Schrottpresse
Feature
9
08.12.2021

Ukraine: Techno-Club wird von rechter Schlägertruppe angegriffen

Überwachungskameras zeigen den Überfall aus verschiedenen Perspektiven

In Kiew kam es zu einem rechtsmotivierten Überfall auf einen Techno-Club. Rund 20 junge Männer sorgten dabei für gröbere Sachbeschädigungen. Der Türsteher wurde beim Angriff verletzt. 

Im Clubviertel Podil gibt es schon seit Wochen unschöne Momente auf der Partymeile. Auf der einen Seite Partygänger, die einen schönen Abend verbringen wollen, auf der anderen Seite Randalierer, die diesen versauen wollen. Anfang November kam es in den Clubs HVLV, CLoser und ∄ (AKA K41) zu mehreren Auseinandersetzungen, bei denen Angreifer mit Eiern warfen und White-Power-Parolen riefen. Der neueste Angriff auf den Club HVLV sorgt für Entsetzen. 

Während das Berliner Techno-Label 'Ecke Records' gerade bei der Vorbereitung für ihre Labelnacht war, kam es zu dem Vorfall. Während zwei Frauen entspannt an ihrer Zigarette zogen, stürmten auf einmal rund 20 junge Männer Richtung Club. Die zwei Frauen konnten noch schnell ins Innere des Clubs flüchten. Der Türsteher war sofort zur Stelle und wehrte sich mit Pfefferspray gegen die Angreifer. Diese konterten mit Bärenspray und Schlagstöcken. Der Türsteher wurde laut dem Besitzer am Auge verletzt, trug aber keine bleibenden Schäden von sich.

"Nieder mit der Drogenhöhle"

Laut nighttime wurde der Angriff von der rechtsradikalen Organisation Catharsis organisiert, die die Aktion auf ihrem Telegrammkanal ankündigte. Die Angreifer waren laut dem Clubbesitzer Andriy Yankovsky anfangs bei einer rechten Demo, die dann zu einem "Lauf gegen Drogensüchtige" mutierte. Dabei wurde mehrmals "nieder mit der Drogenhöhle" gerufen. Außerdem wurden auch rassistische und Anti-LGBTQ+-Parolen wahrgenommen.

Auf den Instagram-Clips des Labels sieht man gut, wie die Tür von Innen zugehalten wird und die Angreifer den Außenbereich demolieren. 

Das sagt der Club dazu

Die PR-Managerin des Clubs, Katya Voychuk, sagte zu dem Vorfall: "Es ist sehr beängstigend zu arbeiten, wenn man jeden Moment von einer Truppe Schlägern überfallen werden kann, die mit Gegenständen zuschlagen und Rauchbomben werfen. Dazu kommt, dass es trotz zahlreicher Beschwerden keinerlei Unterstützung oder Schutz durch die Polizei gibt." Laut dem Besitzer Andriy Yankovsky wurde der "Kreuzzug gegen Drogensüchtige" von einer rechtsextremen Partei finanziert.

Die Partynacht wurde letztlich fortgesetzt. Es kam zu 20 Zeugenaussagen und zehn Festnahmen. 

Verwandte Artikel

User Kommentare