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04.09.2019

Top Secret Production Tools

Software-Instrumente und Effekt-Plugins für individuelle Musik-Produktionen

Software-Geheimtipps für Producer, Produzenten & Beatmaker

Die großen Platzhirsche der Pluginszene decken mit ihren Tools fast die gesamte Bandbreite und beinahe jeden Geschmack ab. So bekommt man jede Menge Spitzenplugins, die mit zahlreichen Möglichkeiten und Stilrichtungen locken. Aber manchmal braucht man aber eben mal etwas ganz anderes und wünscht sich einfach Zugang zu neuen Sounds, die noch nicht jeder hat.  

Wir sind deshalb für euch auf die Suche nach neuen und unbekannten Tools gegangen, mit denen ihr eure Beatproduktionen klanglich von der Konkurrenz abheben könnt. Denn welcher Beat-Maker ist nicht ständig auf der Suche nach neuen Sounds, neuen Einflüssen und neuen Plugins?

Thenatan - Trax

Auch wenn der aufstrebende Pluginproduzent Thenatan sich und seine Plugins hauptsächlich der Trap-Musik verschrieben hat, lassen sich seine Beats  auch bei anderen Stilrichtungen einsetzen. Allen voran steht dabei der Drum-Rompler Trax mit 50 Drum-Kits, acht Sounds pro Kit und insgesamt 400 Drum-Samples. Trax punktet vor allem mit gutem Sound und schneller Einsetzbarkeit. Die Samples klingen modern, fett und dreckig und können im Multi-Output-Plugin für eine weitere unabhängige Bearbeitung auf verschiedene Kanäle geroutet werden. Alles in allem bringt er moderne und gute Drumsounds, ein flexibles Multi-Output-GUI und einen kleinen Preis – was will man mehr?

Thenatan – Trapstar

Wer so gut wie kein Geld ausgeben möchte, findet bei Thenatan mit Trapstar noch mehr „bang for the buck“. Trapstar bietet 30 Drum-Kits, die nicht nur für Trap eingesetzt werden können, auch wenn der Name das suggeriert, und das schon für unter 10 US-Dollar. Dazu müsst ihr einfach das Kit laden und losjammen. Jedes Kit besteht aus einer Kick-Drum, zwei Snares, einer Clap sowie einer open und einer closed Hi-Hat. Damit hat man in Windeseile alle Sounds am Start, die man für ein Beat-Layout braucht, besonders, wenn es mal schnell gehen muss. Wer also Drum-Sounds sucht, die man nicht überall hört, sollte sich Trapstar einmal genauer anschauen.

Wave Alchemy – Evolution

Mindestens drei Nummern größer fällt Evolution von Wave Alchemy aus. Die Kontakt-Library liefert über 25.000 Samples in mehr als 300 Presets. Dazu kann man die Sounds ausgiebig bearbeiten und auch austauschen. Meistens ist das aber gar nicht wirklich nötig, da die Qualität der Samples hervorragend ist. Da bei Evolution nicht versucht wurde, vorhandene Hardware so detailgetreu wie nur möglich zu sampeln, sondern die Sounds in mühevoller Kleinarbeit selbst kreiert worden sind, wird man selten so viele individuelle Sounds in einem Tool finden. Durch den flexiblen Step-Sequencer lassen sich komplette und komplexe Beats schnurstracks direkt im Plugin zaubern.

Beatskillz – Beatfactory Drums

Beatfactory Drums ist nun wieder ein Freeware-Tool, das viele individuelle und vor allem dreckige Drum-Sounds enthält. Diese sind in 10 Kits aus unterschiedlichen Kategorien wie zum Beispiel 80s, Dubstep, Hip-Hop und sogar zwei Sample-Kits, angeordnet. Damit lässt sich jeder Beat interessanter machen und auch ich selbst habe dieses Plugin des Öfteren in meinem Boom-Bap-Workshop eingesetzt. Die Ausstattung zur Bearbeitung der Sounds ist nicht gerade üppig, aber das kann man ja auch in einer DAW nachholen. Und auch die Multi-Output-Funktionalität sucht man hier vergebens, dafür gibt es aber Charakter-Drum-Sounds for free! 

Studio Linked – Drum Pro

Auch Drum Pro von Studio Linked ist eine Freeware.  Studio Linked hat sich, genau wie Beatskillz, der Entwicklung von Plugins verschrieben, die besonders gut für das Genre Hip-Hop geeignet sind. So lassen sich auch die Kooperationen zwischen Studio Linked und Szenegrößen wie Zaytoven oder Scott Storch erklären. 

Drum Pro liefert 23 Drum-Kits mit jeweils 12 Pads. Die Sounds klingen top und lassen sich auch gut in professionelle Produktionen einbringen. Die Kicks haben viel Punch und einen schönen, runden Subbass. Zwar fehlt die Möglichkeit eines Multi-Outputs, dafür geht die Qualität der Samples aber weit über das normale Maß von üblicher Freeware hinaus. 

Rob Papen – Raw Kick

Raw Kick überträgt besonders harte und verzerrte Sounds des Synthesizers Raw aus dem Hause Rob Papen (wie man sie für harte Techno-Subgenres braucht) auf Kick-Drums. Darüber hinaus lassen sich damit aber auch ganz normale Drum-Sounds erzeugen. Das Konzept des Plugins entspricht der Technik von Elektroproduzenten, die eine Kick immer aus drei verschiedenen Samples kombinieren. So wird sichergestellt, dass Tiefen, Mitten und Höhen gleichermaßen vorhanden sind und dass der Kick-Sound im kompletten Track durch die restlichen Spuren und Elemente leichter  hörbar ist. Obwohl der Name des Plugins suggeriert, dass es nur um Kick-Drum-Sounds geht, umfasst die Bibliothek auch Snares, Claps und Percussions jeglicher Art. Außerdem können eigene Samples importiert werden.

Beatmaker – SL Drums 3

Noch mehr Freeware-Drums liefern die SL Drums 3 von Beatmaker. 75 Drum-Kits mit jeweils acht Sounds, da kommen einige Drum-Samples zusammen. Multi-Output-Funktionalität, gute Klangqualität und Drum-Sounds für verschiedenste Stilrichtungen – was will man mehr? Immer wieder erstaunlich, welch praktikable Tools völlig kostenlos im Internet erhältlich sind. Besonders gut an SL Drums 3 ist, dass man neben den üblichen Verdächtigen in jedem Drum-Kit auch Sounds findet, die überraschen und die man nicht schon aus dutzenden Hip-Hop-Tracks kennt. Ein super Drumtool.

Akai Professional – iMPC Pro 2

Wer öfters mal in der Bahn oder im Flugzeug unterwegs ist und dabei gerne Beats machen möchte, kann inzwischen sogar seinen Laptop zu Hause lassen. Mit iMPC Pro 2 bringt Akai eine sinnvolle Beatproduktionslösung für iPads auf den Markt. Die Erweiterung durch Sound-Packs ist inzwischen genauso möglich wie die Bearbeitung von Audiospuren und oder das Herstellen von Audioaufnahmen. Via eines iOS-kompatiblen MIDI-Controllers können sogar Grooves eingespielt werden. Damit können professionelle Beats gebaut werden, auch wenn die CPU-Auslastung natürlich im Auge zu behalten ist.  Wer dann doch mehr Power braucht, kann die Projekte an die MPC-Stamm-Software auf einen Laptop oder Desktoprechner übertragen und dort ausarbeiten.  

Wave Alchemy – Revolution

Anders als Evolution von Wave Alchemy mit seinen neuen und extra für das Plugin kreierten Drum-Sounds ist Revolution den originalen Drum-Maschinenklassikern von Roland, Linn Electronics, E-mu, Sequential Circuits und Oberheim detailgetreu nachempfunden worden. Ergänzt wurden die Sounds der Klassiker mit neuen Konzepten und Funktionen, wie einem ausgefeilten Step-Sequencer oder einer Drag-and-Drop-Funktion, um die Beats in einer DAW ohne viel Aufwand weiter ausarbeiten zu können. Die Sounds selbst sind professionell bearbeitet und gemastert worden und sie klingen fantastisch. Und auch der Preis überzeugt, denn jedes der gesampelten Originale dürfte allein in der Anschaffung deutlich teurer sein.

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D16 Group – Nepheton

Auch von der D16 Group gibt es eine Emulation namens Nepheton, die sich allerdings ganz auf die TR-808-Drum-Maschine von Roland beschränkt. Der Native-Mode ermöglicht das Umgehen des Step-Sequencers, somit baut man die Beats dann direkt in einer DAW zusammen. Und auch wenn der Klang des originalen Klassikers natürlich nicht exakt nachgebaut werden konnte, hat D16 bei seiner Emulation durchaus einen authentischen Klang erzielt. Da die originale Hardware inzwischen zur Wertanlage geworden ist und für die meisten Beatproduzenten aufgrund ihres immer weiter steigenden Preises unerreichbar sein dürfte, macht Nepheton mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand die Sounds der TR-808 für alle verfügbar. 

Beatmaker – RVK-808

Von Beatmaker gibt es auch eine 808-Kopie, namens RVK-808. Dabei handelt es sich um einen Rompler, der 272 808-Samples in 17 Drum-Kits zur Verfügung stellt. Die Sounds klingen realistisch und lassen sich über den integrierten Multi-Output auf verschiedene Kanäle der DAW routen. Zusätzlich gibt es für jedes Sample einen eigenen Level-, Pan-, und Release-Regler, die Kickdrum wurde außerdem mit einem Tone-Regler ausgestattet. Hinzu kommen Reverb für alle 15 anderen Sounds, Noise FX und ein globaler Pitch-Bend. Somit lassen sich für lebendige Beats schnell individuelle Anpassungen vornehmen.

Synsonic – BD-808 und BD-909

Die beiden Emulationen BD-808 und BD-909 von Synsonic weisen ein Alleinstellungsmerkmal auf, denn sie beschränken sich auf die Bassdrum-Sounds der allmächtigen Originale, der TR-808 und der TR-909 von Roland. Außerdem sind beide Emulationen kostenlos erhältlich. Wer  also wummernde 808-Kickdrum-Sounds für lau sucht, kann hier nicht viel falsch machen. Man sollte sich vom Preis aber nicht täuschen lassen, dieser spiegelt nämlich nicht im Geringsten mangelnde Qualität wieder. Die Emulationen sind gut gelungen und reichen klanglich sehr nah an das Original heran. Hinzu kommen einige Controls, mit denen der jeweilige Sounds verändert werden kann, wie etwa Tune- oder Pitch-Control, Accent-, Tone- aber auch ein Distort-Regler. Schließlich kann man auch Jahrzehnte nach der Entwicklung der Originale auf deren Sounds in der elektronischen Musik nicht gänzlich verzichten.

Ignite VST – 808 Studio 1.3

Ignite VST heißt jetzt Initial Audio. Und ihr 808 Studio 1.3 beschränkt sich ebenfalls auf die Rekonstruktion eines Teilaspektes der TR-808, dieses Mal sind es aber die Bass-Sounds. Und die des Originals sind schließlich berühmt-berüchtigt. Darüber hinaus bietet das Plugin aber auch noch ein Kick-Modul, mittels dem dem Bass noch eine Kick-Drum hinzugefügt werden kann. Mit 808 Studio  gelingt Initial Audio aus Düsseldorf durchaus ein absoluter Volltreffer: super und originalgetreuer Klang, einfach zu bedienendes GUI, solide Effektsektion und jede Menge production-ready Presets, und das für gerade mal um die 50 Euro.

Thenatan – X-Eight

Und auch X-Eight von Thenatan sticht in der 808-Kategorie heraus. Bei diesem Plugin findet man ebenfalls nur Subbass-Sounds, die aber zusätzlich verzerrt wurden – mal mehr, mal weniger. Heraus kommt ein für Trap-Produzenten sehr wertvolles Tool, schließlich gehören die Subbass-Sounds mit Distortion zu dieser Stilrichtung wie die Faust aufs Auge. Neben der Hüllkurve verfügt dieses Plugin aber nur über wenige weitere Controls, die bei über 1000 Presets aber auch nicht wirklich vermisst werden. Die zehn Bänke enthalten garantiert einen für so gut wie jeden Trap-Beat passenden Sound, zumal diese zusätzlich nach eigenem Gusto gelayert werden können.

Tone 2 – Electra 2

Electra 2 von Tone 2 ist in der Szene der elektronischen Musik längst kein Geheimtipp mehr, und das völlig zu Recht. Vier unabhängige Synth-Layer, 15 Syntheseformen, 42 Filtertypen und mehr als 1300 Presets, die umwerfend klingen: Alleine die Zahlen sprechen für sich. Die Synth-Layer können sich gegenseitig als Modulationsquelle dienen und neben den unzähligen Wellenformen können auch eigene geladen werden. Und auch wenn es der Name suggeriert, Electra 2 ist nicht nur etwas für Techno-Artists, sondern wird auch von Musikern aus vielen anderen Genres genutzt. Außerdem sind Updates im Hause Tone 2 immer kostenlos,  Deutsche Wertarbeit par excellence.

Initial Audio – Heat Up 3

Da sich Initial Audio hauptsächlich um Instrumente und Effekte für Trap- und Hip-Hop-Producer bemüht, richtet sich auch Heat Up 3 an diese Klientel. Durch diese Spezialisierung wird das Plugin zum go-to-Synth für Hip-Hop-Künstler und Beat-Maker dieses Genres, mit dem man schnell den passenden Sound finden kann. Diese klingen gut und hochwertig, werden im Browser übersichtlich dargestellt und können sogar durch Expansion-Packs zusätzlich erweitert werden. Die Xpression-Sektion mit einer Expression-Matrix, zwei LFOs und zwei Envelopes sowie die üppig ausgestattete Effektsektion ermöglichen über das übersichtliche GUI Soundanpassungen. Außerdem sind auch bei diesem Rompler die Updates kostenlos. 

Initial Audio – Sektor

Auch Sektor kommt aus dem Hause Initial Audio, somit zielt auch er in Richtung der Hip-Hop- und Trap-Producer. Der polyphone Synthesizer mit vier Oszillatoren verfügt über ein intuitives Modulationskonzept, das über Drag-and-Drop funktioniert. Die vielen Wavetables, Einzel- und Multisamples, die zahlreichen Modulationsquellen, Effekte und der Step-Sequencer bieten viele klangliche Möglichkeiten, die sich in 500 Presets widerspiegeln. Das Browsersystem lässt einen auch bei Sektor den passenden Sound schnell finden. Die Sounds klingen meist dann besonders gut, wenn sie ein Sample enthalten. Sucht man schnell genrekonforme Sounds, ist Sektor von Initial Audio durchaus eine Option.

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Cableguys – Halftime

In Trap-Songs werden Samples und teilweise auch der komplette Beat langsamer abgespielt, was sie wesentlich tiefer wirken lässt. Cableguys haben mit Halftime ein Einzel-Tool veröffentlicht, das genau das kann. In ähnlicher Form ist es übrigens bereits in ihrem Modulationsflaggschiff Shaperbox enthalten. Dort bedient man das Plugin hingegen über ein ausgeklügeltes, grafisch betontes GUI, während es bei Halftime nicht ganz so viele Möglichkeiten gibt. Die Bedienung ist bei Shaperbox außerdem noch einfacher aufgebaut. Für gerademal 10 Euro erhält man mit Halftime ein Sounddesign-Tool, das neben Hip-Hopern auch für Filmkomponisten oder Techno-Producer interessant sein dürfte.

Audio Damage – Fuzz Plus 3

Fuzz ist eine spezielle Form der Verzerrung, die auch oft für E-Gitarren verwendet wird. Audio Damage liefert mit Fuzz Plus 3 ein Freeware-Tool, mit dem sich diese Art von Verzerrung in eine DAW integrieren lässt. Eigentlich sollte es Fuzz Plus gar nicht mehr geben, denn Audio Damage wollte das Plugin ursprünglich auslaufen lassen. Zahlreiche User-Anfragen zu diesem Effekt führten dann aber dazu, dass es schließlich als Freeware jedem frei zugänglich gemacht wurde. Das übersichtliche GUI lässt einen schnell den gewünschten Effekt erzielen. Fuzz Plus 3 klingt fantastisch, sieht gut aus und hat so gut wie keine CPU-Auslastung.

Glitchmachines – Fracture

Soll der Sound noch etwas individueller sein, lohnt sich Fracture von Glitchmachines. Mit dem Multi-Effektprozessor-Plugin lassen sich besondere Effekte erzielen, die man nicht allzu oft hört, und genau darin liegt dessen Wert. Fracture kann das Ausgangssignal so sehr entfremden, dass man es überhaupt nicht mehr erkennt. Aus einem Drum-Loop kann man damit Töne erzeugen, verrückte Delays zaubern oder Robotic-Effekte kreieren. Natürlich sollte man bei einem  Beat etwas vorsichtig mit den Klangveränderungsfähigkeiten von Fracture sein, denn da kann es auch schnell „zu viel Effekt“ werden. Eine aus den Drums erstellter Drohnennsound macht ja schließlich so gut wie jeden Beat interessanter. 

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