Test
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02.03.2020

Praxis

Konzept und GUI

Unter der Motorhaube von Finisher Neo schlummern 27 Algorithmen, die ihre Arbeit in 50 verschiedenen Modulen verrichten. Diese Module sind Effektketten, die über die Presets ausgewählt werden können. Man muss sich also nicht erst einen Distortion-Effekt und anschließend einen Hall suchen. Finisher Neo präsentiert komplette Effektketten für die unterschiedlichsten Klanggebilde. 

Wer jetzt Angst vor einer komplexen und unübersichtlichen Bedienung hat, kann beruhigt sein – Finisher Neo lässt sich komplett über nur drei Regler steuern, die verschiedenste Klangveränderungen in jeweils einer Funktion zusammenfassen. Das sind die sogenannten Macro-Controls. Das Besondere an ihnen ist, dass alle drei Regler je nach Preset unterschiedliche Parameter steuern.  

In der Mitte des GUI prangt der größte der drei Regler namens Effect. Dahinter versteckt sich oft der Dry/Wet-Regler, für die Mischung aus trockenem und bearbeitetem Signal. Allerdings ist Effect auch einmal für den Filter-Sweep, die Phaser-Center-Frequency oder die Morphing-Funktion zuständig. Flankiert wird Effect von Variation 1 und 2. Und auch diesen beiden kleineren Drehreglern kommen je nach Preset völlig unterschiedliche Rollen zu, vom Space Ambience Mix über den Transmission Signal Character bis hin zur Room Ambience oder dem Saturation Drive. Dann noch zwei Regler für In- und Output – und das wars. Mehr ist an Finisher Neo nicht dran. Kompliziert kann man die Bedienung also nicht bezeichnen.

Presets

Finisher Neo kommt also wie bereits erwähnt mit 50 Modulen aus verschiedenen Kategorien wie Spread, Crush, Swirl, Shape und Boost, die ganz oben im GUI auswählbar sind. Das sind die eigentlichen Effektmodule. Hier wurden Default-Reglerstände abgespeichert. Dann gibt es noch eine Kategorie namens Inspiration. Dort kommen die Module noch einmal vor, allerdings wurden bei den Inspiration-Presets viele unterschiedliche Reglerstände für besonders interessante Effekte separat abgespeichert. So können User nachvollziehen, was mit den Modulen alles möglich ist, und sich so zu eigenen Produktionen inspirieren lassen.   

Darunter wird das ausgewählte Modul noch einmal angezeigt und man kann auch direkt von dort ein anderes Modul auswählen – entweder über die Pfeiltasten oder über ein Drop-down-Menü. Über dem Modulnamen wird angezeigt, das wievielte Modul der jeweiligen Kategorie ausgewählt wurde. Das ist eine wirklich gute Idee. So bleibt einem erspart, sich merken zu müssen, wie viele Module in einer Kategorie sind und wie viele noch kommen, wenn man sich durch alle Möglichkeiten klickt. Rechts neben dieser Anzeige wird der Effekt des ausgewählten Moduls zur Orientierung in kurzen Worten beschrieben.

Sound

Nun zum Sound. Beispiel 1 ist ein Drum-Loop, der schon mal nicht schlecht klingt. Aber Finisher Neo macht daraus ein Lo-Fi-Erlebnis. Das Preset Back to 1900 bringt zwei Parameter mit ins Spiel: Character und Deterioration. Letzeres bedeutet übersetzt nichts anderes als „Verschlechterung“ und entspricht daher wahrscheinlich einer Senkung der Sample-Rate. Ich habe nun nur noch das Mix-Level dem Signal ein bisschen angepasst, fertig. Und dadurch bekommt der Drum-Loop wirklich Charakter en masse. Die Kick wird angenehm angezerrt. Der Rest des Loops rückt hingegen in den Vordergrund und wirkt wie bei einer Kompression lebendiger. Hör' dir nach dem zweiten Hörbeispiel noch einmal das cleane Original an, dann merkst du den Unterschied deutlich.

Das zweite Beispiel ist ein Percussion-Groove, wie man ihn unter anderem in Filmen hört, die Hans Zimmer vertont hat. Auch der cleane Mix klingt ausgewogen und gut, allerdings wirkt er auch ein bisschen leer. Mal schauen, was Finisher Neo dazu zu sagen hat. Ich habe mich in der Kategorie Inspiration umgesehen und das Preset Drone Fattener gewählt. Das ist ein Delay-Synthesizer-Modul. Durch die verzögerten Hits wirkt der Loop kompakter und insgesamt einfach runder. Am Ende des Beispiels kann man deutlich hören, was Finisher Neo dem Original noch hinzufügt. Zusätzlich  ist dort noch ein Tape-Stopp-Effekt zu hören – äußerst spannend.

Das Cello aus Beispiel 3 wurde bereits mit Delay veredelt. Das wird allerdings erst gegen Ende der jeweiligen Phrase wirklich hörbar und verklingt auch wieder relativ schnell. Um das Ganze breiter zu bekommen, wähle ich das Preset 10 Mile View aus der Spread-Kategorie. Der Parameter Character gibt dem Cello hohe Mitten, wodurch es sich schon mal besser in einem Mix durchsetzen kann. Und das in diesem Preset zum Einsatz kommende Modul Caveman enttäuscht nicht: Das Delay ist jetzt viel früher wahrnehmbar und hüllt die Aufnahme wahrhaftig in eine interessante Delay-Wolke. So hat das Ganze dann auch viel mehr Charakter.

Beispiel 4 zeigt ein außergewöhnliches Flötensolo mit einer ziemlich lebendigen Performance. Dafür habe ich auf ein Preset namens Finisher Guitars aus der Kategorie Boost gegriffen. Die Transienten werden dadurch extrem hervorgehoben und auch der Rest des Signals wird hörbar komprimiert. Und der Morphing-EQ-Parameter bringt interessante Frequenzen ans Tageslicht. Meine Einstellungen sind schon ein bisschen too much, aber zu Demonstrationszwecken ausreichend.

Das Piano in Beispiel 5 wurde ebenfalls bereits mit Delay versehen und könnte je nach Song oder Produktion auch so bleiben. Ich gehe dafür wieder in die Inspiration-Kategorie und wähle dort Warm Cushion Tail. Dadurch bekommen wird eine tolle Hall-Fahne, die nach einem Freeze-Hall-Effekt klingt und dem Piano definitiv mehr Charakter und Flair verleiht. Höre dir auch bei diesem Beispiel im Anschluss noch einmal die cleane Version an.

Zum Schluss noch ein Rhodes, das schon mit leichter Distortion, etwas Delay und ein bisschen Phaser versehen wurde. Trotzdem klingt das Beispiel etwas schmal und braucht einfach das gewisse Etwas. Und auch hier liefert Finisher Neo gnadenlos ab. Das Preset Tumbler Reverb wiederum aus der Inspiration-Kategorie fügt dem E-Piano nicht nur ein Vibrato hinzu, sondern dazu noch einen angenehmen Hall sowie Chorus, Flanger und Phaser – und das alles über nur einen Regler. Damit blüht die Aufnahme förmlich auf.

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