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Test
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02.08.2016

Waves BSS DPR-402 Test

Kompressor Plug-In

Tiefergelegt und mit neuen Spoilern!

Vor über 30 Jahren auf den Markt gekommen, hat sich der BSS DPR-402 über die Jahre zum Kult-Dynamikprozessor, sowohl im Live- als auch im Studio-Bereich etabliert. Bekannt für seinen “Punch”, seine Vielseitigkeit und den explosiven Sound hat er über die Jahre hinweg vielen Hits im Rock, Dance und Hip Hop zum Erfolg verholfen. Das liegt vor allem daran, dass der 402 als Kompressor, Limiter und als De- Esser eingesetzt werden kann – je nach Notwendigkeit. Seine Stärken zeigt die Legende allerdings, wenn man diese Funktionen kombiniert. 

Das Resultat ist ein Kompressor zum vielseitigem Einsatz und zur kreativen Soundgestaltung. Zusammen mit BBS Audio hat Waves nun dieses begehrte Gerät emuliert und seine vielseitigen Funktionen und Sound als Plug-In verwirklicht. Auf dem Papier ist er ein Kompressor wie viele andere, und  doch überraschend  anders in der Praxis sowie bemerkenswert durch seine Musikalität. Schauen wir uns das neue Plug-In von Waves doch einfach mal an.

Details und Praxis

Kompatibilität und Verfügbarkeit

Das Waves BBS DPR-402 ist ein Kompressor-Plug-In, welches in den Formaten VST, AU und RTAS sowohl einzeln als auch im Bundle erhältlich ist. 

Neuerungen

Das Original war schon damals mit seinem Angebot sehr vielseitig, doch haben die Entwickler von Waves zusätzlich zu den ursprünglichen Funktionen jetzt noch einen draufgelegt. Neben der normalen De-Esser-, Kompressor- und Limiter-Funktion zeigen sich folgende Unterschiede gegenüber dem Original: Eine MS Matrix ermöglicht es Seiten und Mitten Signale separat zu bearbeiten. Die obere Einheit ist damit für die Mitten (mono) zuständig wobei der untere die Seitensignale beeinflusst. Zusätzlich ist eine Einstellung des Mix Verhältnisses des bearbeiteteten und unbearbeiteten Signals möglich. Außerdem gibt es eine Gain Kontrolle und eine separate L/R Meter Anzeig sowie eine Möglichkeit der Zuregelung der emulierten original Geräusche.

Neben dem Input befindet sich eine De-Esser-Einheit. Sie dient hauptsächlich zur Bearbeitung von Zischlauten, lässt sich aber auch anderweitig kreativ einsetzen. Im Vergleich zu seinen Rivalen ist der De-Esser des BSS durch seine Regel- und Filtermöglichkeiten einer der vielseitigsten seiner Art. 

Neben der mittig platzierten Kompressorensektion mit regelbarer Ratio, Attack- und Release-Zeiten findet man rechts einen Limiter, der im Signalweg hinter dem Kompressor sitzt .Die übersichtliche Bedienungsoberfläche des ursprünglichen 402 ist von Waves mit zusätzlichen Funktionen erweitert worden und klappt durch einen Knopfdruck nach unten auf. Alles ist auf den ersten Blick leicht zu finden und logisch in der Bedienung.

Auf der linken Seite zeigt sich die Auswahl der sogenannten „Jumper“, die einem die Möglichkeit geben, vorgegebene Charaktereigenschaften des Kompressor anzuwählen. Hier liegt die Stärke des BSS 402. Dort lässt sich einstellen, ob man nur im unteren Frequenzspektrum komprimieren will und die Höhen luftig belässt oder umgekehrt. Bei den verschiedenen Schalterstellungen werden teilweise die De-Esser Funktionen ausser Kraft gesetzt . Um etwaige Verwirrung zu vermeiden, ist hier ein kleiner Fragezeichenknopf in der Jumper-Sektion vorhanden. Per Sprechblase wird erklärt, was die jeweils angewählte Schalterstellungen bewirkt und macht die Anwendung dadurch einfacher. Auch eine Expander-Option ist vorhanden, durch die laute Signale lauter und leise Signale leiser gemacht werden können – und das alles frequenzselektiv, wenn es erforderlich ist. 

Beim Original gab es diese Jumper ursprünglich an der Geräterückseite. Sie wurden durch die Verkabelung festgelegt, was beim Rack-Einbau nicht unbedingt  einfach zu erkennen ist.  Bei der Plug-In-Variante hingegen ist es eine wahre Freude, hiermit zu experimentieren.

Ein weiteres Merkmal, das sich vom Original absetzt, ist die zusätzliche Mischmatrix, um das Original- und Effektsignal  nach Bedarf zu mischen. Hiermit lässt sich einfach bestimmen, wie stark das bearbeitete Signal dem ursprünglichem zugemischt wird. Zur Kanalanwahl gibt es auf der linken Seite die neu integrierte Abhörsektion. Diese ermöglicht das unmittelbare Umschalten  zwischen Stereo und Mono, M/S sowie links und rechts, was essentiell bei getrennter Mitten- und Seiten-Bearbeitung eines Masters oder Stereo-Tracks ist.

Klang

Bei geringen Regelzeiten zeigt sich der Waves BSS DPR-402 wie erwartet aggressiv,  raubeinig und liefert wie das Original speziell bei höheren Attack-Werten den legendären Punch. Seine  hohe Bandbreite lässt sich noch weiter verfeinern durch den Einsatz von Parallelkompression – entweder betont aggressiv, nur leicht hinzugemischt oder mit dem gewünschten Anteil der unbearbeiteten Transienten zum Erhalt der Lebendigkeit des Signals. Bei den folgenden Klangbeispielen habe ich bewusst eine etwas härtere Einstellung gewählt, damit die Unterschiede deutlicher herausstechen und der Klangcharakter des BSS 402 DPR deutlicher hörbar ist. 

Das Einsatzspektrum des BSS 402 reicht von der Einzelspurbearbeitung über Gruppenbearbeitung bis hin zur Summenkompression, wobei der Neuling sowohl als Mixtool wie auch als Kreativprozessor eine gute Figur macht. 

Insgesamt stehen dem Anwender jede Menge unterschiedlicher Eingriffsmöglichkeiten zu Verfügung, die den Sound direkt beeinflussen und dabei jede Menge Spass bringen.  Die Presets definieren, ob der Kompressor unter- oder oberhalb einer gewissen Frequenz arbeitet und stärker in den Höhen oder Bässen komprimiert. Das ist sehr hilfreich, wenn man gezielt nur gewisse Bereiche eines Signals bearbeiten will, ohne dabei ungewollt an Offenheit zu verlieren. Er eignet sich dadurch gut für den Einsatz auf Gruppen oder auch auf der Summe.

 

MS-Flexibilität

Im MS-Mode bietet der BSS gute Möglichkeiten, um beispielsweise durch die reine Seitenbearbeitung Hallräume zu beeinflussen, ein breiteres Stereobild zu erzeugen oder bei der Mono-Bearbeitung die Mitten druckvoller klingen zu lassen.

Streicher und Percussion

Im folgenden Hörbeispiel wird der 402 auf einem Orchester-Playback eingesetzt. Mit den unterschiedlichen Jumper-Stellungen kann man sehr schön in bestehende Stereosignale eingreifen; ein matt klingendes Master wird hörbar transparent und wirkt runder im Sound. Ich habe hier den MS-Modus verwendet und die Mitten von den Seiten unterschiedlich bearbeitet.

Die Mitten wurden mit Jumperstellung 5 bearbeitet, wobei die Kompression hier  stärker bei hochfrequenten Signalen eingreift. Bei den Seiten wählte ich Jumper 3. Hier werden die tieffrequenten Anteile des Seitensignals stärker  komprimiert. 

De-Esser

Der BSS bietet unterschiedliche De-Esser-Funktionen an. Selbst bei hartem und breiterem Einsatz liefert er ein sauberes und klares Bild, ohne die Vokalisten zu schnell mit den berüchtigten  Lispel-Artefakten zu versehen.

Breitband-De-Esser mit gleichzeitiger Kompression

Das Filter auf der Sidechain beeinflusst  den Einsatzbereich des De-Essers, aber dennoch wird der gesamte Frequenzbereich komprimiert. Bei dieser Funktion sind Attack, Release und Ratio des De-Essers vorgegeben.

HF-De-Esser 

Bei dieser Einstellung trennt der BSS die S-Laute vom übrigen Signal, entsprechend der angewählten Grenzfrequenz, schickt diese  in den Kompressor und bietet somit eine gezielte Kontrolle des Signals.

Die restlichen Frequenzen werden hier nicht bearbeitet.

Man kann mit dem De-Esser auch sehr kreativ arbeiten, zum Beispiel die hohen Frequenzanteile einer Snare Drum zu komprimieren, wie im folgenden Audiobeispielen zu hören ist.

Der BSS auf dem Masterbus

Auf einem Summensignal verliert man häufig ungewollt Bassanteile, wenn man mit dem Threshold weit hinunter geht und stark komprimiert, doch da kommen einem die Jumper- Einstellungen zu Hilfe. Bei dem folgenden Beispiel bleibt der Bass tief und straff,während die höheren Signalanteile gezielt bearbeitet werden können.

Der Limiter 

Der Begrenzer ist einfach gestrickt  mit einem Threshold-Regler und zwei LEDs, welche in 3dB-Schritten arbeiten. Besonders auf Einzelspuren arbeitet er zuverlässig und solide und lässt sich entgegen seinem Hardware-Vorbild zwischen langsamen und schnellen Regelzeiten umschalten. Für den Einsatz auf Summensignalen würde ich speziellen Mastering-Limitern jedoch den Vorzug geben.

Fazit

Der Waves BSS DPR-402 ist ein Stereo-Kompressor, der dank seiner vielfältigen, klangverändernden Jumper-Einstellungen   unglaublich flexibel ist. Für überschaubares  Geld hat man hier nicht nur einen flexiblen  Allround-Kompressor für die nötigen Standard-Kompressions-Aufgaben, sondern auch ein Tool, mit dem man kreativ und aktiv in die Mischung eingreifen kann. Die hinzugefügten Neuerungen wie MS-Matrix , Gain und Mix-Kontrolle sind eine gelungene Ergänzung zum Original. Der BSS ist authentisch in seinem Klang, universell einsetzbar. Auch in Form dieses Plug-Ins bleibt die Legende ein wahrer Studiostandard. 

  • Pro:
  • Klangeigenschaften
  • Vielfältige Klangbeeinflussungsmöglichkeiten durch Jumpers
  • MS-Technik
  • flexible Abhörmatrix
  • gut justierbarer De-Esser
  • Contra:
  • kein Contra
  • Features
  • frequenzselektives Komprimieren mit De Esser Funktionen
  • MS-Matrix zur getrennten Links-Rechts/Mono-Bearbeitung
  • Dry/Wet-Regelung
  • Jumper-Einstellungen zur schnellen Auswahl der Eingriffsbereiche
  • Wie üblich ist das Plug-In nur Über Waves Central beziehbar und steht als AAX, RTAS, VST, VST und AU für OSX und Windows bereit.
  • SYSTEMVORRAUSSETZUNG PC: Windows 7 / Windows 8, Intel Core 2 Duo 2 GHz / AMD Athlon 64 oder äquivalent, 4 GB RAM
  • Host Programm erforderlich: VST, RTAS, AAX native, 32 Bit und 64 Bit oder SoundGrid-System; Mac OSX 10.7 oder neuer, Core Duo 2,3 Ghz, 4 GB RAM
  • Host-Programm erforderlich: Audiosuite, VST, RTAS, AAX native, 32-bit und 64-bit, oder SoundGrid System
  • Preis
  • USD 149,- (UVP)

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