Anzeige
ANZEIGE

Interview: Lasse Funch

Die einflussreichen Drummer aus Vergangenheit und Gegenwart zeichneten sich neben der Art und Weise ihres Spiels, dem Phrasing und der Energie vor allem auch durch ihren Sound aus. Doch was macht den ureigenen Klang eines Drummers wirklich aus? Neben der Summe der Einflüsse und dem eigenen, über Jahre entwickelten Touch spielen natürlich auch die Instrumente eine große Rolle. So sind es vor allem bei Jazzdrummern die Becken, die eine wesentliche Facette des Sounds liefern und damit in Kombination mit den Fertigkeiten des Drummers einen unnachahmlichen Sound, häufig auch mit besonderem Wiedererkennungspotential, garantieren.

Foto von Alexander Mackenzie.
Foto von Alexander Mackenzie.

Der junge Däne Lasse Funch, selbst Drummer, war schon früh fasziniert vom Klang alter Jazzbecken. Um deren sagenumwobene Komplexität und den Facettenreichtum besser zu verstehen, tauchte er tief in das Handwerk der Beckenschmiedekunst ein, studierte unzählige Modelle und fertigte schließlich selbst Becken, die mittlerweile auch von großen Namen der Drummerszene wie Mark Guiliana oder Gregory Hutchinson gespielt werden. Wer also den Sound der begehrten alten K-Becken oder der Kreationen des früh verstorbenen Roberto Spizzichino schätzt, wird bei Funch Cymbals einen Hochgenuss empfinden. Wir sprachen mit dem sympathischen 30-Jährigen über seine Arbeit im Einmannbetrieb, seinen Werdegang vom Drummer zum Beckenschmied und wie er das passende Becken für jeden Drummer findet.

Hallo Lasse, erzähl uns mal ein bisschen von dir und wie du zum Beckenschmied geworden bist.
Ich war schon immer von Handwerk beeindruckt – völlig unabhängig davon, was es ist. Wenn Menschen mit bloßen Händen etwas fertigen, fasziniert mich das. Außerdem fand ich Becken schon immer irgendwie mysteriös. Ich finde, dass ein gutes Becken in den Händen eines guten Drummers die Fähigkeit hat, einer Band zu besserer Time zu verhelfen. Dass also ein Sound und die Nuancen eines Beckens mir als Drummer in Zusammenspiel mit einem Pianisten und einem Bassisten ein besseres Feel geben lassen, finde ich besonders spannend. Ein komplexer Beckenklang saugt einen als Spieler ein und lässt einen mehr im Moment sein. Ich wollte also die Zusammenhänge zwischen einem Stück Metall und dem daraus entstehenden Klang besser verstehen. Vor gut dreieinhalb Jahren habe ich dann angefangen, mich intensiver mit der Herstellung von Becken zu beschäftigen. Bis dato war ich einfach ein Drummer in Kopenhagen, der viel geübt und gespielt hat. Mein Vater ist Tischler und kennt sich gut mit Werkzeugen aus. Er half mir, die richtigen Maschinen und Tools zu finden. Besonders das Abdrehen ist ja wichtig. Von da an habe ich angefangen, mich intuitiv der Beckenschmiedekunst zu widmen, bin tief in die Materie eingetaucht und habe einfach meinen Ohren vertraut. Durch das jahrelange Spielen von guten Becken hatte ich natürlich einen Klang im Ohr und musste dann meine handwerklichen Fähigkeiten so gut wie möglich ausbauen.
Wie hast du dann dein allererstes Becken gefertigt?
Ich habe erstmal damit angefangen, Becken zu modifizieren. Dazu habe ich Modelle gesucht, die so „normal“ wie möglich klingen und keinen besonderen Charakter haben. Ich habe dann viele der Zildjian A Becken gekauft, die kaum gehämmert waren und mit Video- und Klangaufnahmen alle meine Bearbeitungsschritte festgehalten, sodass ich immer nachvollziehen konnte, was ich gemacht habe und wozu das klanglich geführt hat. Damit konnte ich also Vorher-Nachher-Vergleiche studieren und mir genau anhören, welchen Unterschied es beispielsweise macht, wenn ich auf der Ober- oder Unterseite um die Bell das Becken hämmere oder welchen Unterschied das Abdrehen der Becken macht. Das Video hat mir auch dabei geholfen, zu sehen, ob das Becken nach meiner Bearbeitung eher steifer oder weicher wird. So konnte ich herausfinden, wie ich die verschiedenen Nuancen aus einem Becken herausarbeiten kann. Danach habe ich die unterschiedlichen Techniken von Hämmerung und die des Abdrehens verbunden und dadurch recht schnell Kombinationen gefunden, die mir zu guten Ergebnissen verholfen haben, die ich dann reproduzieren konnte.

Gemeinsam sucht Lasse mit jedem Drummer das passende Becken aus. Foto von Alexander Mackenzie.
Gemeinsam sucht Lasse mit jedem Drummer das passende Becken aus. Foto von Alexander Mackenzie.

Hast du dich dann erstmal damit beschäftigt, Becken möglichst detailgetreu nachzubauen?
Am Anfang wollte ich erstmal aus einem Stück Metall etwas Inspirierendes herstellen, was mir und vielleicht auch anderen beim Musikmachen hilft. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass ich mit der Modifizierung von fertigen Becken nur begrenzte Möglichkeiten habe. Also bin ich das erste Mal nach Istanbul gereist und habe mit den hervorragenden ehemaligen Beckenschmieden der Firma Istanbul Mehmet, die damals erst kurz vorher eine eigene Firma eröffnet hatten, einen Deal gemacht. Sie waren unglaublich offen für mein Vorhaben und ich habe sie gebeten, mir die türkische Beckenschmiedekunst nahezubringen und ihnen das Versprechen gegeben, dass ich von da an nur noch Rohlinge aus ihrem Werk beziehen werde. So habe ich dann über drei Wochen von früh morgens bis spät in die Nacht Zeit in der Schmiede verbracht und bekam mit Händen und Füßen alles erklärt, weil keiner der Schmiede Englisch gesprochen hat. Als ich dann wieder nach Hause kam, habe ich alles neu Gelernte mit dem kombiniert, was ich bereits selber herausgefunden hatte. Ich wollte nämlich auch nicht einfach nur Becken aus Istanbul exakt so kopieren, wie es mir gezeigt wurde. Mir hat auch sehr geholfen, dass ich selber Drummer bin. Dadurch konnte ich sicher nochmal besser herausarbeiten, was ich wirklich hören wollte. Die meisten der Schmiede in Istanbul sind nämlich selber gar keine Musiker. In der Zeit habe ich mich auch damit beschäftigt, dem Sound der alten Zildjian K Becken immer näher zu kommen. Glücklicherweise klingen die alten Becken sehr unterschiedlich, wodurch ich immer neue Nuancen entdecke, die ich dann in meine Becken mit einfließen lassen kann.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Was sind deine ersten Arbeitsschritte, wenn die Rohlinge der Becken bei dir ankommen?
Die Rohlinge sind ein rundes, braunes Stück Bronze mit einer grob vorgeformten Bell. Für Flat Rides bestelle ich natürlich Rohlinge ohne Bell und bei manchen Modellen hämmere ich die Bell komplett von Hand. Die Bell eines Beckens ist wirklich besonders wichtig, weil sie die hohen Frequenzen des Beckens und den Charakter deutlich mitbestimmt. Die Rohlinge sind alle handgemacht und haben deshalb natürlich auch unterschiedliche Charakteristiken. Bei manchen Modellen merke ich schon früh, dass das eher ein softeres Becken wird, während andere deutlich mehr Spannung zulassen. Es ist für mich also für jedes Becken wichtig, dass ich einen passenden Rohling finde. Ich kann also nicht aus jedem Rohling ein Art Blakey Ride mit diesem speziellen Crashsound machen. Wenn ich ungefähr 20 Prozent der Arbeit mit dem Hammer gemacht habe, merke ich spätestens, wo das Becken klanglich hin will. Dem folge ich dann auch. Man kann also sagen, dass der Rohling mir vorgibt, welches Becken es am Ende wird. Ich merke sehr früh, ob das Becken eher hoch oder dunkel klingen wird und arbeite diese Nuancen dann gezielt aus.

Fotostrecke: 4 Bilder Mit viel Liebe zum Detail bearbeitet Lasse jedes Becken von Hand. Foto von Alexander Mackenzie.
Fotostrecke

Deine Becken haben keine Logos oder spezifische Bezeichnungen. Wie findet ein Drummer bei dir die Becken, die am besten passen?
Für mich ist es wirklich sehr wichtig, dass ich nicht nur qualitativ hochwertige Becken fertige, sondern diese auch in den richtigen Händen landen. Ich unterhalte mich also deshalb schon vorher mit den Drummern, damit ich weiß, welche Musik sie machen und wonach sie suchen. Wenn sie mich dann besuchen, habe ich ausgesuchte Becken schon auf Ständern fertig zum Anspielen montiert. In neun von zehn Fällen entscheiden sich die Drummer für das erste, zweite oder dritte Becken, das sie hören. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass ganz am Anfang die Ohren noch frisch sind und der Klang der ersten Becken besonders wahrgenommen wird. Deswegen lege ich auch so viel Wert auf eine gute Vorauswahl. Wenn man irgendwann das zwanzigste Becken anspielt, wird man natürlich nicht mehr einen so direkten Bezug zum Klang haben. Es ist dann einfach ein weiteres Becken, während die ersten Modelle besonders viel Aufmerksamkeit bekommen konnten.
Mittlerweile kaufen auch namhafte Drummer wie Mark Guiliana oder Gregory Hutchinson Becken von dir. Wie fühlt sich das für dich an?
Das ist natürlich unglaublich, vor allem weil ich die Musik von vielen der Drummer jahrelang intensiv gehört oder sogar transkribiert habe und ich mich besonders mit der Art des Phrasings und dem Sound beschäftigt habe. Viele der Drummer bekommen ja normalerweise alles von ihren Firmen gestellt, aber da jedes Becken für mich ein langer Prozess von Handarbeit ist, vergebe ich keine Sponsoring- oder Endorsement-Deals. Ich musste mich schon ein paar Mal für warme Worte bedanken, aber gleichzeitig auch klar machen, dass ich nicht einfach kostenloses Equipment verschicke, nur weil manche Drummer seit 25 Jahren kein Geld mehr für ein Becken ausgegeben haben.

Traditionell versieht Lasse die Becken mit seiner Unterschrift. Foto von Alexander Mackenzie.
Traditionell versieht Lasse die Becken mit seiner Unterschrift. Foto von Alexander Mackenzie.

Planst du in Zukunft eigene spezielle Serien oder liegt dein Augenmerk weiterhin auf dem Sound der großartigen alten Becken, nach denen sich so viele Drummer sehnen?
Der Sound alter Zildjian K Becken und die vielen verschiedenen Nuancen beeinflussen mich weiterhin. Ich werde aber trotzdem auch nach eigenen Facetten schauen und irgendwann eine eigene, ganz besondere Serie machen. Ich freue mich aber natürlich sehr darüber, dass so viele Drummer meine K-Clone Cymbals mögen oder auch die von Roberto Spizzichino inspirierten Becken spielen möchten.
Ist es möglich, dass dir Drummer ein Becken oder auch nur Aufnahmen von speziellen Sounds schicken, die sie von dir repliziert haben möchten?
Das mache ich nahezu jeden Tag und davon lerne ich auch sehr. Ich mache allerdings weniger Custom Orders, sondern fertige einige Becken, nachdem ich mir Inspiration geholt habe und biete diese dann zum Verkauf an. Die alten K Becken oder auch die von Spizzichino klingen ja alle unterschiedlich und ich liebe es, genau herauszufinden, warum diese Klänge so speziell sind und wie ich dort handwerklich hinkommen kann.
Vielen Dank für’s Gespräch!

Den Spaß bei der Arbeit sieht man Lasse an. Foto von Alexander Mackenzie.
Den Spaß bei der Arbeit sieht man Lasse an. Foto von Alexander Mackenzie.

Weiterführende Links:
Website: www.funchcymbals.com
Instagram: www.instagram.com/funch_cymbals

Hot or Not
?
Foto von Alexander Mackenzie.

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Alex Höffken

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht
Interview: Noah Fürbringer
Drums / Feature

Noah Fürbringer ist einer der Shooting Stars der deutschen Drummerszene. Wir trafen ihn zum Gespräch.

Interview: Noah Fürbringer Artikelbild

Blickt man auf die verschiedensten Lebensbereiche, scheint es, als würde jede neue Generation die alte überbieten. Insbesondere durch immer schneller werdende technische Neuerungen scheint der Fortschritt unglaublich rasant. Das macht natürlich auch nicht vor MusikerInnen halt, die, begründet durch den viel umfassenderen, multimedialen Zugang zu Musik, stets mit neuen Höchstleistungen auftrumpfen. Nicht selten bleibt aber dadurch das auf der Strecke, worum es eigentlich geht – die Musikalität. Paart sich jedoch technische Versiertheit mit künstlerischem Empfinden, sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. 

Interview: Adam Deitch (Lettuce, Break Science, John Scofield)
Feature

Wir sprachen mit Adam Deitch über seine Einflüsse aus frühester Kindheit, den Weg zum eigenen Sound am Instrument und die unterschiedlichen Herangehensweisen an Produktionen seiner verschiedenen Projekte.

Interview: Adam Deitch (Lettuce, Break Science, John Scofield) Artikelbild

Adam Deitch ist seit vielen Jahren einer der Vorreiter des modernen Drummings und lässt in seinem Spiel Einflüsse aus Jazz, Funk, Soul, Hip Hop und Latin zu einem einzigartigen Sound verschmelzen. Während er als Gründungsmitglied der Band Lettuce seine Finesse im Funk Drumming zum Besten gibt, lebt er als eine Hälfte des Duos Break Science seine moderne Seite im Electro-Soul und Future-Bass aus. Mit seinem innovativen Sound inspirierte Adam sogar den legendären Jazzgitarristen John Scofield und trieb damit die visionäre Uberjam-Band zu Beginn des Jahrtausends an. 

Interview mit dem Drummer Blair Sinta - Homerecording mit Tradition
Feature

Nach vielen Jahren im Herzen der Musikszene in Los Angeles hat sich Blair Sinta mit seinem Homestudio zu einem angesagten Studiodrummer etabliert.

Interview mit dem Drummer Blair Sinta - Homerecording mit Tradition Artikelbild

Über die letzten Jahre wurde das Homerecording auch für Drummer zu einem immer wichtigeren Teil des Berufs als professioneller Musiker. Einer, der das schon vor fast 20 Jahren erkannt hat, ist Blair Sinta. Geboren in Michigan, landete er nach dem Studium des klassischen Schlagzeugs und dem Bachelor in Jazz Performance für Drumset in Los Angeles, wo er neben lokalen Gigs schnell den Sprung in die Profiliga schaffte und fünf Jahre lang mit Alanis Morissette um die Welt tourte sowie an drei Studioalben der amerikanischen Songwriterin mitwirkte. Es folgten unzählige nationale und internationale Tourneen und Studioproduktionen mit Künstlern wie Damien Rice, Annie Lennox, Melissa Etheridge, James Blunt und vielen mehr. Wir haben uns mit ihm virtuell zum Interview getroffen.

Interview mit Brody Simpson 
Feature

Der australische Drummer Brody Simpson verbindet seine Qualitäten als Drummer mit den tontechnischen Fertigkeiten eines modernen Produzenten zu einer einzigartigen Mischung.

Interview mit Brody Simpson  Artikelbild

Neben dem Klang der Stimme gilt der Drumsound als wesentliches Merkmal einer Studioproduktion. Man denke an den stilprägenden Sound von Drums aus den Achtzigerjahren oder die Ära des Samplings und der Drum-Machines, deren Sound maßgeblich den Klang von elektronischer Musik und Hip-Hop und schließlich den Pop geprägt hat. Der australische Drummer Brody Simpson scheint all diese völlig unterschiedlichen Sounds aufgesaugt zu haben und verbindet seine Qualitäten als Drummer mit den tontechnischen Fertigkeiten eines modernen Produzenten zu einer einzigartigen Mischung.

Bonedo YouTube
  • Mapex | Black Panther Special Edition Burl Snares | Sound Demo (no talking)
  • Tama | Starclassic Maple | 14" x 6,5" Snare | Sound Demo (no talking)
  • Tama | Starclassic Maple | Standard Set | Sound Demo (no talking)