Workshop
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04.11.2016

Workshop: Keyboard und Synth am PC aufnehmen

Recording-Tutorial für Tasteninstrumente, Drum-Computer, Sampler & Co.

Serie: Mit dem Computer aufnehmen – Recording einfach erklärt

Ihr spielt Keyboard und wollt euer Spiel selbst mit dem Computer aufnehmen? Das ist nicht schwierig, dieses Tutorial hilft euch, damit eure ersten Aufnahmen erfolreich werden – und prinzipiell gilt das auch so für Synthesizer, Sampler, Drumcomputer oder Keyboard-Workstations.

Equipment

Ohne ein bisschen Equipment geht es nicht. Neben eurem Instrument braucht ihr:

– einen Computer, manchmal kann ein Tablet-PC wie Apples iPad oder sogar euer Smartphone (Apple iPhone oder Samsung Galaxy und dergleichen, auf denen Betriebssysteme wie OS X, Windows, iOS oder Android laufen) auch ausreichen

– ein sogenanntes Audio-Interface (hier gibt es eine Übersicht), das zu eurem System kompatibel ist. Mit dem Interface (auch „Soundkarte“) kann das Signal vom Keyboard oder Synth in den Computer hineingelangen. Die Eingänge, die bei euren Computern vielleicht direkt mit an Bord sind, sind qualitativ meistens sehr schlecht.

– ein, besser zwei Kabel vom Tasteninstrument zum Interface. Meist benötigt ihr „Instrumentenkabel“ von 3 oder 6 Metern Länge, die fast immer auch „unsymmetrisch“ sein dürfen.

– eine Audio-Software, die eure Musik aufnimmt und die Bearbeitung („Editieren“) und Weiterverarbeitung sowie den Export in MP3 und dergleichen ermöglicht. Es gibt reichlich Freeware-Audioprogramme für Mac- und Windows-Rechner. Sehr, sehr einfach ist etwa der „Audio Recorder" , hier für Mac oder hier für Windows-Computer. Apps für iOS, Android, etc. gibt es eine Vielzahl, von Apple etwa ist Musikmemos (hier im Test) für den Einstieg in die Aufnahme-Welt durchaus ausreichend. Um eure Aufnahmen zu editieren, Effekte anzuwenden, Overdub-Recordings zu machen oder sogar zu synchronisieren, ist meist eine „DAW“ (Digital Audio Workstation) nötig. In diesem Audioprogramm könnt ihr mit verschiedenen Spuren arbeiten, ein virtueller Mixer, Effekt-Plug-Ins und Instrumente ergeben ein komplettes digitales Studio. Light-Versionen von Steinberg Cubase, Ableton Live, Presonus Studio One oder anderen DAWs sind bei Audio-Interfaces oft im Lieferumfang. Auch Apple Logic, Apple Garage Band, Avid ProTools, TSC Tracktion, Reaper, Propellerhead Reason, FL Studio und einige andere sind verbreitete Softwaresysteme. 

– ein hochwertiges Monitoring zur Kontrolle der im Computer aufgenommenen Signale, also Aktivboxen oder Kopfhörer.

 

Direktaufnahme der analogen Audio-Ausgänge

Euer Instrument hat ziemlich sicher analoge Ausgänge, aus denen das Signal die Kiste verlässt. Bei manchen größeren Keyboards müsst ihr schauen, dass das, was ihr sonst vielleicht nur über die Kopfhörerbuchse oder sogar interne Lautsprecher hört, auch wirklich am Hauptausgang („1 / 2“ oder „L / R“) erscheint. Üblicherweise sind derartige Ausgänge große Klinkenbuchsen (6,3mm). Ihr könnt auch mono aufnehmen, achtet bei Stereogeräten aber darauf, dass ihr die richtige Buchse erwischt. Oftmals ist beim „L“- oder „R“-Ausgang für diesen Fall ein kleines „(mono)“ aufgedruckt. Das oder die Kabel verbindet ihr mit dem Eingang 1 (bei Monoaufnahme) oder 1 und 2 (Stereobetrieb) eures Audio-Interfaces. Die Buchsen sind dort identisch, doch manche Geräte haben Combobuchsen, die auch den Einsatz von XLR-Steckern ermöglichen - in der Mitte ist dann die Öffnung für das Klinkenkabel. Ganz selten müsst ihr noch die passende Eingangsart auswählen – statt „Mic“ oder „DI“ bzw. „Inst.“ ist das „Line“.

Audio-Interface in der Software auswählen

Im Audio-Programm müsst ihr das verwendete Gerät zum Aufnehmen auswählen, sonst kann es geschehen, dass beispielsweise das interne Mikrofon oder dergleichen zur Aufnahme genutzt wird. In den globalen Programmsettings, also da, wo die allgemeinen Einstellungen („Preferences“, „Settings“, „Global“, …) für die DAW getätigt werden, könnt ihr die korrekte Hardware auswählen.

Samplerate, Quantisierung und dergleichen: Record-Settings

Oft ist nach einer Installation alles sinnvoll für normale Aufnahmen eingestellt, trotzdem ist eine Überprüfung nicht verkehrt. Kontrolliert, in welchem Format aufgenommen wird. Das Dateiformat .wav oder .aif ist vernünftig, denn MP3s werden erst nach weiteren Bearbeitungen, einem Mix oder sogar einem Mastering erstellt. Die „Sample-Rate“ ist mit 44,1 kHz für normale Anwendungen ausreichend, bei der „Quantisierung“ (auch „Bit-Tiefe“ genannt) sind 24 Bit nicht verkehrt, 16 Bit funktionieren aber genauso. Wichtig ist, dass die in der Software eingestellte Samplerate mit dem übereinstimmt, was für eure Audio-Hardware gilt. Wenn man das nicht am Interface selbst einstellt, gibt es dafür eine Control-Software („Console“, „Panel“ oder „Control“). 

Bei DAWs: Kanäle und Abhören

Habt ihr ein Multitrack-System gewählt, dann ist es notwendig, eine Audiospur zu wählen, die zur Aufnahme verwendet wird (manchmal muss diese auch erst noch erstellt werden). Nicht vergessen: Nehmt ihr in Stereo auf, muss es eine Stereospur sein – manchmal ist das nur ein kleiner Button im Channel, der von einem einzelnen Kreis („o“) auf das Doppelkreissymbol umschaltet. Gebt eurer Spur einen aussagekräftigen Titel, denn meist wird das File, das bei der Aufnahme entsteht, wie der Trackname benannt. Die Aufnahme wird als solches Audiofile auf die Festplatte aufgezeichnet. Anders das Dokument des Audioprogramms mit den ganzen Einstellungen: Für dieses wird ein separates kleines Dokument angelegt (meist: „Session“), welches ihr aber aus dem File-Menü heraus speichern müsst – wie das Word-Document bei Microsoft Word! 

Da euer Audiointerface meist mehr als einen Eingang besitzt, müsst ihr auch das in der Software noch angeben, aber die Kanäle 1 bzw. 1/2 sind meist voreingestellt. Mit „Rec Ready“ (oft ein kleines „R“) teilt ihr der Software mit, dass ihr in diesem Kanal recorden wollt, wenn ihr die globale Aufnahme mit dem (roten) Kreis im Transportfeld startet. Manche Programme bieten noch eine Abhörfunktion, die das aufzunehmende Audiosignal wieder an den Ausgang leitet, damit es schon bei der Aufnahme kontrolliert werden kann. Da das Signal dadurch aber verzögert wird, nervt das aber üblicherweise gehörig. Aktuelle Audio-Hardware ermöglicht meist eine verzögerungsfreie „Direct Monitoring“-Funktion. Was auch geht: Das Keyboard über Kopfhörer oder Lautsprecher abhören. In diesem Fall müsst ihr aber ganz sicher sein, dass ihr nicht zu hoch oder zu gering ausgesteuert habt. Daher:

Das korrekte Einpegeln

Absolut notwendig ist das Einstellen der passenden Verstärkung der analogen Vorverstärker am Audio-Interface. Audio-Interfaces haben einen „Gain-Regler“, der ähnlich wie ein Lautstärkeregler arbeitet. Übrigens: An eurem Instrument solltet ihr ausreichend Ausgangspegel (Main-Out) einstellen, das ist meist ab drei Vierteln aufwärts.

Hardware kostet Geld, aus diesem Grund verzichten manche Anbieter günstiger Interfaces auf Level-Meter der Eingangspegel, also die Visualisierung der Signalstärke. Mit Software-Metering im Aufnahmeprogramm könnt ihr euch jedoch den Pegel anschauen, bevor es zur Aufnahme geht. Orientiert euch an einer Ampel: Grün ist ok, Orange kann ab und zu aufflackern, Rot sollte es nie werden, dann fangt ihr euch Verzerrungen ein. Zu niedrig darf der Recording-Pegel aber auch nicht sein, sonst habt ihr Probleme mit Rauschen.

Denkt beim Einstellen daran, dass ihr beim Live-Take möglicherweise etwas kräftiger in die Tasten haut und höhere Pegel produziert. Hört aber immer eine Probeaufnahme ab – nur so erkennt ihr Fehler in der Aufnahmekette, wodurch die Aufnahme kratzig, verrauscht oder auf eine andere Art „kaputt“ klingen kann.

Geht auch ohne, ist aber oft eine große Hilfe: Metronom und Grid

Wenn ihr zum Click spielt, nutzt das Metronom des Audioprogramms. Dadurch nehmt ihr direkt im Taktraster der DAW auf. Späteres Editieren (Schneiden, Ausbessern, Overdubben,…) wird dadurch stark vereinfacht. Das Songtempo könnt ihr fast immer im Hauptfenster des Programms einstellen. Dort klickt ihr und wählt das Tempo. Nicht selten könnt ihr noch angeben, ob das Metronom nur beim Recording aktiv ist oder es Count-Ins („Vorzähler“) gibt. 

Die Aufnahme starten

Ein Klick auf das globale Record-Zeichen startet die Aufnahme aller „Record Ready“ geschalteten Tracks. Die meisten modernen DAWs erstellen direkt eine Schwingungsform, die das aufgenommene Material grafisch darstellt. Logisch: Die Aufnahme wird mit dem Stop-Button angehalten. Euer Spiel ist zu diesem Zeitpunkt als fertige Audiodatei bereits auf dem Rechner, fast jede Software erstellt einen „Audiofiles“-Ordner dort, wo auch die Session gespeichert wurde oder fragt auch noch vor der Aufnahme, wohin das Audiofile geschrieben werden soll.

Über den Tellerrand: MIDI-Recording

Besonders für Nutzer von Tasteninstrumenten ist eine MIDI-Aufnahme eine interessante Sache. Dazu muss nicht unbedingt die MIDI-Verkabelung von Interfaces und Keyboards/Synths genutzt werden, da viele aktuelle Systeme über eine USB-Schnittstelle verfügen, die die gleichen Aufgaben erledigt. MIDI-Recording bedeutet, dass in einer speziellen MIDI-Spur nur die Steuerdaten eures Spiels aufgezeichnet werden, also wann ihr welche Taste wie stark gedrückt habt, wann ihr sie loslasst, welchen Controller (Pitch Bend, Modulationsrad, Pedal,…) ihr wann bewegt. Um Sound zu hören, muss das Signal beim Abspielen zum Keyboard zurückgeschickt werden, denn erst dort entsteht der Sound. Damit sind wir aber auch gleich bei den Vorteilen: MIDI-Recording ermöglicht die Einstellung von Sounds, Soundparametern, Tonhöhen, Spieltempo und dergleichen nach der eigentlichen Aufnahme!

Bis hierhin wünsche ich euch viel Erfolg bei den ersten Schritten in der Welt des Recordings!

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