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06.01.2017

Yamaha Stagepas 400i und 600i Test

Kompakt-PA

Einsatzmöglichkeiten für kleine PA-Systeme wie die aus Yamahas Stagepas-Serie gibt es viele: Hintergrundmusik, Tombola, Vorträge oder der Akustik-Gig im Lokal um die Ecke. Meistens setzen tontechnische Laien die Geräte ein, also muss die Bedienung einfach vonstattengehen, von Transport und Aufbau mal ganz zu schweigen. Und für die Musiker unter den Anwendern dürfen ruhig auch ein paar Kanäle und Features mehr an Bord sein. Yamahas Stagepas-Systeme tragen diesen Anforderungen Rechnung. Ein Set besteht aus zwei Boxen plus einem modularen Powermischer, der sich zum Transport in eine der Boxen einklinken lässt. Die andere Box dient den Kabeln als Behältnis, sodass Stagepas nach einmal Laufen und Tragen aufbaubereit an der Bühne steht.

Die Boxen

Die zu den Stagepas-Sets gehörenden Boxen werden komplett aus Kunststoff in Spritzgusstechnik gefertigt. Hochtonhorn, Bassreflex-Öffnungen, Standfüße, Schraubenlöcher und vieles mehr sind bei diesem Herstellungsverfahren bereits in die Gussform integriert und müssen folglich nicht extra zugekauft, montiert oder nachgearbeitet werden. So sind bei den Stagepas-Gehäusen außen lediglich die oberen Griffschalen, die Schutzgitter für den Tieftöner, zwei Gummifüße und je eine Stativflansch-Verriegelung nachträglich angebracht.

Im Vergleich zur klassischen Holzfertigung spart dies Kosten in der Produktion, was Yamaha aber nicht davon abhält, auf Stabilität und wertige Verarbeitung zu achten. Anstatt mit Ecken und Kanten überzeugen die Stagepas-Gehäuse mit runden fließenden Übergängen. Die glatten Oberflächen erweisen sich als äußerst resistent gegen Verkratzen und andere mechanische Einflüsse, was auf eine entsprechende Härte und hohe Qualität des verwendeten Kunststoffs schließen lässt.

Konstruiert ist die Stagepas als klassische Multifunktionsbox: Man kann sie sowohl als Topteil auf dem Stativ wie auch liegend als Bodenmonitor verwenden. Zu diesem Zweck besitzt das Gehäuse eine seitliche Abschrägung, welche einen Aufstellwinkel von etwa 50 Grad ermöglicht. Im Innern der kleineren 400i werkelt ein 8-Zoll-Tieftöner zusammen mit einem einzölligen Hochtöner, während die größere 600i auf eine 10-Zoll/1,4-Zoll-Kombination zurückgreift. Die akustische Trennung beider Chassis erfolgt über passive Frequenzweichen bei 2,8 kHz (600i) bzw. 3,2 kHz (400i). Für den Transport klinkt der Anwender das zugehörige Powermischer-Modul in die Aussparung an der Rückseite ein. Analog dazu beherbergt die zweite Box die Netzleitung plus Lautsprecherkabel. Sie wird zu diesem Zweck mit einem einrastenden Deckel verschlossen.

Details

Die Powermischer

2 x 180 Watt an 4 Ohm liefert der Powermischer des Stagepas 400i, sein größerer Bruder ist mit 2 x 280 Watt etwas stärker aufgestellt. Um diese Performance mit der kompakten Bauweise in Einklang zu bringen, verfügen die Geräte über wirkungsgradstarke Class-D-Endstufen in Verbindung mit Schaltnetzteilen. Acht Kanäle mit unterschiedlichen Buchsenformaten sind vorhanden: XLR für Mikrofone in den Kanälen 1 und 2 (inklusive zuschaltbarer Phantom-Power), Kombibuchsen für XLR- und Klinkenstecker in den Kanälen 3 und 4. Überall gibt es einfache Low/High-Klangregelungen und die Möglichkeit, mittels Reverb-Regler auf den internen Effektprozessor zu gelangen. Zuvor entscheidet eine Mic/Line-Umschaltung über die Eingangsempfindlichkeit, weitere Gain-Regler gibt es nicht. Wer an Kanal 4 eine Gitarre mit hochohmigem Tonabnehmer anschließen möchte, kann durch Drücken des Hi-Z-Schalters die Impedanz anpassen und so Klangverlusten in Form von Höhendämpfung vorbeugen.

Die Einstellung der Kanalpegel wie auch der finalen Gesamtlautstärke erfolgt über Drehregler. Stereosignale nimmt das Kanalpaar 5/6 über Klinken- oder Cinch-Eingänge in Empfang, die Eingänge 7/8 bieten als Alternative zu Cinch einen Miniklinkenanschluss. Auch hier gibt es die Hi/Low-Klangregelungen sowie einen Monoschalter. Damit gelangt das Signal „in die Mitte“, wenn einer der Stereokanäle als zusätzlicher Monoeingang zweckentfremdet wird. Beim etwas größeren 600i gibt es einen zusätzlichen Stereokanal mit Klinkenbuchsen, ferner sind alle Kanal-EQs um ein Mittenfilter mit fester Center-Frequenz (2,5 kHz) erweitert. Last, but not least verfügen beide Stagepas-Modelle über USB-Ports. Schließt man ein iPhone oder einen iPod an, lässt sich ein digitaler Audiostream ins Pult schicken und über einen Stereokanal wiedergeben. Leider ist dieses Feature ausschließlich Apple-Geräten vorbehalten. Handys und Tablets mit anderen Betriebssystemen funktionieren nicht und lassen sich an der USB-Buchse lediglich aufladen.

Möchte man den finalen Mix nicht nur über die zugehörigen Boxen wiedergeben, stellen die beiden Monitor-Out-Klinkenbuchsen die Line-Signale vom Master unabhängig regelbar zur Verfügung. Der Subwoofer-Out liefert ein frequenzkorrigiertes Signal (steilflankiger Tiefpass bei 120 Hz) zum Anschluss einer aktiven Bassbox. Ist hier ein Klinkenstecker eingestöpselt, senkt ein Hochpassfilter die Bässe auf den Hauptboxen ab.

Der Effektprozessor orientiert sich an Yamahas SPX-Geräten und erzeugt drei Halltypen (Hall, Plate und Room) plus Delays in guter Qualität. Deren Umschaltung sowie die Einstellung der Nachhall/Verzögerungszeit übernimmt ein einziger Regler, dessen Drehbereich in vier Zonen unterteilt ist. Möchte man den Effekt auf der Bühne unauffällig aus- und wieder einschalten, kann dies mit einem via Klinkenbuchse anschließbaren Fußtaster geschehen.

Weiteren Einfluss auf das Klanggeschehen ermöglicht der Master-EQ, der – die einfache Bedienphilosophie fortsetzend – ebenfalls nur einen Drehregler besitzt. Genau genommen handelt es sich um eine Klangblende. Für Sprachanwendungen dreht man den Regler ganz nach links, was den Bassbereich ausdünnt und so die Sprachverständlichkeit fördert. Soll zur Musikwiedergabe mehr Bass erklingen, bewegt man den Regler aus der neutralen Mitte in die Gegenrichtung.

Lästige Rückkopplungen unterdrückt das 400i mit einem automatisch agierenden Feedback-Suppressor. Bleiben die beiden rot gekennzeichneten Ausgänge zum Anschluss der Boxen: Dass Yamaha hier Klinkenbuchsen gewählt hat, ist technisch nicht die modernste und sauberste Lösung, bei kleinen Anlagen aber immer noch gang und gäbe. Problem: Wenn boxenseitig nicht eingesteckt, bieten Klinkenstecker keinen Berührungsschutz, weswegen bei stärkeren Endstufen nur noch Speakon-Buchsen die Ausgänge zieren.

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