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Hans Zimmer: “Ich höre meine Musik nicht in Stereo”

Im Apple Music 1-Podcast sprach Hans Zimmer mit Zane Lowe über die Beziehung zwischen Musik und Technologie. Dabei erzählt er auch weshalb er ein Freund von Raumklang ist.

© Dita Vollmond
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Hans Zimmer war für den Score vom Kino-Hit “Dune” verantwortlich und sprach über seine etwas andere Arbeitsbeziehung mit Filmregisseur Denis Villeneuve. Laut Zimmer sei es üblich, wenn zwei kreative Parteien zusammenkommen, jede Partei die eigene Idee vorstellt. Dann gibt das Gegenüber seine Meinung ab und es wird diskutiert, so dass die Idee modifiziert wird. Bei Zimmer und Villeneuve läuft das anders ab: “Bei dem Film, an dem Denis und ich arbeiten, würde niemand sagen: ‘Hey, ich habe eine Idee’. Jemand hat einen Satz angefangen und der andere hat ihn beendet.” Das “Spielerische” müsse demnach bewahrt bleiben.

Kirchenorgeln waren “komplizierteste Stück menschlicher Ingenieurskunst”

Danach redet Hans Zimmer über seine Faszination und Beziehung von Technik und Musik. Als er am Score von Interstellar gearbeitet habe, beschäftigte er sich mit Orchester-Instrumenten von früher. Am beeindruckendsten waren dabei Kirchenorgeln aus dem 17. Jahrhundert. Diese seien das “komplizierteste Stück menschlicher Ingenieurskunst, dass im Dienste der Musik stand. Sie blieb bis zur Telefonzentrale das komplizierteste, fabelhafteste Stück menschlicher Technik.” 
Die Integration von Technologie in die tägliche Arbeit sei nicht aufzuhalten gewesen: “Ich meine, das scheint so offensichtlich zu sein, ist es aber nicht, denn das 20. Jahrhundert hat irgendwie eine große Kluft zwischen dem Orchester und Orchesterinstrumenten und Computern und Synthesizern und all diesem Zeug geschaffen.” Erst kürzlich erzählte er in einem Interview, dass derComputer sein Musikinstrument geworden ist. Früher habe er als “lahmer Gitarrist” angefangen. Später erkannte er, dass “jedes Instrument ein Stück Technologie seiner Zeit ist”.
Erst vor kurzem hat Apple Spatial Audio in Apple Music integriert. Dabei entsteht ein dreidimensionales Sounderlebnis. Diesen Luxus hat Zimmer mit seinem Surround-Studio täglich. Wenn er allerdings unterwegs ist, möchte er die komponierten Tracks nicht mehr hören: “Sobald das Ding also zu einer MP3 oder was auch immer wird und wir nur noch in Stereo arbeiten und die immersive Qualität auf der Strecke bleibt, will ich es nicht mehr hören, weil man mir die Hälfte meiner Klangwelt genommen hat.”

Hans Zimmer hatte die ersten AirPods Max

Während seiner Arbeit an Dune war plötzlich ein Packet von Apple Produktdesigner Jony Ive im Postkasten. Darin enthalten waren bisher unveröffentlichte Kopfhörer, die Raumklang fantastisch umsetzen konnten. Hans Zimmer war sofort begeistert: “Und dann kommen diese Kopfhörer an, ich setze sie auf und sie sind fantastisch, und plötzlich wird mir klar: ‘Oh, wir können immersiv sein. Wir können Dolby Atmos machen'”. 
Als er seine Freunde bei Dolby anrief, empfahl er die Kopfhörer zu probieren. Aus dem Dolby-Lager kam nur die wenig überraschende Antwort, dass es die “Kopfhörer eigentlich gar nicht gebe”. Demnach habe Zimmer das einzige Paar ergattert. Es ist also anzunehmen, dass Zimmer als einer der ersten die AirPods Max in den Händen halten konnte. Diese können Spatial Audio abspielen und wurden Ende 2020 auf den Markt gebracht. 

Tipps für zukünftige Komponisten 

Zum Schluss hatte Zimmer noch ein paar beruhigende Worte für aufstrebende Komponisten parat – vor allem für diejenigen, die sich Sorgen machen, dass sie vielleicht nicht über die technisch-musikalischen Fähigkeiten verfügen.
“Zunächst einmal sind Sie kein Musiker”, sagt er. “Sie sind ein Dramatiker. You know? Du bist ein Geschichtenerzähler, und jeder hält es für selbstverständlich, dass du dein Instrument spielen oder eine anständige Melodie spielen kannst, also interessiert es niemanden, ob du in Berkeley studiert hast oder so etwas. Was sie interessiert, ist, ob du ein guter Geschichtenerzähler bist.”
Dann fährt er fort: “Zweitens, bist du ein guter Kollaborateur? Mit anderen Worten: Zu deiner Band gehören manchmal auch dein Cutter, dein Regisseur und dein Autor. Und, was für mich sehr wichtig ist, der Kameramann, denn Frequenz ist Frequenz, nicht wahr? Die Farbpalette, die er verwendet, muss sich irgendwie in der Musik widerspiegeln, die ich verwende, er ist also ein wichtiger Anhaltspunkt.”
Das Interview gibt es hier zum Nachhören:  

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von Mathias Walter

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