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Becken Geheimtipp #1 – Craig Lauritsen

Auf dem vielfältigen Beckenmarkt dominierten stets große Firmen wie Zildjian, Paiste, Sabian und Meinl. Doch schon immer gab es Beckenschmiede, die in kleinen Werkstätten, fernab vom großen Markt der Musikmessen, ihre Becken nach alter Tradition gefertigt haben. Nachdem in den bisherigen Geheimtipp-Folgen außergewöhnliche Snaredrums und günstige, gut klingende Drumsets vorgestellt wurden, möchten wir uns nun einem Guru der Beckenschmiedekunst widmen. Scheinbar vom großen Markt unbemerkt, fertigt der Australier Craig Lauritsen seit über zwanzig Jahren in Handarbeit Becken, die den hervorragenden Klangblechen der großen türkischen Vorbilder in nichts nachstehen. Vor allem gut klingende Exemplare der mittlerweile als heiliger Gral angesehenen alten Zildjian K-Istanbul Cymbals „klont“ Lauritsen dermaßen detailgetreu, dass jedem Beckenliebhaber das Wasser im Mund zusammen laufen dürfte.

Craig Lauritsen Cymbals

Wie viele Drummer begab sich auch Lauritsen auf die Suche nach „dem“ Becken. Neben dem Klang beim Spielen interessierte er sich aber vor allem auch für den Herstellungsprozess. So verglich er die Gewichte, Profile, Legierungen, Hämmerungs- und Abdrehtechniken von hunderten von Becken etablierter Hersteller und unabhängiger Schmiede miteinander. Dazu traf er sich auch mit vielen Beckenherstellern in aller Welt, unter anderem mit dem italienischen Großmeister Roberto Spizzichino, dessen Becken nach seinem Tod mittlerweile mit vierstelligen Summen gehandelt werden. Spizzichino beeinflusste Lauritsen bei seiner Arbeit so sehr, dass er ihm heute seine „Rustico“-Serie widmet. Aber auch dem Sound der alten „K“ Becken zollt er mit seiner „Kontroversial“ Serie Tribut. Detailliert widmet er sich dort auch den verschiedenen Phasen der damaligen Herstellung und arbeitet bei seinen „Old Stamp-“ und „New Stamp Clones“ die verschiedenen Nuancen der historischen Exemplare nach.

Fotostrecke: 2 Bilder Diese Becken verbleiben jedoch nicht im Natural Finish… Bild © Craig Lauritsen
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Wie entstehen die Becken?

Anders als große Firmen, die mit geschultem Personal an Schmelzöfen ihre eigene Legierungen zu Rohlingen gießen, sind unabhängige Beckenschmiede auf eben jene unförmigen Metallringe angewiesen, um mit ihrer Arbeit zu beginnen. Diese Metallplatten werden von Hand in Form gehämmert und dann rund geschnitten. Damit auf der flachen Scheibe die gewünschte Wölbung entsteht, wird neben der Bell auch das gesamte Profil gehämmert. Der Grad der Wölbung ist, neben dem Durchmesser, maßgeblich für die Tonhöhe des Beckens verantwortlich. Anschließend wird das Becken von Hand abgedreht und bei Bedarf erneut gehämmert. Craig Lauritsen markiert seine Instrumente weder mit aufgedruckten, klobigen Logos noch mit einem Stamp. Lediglich auf der Unterseite jedes Beckens ist in der Bell eine Gewichtsangabe zu finden und sein Schriftzug eingraviert. Eine weitere Spezialität von Craig ist die Modifikation bereits bestehender Becken. Dafür geht er genau auf die Wünsche der Drummer ein und dreht beispielsweise die Becken erneut ab, um die Materialstärke zu verringern. Mit speziellen Hämmerungstechniken verpasst er dem bestehenden Grundsound einen ausgeprägteren Charakter oder verändert ihn auf diese Weise drastisch. Auf seiner Website findet sich beispielsweise auch die Transformation eines gewöhnlichen Rides zu einem Flat Ride.

Fotostrecke: 3 Bilder Mit den unterschiedlichsten Hämmern… Bild © Craig Lauritsen
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Wie klingen die Becken?

Ich entdeckte Craig Lauritsens Videos beim Stöbern auf YouTube und war sofort begeistert von seinen schlichten Vorstellungsvideos und vor allem dem unglaublich guten Klang der Becken. Besonders beeindruckend sind seine „Kontroversial“- und „Rustico“-Serien, die an die alten Zildjian K-Becken türkischer Herkunft und an die Instrumente von Roberto Spizzichino angelehnt sind. Der Klang lässt sich im besten Sinne als „alt“ beschreiben. Wie eben jene Premium-Becken sind auch Lauritsen Cymbals fein gehämmert, perfekt verarbeitet und unglaublich schön anzusehen. Sowohl mein 22 Zoll „Rustico“ Ride als auch meine 16 Zoll „Kontroversial“ Hi-Hat sind durch ihr Gewicht der Kategorie Thin zuzuordnen. Im weitesten Sinne sind sie also eher für akustische Situationen und vor allem für Jazz hervorragend geeignet.

Fotostrecke: 5 Bilder Die 16 Zoll „Kontroversial“ Hi-Hat ist intensiver gehämmert.
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Nun bin ich zwar überhaupt kein Jazz-Trommler, mag aber den warmen, definierten, aber dennoch verwaschenen und komplexen Sound eines Ride-Beckens. Ich liebe es, wenn ich bei Rolls geradezu das Holz meiner Stockspitze höre und sich mit Mallets ein dunkler, grollender Sound ergibt. Außerdem ist mir bei einem Ride wichtig, dass ich eine große dynamische Bandbreite habe, die Heavy Modelle mir nie geben konnten. Dazu wünsche ich mir von einem optimalen Becken nicht nur einen guten Ridesound, sondern eine klare, nicht zu scharfe Bell und einen bauchigen Crashsound. Als Hi-Hat habe ich ein 16 Zoll Modell gewählt, da ich auch hier nach einem breiten und tieferen Sound gesucht habe, der zu der oft tiefen Stimmung meiner Drums passt. Mir gefällt besonders die für eine große Hi-Hat sehr klare Stockdefinition, welche auch bei offenem Spiel und viel Wash stets hörbar bleibt. Der Chicksound ist sehr präsent, wirkt aber im Zusammenspiel mit dem Ride nie zu aufdringlich. Splashed man die Hi-Hat mit dem Fuß an, entwickelt sich ein sehr lebendiger Klang aus Top- und Bottom-Becken, der dem Zusammenspiel eine weitere Facette hinzufügt. Im folgenden Video habe ich beide Modelle einzeln und schließlich zusammen angespielt:

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Craig Lauritsen Cymbals sind der Geheimtipp für Drummer mit hohen klanglichen Ansprüchen an ihre Becken. Das zeigt auch die Liste bekannter Trommler, die seine Becken spielen. Jazz-Größen wie Gregory Hutchinson, Adam Cruz und Jochen Rueckert standen genauso Schlange wie Luke Flowers (The Cinematic Orchestra) und Gotye’s Drummer Michael Iveson. Da Lauritsen ein Meister der Beckenschmiedekunst und jedes seiner Becken ein Unikat ist, geht er auch gerne auf spezielle Kundenwünsche ein. In meinem Fall war es eine möglichst identisch klingende Kopie eines seiner bereits verkauften Ride-Becken, aber es kann genau so gut das eine Becken auf dem Album des Lieblingsdrummers sein, dessen Klang Lauritsen zielsicher nachbilden kann. Dass seine Becken keine Fließbandware sind, unterstreicht auch die Wartezeit. Laut eigenen Angaben fertigt er zwar vierzig Stunden pro Woche Becken, da er aber von Anfragen überhäuft wird, gibt es mittlerweile eine Wartezeit von ungefähr fünf Monaten. Die Preise für eine 16“ Hi-Hat von umgerechnet 405€ und ein 22“ Ride für circa 435€ zuzüglich Versand und Zoll sind, im Vergleich zur momentanen Preispolitik von Zildjian, Sabian, Meinl und Co., für Custom-Becken vergleichsweise günstig. Schaut euch am besten mal in seinem vielfältigen YouTube-Kanal um. Auch auf seiner Website gibt es viele Infos zu den unterschiedlichen Serien und der Beckenschmiedekunst an sich. Ein echter Tipp für Liebhaber.

Weblink: www.cymbalutopia.com
YouTube Kanal mit vielen Klangbeispielen: www.youtube.com/user/cymbalutopia

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Günstige Vintage Drums, die zum Teil in Vergessenheit geraten sind und interessante Custom- Instrumente, die es bisher nicht in den Fokus der trommelnden Weltöffentlichkeit geschafft haben. Darum dreht es sich in unserer Geheimtipp-Serie.

31.03.2016
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Craig Lauritsen Cymbals

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von Alex Höffken

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Profilbild von Daniel

Daniel sagt:

#1 - 24.04.2016 um 17:59 Uhr

Empfehlungen Icon 0

ein toller, sehr inspirirender Bericht! Wo liegt denn inkl. Zoll, Versand und Einfuhrumsatzsteuer(?) der Endpreis?

Profilbild von Alex Hoeffken

Alex Hoeffken sagt:

#2 - 25.04.2016 um 16:49 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hallo Daniel, der Endpreis für Ride und Hi-Hat inkl. Versand, Zoll, Einfuhrumsatzsteuer lag bei ca. 1.100€.

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