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Test
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23.05.2016

Zoom F8 Multi Track Field Recorder Test

Mehrspuriger SD-Karten-Recorder für Atmo- und Videoanwendungen

Anspruchsvolles, mobiles Aufnahmegerät für Film und Sounddesign

Die mittlerweile seit 33 Jahren bestehende Firma Zoom hat sich in den letzten zehn Jahren zum Spezialisten in Sachen Fieldrecorder etabliert. Mit dem neusten Spross, dem Zoom F8, bietet der japanische Audio-Hersteller ein solides Gerät zu einem vergleichsweise günstigen Preis an, das sich in erster Linie an Profis aus den Bereichen Filmton und Sounddesign richtet. Was der Zoom F8 alles kann, wie gut die Klangqualität ist, und wie es mit der Bedienung in der Praxis aussieht, soll in diesem bonedo-Test herausgefunden werden.

Zoom wagt sich zum ersten Mal an einen tragbaren Mehrkanal-Fieldrecorder: Mit ihrem ersten Fieldrecorder, dem H4 (hier der Test des H4n), kamen Zoom vor ziemlich genau 10 Jahren auf den Markt. Das praktische, kleine, mobile Aufnahmegerät im Handyformat konnte schon damals mit erstaunlichen Spezifikationen begeistern, trotz des kleinen Formates und des günstigen Preises. Ein ähnlicher Paukenschlag ist den Entwicklern von Zoom nun mit dem F8 gelungen. Er bietet sich als Profitool im Taschenformat an, das nicht nur qualitativ mit der Konkurrenz mithalten kann und absolut toll verarbeitet ist, sondern in dieser Liga einzigartig günstig ist. Mit Features wie acht Inputs, Dualchannel-Recording und Timecode-Synchronisierung zielt der F8 auf den Einsatz an Filmsets. Dank der Qualität der Preamps und der hohen Audioauflösung von bis zu 24Bit/192kHz möchte Zoom auch den audiophilen Stubenhocker vom Sofa holen und ihn mit der Möglichkeit, im Batteriebetrieb bis zu acht Kanäle aufnehmen zu können, zum Sounddesign ins Feld locken.

Details

Für einen Multichannel-Fieldrecorder sehr klein und leicht

Mit seinen geringen Ausmaßen von 14x17x5 Zentimetern und einem Gewicht von knapp unter einem Kilo liegt der Zoom F8 noch relativ gut in der Hand und lässt sich mühelos transportieren. Das edel ausschauende Metallgehäuse wirkt sehr robust und fühlt sich nach Hightech an. An der Frontseite befinden sich die Bedienelemte, die man natürlich zur Steuerung des Rekorders benutzen kann. Muss man aber nicht, denn der F8 lässt sich alternativ per kostenloser App mit iOS-Geräten bedienen. Das linke Drittel der Front ist von einem Farb-LC-Display belegt, welches hauptsächlich dem Metering, also der Pegelkontrolle dient. An den Seiten befinden sich die Ein- und Ausgänge, SD-Kartenports, USB-Schnittstelle, und ein 4-Pin-Hirose-Anschluß zum Anschluss externer Akku-Packs. Die Rückseite bietet eine Kensington-Lock-Aussparrung, den Netzteil-Anschluss, zwei BNC-Buchsen zur Timecode-Synchronisation, einen Port zum direkten Anschluss von Zoom-Mikrofonkapseln sowie ein Batteriefach, das acht AA-Batterien aufnimmt.

Die Stromversorgung kann auf drei Arten hergestellt werden

Wenn mich die Jahre bei diversen TV-Produktionen etwas gelehrt haben, dann dass Havarie-Optionen unabdingbar sind. In puncto Stromversorgung hat man dem Zoom R8 gleich drei unterschiedliche Stromanschlüsse spendiert, um ihn möglichst ausfallsicher am Laufen halten zu können. Die Stromzufuhr kann per mitgeliefertem 12-Volt-Netzteil, das rückseitig am Gerät angeschlossen werden kann, hergestellt werden, per externer Batterie-Packs über den Hirose-Anschluss und mit Hilfe von acht AA-Batterien in einem Einschub auf der Rückseite des Geräts. Für Einsätze unterwegs, bei denen kein 230-Volt- Stromanschluss zur Verfügung steht, hat man die Möglichkeit, unterbrechungsfrei zwischen externem Batterie-Pack und den AA-Batterien umschalten zu lassen. Hierzu stellt man im Menü ein, bei wieviel Volt vom Batterie-Pack auf die AA-Batterien gewechselt werden soll. Kommt es doch einmal zu einem Ausfall, ist dank einer Auto-Save-Funktion ein Datenverlust so gut wie ausgeschlossen. Ich habe es ausprobiert und während einer Aufnahme die Stromzufuhr unterbrochen. Nur die letzte halbe Sekunde der Aufnahme war hinterher nicht auf der SD-Karte vorhanden. Hervorragend! Zum Thema Betriebs- und Datensicherheit komme ich später noch einmal zu sprechen.

Eingänge und Ausgänge des MTK-Recorders

Der Zoom F8 bietet eingangsseitig acht XLR/Klinke-Kombobuchsen, die rechts und links am Gehäuse ihren Platz bekommen haben. Die XLR-Eingänge lassen sich einzeln mit Phantomspeisung belegen. Falls nötig, können 10 Milliampere für jeweils jeden der acht Eingänge zur Verfügung gestellt werden. Eine sichere Speisung für die volle Kondensatormikrofon-Belegung ist also gewährleistet. Das analoge Inputgain wird mit Hilfe der acht Drehregler der Frontseite eingestellt, kann aber auch mit der bereits erwähnten App auf iDevices per Bluetooth-Verbindung geregelt werden. Bedient man diese Gains mit Hilfe der App, so bleiben die Hardware-Drehregler davon unbeeindruckt. Man sollte also aufpassen, dass man im Eifer des Gefechts nicht durcheinander kommt. Praktischerweise lassen sich alle acht Gainregler in vier Gruppen verlinken, sodass man mit Hilfe einem der Drehregler einer Gruppe alle Mitglieder gleichzeitig gainen kann. Die Eingänge mit den Nummern Eins, Drei, Fünf und Sieben können übrigens mit ihren gradzahligen direkten Nachbarn zu einem Stereopaar verbunden werden.

Ein ungewöhnlicher Eingang: Der Anschluss für die Zoom-Mikrofonkapseln

Mit dem Mikrofon-Anschlussport für die Zoom-Kapseln hat man dem F8 quasi einen Bonus-Eingang spendiert. Die Mikrofonkapseln, die denen der Handheld-Recorder H5 und H6 entsprechen, lassen sich mit Hilfe eines zusätzlich erhältlichen Extention-Kables anschließen. Benutzt man diesen Port, so geht das nur auf Kosten der Eingänge eins und zwei, die man in dem Moment nicht mehr nutzen kann.

Vier Ausgänge und ein regelbarer Kopfhöreranschluss

Neben dem regelbaren Kopfhöreranschluss, dem ein kleiner, dedizierter Drehregler unterhalb des Menu-Buttons spendiert wurde, bietet der F8 vier Ausgänge: Zwei symmetrische Hauptausgänge, in Form von Mini-XLR-Buchsen, die mit dem beigelten Adapterkabel auf erwachsene XLR-Stecker hochgepimpt werden, zudem zwei unsymmetrische Sub-Ausgänge, die mit einer Miniklinkenbuchse herausgeführt werden und beispielsweise zum Anschließen an eine Kamera gedacht sind.

Timecode- und USB-Anschluss

Zwei BNC-Buchsen bieten Zugang zur wundersamen Welt der Timecode-Synchronisation. Eine solche Timecode-Integration ermöglichst es, Video- und Audio-Aufnahmen in späteren Bearbeitungen stets synchron zueinander zu fixieren. Der Laie staunt, der Profi schmunzelt… Der USB-Anschluss deckt drei Funktionen ab: Er dient zum Datei-Transfer der Aufnahmen von den SD-Karten auf den Computer und zur Übertragung von Firmware-Updates. Das heißeste Feature dieses Busses ist aber, dass man mit seiner Hilfe den F8 zum 8-In/4-Out-Audio-Interface für Computer oder iPad machen kann. Hierbei sollte man aber beachten, dass die Stromversorgung ausschließlich über den USB-Anschluss nicht genügt. Eine der drei Besaftungsmethoden muss den F8 beim Betrieb als Audiointerface zusätzlich befeuern.

Das Display des Aufnahmegeräts

Zum Metering und zur allgemeinen Bedienung steht an der Frontseite ein hintergrundbeleuchtetes LC-Display zur Verfügung. Auch in hellen Umgebungen lässt es sich prima ablesen. Es stehen mehrere unterschiedliche Metering-Seiten zur Verfügung, mit deren Hilfe man die diversen Pegel, Panoramen, und sonstige Einstellungen einsehen und einstellen kann, darunter Stereo-Paring, Limiting und Phantompower. Der größte Drehknopf des F8, der sogenannte Select-Encoder, sitzt mittig rechts daneben und dient zur Navigation des Cursors, und zum Durchfahren der unterschiedlichen nummerischen Feldern. Das Displayglas ist zwar nicht entspiegelt, kann aber durch die sehr hell einstellbare Hintergrundbeleuchtung selbst bei grellem Sonnenschein gut abgelesen werden.

Der Zoom F8 bietet verschiedenste Sicherheitsfunktionen auf Hard- und Software-Basis:


Die Speicherslots bieten Daten-Redundanz

Als Medium zum Speichern der Aufnahmen hat man sich bei Zoom auf die üblichen SD-Karten festgelegt. Dem F8 wurden hierfür gleich zwei SD-Slots spendiert. In ihnen lassen sich SD/SDHC/SDXC-Karten mit bis zu 512 Gigabyte Kapazität verwenden. Beide Karten können simultan die gleichen Aufnahme speichern, um direkt ein Backup zu haben, oder können in jeweils unterschiedlichen File-Formaten beschrieben werden. Hierbei gibt es die Möglichkeit, beispielsweise auf der einen Karte alle ungemischten Einzelspuren 1-8 aufzunehmen, auf der anderen Karte aber gleichzeitig eine Mischung der acht Eingänge im WAV- oder MP3-Fomat zu speichern. 

Clipping-Prophylaxe mit Hilfe von Dual-Channel-Recording

Wo wir schon bei Backupfunktionen waren: Ein weiteres schlaues Feature, um Datensicherheit zu gewährleisten, ist die Möglichkeit, das sogenannte Dualchannel-Recording zu aktivieren. Für die Eingänge eins bis vier kann dieses Feature aktiviert werden. Es ermöglicht, dass diese Eingänge auf die Spuren fünf bis acht aufgenommen und somit quasi gebackupt werden. Der Clou hierbei ist, dass man die so gespiegelten Inputs mit jeweils unterschiedlich Pegeln aufnehmen kann. Hat man Bedenken, dass man trotz guten Pegelns vielleicht ins Clipping kommen könnte, aktiviert man einfach Dualchannel-Recording für die entsprechenden Eingänge, und nimmt das selbe Signal ein paar Dezibel leiser auf. Die Eingänge 1,2,3 und 4 werden bei Dualisieren auf die Spuren 5,6,7 und 8 aufgenommen. Auf die entsprechenden Hardware-Eingänge muss dann für eine solche Dualchannel-Aufnahme verzichtet werden.

Pre-Recording gegen zu spätes In-Aufnahme-Gehen

An Sicherheits-Features hat man auch softwareseitig nicht gespart. Sicherheit ist bei der Arbeit an der Filmton-Front auch wirklich Gold wert. Eine Möglichkeit, bei Tonaufnahmen an Filmsets zum Buhmann zu werden, ist zu spät in Aufnahme zu gehen und dadurch den Anfang eines Takes zu verpassen. Um dem entgegen zu wirken, kann der F8 bis zu sechs Sekunden Audio aufnehmen, bevor man den Record-Button drückt. 

Ein Software-Limiter sorgt dafür, dass die Pegel nicht über das oberste Bit hinaus schlagen

Mit einer Ration von 20:1 ermöglicht der Software-Limiter einen Headroom von zehn Dezibel bereitzustellen. Dies verhindert dass selbst die steilsten Flanken keine Intersample-Peaks über 0 dBFS erzgeugen, und auch sonst kein Pegel übers Ziel hinaus schlägt. 

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