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Test
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10.07.2014

XLN Audio Addictive Drums 2 Test

Virtuelles Drum-Studio

Drums, die noch mehr süchtig machen?

Die Addictive Drums waren bei ihrem Release im Jahr 2006 das erste Produkt von XLN Audio und schafften es auf Anhieb, sich einen Platz unter den erfolgreichen Sample-Playern für akustische Drums zu sichern. In einem Umfeld, das einerseits von den einschlägig bekannten Gigabyte-Schwergewichten und andererseits von vorsätzlich schlank und auch in ihren klanglichen Eingriffsmöglichkeiten rudimentär gehaltenen Libraries dominiert wurde, fanden die Schweden einen stimmigen Mittelweg: Eine kompakte Library, die ihre Stärken vor allem über die integrierten Möglichkeiten zum Sound-Design ausspielt.

Das gleiche Grundkonzept gilt nach wie vor auch für die zweite große Version, die aber natürlich mit allerhand neuen Features aufgepeppt wurde. Neue Sounds, neue Effekte und eine ganze Reihe an Erweiterungen in Bedienung und Workflow verlangen natürlich nach einem gewohnt ausführlichen bonedo-Test. Dass unablässiges Getrommel mitunter eine bewusstseinserweiternde Wirkung haben kann, ist allgemein bekannt, ob im Fall der Addictive Drums 2 eine konkrete Suchtgefährdung besteht, werden wir auf den folgenden Seiten klären.

Details

Eine Library nach dem Lego-Prinzip

Unabhängig davon, ob nun Drums, Bässe, Pianos oder sonstige Instrumente reproduziert werden sollen, haben virtuelle Klangerzeuger üblicherweise eine Core-Library mit den zugehörigen Standard-Sounds im Gepäck. Diese Basis-Ausstattung kann zudem in vielen Fällen durch optional erhältliche Zusatz-Pakete erweitert werden, und auch für die Addictive Drums sind momentan 16 sogenannte ADpaks verfügbar (stand Juni 2014). Der grundlegende Unterschied zu den meisten anderen Sample-Playern ist jedoch, dass es im Fall unseres Testkandidaten keine echte Core-Library gibt. Ein ADpak schließt immer die vollständige Kern-Anwendung mit ein und läuft selbständig ohne zusätzlich benötigte Software oder Lizenzen. Dem Anwender wird also die freie Wahl gelassen, welche Sounds er wirklich will, und so muss sich ein reiner Electro-Bastler nicht ungewollt mit großen Rock-Drums oder ein Jünger des Heavy Metal nicht mit Samples aus dem Retro-Pop versorgen lassen. Das ist doch schon einmal eine feine Sache!

Wer sich beim Kauf eine breitere klangliche Grundlage schaffen möchte, der kann aus drei Bundle-Angeboten mit unterschiedlichem Umfang wählen. Welche ADpaks, MIDIpaks und zusätzlichen Kit-Piece Paks im Bundle enthalten sein sollen, bleibt natürlich auch in diesem Fall dem Anwender überlassen.

Bei einer solchen Flexibilität in der Ausstattung macht ein direkter Download der benötigten Daten natürlich am meisten Sinn, und auch wer sich alternativ zum Web-Shop des Herstellers für die (zum Testzeitpunkt durchaus günstigere) Boxed-Version vom Händler entscheidet, bekommt mit der Pappschachtel keinen physikalischen Datenträger, sondern nur einen Lizenz-Schlüssel zur Online-Registrierung. Die ausgewählten ADpaks werden über den XLN Audio Online Installer heruntergeladen, der als eigenständige Anwendung installiert wird. Im Prinzip läuft die Prozedur sehr komfortabel ab, und auch die Installation von Updates und Bugfixes wird dadurch vereinfacht. Ein für manche Oldschool-Anwender mögliches Manko ist allerdings, dass die heruntergeladenen Files direkt auf dem Download-Rechner installiert werden und eine Offline-Installation auf Computern ohne Internet-Verbindung nicht vorgesehen ist. Wer mit seinem Studio-Rechner nicht ins Internet will, der muss für die Addictive Drums 2 also ausnahmsweise doch einmal in den vermeintlich sauren Apfel beißen. Wiederum positiv anzumerken ist, dass eine gleichzeitige Autorisierung der Software auf zwei Rechnern möglich ist. Durch das neue Feature der Cloud-Synchronisation lassen sich sogar kinderleicht User-Presets öffnen, die auf einem anderen Rechner erstellt wurden.   

Konzept und Grundklang

Drum-Sampler mit umfangreicheren Libraries können sich als echte Speicherfresser entpuppen. Vor allem wenn mit sehr geringen Latenzen gearbeitet wird, um Instrumente in Echtzeit über MIDI-Controller (z.B. E-Drums) zu spielen, oder wenn umfangreiche Mischungen gefahren werden, kann dies auch so manchem aktuellen Rechner noch den Schweiß auf den Prozessor treiben. FXpansion BFD3 belegt beispielsweise alleine mit seiner Core-Library über 50 GB auf der Festplatte und fordert auch vom RAM einen entsprechend hohen Tribut. Die ADpaks der Addictive Drums sind mit jeweils einem einzelnen Drumkit (abgesehen von einigen Ausnahmen) und einem durchschnittlichen Datenvolumen von schlappen 400 bis 500 MB dagegen wahre Leichtgewichte.

Der Unterschied zu den größeren Libraries liegt allerdings nicht ausschließlich in der geringeren Anzahl der verfügbaren Instrumente, sondern auch im Detailgrad, der sich letztendlich auf den gehörten oder gefühlten Realismus auswirkt. Ausschlaggebend ist hier vor allem die Anzahl der Samples pro Instrument. Da zwei Schläge auf einer echten Trommel in der Realität nie vollständig identisch klingen und da vor allem bei unterschiedlichen Lautstärken ganz unterschiedliche Klangfarben entstehen, bieten manche große Libraries über 100 Velocity-Layer bzw. Alternativ-Samples pro Instrument an, um die Instrumente möglichst naturgetreu nachbilden zu können. Ähnlich wie der fast zeitgleich erschienene EZdrummer 2 von Toontrack legen die Addictive Drums 2 jedoch keinen allzu großen Wert darauf, dies auf die Spitze zu treiben. Die Anzahl der Layers folgt keinen festen Regeln und liegt zwischen acht und 16 Samples pro Instrument. In manchen Fällen werden pro Layer bis zu acht Round-Robin-Samples geboten.

Auch in der Anzahl der Mixer-Kanäle lassen sich die Addictive Drums 2 auf keine Materialschlacht ein. Eine Hihat kommt beispielsweise ganz pragmatisch aus dem separaten Hihat-Kanal, den Overheads und einem einzelnen Raum-Kanal. Übersprecher von anderen Instrumenten in die jeweiligen Direkt-Mikrofone (z.B. die Snare im Hihat-Kanal) gibt es dabei ebenso wenig wie alternative Raum- oder Effekt-Kanäle, die auf der Jagd nach möglichst hohem Realismus oft zu Multiplikatoren für das Datenvolumen einer Library werden.

Für die obigen Vergleiche wurden sämtliche internen Effekte deaktiviert, um den reinen Grundsound der Samples vergleichen zu können. Auch aus diesem Grund wirken die Addictive Drums 2 in diesem Fall vorerst ein wenig steril. Bei komplexeren Performances an den Drums lässt sich im Gegensatz zu manchem Konkurrenten durchaus recht deutlich erkennen, dass es sich hier um Samples handelt. Dass möglichst hochprozentige Authentizität nicht unbedingt das erklärte Dogma ist, dem sich XLN Audio verschrieben hat, bestätigt sich nun also auch über die Klangbeispiele. Dies sollte aber kein Grund für ein vorschnelles Urteil sein, denn wie man im weiteren Verlauf des Tests sehen wird, lässt sich mit dem rohen Ausgangsmaterial noch sehr viel Kreatives anstellen – vor allem, wenn es dabei nicht um virtuose Fills sondern um stabile Grooves geht.

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