Eurorack-Module
Test
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14.07.2020

VPME.DE QD TEST

4-stimmiges, digitales Eurorack Drum-Modul

Digitales Drum-Modul mit Drum-Synthese, Sample-Playback und Wavetables für das Eurorack

­VPME.de ist ein Ein-Mann-Betrieb, den Vladimir Pantelic aus einem Hobby und viel Leidenschaft aufgebaut hat. Vladimir hat mit seinem Modul ‚Euclidian Circles‘, das sich jetzt in der zweiten Version befindet, für einiges Aufsehen in der Eurorackwelt gesorgt. Obwohl Euclidian Circles mittlerweile in gefühlt jedem dritten Case zu sehen ist, besteht der Rest vpme.de’s Auswahl an Modulen aus eher unscheinbaren, aus clever gestalteten Tools. Mit dem ‚QD‘, was für Quad Drum steht, stellt Vladimir uns jetzt sein neues Flaggschiff vor. Passend zu dem euklidischem Trigger Modul gibt es jetzt ein vierstimmiges Drum-Modul.

Zu Beginn noch als Drum-Modul mit ausschließlich digital synthetisierten Sounds ausgelegt, bietet das Produkt in der finalen Version noch Möglichkeiten Samples abzuspielen nebst Wavetable VCOs. Des Weiteren bietet es noch viele weitere interessante Features, wie z.B. interne LFOs und eine umfangreiche Modmatrix. Trotz der großen Menge an Funktionen und Einstellmöglichkeiten, kommt das QD ganz ohne Bildschirm und mit relativ wenigen Bedienelementen aus. Wir untersuchen, wie praxistauglich die Bedienung ist und wie sich das Modul als Lieferant von Drum-Sounds bezüglich Klang und Latenzen macht.

Details

Aufbau

Das VPME.de QD-Modul ist mit 22 TE Breite und ähnlicher Höhe fast quadratisch gestaltet. Das Hauptmerkmal ist ein großer Kreis aus 16 RGB LEDs mit einem Push Encoder in der Mitte. Alle Potis, Buchsen, Knöpfe sowie ein Kippschalter sind um diesen Kreis platziert. Hier hat die Form eindeutig Funktion bzw. das Interface beeinflusst. Vladimir scheint als echter Freund geometrischer Formen, insbesondere Kreisen, zu sein, denn das Modul sieht dem Euclidian Circle von VPME.de recht ähnlich. Vladimir Pantelic hat die RGB LEDs anscheinend zu seinem Hauptmerkmal gemacht, und obwohl ich kein Freund von solchen gespiegelten Anordnungen bin, zeigte sich diese Anordnung mit dem Kreis und den vier Stimmen für mich doch sinnvoll, und war entgegen meinen Erwartungen sehr intuitiv zu bedienen. Darüber aber später mehr im Praxisteil. Das Modul bietet vier Potis, die in den vier Ecken der fast quadratischen Frontplatte angeordnet sind. Jeweils drei für jede der vier Stimmen. Die Potis jeder Stimme haben eine eigene Farbe, da die komplette Bedienung auf farblicher Codierung basiert, was in der Verwendung im Eurorack Übersicht schafft.

Die zwei Ausgangsbuchsen und vier CV-Eingänge sind in den beiden unteren Ecken der Frontplatte angeordnet. Mittig davon finden wir vier beleuchtete Drucktaster und einen Kippschalter. Mit dem Kippschalter lassen sich die drei Hauptmodi Mixer/EQ, Mute, und CV/LFO auswählen. Mittig über dem Kreis gibt es einen einzigen Funktionstaster, der ebenfalls beleuchtet ist. Dieser ist für Presets zuständig, oder frei mit Live-tauglichen Funktionen belegbar. Das komplette Modul mit all seinen Funktionen kommt ganz ohne Bildschirm, und mehr oder weniger ohne Untermenüs mit nur einer Shift-Funktion (Panning) aus. Des Weiteren ist es zum größten Teil sehr direkt, da die meisten Einstellungen mit dem großen Push-Encoder in der Mitte vorgenommen werden. Die zwölf Potis steuern fast immer dieselben Funktionen, so dass das QD sehr intuitiv und vor Allem sehr live-tauglich ist. Jede Stimme ist mit drei Potis ausgestattet, wovon das Erste immer den Pitch regelt. Das zweite Poti ist für den Decay zuständig und das Dritte ändert, je nach ausgewähltem Programm seine Funktion. Zum Schluss finden wir noch einen Karteneinschub für Micro-SD Karten. Hier werden Samples und Wavetables abgespeichert.

Drum Synths

Jede der vier Stimmen kann aus einem von drei digitalen Modi bestehen. Die erste Stimme bietet Drum-Algorithmen und stellt den Hauptmodus dar. Hier gibt es eine 808 und eine FM Kick in Ergänzung zu einer dritten alternativen Bassdrum. Zusätzlich gibt es zwei verschiedene Snare- sowie zwei HiHat-Algorithmen mit Simple Snare, Natural Snare, Natural Hat und Detuned Hat. Zum Schluss, in der Reihe der eher klassischen Drum-Sounds hat es noch einen Clap & Cow Algorithmus. Zu diesen acht klassisch beeinflussten Klängen kommen noch sieben etwas experimentellere dazu: Filtered Karplus Strong, String, Struck, Pinged Ladder, Buchlish Bongo, Folded Wave und Blended VCO. Alle hier vorgestellten Algorithmen klingen großartig und man merkt, dass viel Wert auf guten Klang gelegt wurde. Das Modul bietet eine sehr gelungene Auswahl an Sounds um jede Art von Beat zu bauen, ohne mit zu vielen Möglichkeiten zu überfordern. 

Samples und Wavetables

Zusätzlich zu den Drum Algorithmen kann jede Stimme auch als Wavetable VCO, oder Sample Player verwendet werden. Während das Modul hochfährt durchfährt es alle Samples und Wavetables auf der eingelegten Karte, hübsch mit dem großen RGB LED Kranz animiert dargestellt. Samples und Wavetables werden einfach in ihren eigenen Ordnern direkt auf der Karte abgelegt und jeder Ordner kann jeweils 128 Samples beinhalten. Wavetables müssen in einer langen WAV Datei angelegt werden. Die Länge der Samples ist lediglich von der Größe der verwendeten SD Karte abhängig. Insgesamt kann das Modul bis zu 1.024 Samples und Wavetables verarbeiten, die in 32 Speicherplätze abgelegt werden, und auf einem Speicherplatz bis zu 128 Samples liegen können. Diese werden dann mithilfe des Mod Potis ausgewählt. Man kann so z.B. einen kompletten Beat mit nur einer Stimme bauen, indem man einfach die Samples mit einem Sequenzer bei jedem Step ändert. In diesen beiden Modi machen Pitch und Decay Potis, das, was sie auch sonst tun. Das dritte Poti dient hier der Sample-Auswahl, bzw. lassen sich damit die Wavetables durchfahren. Sehr praktisch, da man auch diese Funktion per Steuerspannungen oder integrierten LFOs steuern kann.

Das Abspielen der Samples ist unglaublich schnell und liegt unter einer Millisekunde, und dass auch bei längeren Samples. Jitter ist kaum vorhanden. Solche Werte habe ich bei kaum einen anderem Sample Modul gesehen. Wir haben in diesem Zusammenhang bereits das TipTop Audio One Modul gelobt, da es so schnell und zuverlässig reagiert. Das QD ist da nochmal eine kleine Ecke schneller und stabiler. Das ist aber auch schon Labor-Niveau. Samples sowie Wavetables, können auch, wenn gewünscht, per 1V/Okt gespielt werden. Pitch-Shifting im Sample Modus hört sich sehr vernünftig an und liegt bei Samples bei +/ -1 Oktave und bei Wavetables bei +/- 2 Oktaven. Auch hier gibt es nichts auszusetzen. Dreht man das Decay Poti beim Wavetable-Modus voll auf, so erklingt der ausgewählte Wavetable durchgehend, als Mikro-Loop sozusagen. Hier hat man es mit der einfachsten Art von Wavetable-Oszillator zu tun, der seinen eigenen Charme und vor allem Klangqualität bietet. Hier wird nichts durch digitale Filter etc. beeinflusst, lediglich Pitch, eine Decay-Hüllkurve und das Durchfahren der Wavetables sind im Angebot. Der Rest lässt sich bei Bedarf patchen.

CVs und LFOs

Das Quad Drum-Modul bietet vier Eingänge für Steuerspannungen und vier LFOs. Schön ist, dass die CVs und LFOs beliebig auf jede Funktion geroutet werden können. So kann man z. B. alle drei Parameter einer Stimme gleichzeitig automatisieren, und/ oder Pan und Lautstärke beeinflussen. Die CV-Eingänge können also alternativ auch als digitale VCAs missbraucht werden. Von abgefahrenen Tremolo- und Vibrato-Funktionen mal ganz abgesehen und Samples lassen sich per LFOs oder CVs wechseln. Hier steigt die Reaktionszeit des QD zwar auf knapp über 2 ms, anstatt den sonst unter 1 ms, aber das ist immer noch blitzschnell und viel weniger als bei anderen Samplern in solchem Modus. Die eingebauten LFOs lassen sich ebenfalls frei auf alles routen und können auch als synced Version ausgewählt werden. Hierbei werden die LFOs von den eingehenden Triggern neu gestartet und können so als zusätzliche Hüllkurven verwendet werden. Mit Random und Sample&Hold, gibt es insgesamt zehn verschiedene Arten von LFOs. Laut Interface wäre hier noch Platz für sechs mehr.

EQ und Kompressor

Das QD-Modul sieht sich eher als eigenes Instrument, denn als vier getrennte Drum-Stimmen, sodass man auch einen integrierten Mischer vorfindet. Auch hier hat sich der Hersteller auf Basisfunktionen konzentriert, ohne das Modul mit unnötig vielen Optionen oder z. B. Effekten zu überfrachten. Der Mischer lässt einen Pan und Lautstärke kontrollieren, hier kann man die einzelnen Stimmen auch links oder rechts hart pannen und so zwei getrennte Ausgänge, mit Main und Aux, erhalten. Das Regulieren der Lautstärke ist hier sehr schnell und toll gelöst. Besonders beim Live Spielen ist Gain-Staging sehr wichtig und muss in der Regel ständig angepasst werden. EQ und Kompressor wirken sich immer auf die komplette Summe aus, sind zwar auch relativ einfach gehalten, klingen aber wirklich gut und sind genauso gut zugänglich. Beim Kompressor kann man nur einen Wert per Drehregler einstellen und auch der 3-Band EQ erinnert eher an einen DJ EQ in sehr guter Qualität.

User-Interface

Das komplette User-Interface besteht aus einem großen LED Kranz mit 16 RGB-LEDs, einem Push-Encoder, einem Kippschalter und fünf beleuchteten Drucktastern. Hört sich für die Anzahl an Funktionen sehr wenig an, funktioniert aber außergewöhnlich gut. Mit dem Kippschalter wählt man einen der drei Hauptzustände des QD aus. Hier ist man entweder im Mixer-, Mute- oder CV-Modus. Mit den vier Drucktastern wählt man, welche Stimme gerade bearbeitet werden soll, und mit dem Encoder nimmt man dann die Einstellungen vor. Die LEDs leuchten dann immer in der jeweiligen Farbe der Stimme. Das Ganze ist sehr schnell und direkt und man weiß durch die Farbcodierung auch immer, wo man sich gerade befindet. Dreht man im Mischer Modus am Encoder so stellt man die Lautstärke ein. Pan wird eingestellt, indem man den Taster der jeweiligen Stimme gedrückt hält. Drückt man den Encoder, so kann man EQ und Kompressor einstellen. Im Mute Modus lässt sich durch Drücken des Encoders auswählen, welche Engine, Samples oder Wavetables die Stimmen abspielen sollen. Im CV Modus weißt man Steuerspannungen bzw. die internen LFOs zu. Hier gibt es so eine Art Untermenü, denn man drückt den Encoder mehrmals, um Abschwächung und Ziel einzustellen. Bei den integrierten LFOs kommt noch Geschwindigkeit und Art des LFOs hinzu. 

F-Button und Einstellungen

Das Modul bietet einen Funktionstaster, der als F-Button bezeichnet wird. Dieser liegt oben zwischen dem roten und dem gelben MOD-Poti. Die Idee dazu stammt vom Euclidian Circle, denn so ein F-Button ist in der zweiten Version des Euclidian Circles ergänzt wurden. In erster Linie dient der F-Button, um Presets abzuspeichern und wieder zu laden. Das Wechseln der Presets kann übrigens auch per CV geschehen. Ansonsten ist der F-Button zur Verwendung des Moduls nicht zwingend notwendig, stellt sich aber als überaus praktisch dar. Besonders beim Live-Spielen eröffnet diese Herangehensweise ganz neue Möglichkeiten. Das Umschalten zwischen Preset-Auswahl oder erweiterter Funktion ist einfach genug, um dieses während des Spielens zu erledigen. Die erweiterte Funktion des F-Buttons kann man frei wählen. Ich würde mich jedoch nicht wundern, wenn weitere Funktionen in Zukunft angeboten werden würden. Zurzeit kann man aus Folgendem zu wählen: Mute Sync – alle Mutes ändern sich gleichzeitig, wenn man den F-Button loslässt, EQ an oder aus und Kompressor an oder aus. Des Weiteren gibt es viele detaillierte Einstellungen beim QD, die unter anderem dadurch entstanden sind, dass Vladimir Pantelic das QD-Modul von verschiedenen Künstlern über ein Jahr lang testen ließ, bevor er die finale Version in die Läden brachte. Hier kann man Stimmen Quantisieren, oder nicht, verschiedene Mute Verhalten auswählen und Delay-Zeiten bestimmen. Im folgenden Video erzählt Vladimir Pantelic über den Entstehungsprozess des Moduls und genau solche Details.  

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