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03.10.2016

Übernimmt Spotify bald Soundcloud?

... und was bedeutet das für uns Musiker?

Eine kleine News der Financial Times ließ uns Musiker diese Woche aufhorchen: Spotify befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen zur Übernahme von Soundcloud. Der 8,5 Milliarden Streaming-Gigant und härtester Apple-Music Konkurrent will sich den chronisch defizitären, aber beliebten 700 Millionen Fisch einverleiben. Was bringt das Spotify und vor allen Dingen, was hat das für Konsequenzen für Musiker und Hörer? Ein paar Überlegungen:

Für Spotify:

Nun, Spotify dürfte sich vor allen Dingen auf einen Schlag 75 Millionen Nutzer zu einem Preis von knapp zehn Dollar pro Account dazu kaufen. Zusammen mit den bestehenden 75 Mio. Usern macht das rund 150 Millionen Kundendatensätze – da kann man bei Apple Music mit ihren einstelligen Millionenzahlen nur noch traurig in der Ecke stehen und Cidre trinken, um die Stimmung ein bisschen aufzuheitern. Zudem gewinnt Spotify auf einen Schlag die Datenhoheit über ein riesiges Musikrepertoire. Vieles von diesem Material bewegt sich abseits der professionellen Veröffentlichungspfade und kommerziellen Lizenzierungsmodelle – ein Schatz, der da unterhalb der Oberfläche des Mainstream verborgen liegt. Die Übernahme macht an dieser Stelle für Spotify aus zwei weiteren Gründen Sinn:

A.) Spielt das Thema DJ-Mixe (und die Auswertung der gespielten Tracks) eine immer größere Rolle. Musikfreunde wollen vermehrt Mixe und keine Alben hören. Soundcloud ist voll von Mixen, die dank der Kooperation von Spotify mit dem Online-Service "MixBANK" in einer Nacht und Nebelaktion in einem Rutsch indexiert werden könnten.

B.) Haben Spotify seit diesem Jahr ihre Aktivität auch auf den japanischen Markt ausgedehnt und treffen dort auf ein stellenweise ausgesprochen spartenorientiertes Expertenpublikum – gut, wenn man hier auch die teilweise raren Perlen aus dem Soundcloud-Repertoire im Programm hat.

Für Musiker und Produzenten:

Aus dem vorher gesagten ergeben sich eine Reihe von Fragestellungen. Das betrifft zunächst einmal jene Soundcloud-Nutzer, die sich ganz bewusst jeder Form der Monetarisierung und Lizenzierung entziehen und einfach nur ihre Musik publizieren wollen. Ihnen müsste man – falls der Deal zustande kommt – mindestens aktualisierte AGBs vorlegen, in denen sie auf die Auszahlung von Streaming-Entgelten verzichten. Vielleicht lösen Spotify das Problem auch umgekehrt: Nämlich durch einen "Optional-In" wie bei YouTube, wo der Urheber der Inhalte aktiv die Monetarisierung beantragen muss. Wenn alles – auch und besonders in Absprache mit den Verwertungsgesellschaften – ordentlich und fair gehandhabt wird, könnte das auch für Produzenten ein Gewinn sein: Würden doch plötzlich auch jene Tracks, die in DJ-Mixen versteckt waren, mit Ausschüttungen bedacht werden.

Allerdings: Der Kuchen wird zweifellos noch kleiner als er ohnehin schon war, den der – ohnehin schon winzige - Zahlungstopf der rund 20 Millionen Premium Kunden (mit wachsenden Nutzerzahlen ist natürlich zu rechnen) verteilt auf weitaus mehr Ausschüttungsberechtigte. Musiker, Produzenten und Labels, die an einer kommerziellen Auswertung ihrer Stücke interessiert sind – und das unbestreitbar die Mehrzahl – könnten von einer Zusammenlegung der Online-Dienste profitieren, wäre doch der Upload und die Registrierung von Stücken im besten Fall nur einmal erforderlich.

Für Hörer:

Natürlich denkt man zunächst daran, ob nun Millionen Soundcloud-Nutzer nach jedem dritten oder vierten Stück eine Werbung eingespielt bekommen. Denkbar ist das in jedem Fall. Fair wäre das – das sage ich als erklärter Feind der Alles-für-lau-Einstellung – schon. Aber: Gleichzeitig sollte es natürlich auch unverändert eine Möglichkeit für die Anwender geben, Stücke zur Begutachtung hoch zu laden, ohne dass man damit direkt ein kommerzielles Interesse verbindet. Erfreulich wäre in jedem Fall auch, wenn Premium-User bei Soundcloud mit einer besseren Audio-Datenrate versorgt werden.

Warten wir mal ab, ob der Deal zu Stande kommt und in welcher Form er sich dann vollzieht. Klar dürfte sein, dass das vordergründige Interesse von Spotify an Soundcloud sicherlich nicht das Repertoire, sondern die harten Nutzerzahlen sind. In der Praxis könnte sich durch eine Homogenisierung der Onlinedienste für professionelle Anwender durchaus eine organisatorische Verbesserung ergeben, müssten sie ihre Stücke doch nur einmal einpflegen.  

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