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24.11.2013

Workshop Kreatives Rhythmus Gitarrenspiel #8 - Drop 3 Voicings

Gitarren Akkorde online lernen - Kreatives Rhythmus Gitarrenspiel

Akkordwissen für Gitarristen

In der letzten Folge des Voicing-Workshops haben wir uns mit den "Drop-Voicings" im Allgemeinen und der "Drop Two"-Unterfamilie im Speziellen auseinandergesetzt - mit all den Umkehrungen, die diese Akkordkategorie mit sich bringt.

Wie wir bereits gesehen haben, ist das Arsenal der Dropvoicings sehr umfangreich und ich denke, dass wir im Rahmen dieses Workshops nicht unbedingt alle 24 möglichen Varianten eines Vierklangs durchexerzieren müssen. Eine Akkordkategorie allerdings möchte ich euch nicht vorenthalten, nämlich die sogenannten "Drop 3" (sprich: "drop three") Akkorde.

"Drop 3" bedeutet (analog zu "Drop 2"), dass wir, ausgehend von der engen Lage, jeweils den dritten Ton von oben in jeder Umkehrung eine Oktave nach unten fallen lassen:

Ordnen wir nun auch diese Akkorde in ihrer Umkehrungsreihenfolge (beginnend mit dem Grundton) an, so erhalten wir:

Auch hier kennt man den ersten Akkord aus der Reihe, der wurde nämlich in der Voicings Folge 1 als die Vierklang-Mutterform mit Grundton auf der E-Saite vorgestellt.

Vielleicht fällt euch auf, dass die "Drop 3" Voicings einen wesentlich größeren Tonumfang umreißen als die "Drop 2". Grenzten "Drop 2" Voicings in ihrer Grundstellung eine Oktave plus Terz (also eine Dezime) ab, so erhalten wir bei unserer neuen Akkordfamilie eine Oktave plus Quinte (also eine Duodezime). Dadurch klingen die Akkorde wesentlich voller und "größer", was in manchen Situationen (nicht in allen!) durchaus von Vorteil sein kann, z. B. dann, wenn man das einzige Harmonieinstrument ist oder im Duo eine Sängerin begleitet.

In der folgenden Grafik seht ihr die Akkorde in Griffsymbolik, wobei ich den Grundton markiert habe - hier am Beispiel eines Gmaj7.

Bei dieser Akkordstruktur erkennt ihr, dass zwischen dem tiefsten und dem zweittiefsten Ton im Akkord jeweils eine Leersaite liegt. Das spielt beim geschlossenen Anschlag mit den Fingern zwar keine Rolle, allerdings solltet ihr beim Anschlag mit dem Pick darauf achten, dass die A-Saite gut gedämpft wird.

Auch hier gilt die Devise: Wir benötigen alle vier Basis-Akkordgeschlechter und wollen sie uns selbständig herleiten. Das ist relativ simpel, denn von maj7 zu Dominantsept müssen wir nur die Septime um einen Halbton erniedrigen, von Dominantsept zu m7 die Terz zur kleinen Terz machen, und von m7 zu m7/b5 die Quinte zu einer verminderten Quinte erniedrigen.

Zur Kontrolle eures Ergebnisses könnt ihr hier die Griffbilder einsehen, die Soundbeispiele beziehen sich auf den Grundton G:

Dominant 7:

 

m7

 

m7/b5:

Dies waren alle "Drop Three" Voicings auf dem Saitenset EDGB. Da sich dieser Akkord-Typ über fünf Saiten erstreckt, ergeben sich für uns Gitarristen nur zwei Saitensets, um alle Möglichkeiten abzugrasen, nämlich die eben erwähnte EDGB-Variante und - ein Saitenset höher- die Version AGBE. Und diesmal sollten wir tatsächlich alle Variationen kennen, dafür sind es ja auch nur zwei.

Saitenset AGBE

So sehen die Akkorde bezogen auf den Grundton C aus:

maj 7:

 

Dominant 7:

 

m7

 

m7/b5:

Wie bei den "Drop 2" Voicings haben wir es auch hier mit jeweils einem maj7Akkordvoicing pro Saitenset zu tun, bei dem wir durch eine große Septime im Bass einen etwas dissonanten Akkordklang erzeugen. Aber wie wir bereits wissen, können wir Abhilfe schaffen, indem wir die große Septime gegen eine große Sexte austauschen und einen Dur 6 anstelle eines maj7mit Septime im Bass spielen. Logischerweise entsteht bei "Drop 3"-Voicings ein Griffbild, wie es auch der m7 Akkord für sich beansprucht. Das sähe dann so aus:

Beginnen wir mit unserer bekannten Übung aus der Zwölftonreihe:

G D A B Gb E Bb F G# Eb Db C

Jeder Ton markiert den Grundton unseres Vierklangs

Die erste Übung sieht folgendermaßen aus: 

  1. Ihr wählt ein Akkordgeschlecht (maj7, 7, m7, m7/b5). 
  2. Ihr wählt ein Saitenset. 
  3. Ihr spielt die obige Reihe durch, und zwar pro Grundton alle vier möglichen Positionen ab der tiefstmöglichen Lage.

 

Hier ein Beispiel dazu anhand eines Dominant 7 Akkordes auf dem Saitenset EDGB:

Und (genau wie bei unseren Drop 2 Voicings) jetzt noch eine Übung, um die Akkorde über kurze Wege zu verbinden: 

  1. Ihr wählt ein Akkordgeschlecht. 
  2. Ihr wählt ein Saitenset. 
  3. Ihr wählt eine Lage. 
  4. Ihr spielt obige Reihe durch, pro Ton nur einen Akkord und immer auf dem kürzesten Weg zum nächsten. Dabei solltet ihr darauf achten, die gewählte Lage nicht zu verlassen, allerdings dürft ihr +/- einen Bund in Kauf nehmen und müsst es wohl stellenweise auch.

 

Auch dazu ein Beispiel in m7/ V. Lage, Saitenset AGBE:

Natürlich bietet es sich auch bei den "Drop 3" Voicings an, Standard-Jazzkadenzen zu üben, die sowohl in Jazztunes als auch in Latinmusik (und damit nicht selten im Rahmen von Gala- oder Musicaljobs) anzutreffen sind.

Unser erstes Beispiel ist ein Turnaround in G Dur und daher die folgende Akkordprogression:

Gmaj7 - E7 - Am7 - D7

Spielt diese Akkordfolge in Endlosschleife quer über euer Griffbrett und achtet darauf, eine cremige Stimmführung beizubehalten (gemeinsame Töne bleiben liegen oder gehen kurze Wege).

Eines von vielen möglichen Beispielen wäre:

Analog dazu sollten wir den Turnaround auch in Moll üben. Zum einen, weil auch er uns in der Praxis häufiger mal über den Weg läuft, zum anderen aber auch, weil wir unseren halbverminderten Akkord nicht vernachlässigen wollen:

In Gm wäre der Turnaround:

Gm7 - Em7/b5 - Am7/b5 - D7

Hier ein Beispiel dazu:

Ein anderes Einsatzgebiet der "Drop Three" Voicings ist das Harmonisieren von Basslinien.

Vielleicht hatte der/die eine oder andere unter euch bereits das (im schlimmsten Fall zweifelhafte) Vergnügen, nur mit einem Sänger bzw. Sängerin und evtl. noch einem Melodieinstrument wie z.B. Saxofon o.ä. einen Duo- oder Trio-Gig zu spielen. In einem solchen Kontext erwarten uns Gitarristen einige verantwortungsvolle Aufgaben, denn wir sind hier nicht nur Harmonieinstrument, sondern - da der Drummer fehlt - auch Hauptrhythmus-Spender. Und, als ob das noch nicht genug wäre, übernehmen wir zusätzlich noch die Bassfunktion, denn der Bassist fehlt ja auch.

Hier können uns die "Drop Three"-Akkorde natürlich unschätzbare Dienste erweisen, denn aufgrund der Tatsache, dass in dieser Voicingkategorie die Bassnote ein relativ großes Intervall vom Rest des Akkordes entfernt ist, können wir ziemlich problemlos die Illusion erzeugen, als kämen Basston und Akkord von zwei verschiedenen Instrumenten.

Als Beispiel für eine solche Anwendung, nehmen wir uns einen Jazzblues in G zur Brust. Die Akkordprogression sieht wie folgt aus:

Um eine schöne Basslinie zu erzeugen, lässt sich eine einfache Faustregel aufstellen: Auf dem ersten Schlag des Taktes steht der Grundton, es sei denn, der Akkord klingt länger als ein Takt, dann natürlich nur am Anfang des Akkordwechsels. Der letzte Basston im Takt soll logisch zum nächsten Akkord führen, und das tut er dann, wenn er einen Ganz- oder vorzugsweise Halbton vom nächsten Zielakkord entfernt ist.

Beginnen wir mit einer Bassline in halben Noten. Das kann dann so aussehen und klingen (Noten diesmal als PDF)

Wie ihr in unserem Beispiel sehen könnt, habe ich für die verschiedenen Basstöne meistens jeweils verschiedene Umkehrungen des Vierklangs benutzt. Wenn die Harmonie wechselt, habe ich jedoch auch gelegentlich auf den Trick zurückgegriffen, einen Akkord einen Halbton unter dem Zielakkord zu verwenden, um schön chromatisch in den neuen Akkord zu gleiten. Dies geschieht z. B. in Takt 2 oder auch Takt 6 auf Zählzeit 3, wo ich einen F#7 als Leitakkord in den G7 benutze.

Im Rahmen des nächsten Beispiels für harmonisierte Walking Bass Lines würde ich euch gerne noch einen Akkordtypus vorstellen, den der eine oder andere von euch bereits aus vergangenen Folgen kennt und der uns bei der Harmonisierung von Durchgängen sehr hilfreich sein kann. Die Rede ist vom verminderten Vierklang, der im Akkordschriftbild auch gerne als "07" oder "dim7" beschrieben wird.

Sein Griffbild als "Drop 3" sieht folgendermaßen aus:

Auf die Markierung des Grundtons habe ich hier verzichtet, da beim verminderten Vierklang jeder Ton als Grundton fungieren kann.

Die folgende Progression ist nun ebenfalls ein Jazzblues in G, aber diesmal habe ich eine Bassline in Viertelnoten generiert, die wiederum vollständig mit "Drop 3" Voicings harmonisiert wurde. Beachtet den Einsatz der verminderten Akkorde, und wie geschmeidig sie bei chromatischen Durchgängen funktionieren (Noten als PDF):

So viel zur aktuellen Folge über die Drop 3 Voicings. Möglicherweise spielt ihr eines Tages - oder tut es bereits - in diversen musikalischen Situationen, in denen diese Akkorde ihre Anwendung finden. Ich denke dabei an Dinnerjazz-Jobs auf Hochzeiten, in Musicals, oder vielleicht spielt der eine oder andere von euch auch in (Schul-)Bigbands oder ähnlichen Ensembles. Wo auch immer das sein mag, versucht, diese Akkorde zu benutzen. So prägen sie sich am schnellsten ein und werden zum festen Teil eures Akkordrepertoires.

In diesem Sinne, viel Erfolg,

Haiko

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