansprucht werden muss. Ich habe die sieben verschiedenen Model Types nacheinander angespielt. Danach noch ein extrem komprimiertes Rhodes.

Audio Samples
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EP1 Model Types EP MKII Late Bright Comp

CX-3 Tonewheel Organ

Hier handelt es sich um eine Zugriegel-Orgelsimulation (Clean- und Vintage-Modus), mit Percussion, Vibrato/Chorus, Key Click und einem integrierten Rotary Effekt inkl. Amp Modeling, der mittels Joystick in der Geschwindigkeit umgeschaltet werden kann. 

Fotostrecke: 3 Bilder Die Zugriegel müssen beim Nautilus auf dem Touchscreen gezogen werden.
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Während man beim Kronos die real vorhandenen Fader als Zugriegel nutzt, muss man diese beim Nautilus etwas mühsam auf dem Touchdisplay bewegen. Das ist schon ein Nachteil, und man wünscht sich in diesem Moment die Schieberegler zurück!

Audio Samples
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CX3 Organ 888 SW1 Giga Drive Organ

AL-1 Analog Modeling-Synthesizer

Der AL-1 ist ein sehr universell einsetzbarer virtuell-analoger Synthesizer, der Oszillatoren mit sehr geringem Aliasing-Anteil verwendet, wodurch kaum digitale Verzerrungen entstehen. 

Fotostrecke: 2 Bilder In diesem Program werden zwei AL-1 Sounds zusammengemischt.
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Wellenformen sind morphbar, Ringmodulation, FM-Synthese und „Resonanz-Modeling“ erzeugen unkonventionelle Sounds, aber auch Standard-Klänge können mit dem AL-1 hervorragend erzeugt werden.

Audio Samples
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Mega Lead AL1 Pipes on Sunday AL1 PWM Stab Synth AL1 Thriller Chords AL1 Final Countdown AL1

MS-20EX

Mit diesem erweiterten Modell des legendären analogen Korg MS-20 von 1978 können dessen Klänge reproduziert und sogar Sounds realisiert werden, die über die Fähigkeiten des Original-Instruments hinausgehen. 

Fotostrecke: 3 Bilder Wie beim legendären MS-20 können im Nautilus Strippen gezogen werden, virtuell versteht sich.
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Während man beim Original damals Patchkabel in Buchsen steckte und dadurch Verbindungen zwischen den Elementen des Synthesizers schaffte, kann man beim Nautilus diese Strippen virtuell am Touchscreen ziehen. Auch die Regler des MS-20 sind graphisch exakt nachgebildet. 

Audio Samples
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Awaken Sign MS20 Feedback Lead MS20 SH 5th Comp MS20

PolysixEX

Ähnlich wie beim MS-20EX werden die Sounds des legendären Analogklassikers Korg Polysix von 1981 erzeugt und übder die Bedienoberfläche des PolysixEX im Display eingestellt. 

Fotostrecke: 2 Bilder Selbst das Logo des Polysix wurde original übernommen.
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Mit seinem selbstoszillierenden 4-Pol-Filter, dem Suboszillator und den Ensemble- und Chorus-Effekten kann man schöne polyphone Synth-Sounds erzeugen. Während die Polyphonie 1981 auf sechs Stimmen beschränkt war, hat man heute mit 180 Stimmen keine Sorgen mehr. Auch die Parameter sind wesentlich weitreichender editierbar. Mir haben die warmen Flächen des PolysixEx besonders gefallen.

Audio Samples
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String Pad Polysix Big Sunrise Polysix 5th World Stab Polysix

STR-1 Plucked String

Mit dieser Engine werden Klänge mit Hilfe eines physikalischen Modells einer Saite erzeugt. 

Fotostrecke: 2 Bilder Die Position, an der die Saite zur Schwingung angeregt wird, hat starke Auswirkung auf den Klang.
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Modelliert werden z. B. die Dämpfung, das Abklingverhalten der Klangausbreitung, die Nichtlinearität, die Obertöne usw. Die klanglichen Resultate können natürliche (Zupf-)Instrumente sein oder gänzlich experimentelle Sounds. Wer hier nur an Gitarren gedacht hat, wird überrascht sein, wie gut Clavinet- und Harpsichord-Sounds generiert werden können. Das letzte Beispiel ist ein Layer aus STR-1 und MOD-7, den ich als nächstes vorstelle

Audio Samples
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Clav 2 STR1 Harpsichord STR1 Celtic Harp STR1 Guitarious STR1 MOD7

MOD-7 Waveshaping VPM-Synthesizer

Im MOD-7 Engine wird die „Variable Phasenmodulation“ (VPM) kombiniert mit Waveshaping, Ringmodulation, der Sample-Wiedergabe und der subtraktiven Synthese. 

Ähnlich wie beim MS20Ex können auch beim MOD7 die Strippen gezogen werden.
Ähnlich wie beim MS20Ex können auch beim MOD7 die Strippen gezogen werden.

Damit erzeugt man beispielsweise klassische FM-Sounds á la Yamaha DX7, dessen Sounds sich im SysEX-Format sogar importieren lassen. In einer Instanz stehen sechs Operatoren zur Verfügung, die sich allerdings bei Verwendung von zwei MOD-7 Engines in einem Program auf die stattliche Anzahl von 12 Operatoren erweitern lassen. Dadurch, dass ein beliebiges Sample als FM-Modulator verwendet werden kann, entstehen interessante neue Klanglandschaften.

Audio Samples
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MOD7 80s Epiano MOD7 Ana Brass MOD7 Flute Pad Dare 2 B Square MOD7 Syn Sitar MOD7

HD-1 High Definition Synthesizer

Dies ist der Basis PCM-Wellenform-Synthesizer, wie man ihn aus vielen Keyboards kennt. Die Soundgrundlage sind völlig unterschiedliche Multisamples, das können auch selbst erstellte Multisamples sein. 

Fotostrecke: 2 Bilder Bei diesem Program wird ein Piano-Klang mit einem Synth-String-Sound gelayert.
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„Single“-HD-1-Programme verwenden einen Oszillator, „Double“-Programme verwenden zwei. Mit einem „Oszillator“ ist hier ein kompletter Synthesizer gemeint, der per „Velocity Switching“ acht Anschlagsbereiche ansprechen kann, zwei resonanzfähige Filter bietet sowie mehrere LFOs und Hüllkurven an den Start bringt. Mit dem HD-1 können Klänge aus allen Kategorien erzeugt werden, deshalb sind auch die meisten Programs im Nautilus HD-1 Sounds. Auch die Drum-Kits werden mit dem HD-1 erzeugt. Der interne PCM-ROM-Speicher (496 MB) wurde im Vergleich zum Kronos (314 MB) vergrößert und aktualisiert. Die vielen neu hinzugekommenen live eingespielten Phrasen sind Wavesequenzen und liefern exotische Klangbilder wie z. B. beim „GuZheng SynPad“:

Audio Samples
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Big Slow Legato Strings HD1 ST Trumpets SW1 SW2 HD1 Evil Metal Guitar HD1 Mozart Piano HD1 GuZheng SynPad HD1

Vektorsynthese

Kronos hat ein zusätzliches Bedienelement auf dem Frontpanel: Den Vektor-Stick. Bei dessen Benutzung können Programm- und Effektparameter in der X-Y-Ebene beeinflusst, um den Klang in interessanter Weise zu verändern und quasi zu morphen. Beim Nautilus ist das leider nur noch durch das Bewegen eines Fingers auf dem Touchscreen in dem entsprechenden Menü möglich. Das Vektor-Feld ist recht klein ausgefallen und man braucht schon viel Fingerspitzengefühl, um genaue Positionen anzufahren. Die Bewegungen des Vektors können allerdings auch durch eine Tempo-synchronisierbare Hüllkurve gesteuert werden.

Fotostrecke: 2 Bilder Das Feld für die Bewegung des Vektors im Touchdisplay ist relativ klein ausgefallen.
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Quick Layer und Quick Split

Mit dieser praktischen Funktion kann man sehr schnell aus zwei beliebigen Programs eine Layer– oder Split-Combination erstellen. Als Layer werden immer zuerst ein String-Pad und als Split-Sound ein Bass vorgeschlagen.

Fotostrecke: 2 Bilder Die sehr praktische Quick Layer und …
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Combinations

Bis zu 16 Programs – im Combination-Modus „Timbres“ genannt – können in einstellbaren Tastaturzonen oder Anschlagbereichen zu einer Combination zusammengestellt werden. Auch Crossfades (Notenüberblendungen) sind programmierbar. Der Combi-Modus bietet 1.792 User-Speicher, wobei 256 ab Werk vorbereitet sind. Die Benutzeroberfläche der Combination-Hauptseite ist im Vergleich mit Kronos geändert worden: Während Kronos alle 16 Timbres auf einer Seite dargestellt, hat man sich beim Nautilus dazu entschieden, zwei Seiten (1-8 und 9-16) mit je acht Timbres einzurichten. Man muss also umschalten, um zu den Timbres 9-16 zu gelangen. Durch diesen Schritt lassen sich Werte für Volumen, Panorama und die wichtigsten Parameter besser einstellen, weil die Regler und Balken im Display größer ausfallen. Andererseits ist der Umschalt-Button auf dem Touchscreen recht klein ausgefallen und man trifft ihn manchmal nicht sofort. Die Menüs für weitere Timbre-Parameter zeigen – wie schon beim Kronos – die Werte für alle 16 Timbres auf einer Seite. Da braucht man gute Augen und zielsichere Fingerspitzen. Man kann auch externe Klangerzeuger mit einem Timbre über MIDI ansteuern, was einer Masterkeyboard-Funktion gleichkommt. Auch im Combination Modus kann man über die Quick Layer/Split Funktion die gesamte Combination mit einem zusätzlichen Program layern bzw. splitten.

Fotostrecke: 2 Bilder Im Nautilus zeigt das Mixer-Menü der Combination nur 8 der 16 Timbres, …
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Hier ein paar Audiobeispiele, welche die Möglichkeiten im Combination-Modus verdeutlichen. Dabei habe ich auch den Drum-Track benutzt, auf den ich später noch eingehen werde.

Audio Samples
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Combi Blue Laguna Combi Movie Scenes Combi Dance Tool Kit Combi The Times Signature

Setlist

Der Setlist-Modusbietet 128 Setlists mit jeweils 128 Slots. Jedem Slot wird entweder ein Program, eine Combination oder einen Song zugeordnet. Ein Slot kann zusätzlich auch Notizen wie z. B. Songtexte oder Akkorde enthalten. Zur bequemeren Eingabe lässt sich dazu eine USB-Computer-Tastatur anschließen. Diese Möglichkeit ist übrigens auch für die Namensgebung eines Sounds sehr praktisch. Das nervige und mühsame Herumgetippe auf dem Touchscreen hat damit ein Ende. Man kann den einzelnen Slots unterschiedliche Farben geben, um sie übersichtlicher zu gestalten. Bei Bedarf können viele Program-Parameter abgewandelt werden, ohne dass sich das auf das ursprüngliche Program, die Combi oder den Song auswirkt. Die gesamte Setlist kann zudem über einen graphischen 9-Band-EQ an die räumlichen Gegebenheiten beim Live-Gig angepasst werden.

Smooth Sound Transition (SST)

Korg hat beim Nautilus dafür gesorgt, dass Sounds bei der Anwahl eines anderen Programs, einer Combination oder eines Songs nicht abgeschnitten werden. Sie klingen natürlich aus. Selbst wenn man einen Sound gedrückt hält oder über das Damperpedal hält, werden die entsprechenden Noten auch nach dem Soundwechsel weiterhin gehalten. 

Arpeggiator, Drum-Track und Step-Sequencer

Die Karma-Funktion des Kronos wurde beim Nautilus durch eine ARP/DRUM-Funktion ersetzt. Im Vergleich zum Kronos sind die Möglichkeiten damit geringer geworden, aber manchmal ist weniger auch mehr. Jedem Program, jeder Combination und jedem Sequencer-Song stehen vier sogenannte Szenen zur Verfügung. Jede Szene steuert ein Arpeggiator-Pattern an sowie ein Drum-Track-Pattern oder ein Schlagzeug-Pattern des Step-Sequencers. Man erreicht den Arpeggiator-Bereich, indem man im Program- bzw. Combination-Modus im Display auf die ARP/DRUM-Seite wechselt. 

Fotostrecke: 4 Bilder In einem Program pro Szene kann man ein Arpeggio-Pattern und ein Drum-Pattern nutzen.
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Mit der Taste ARP aktiviert man den Arpeggiator und kann im Display zwischen den Szenen hin- und herschalten. Auch den Drum-Track schaltet man über die entsprechende Taste dazu. Im folgenden Video habe ich diese Funktionen verwendet.

Jedem Program sind zunächst passende Pattern zugeordnet. Diese können aber jederzeit geändert werden. Dazu lässt sich aus vielen Werkspattern wählen und auch eigene Patterns sind mit Hilfe des Step Sequencers erstellbar. Die RT-Regler werden bei der ARP/DRUM-Funktion genutzt, um einige Parameter wie Gate, Swing oder Tempo zu beeinflussen. Interessant ist Regler 5, mit ihm kann der Snare-Sound des Drum-Tracks geändert werden (Parameter DRUM SD). Ungefähr 2.000 Arp-Patterns können gespeichert werden, ca. 1600 sind davon werksmäßig bereits belegt. 1.272 Presets stehen für die Drum-Track Patterns zur Verfügung, 1.000 eigene können gespeichert werden. Eigene Patterns werden mit dem Step-Sequencer erstellt. Combinations besitzen im Gegensatz zu Programs einen weiteren polyphonen Arpeggiator, also insgesamt zwei, Arp A und B. Diesen beiden Arpeggiatoren werden dann unterschiedliche MIDI-Kanäle zugewiesen, so können sie verschiedene Timbres ansteuern. Auf diese Weise wird der Nautilus schon fast zu einem Entertainment-Keyboard mit einer Art Arranger-Funktion. Im folgenden Video sind neben dem Drum-Track ein Bass- und ein Clavinet-Arpeggio zu hören. Das Clavinet-Arpeggio steuert dabei in Szene 3 und 4 durch geschicktes Programmieren der Velocity-Zonen bei hohen Anschlag-Werten auch die Bläser-Timbres, wodurch der Eindruck entsteht, es gäbe ein drittes Arpeggio.

MIDI- und Audio-Sequenzer

Der bekannte MIDI- und Audio-Sequenzer des Kronos findet sich auch unverändert im Nautilus wieder. 16 MIDI- und 16 Audio-Tracks lassen sich damit aufnehmen. Man kann eine Combination direkt mit allen Effekten in den Songmodus kopieren und mit den Arpeggiator- und Drum-Parts alle Spuren MIDI-mäßig aufnehmen. Auch im Songmodus werden dabei die wichtigsten Parameter wie Volumen und Panorama nur für acht Spuren gleichzeitig angezeigt. Nur so ist es möglich, die Lautstärke-Balken im Touchscreen einigermaßen zielgenau zu verändern. Die Quick-Access-Taster dienen für die Bedienung des Sequenzers als Transport-Tasten. Leider sind sie nicht entsprechend beschriftet, sodass man sich die Belegung merken muss. Fertige Song-Templates und unzählige Patterns des Arpeggiators sorgen dafür, dass man seine Ideen schnell festhalten kann. Leider gibt es nur einen Step-Editor und keine Piano-Roll. Die Effektmöglichkeiten sind für Songs ähnlich wie für Combinations oder Programs: 12 Inserts können auf alle Spuren verteilt werden. Zusätzlich gibt es noch zwei Master- und zwei Total-Effects.

Fotostrecke: 7 Bilder Der Sequenzer Mixer ähnelt sehr dem Combination Mixer. Jeder Track entspricht einem Timbre.
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Expansion Samples, Kompatibilität zum Kronos und Sampling

Der Nautilus hat zum Teil andere Wellenformen an Bord als der Kronos. Die zusätzlichen EXs-Wellenform-Erweiterungen, die beim Einschalten in den Speicher geladen werden, habe ich hier aufgelistet:

  • EXs301: German2 D Piano
  • EXs302: Italian F Piano
  • EXs303: Japanese Upright U Piano
  • EXs304: Prepared Piano
  • EXs305: Historical Keyboards
  • EXs306: Vintage Keyboards 2
  • EXs307: Strings & Synths
  • EXs308: Guitar Collection
  • EXs309: Bass Collection
  • EXs310: World Essence
  • EXs311: Background Loops
  • EXs312: SFX & Hits
  • EXs313: Found Percussions
  • EXs314: Expansion Drums