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Hercules DJControl Inpulse 500 Test

Praxis

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und das darf man hier ruhig so stehen lassen, denn sowohl Serato DJ als auch Hercules DJUCED sind zwei DJ-Programme, die es wirklich in sich haben. Doch bevor ihr mit dem Inpulse 500 aufzulegen könnt, ist – so sich noch keine DJ-Software auf eurem Laptop befindet – eine Internetverbindung zum Download der Software Pflicht. Installationsmedien liegen nicht bei.
DJUCED und Serato bekommt ihr auf den jeweilige Hersteller-Websites. Wie immer mit Registrierung bzw. E-Mail-Confirmation. Ein halbwegs aktuelles Notebook sowie aktuelles Mac- oder Windows-Betriebssystem sind obligatorisch. Außerdem benötigt ihr das Treiberpaket (Win/Mac) und wenn ihr gleich dabei seid, haltet auch nach potenziellen Firmware-Updates für euren DJ-Controller Ausschau.

Hercules DJControl Inpulse 500 funktioniert von Haus aus mit DJUCED 5 und Serato DJ Lite
Hercules DJControl Inpulse 500 funktioniert von Haus aus mit DJUCED 5 und Serato DJ Lite

DJUCED 5 ist die Hercules Flaggschiff-Software, die mittlerweile fast allen Controllern des Herstellers als Betriebsumgebung kostenlos beiliegt. Dabei muss sich Hercules jüngstes Baby natürlich der Konkurrenz in Form von anderen „Inhouse-Systemen“ der 300-Euro-Klasse stellen, als da wären: Native Instruments Traktor Kontrol S2 MK3, ebenfalls ein Zweikanal-Controller und mit Traktor Pro 3 Vollversion im Gepäck, sowie Pioneer DJ DDJ-400, der mit rekordbox dj ausgeliefert wird. Um es vorweg zu sagen: Der DJControl Inpulse und DJUCED 5 passen zueinander, wie die Faust aufs Auge.

Inbetriebnahme

Das beginnt gleich bei der ersten Inbetriebnahme: Djuced erkennt den Testkandidaten automatisch und konfiguriert die Befehlspalette für die Software, sodass man im Grunde sofort loslegen kann. Neuester Trend hier: Statt eigene MP3-Tracks zu kaufen, bieten euch diverse Streaming-Dienste ein DJ-Abonnement an, sodass ihr für einen monatlichen Betrag Millionen von Songs bzw. in DJUCED 5 (Stand Juni 2020) Musik von Beatport oder Qobuz streamen könnt. Soundcloud und Mixcloud sind ebenfalls an Bord, jedoch nur als Upload. Hier findet ihr unseren Test zur DJUCED 4 Software und unseren Kurztest zu DJUCED 5, der sich speziell mit den Neuerungen dieser Version auseinandersetzt. 

DJUCED 5 Software mit Decks & Sample-Player
DJUCED 5 Software mit Decks & Sample-Player

Streaming und Hilfesystem

Mittels Push-Encoder und Ladetasten hat DJ Zugriff auf die Musikbibliothek und Playlisten. Ein Eyecatcher hier: Der Endlosregler ist von einem milchig trüben Leuchtring umgeben, der in zum das Energy-Level eines Tracks illuminiert. Nach Betätigen der Assist-Taste bekommt ihr passend zum Master oder einem deklarierten Deck eine Liste mit Titelvorschläge angezeigt, die euch energetisch passende Nachfolge-Tracks anzeigt. Anhand von Farbcodes für die Tonart lässt sich zudem in der Playlisten-Ansicht harmonisch passendes Futter finden.
Ob ihr Streaming Music oder lokale Tracks zum Mixen verwendet, der Workflow des DJ-Control Inpulse ist „straight forward“ und bis auf das Aufzeichnen mit dem integrierten Mix-Recorder könnt ihr nahezu alles mit den Streaming-Tracks anstellen, was auch mit lokaler Musik geht. Mixen und scratchen, Frequenzen schrauben, Effekte und Performance-Modi abfeuern, das integrierte Hilfe- und Vorschlagsystem nutzen und dergleichen. Ist ein Online-Track einmal analysiert worden, werden diese Daten gespeichert und stehen nach dem nächsten Laden direkt zur Verfügung. Im GUI wird dies durch ein kleines Icon in der Playliste gekennzeichnet. Ein Manko: Eigene Playlisten lassen sich beispielsweise aus Beatport-Tracks (Version 5.0.4) im Gegensatz zu rekordbox 6 nicht generieren. Die Musikverwaltung von DJUCED 5 darf man ansonsten getrost als umfangreich deklarieren. Zurück zur Hardware

Audiointerface und Sound

Mit den zahlreichen Tasten, Pads und Reglern und den präzisen Jogwheels habt ihr die Mixsession im Griff und die Hardware bietet genug Raum und Abstand der Bedienelemente zueinander, um sehr gut damit arbeiten zu können. Im Inpulse 500 ist ein 2-In/4-Out Audiointerface mit Velvet Sound DSP von AKM verbaut, das mit 24 Bit und 44,1 kHz arbeitet. Das Summensignal, welches sich via Cinch oder Klinke abgreifen lässt, klingt transparent und voll, der Kopfhörerausgang ist ausreichend laut und arbeitet zerrfrei bei Pegel bis zum Anschlag mit dem angeschlossenen HD-25. Digitale Störgeräusche konnte ich im Test nicht vernehmen, das Mikrofonsignal ist ebenfalls klar und deutlich, nur hätte ich eine Taste für eine Talkover-Absenkung hier gern gesehen. Und auch die FX brauchen sich nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken, dazu später mehr.
Der Aux-Input ist eine willkommene Sache und er funktioniert standalone, sodass hier ein Smartphone für die Hintergrundbeschallung angedockt werden kann, bevor ihr auflegt. Das nimmt man gern mit, zumal sich hier auch via rückseitiger Miniklinke oder Cinch-Input ein taktsynchroner Ableton Link Zuspieler einbinden ließe (Serato Pro und DJUCED unterstütze es beide).

Streaming und Titelvorschläge in DJUCED
Streaming und Titelvorschläge in DJUCED
Audio Samples
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EQs cut all & cut/boost Hi-Mid-Low Filter

Noch ein paar Zeilen zum visuellen Status-Feedback, denn das setzt beim DJControl Inpulse 500 tolle Akzente: Zum Beispiel illuminieren die Leuchtringe um den Aux-In und Mike-In ampelfarben, also von grün über gelb/orange nach rot, sodass ihr unschwer erkennen könnt, wann das Eingangssignal übersteuert. Die beiden großen Nummernanzeigen über den Playern leuchten auf, wenn das Deck läuft (Fader oben und Abspielen gestartet). Die Pads sind endlich „RGB“. Die Channel-LED-Ketten schön lang. Richtungspfeile geben an, in welche Richtung ihr pitchen müsst, um das Tempo zu matchen, beim Jogwheel zeigen Pfeile an, wie ihr schubsen oder bremsen müsst, um das Taktraster in den Gleichschritt zu bringen. Und dann gibt es noch ein integriertes Track-Empfehlungssystem und Video-Tutorials. Den Beatmatching-Guide könnt ihr auch deaktivieren.

FX und Live-Remix-Tools

Die Live-Remix- und FX-Schiene ist gut bestückt. Loops, Mixer-FX, Performance-Modi. Das kann sich sehen lassen. Folgende, teils Post-Fader laufenden Mixer-FX stehen euch in DJUCED zur Verfügung: Gate, Trans, Delay, FadeToGrey, BeatDelay, Flanger, Phaser, PeakFilter, Reverb, Plate Reverb, Hall, Bitcrusher, Chorus, LPFilter, HPFilter, Echo, PhoneVOX, DubDelay, WashOut.

Fotostrecke: 2 Bilder Der AUX-Input hier für ein Ableton Link Duett mit Remixlive genutzt
Fotostrecke
Audio Samples
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FX-Beispiele Part 1 FX-Beispiele Part 2 FX-Beispiele Part 3

Die Performance-Modi sind Hotcues, Rolls, Slicer/Slicer Loop, Sampler, Tone Play, FX und Beatjump. Im FX-Mode lassen sich die Klangverbieger durchschalten und einschalten sowie Deck-FX im GUI ausblenden, wer sie nicht benötigt. Aber FX-Regler sind an der Konsole an den Decks ja ohnehin nicht vorhanden, also muss man seine Settings zuvor einstellen.
Ich hatte seinerzeit beim 300er-Modell übrigens bemängelt, dass dedizierte Parametertasten fehlen, beispielsweise für den Slicer, hier lassen sich nun via Shift-Kombi Änderungen vornehmen. Leider wird der aktuelle Shift-Performance-Modus nicht von der Software angezeigt. Apropos Software GUI: Im Sampler-Deck-Layout muss man mit einer ziemlich kleinen Playlist-Ansicht auskommen oder es müssen einige andere Elemente des GUI ausgeblendet werden.
Seltsamerweise kommen die Sample-Packs mit 16 Sounds, jedoch können nur 8 via Pads gespielt werden, ein Weiterschalten durch Layer oder Bänke von der Hardware aus habe ich nicht entdecken können. Sample-Volume via Shift-Fader ist möglich, aber kein EQ oder Mixer-FX – warum nur hat Hercules keine Deck-Switches verbaut? Noch ein Wort zum Keylock: der verrichtet ordentliche Arbeit.

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Keylock bis -25 Keylock bis +25

Serato 

Was Serato angeht, haben Hercules DJ ja bereits zwei kompatible Controller im Sortiment, und zwar den Starlight und den betagten DJControl Jogvision. Doch mit dem Inpulse 500 geht man nun noch einen Schritt weiter. Man muss wissen, dass dem 500er lediglich Serato Intro beiliegt, das in einigen Funktionen den Controller nicht ausreizt, respektive dazu führt, dass man bei bestimmten Tastenaufrufen darauf hingewiesen wird, dass diese Funktion nur in SDJ Pro zur Verfügung steht.
Was ihr bekommt, ist die Steuerung zweier Serato Decks inkl. vier Hotcues, manuellen und automatischen Loops sowie Filter etc. Wer auf Serato DJ Pro updatet, kann vom Controller aus weitere Funktionen aufrufen, aber ganz gleich, welche Software ihr auch zu nutzen gedenkt, das Beatmatching-Display funktioniert in beiden Fällen und zeigt euch an, ob die Tracks synchron laufen oder wo ihr nachjustieren müsst. Auch der Pitchfader verfügt dabei über eine Richtungsanzeige. Etwas schade finde ich, dass es keine Pitchbend-Tasten zur Phasenkorrektur gibt, doch Hercules lässt uns nicht im Regen stehen: Via Pad Mode kommen Pitchbend und Reverse zum Vorschein. Auch Streaming via Tidal ist in Serato Light möglich.
Vor dem Fazit vielleicht noch eine Sache: Ich würde euch empfehlen, gegebenenfalls gleich eine passende Gigbag für den Transport zu kaufen, damit ihr Hercules neuestes Baby unbeschadet zur Party transportieren könnt. Hier ist vom Hersteller zwar aktuell noch nichts in Sicht. Da das Gerät aber etwa die Größe eines Mid-Size Controllers hat, sollte es nicht an Auswahlmöglichkeiten mangeln.

Serato Lite kann ebenfalls mit dem hercules DJControl Inpulse 500 genutzt werden
Serato Lite kann ebenfalls mit dem hercules DJControl Inpulse 500 genutzt werden
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