Test
2
20.04.2017

Fun Generation USB One Test

USB-Kondensatormikrofon

Mehr als nur ein wenig Podcast

Podcaster, Sänger, Musiker – ja alle, die zuhause mit dem Computer aufnehmen wollen, werden vom Fun Generation USB One angesprochen. Ganz besonders die Einstiegshürden in das Recording mit professionellerem Anspruch als über in Tablet, Smartphone oder Laptop eingebaute Mikrofone möglich ist, werden über dieses Mikrofon abgebaut. Und das geschieht über den Preis, denn zu den knapp dreißig Euro aktuellem Ladenpreis sollte noch ein wenig in einen einfachen Tischständer oder ein Mikrofonstativ investiert werden, dann kann die Aufnahme beginnen.

Als ich damals mit dem Tontechnikstudium begonnen hatte, musste man für ein Kondensatormikrofon, einen Vorverstärker und ein Audiointerface mindestens das Zehn-, eher aber das Zwanzigfache ausgeben. Nahelegend also, dass man ob des Preises vermuten kann, dass man von den mit dem Fun Generation USB One erzielbaren Klangergebnissen nicht sonderlich erbaut sein wird. „Fun Generation“ – alles eher ein Spaß?

Details

Alles ist im Mikro eingebaut

Statt auf die klassische Aufnahmekette von Mikrofon, Mikrofonkabel, Audio-Interface mit Mikrofonvorverstärker und A/D-Wandlung setzt das USB One auf ein anderes Konzept. Es gehört zur Gerätegattung der USB-Mikrofone, die die genannten Komponenten quasi eingebaut haben und somit den direkten Anschluss an den Computer ermöglichen. Über die USB-Schnittstelle kann sich das USB One mit 5 Volt Spannung versorgen, um die Elektronik zu betreiben, dafür stellt es im Betriebssystem ein Signal mit einer Frequenzauflösung von 44100 oder 48000 Samples pro Sekunde (44,1 oder 48 kHz) und einer Auflösung von 16 Bit zur Verfügung. Sicher, es gibt viele Systeme, die 24 Bit und 96, 192 und noch viel mehr Kilohertz verwenden können, doch die nicht gerade für ihre schlechte Klangqualität bekannte CD arbeitet mit 44,1 kHz und 16 Bit. Unter OS X und Windows funktioniert es – ein kleiner Test zeigte aber, dass es mit Camera Connection Kit auch am iOS-Gerät benutzbar war.

Keine Schaltfunktionen

Viele Mikrofone besitzen eine Reihe von Einstelloptionen. So finden sich oft lustige kleine Zeichen, die nach Kugeln, einer Acht oder einer Niere aussehen. Tatsächlich kann man damit die sogenannte Richtcharakteristik umschalten und bestimmen, aus welchem Winkel ein Mikrofon besonders viel Schall aufnimmt und aus welchem besonders wenig. Das Fun Generation besitzt eine feste Nierencharakteristik. Das bedeutet, dass es von vorne besprochen, also wenn man auf das Logo schaut, nicht auf das „Dach“ besprochen, den größtmöglichen Pegel aufnimmt (und auch die meisten Höhen). Weil die üblichen Mikrofone bei geringem Abstand gerne zu bassig werden, hilft oft eine schaltbare Tiefensperre („Low Cut“), die auch dieses Mikro nicht besitzt. Auch ein Pad gibt es nicht, doch das wird üblicherweise erst bei sehr lauten Instrumenten notwendig. Schlimm ist das Fehlen dieser Schaltfunktionen übrigens keineswegs, selbst manche Mikros weit jenseits der Schallmauer von tausend Euro erlauben an Einstellungen genau null.  

Plastik – eigentlich nicht möglich

Das Gehäuse des Fun Generation besteht aus Hartplastik. Eigentlich dürfte das nicht gehen, denn dass Mikrofone üblicherweise mit Metallgehäusen ausgestattet werden, hat durchaus einen Sinn: Das sehr geringpeglige Signal von der Kapsel zur Elektronik ist sehr, sehr empfindlich gegen Einstreuungen und muss geschützt werden. Das passiert natürlich sicher auch im USB One. Dieses lässt sich nicht öffnen, doch ist davon auszugehen, dass im Inneren zwei Metallschellen die Elektronik schützen. Ein einfaches Gelenk ermöglicht die Fixierung des Mikrofons auf einem Tischstativ oder einem Mikrofonständer. Eines von beiden ist zwingend auf der Zubehörliste und sollte bei Bestellung mit im Warenkorb landen. Einfach und simpel ist auch das Metallgitter, das dahinterliegende Gewebematerial lässt keinen Blick auf die Kapsel zu. Viel Zubehör kann man natürlich nicht erwarten, neben Mikrofon, USB-Kabel und ein wenig Papierwerk bleibt die Schachtel leer.  

Werte wie bei einem „erwachsenen“ Kondensatormikrofon

Von 20 Hz bis 17 kHz ist der Frequenzgang angegeben, das ist ein ordentlicher Wert, der zudem nichts beschönigt. Viele Hersteller nennen zwar 20 Hz – 20 kHz, doch wird gerade der obere Wert kaum noch erreicht, die Angaben des Fun Generation scheinen nach Blick in das Frequenzdiagramm den üblichen Gepflogenheiten zu entsprechen (also der Angabe des -3dB-Punkts). Für den Schalldruckpegel von 132 dB(SPL) fehlt die wesentliche Angabe des dort erreichten Bestandteils an harmonischen Verzerrungen und Rauschen am Gesamtsignal. Allerdings wäre bei diesem Wert wahrscheinlich schon der interne Wandler übersteuert – vor dem voll aufgerissenen Gitarrenverstärker oder nah am Drumkit wird sich das Mikro also eher unwohl fühlen – aber dafür ist es auch gar nicht gedacht.  

Monitoring nur über den Computer

Wer sich die Pro- und Contra-Liste in der rechten Spalte dieses Reviews ansieht, der wird sicher den negativen Eintrag „konzeptionelle Nachteile beim Musik-Recording“ nicht übersehen haben. Mit einem USB-Mikrofon nimmt man ein Signal mit dem Computer auf… was soll daran nachteilig sein? Nun, zunächst einmal nichts, aber es ist nicht möglich, das Signal während des Aufnehmens sinnvoll zu kontrollieren. Natürlich gibt es Software-Monitoring in vielen Programmen, doch der gesamte Weg von Mikrofonkapsel bis zum Kopfhörer dauert zu lang, das Signal wird verzögert („Latenz“). Man muss also einen Blindflug machen, das Signal aufnehmen und anschließend klanglich kontrollieren, ob Fehler wie Popplaute, Übersteuerungen oder dergleichen aufgezeichnet wurden. Wirklich ins Gewicht fallen tut das erst, wenn man Gesang zur Musik aufnimmt, denn das USB One bietet nicht die Möglichkeit, mit dem Mikrofonsound auf dem Ohr zur Musik zu singen. Aufwändigere (und teurere) Systeme haben eine Option zum regelbaren Mischen des Playbacks und des Mikrosignals. Was weniger die Performance beeinflusst als eine technische Einschränkung darstellt, ist die Tatsache, dass das Mikrofon kein Gain besitzt. Dadurch kann man das eigentliche Mikrofonsignal nicht an den A/D-Wandler anpassen. Ist das Signal zu kräftig, verzerrt das System, ist es deutlich zu gering, nutzt man die Verstärkungsstufen und die Auflösung des Wandlers nicht aus, was schlechter für das Rauschverhalten ist.  

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare