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Gallien Krueger 1001RB II Test

Praxis

Für den Betrieb zu Hause oder im Studio finde ich es ganz praktisch, wenn alle Anschlüsse und Schalter auf der Front angebracht und leicht zugänglich sind. So kann man schnell hin- und herschalten oder das Setup ändern, ohne immer hinter den Amp greifen zu müssen. In der Hauptanwendung des 1001RB, nämlich auf der Bühne, muss man aber nicht dauernd an den Direct-Out, die Stimmgerätebuchse oder den Effekt-Loop, und die Front sieht mit dem ganzen Kabelsalat nicht wirklich aufgeräumter aus. Ich finde das Layout der etwas überladenen Front nicht optimal, aber letztendlich ist das Geschmacksache. 

Dass die Front des 1001 so dicht besiedelt ist, hat Vor- und Nachteile.
Dass die Front des 1001 so dicht besiedelt ist, hat Vor- und Nachteile.

In Sachen Sound und Performance zeigt sich der 1001Rb aber von seiner besten Seite. Die Amps von Rob Gallien sind mit ihrem ausgeglichenen Klangbild eher auf der neutralen Seite und färben den Sound des Instruments nicht allzu sehr. Das trifft auch auf den kräftigen 1001RB zu, mit allen Regler in neutraler Stellung produziert der Transistorverstärker einen sehr sauberen und ungeheuer soliden Ton mit einem mächtigen Fundament und klaren Höhen. Die Möglichkeiten, den Klang zu verändern, sind zudem zahlreich, allein mit den Voicing-Filtern lässt er sich für sämtliche Einsatzbereiche oder Spieltechniken trimmen. Der 4/5 String Schalter ist ein reiner Aus/Ein-Schalter für den Bass-Boost bei 20 Hz. Ohne Boost, also in 4 String Position, ist der Sound etwas ausbalancierter, kompakter und klarer, mit Boost kommt der Bass mächtiger und behäbiger. Beide Settings klingen klasse und funktionieren mit den entsprechenden Musikstilen – ob man einen 4- oder 5- Saiter spielt, ist dabei allerdings wirklich nebensächlich. 

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Voicing 1 (4-Saiter) Voicing 2 (5-Saiter)

Noch deutlich effektiver greift der Contour-Regler in das Klanggeschehen ein. Wer cleanere Basssounds bevorzugt, kann mit dem Poti einfach stufenlos die Mitten ausfiltern und bekommt eine ganze Palette von hifimäßigen Klängen bis hin zu aggressiven und stark gescoopten Slapsounds. Der Presence-Regler sorgt für zusätzlichen Glanz in den Höhen, der Klang wird noch transparenter und offener, klingt aber nicht aufdringlich oder harsch. Ich konnte allein mit den drei Parametern der Voicing-Filter jede Menge Sounds aus dem 1001RB holen und habe den Vierband-EQ eigentlich nur für Korrekturen verwendet.

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Contour 12 Uhr GIVE-Boost

Einigen Bassern wird das allerdings zu langweilig sein, weil sie auf rauere Sounds mit Biss und leichtem Zerren stehen. Hier kommt beim 1001RB der Boost-Regler ins Spiel. Er macht aus dem handlichen Transistor-Top zwar keinen Röhrenboliden, der Sound wird aber mit zunehmenden Reglerweg deutlich griffiger und wärmer und erweitert das ohnehin schon große Klangangebot um zahlreiche Rocksounds mit schönem Röhrenflair. 

Der Boost-Regler erweitert die Klangmöglichkeiten des Transistortopteils.
Der Boost-Regler erweitert die Klangmöglichkeiten des Transistortopteils.

Ebenfalls nur Positives kann ich über die Leistung des wattstarken Transistoramps berichten, ihm geht so schnell die Puste nicht aus. Gallien Krueger geht mit den Leistungsangaben prinzipiell eher konservativ um und die Lautstärke, die der 1001RB mit effektiven Boxen  bei 4 Ohm erreicht, ist wirklich immens und sollte für alle Live-Anwendungen ausreichend sein. Der Amp verliert dabei auch nie die Klarheit und die Soundfülle, auch bei hohen Lautstärken bleibt der Klang stabil und absolut durchsetzungsstark. Mir fehlt beim eigentlich hervorragend ausgestatteten 1001RB nur eine zusätzliche Anschlussmöglichkeit für einen Fussschalter, mit dem die Mute-Funktion und im bestens Falls sogar die Voicing-Filter aus- oder eingeschaltet werden können. Schade, dass Gallien Krueger daran gespart hat, denn auf der Rückseite wäre ja noch jede Menge Platz. 

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