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FOMOfx Virtual Jeff Pro Test

Das FOMOfx Virtual Jeff Pro ist ein digitales Tremolo-System für Gitarre und damit auch eine recht pfiffige Erfindung, denn die Problematik bei Tremolo- oder besser gesagt Vibrato-Systemen an der Gitarre liegt in ihrer Konstruktion und Arbeitsweise. Die Saiten werden entspannt und wieder angespannt, wodurch sie an bestimmten Punkten hängen bleiben können und unter Umständen unser Instrument verstimmen. Werden die Tonhöhenverschiebungen aber per Pitch-Shift-Algorithmus auf digitaler Basis erzeugt wie beim beliebten Whammy-Pedal, dann bleibt alles im Lack, denn es werden ja keine Saiten gedehnt und es gibt keine Reibungspunkte.

FOMOfx Virtual Jeff Pro Test

Statt des Pedals (wie beim Whammy) hat man bei unserem Kandidaten nun einen Hebel an der Gitarre, der diesen Effekt steuert. Klingt alles recht logisch und plausibel, und weil das Gerät mit der neuesten Generation DSP-Chips ausgestattet ist, sollte eigentlich auch einiges möglich sein, auch Effekte, die man mit einem analogen Tremolosystem nicht erzeugen kann. Die Frage ist, ob das Tracking überzeugend ist, inwieweit und ob der Grundsound durch das Aktivieren des Effekts leidet und ob es wirklich nach einem mechanischen Tremolo klingt, ohne Aussetzer und Artefakte. Der Preis von 599 Euro ist jedenfalls weit entfernt von Billig-Spielzeug – mal sehen, wie sich der Virtual Jeff Pro in unserem Test schlägt.

Fotostrecke: 3 Bilder Das FOMOfx Virtual Jeff Pro im Einsatz auf einer Fender Telecaster.
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Eine Sache kurz vorab: Ich benutze im Test die Wortwahl „Tremolo-Hebel“ oder „Tremolo-System“ für den bekannten Effekt, der per Hebel an der Gitarre erzeugt wird, auch wenn es eigentlich sprachlich nicht korrekt ist. Denn obwohl es sich um eine Tonhöhenmodulation handelt, hat sich der Begriff Tremolo-Hebel im Gitarristenjargon weitgehend durchgesetzt.

Fotostrecke: 6 Bilder Im Lieferumfang enthalten ist eine schwarze gepolsterte Transporttasche,…
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Der Virtual Jeff Pro besteht aus zwei Einheiten, einem Controller im Effektpedalformat und der Tremoloeinheit, bestehend aus Hebelsystem und Halterung. Der Controller wird im Pedalboard geparkt, in ihm ist auch die komplette Elektronik inklusive DSP untergebracht. Alle Einstellungen werden hier vorgenommen. Das Gerät ist aus solidem Metall gefertigt, misst 156 x 98 x 49 mm (B x T x H) und bringt 480 Gramm auf die Waage. Auf der Oberseite findet man alle Bedienelemente, die aus drei Fußschaltern und zwei Up/Down-Tastern bestehen. Dazu eine Anzeige mit 16 LEDs, die Auskunft darüber gibt, wie weit der Tremolohebel den Ton verstimmt. Verändert wird diese Einstellung mit den beiden Up/Down-Tastern. Die 6,3 mm Klinkenanschlüsse sind seitlich geparkt, rechts der Input für das Gitarrensignal (Guitar In) und eine Buchse zum Anschluss eines Standard-Fußschalters für die Blend-Funktion. Links geht es raus in Richtung Amp (Guitar Out) und es wartet ein Fußschalteranschluss für die Hold-Funktion. Die Fußschalteranschlüsse sind so ausgelegt, dass man auch einen Dual-Switch mit Stereokabel mit einem von ihnen verbinden kann und dann die beiden Funktionen mit den beiden Schaltern steuert. Der Anschluss für ein Standard-9-V-Netzteil (Center Negativ) befindet sich an der Stirnseite. Falls die Stromversorgung des Pedalboards genutzt wird, sollte man den etwas höheren Strombedarf beachten: Das 1Spot mA Meter misst im Betrieb 231 mA. Alternativ dazu passt natürlich immer das mitgelieferte Netzteil des Herstellers. Daneben befindet sich der Anschluss für den Hebel (Whammy In) und eine USB-Buchse zum Einspielen von Updates.

Fotostrecke: 7 Bilder Die Anschlüsse der Controller-Einheit sind auf die Stirnseite und die Gehäuseseiten verteilt.
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Der Tremolohebel ist an einem kleinen Gehäuse befestigt, das quasi als Tremolo-Block-Ersatz hinter dem Steg in einen per Klebestreifen auf der Decke fixierten Halter geschoben wird. Laut Hersteller ist der Kleber nicht schädlich für den Lack der Gitarre und das System kann auch ohne Rückstände wieder entfernt werden, was ich bestätigen kann, denn nach dem Test blieben keinerlei Spuren auf dem Lack zurück. Es soll laut Hersteller auch bei Nitrolack-Gitarren keine Probleme geben. Im Lieferumfang sind zwei Halterungen, die bei Bedarf auf verschiedenen Gitarren installiert werden können. Beim Gitarrenwechsel nimmt man einfach die Hebeleinheit aus der Halterung der einen Gitarre und befestigt sie an der zweiten Gitarre. Der Hebel selbst ist 11 cm lang und lässt sich gleichmäßig in beide Richtungen bewegen. Allerdings besitzt er einen geringeren Widerstand als zum Beispiel ein Standardtremolo, bei dem drei Federn für den Gegenzug sorgen. Hier muss man sich erst etwas eingewöhnen und den Hebel mit weniger Kraft herunterdrücken. 

Fotostrecke: 4 Bilder Der Controller wird im Pedalboard geparkt, in ihm ist auch die komplette Elektronik inklusive DSP untergebracht.
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Die Verbindung zwischen Hebel und Controller kann auf zweierlei Art hergestellt werden. Für die traditionelle Version gehört ein vier Meter langes Kabel mit Stereo-Miniklinkensteckern an beiden Enden zum Lieferumfang. Auf der dem Hebel gegenüberliegenden Seite der Tremoloeinheit befindet sich die Anschlussbuchse, das andere Ende des Kabels wird mit dem Eingang an der Stirnseite des Controllers verbunden. Wer lieber etwas freier agiert, der kann die Mini-Link-Einheit benutzen, einen kleinen Sender, der sich über WLAN mit dem Controller verbindet. Die Hebeleinheit wird mit einem etwas kürzeren Kabel (60 cm) mit dem Sender verbunden, den man in die Tasche stecken oder am Gitarrengurt befestigen kann – einen Halter dazu gibt es ebenfalls im Lieferumfang. Der Sender wird mit einem Akku betrieben, der über USB aufgeladen wird. Laut Hersteller hat er eine Laufzeit von ca. 25 – 30 Stunden. Fällt die Kapazität auf 10%, blinkt die LED im Power-Schalter. Die Verbindung zum Controller wird automatisch hergestellt, sobald man den Power-Schalter an der Mini-Link-Einheit drückt. Dazu sollte der Controller natürlich auch eingeschaltet sein.

Fotostrecke: 5 Bilder Die Mini-Link Einheit für die kabellose Verbindung zwischen Tremolo und Controller.
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Das alles funktioniert absolut reibungslos, die Installation der Einzelteile ist ebenfalls unproblematisch. Hier ist noch einmal die Auflistung aller Utensilien, die im Paket enthalten sind.

  • Controller als Steuereinheit in Pedalform
  • Netzteil für Controller
  • Tremolohebel
  • Mini-Link Einheit für die kabellose Verbindung zwischen Tremolo und Controller (inkl. Halterung für den Gitarrengurt)
  • 2 Halterungen für den Tremolohebel zum Aufkleben auf die Gitarre
  • Kabel kurz zur Verbindung zwischen Tremolo und Mini-Link
  • Kabel lang zur Verbindung zwischen Tremolo und Controller, wenn man nicht die drahtlose Variante mit der Mini-Link-Einheit nutzen möchte
  • Softcase für den Hebel und Halterungen
  • Ersatzklebestreifen

Zum Lieferumfang gehört auch eine kleine gedruckte Anleitung, allerdings empfehlen sich die detaillierten Beschreibungen auf der Website des Herstellers. Dort gibt es zu diversen Fragen (z. B. Positionierung des Hebels, Einstellung des Hebels) geschriebene Anleitungen und Videos.

Bedienung

Der Effekt wird mit dem linken Fußschalter (Active) eingeschaltet. Beim Einschalten passiert noch nichts, es geht ja erst los, wenn der Hebel bewegt wird. Die Auswirkungen der Bewegungen können am Controller eingestellt werden. Die Werte werden über die Anzeige mit den einzelnen LEDs dargestellt und können über die jeweiligen Up/Down-Taster verändert werden. Folgende Varianten sind möglich:

Nach unten: 1, 2, 3, 4, 5, 7, 12, 24 Halbtöne

Nach oben: 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 12 Halbtöne

Fotostrecke: 5 Bilder Auf der Oberseite findet man alle Bedienelemente, die aus drei Fußschaltern und zwei Up/Down-Tastern bestehen
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Die Werte lassen sich unabhängig für beide Richtungen einstellen. Die Tonhöhenverschiebung des Virtual Jeff Pro ist komplett polyphon, womit sich das digitale Tremolosystem schon vom analogen klar absetzt, denn hier werden alle Saiten gleich stark verstimmt. Das geht in der analogen Welt nur mit einem Steinberger Trans Trem, die üblichen Tremoloeinheiten erzeugen eine ungleichmäßige Verstimmung, weil die Saiten verschieden stark gespannt sind und sich bei einer identischen Entspannung unterschiedlich stark in der Tonhöhe verändern. Mit der gleichmäßigen Verstimmung sind natürlich ein paar zusätzliche Effekte möglich. Und damit kommen wir gleich zur ersten Zusatzfunktionen, die man mit dem rechten Fußschalter (V-Capo) aktivieren kann. Wie der Name sagt, kann hier ein virtueller Capo hinzugefügt werden, und zwar ebenfalls in beide Richtungen und in genau den Halbtonschritten wie beim Whammy-Effekt mit Hebel. Die Funktion des Tremolo-Hebels bleibt dabei erhalten, seine aktuelle Einstellung wird übernommen, wenn man den V-Capo aktiviert. Es gibt außerdem zwei weitere Zusatzfunktionen, die über einen externen Fußschalter aktiviert werden. Die eine nennt sich Hold, bei der die aktuelle Position des Hebels eingefroren wird, wenn man den Schalter drückt. Mit der zweiten, Blend genannten Funktion kann das Direktsignal hinzugemischt werden, womit sich Chorus-ähnliche Sounds erzeugen lassen. Entweder, indem man beim Spielen den Hebel betätigt und die Effektintensität selbst steuert oder man vorher den Hebel etwas gedrückt hat und diese Position mit der Hold-Funktion einfriert. Wie das alles klingt, werdet ihr gleich im Praxisteil hören. Mit dem mittleren Fußschalter mit der Bezeichnung A/B wird zwischen den beiden Presets gewechselt. Speichern muss man nichts extra, der Virtual Jeff Pro merkt sich die letzte Einstellung des aktuell aufgerufenen Presets.

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