Test
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10.08.2021

Praxis

Bedienung

Der integrierte Phono-Preamp ist wirklich ein klasse Feature! Das macht unter Umständen das Leben leichter. Wer bisher noch nie groß mit Plattenspielern zu tun hatte, weiß nämlich nicht unbedingt, dass Anlagen (also üblicherweise die Verstärker) für den Anschluss eines „klassischen“ Vinyl-Spielers mit einem dafür ausgelegten Vorverstärker bestückt sein müssen oder externe Phono-Preamps benötigt werden. Line-Eingänge gibt es fast überall, aber mit Phono-Eingängen sieht das schon anders aus. Beim Thorens TD 202 müsst ihr euch darüber keine Gedanken machen. Solange irgendwo ein Line-Eingang bereitsteht, kann die Party losgehen. Dafür schaltet ihr einfach den internen Preamp an - ansonsten könnt ihr diesen ausschalten und direkt in die Phono-Eingänge eines Pults, Verstärkers, oder externen Vorverstärkers gehen. Super!

Der Einschalter befindet sich auf der Rückseite, es gibt kein Licht oder irgendeine Anzeige die mir Betriebsbereitschaft signalisiert. Wenn ich wissen will, ob der Plattenspieler überhaupt eingeschaltet ist oder gar Strom bekommt, muss ich den Start- und Stopp-Schalter betätigen und beobachten, ob sich der Plattenteller dreht. Wenn ja, ist der Thorens TD 202 eingeschaltet - ansonsten gilt „Houston, we have a problem“. In dieser Hinsicht gibt sich der Plattenspieler äußerst minimalistisch, das gilt auch für die Bedienung insgesamt.

Neben den zwei Schaltern für die Umdrehungsgeschwindigkeit und dem bereits genannten Start-/Stopp-Schalter gibt es außer dem Lifthebel nicht viel zu sehen und zu tun. Der Lifthebel für den Tonarm sitzt für mein Empfinden ein bisschen zu nah am Arm. Hier müsst ihr euch daran gewöhnen, mit einem Finger von rechts darunterzugreifen. Wenn ihr den mit Daumen und Zeigefinger nehmen wollt, kommt ihr zu schnell an den Tonarm. Und wo wir gerade von Lift und Tonarm reden: Automatisch bewegt sich hier nichts, ihr müsst also die Nadel manuell auf die Platte senken und wieder anheben. Als DJ bin ich das natürlich gewohnt und finde das auch völlig in Ordnung so. Denn so eine Automatik schlägt sich mit Sicherheit in einem höheren Preis nieder und ist bestimmt auch anfällig für technische Probleme. Außerdem wollen die heutigen Vinyl-Freaks ja auch ein bisschen Feeling, und dazu gehört nun mal, die Nadel auf die Platte zu bewegen. Für diesen Zweck reicht der Lifthebel auf jeden Fall, auch wenn dieser einen sehr einfachen Eindruck macht.

Ach, zwei Sachen muss ich auch noch erwähnen. So schön die glatte und abgespeckte Optik auch gefallen mag, so hat sie auch noch einen kleinen praktischen Makel. Der Single-Puck findet hier nämlich keinen Platz und muss woanders aufbewahrt werden. Und „woanders“ ist ja oft der Ort, an dem Dinge nicht mehr wiedergefunden werden, wenn sie tatsächlich mal gebraucht werden. Der zweite Kritikpunkt dreht sich um die Abdeckhaube aus Acryl. Sehr schön, dass diese dabei ist - wenn sie lange ansehnlich bleiben soll, legt auf keinen Fall irgendetwas darauf. Ich musste die Erfahrung machen, dass selbst eine Plattenhülle schon Spuren hinterlässt.

Vinyl über USB digitalisieren

Dank des eingebauten Phono-Vorverstärkers und des integrierten USB-Interfaces kann ich ohne viel Aufwand meine Lieblingsplatten digitalisieren. Was muss ich dafür tun? Einfach nur den Thorens TD 202 über das beiliegende USB-Kabel mit dem Rechner verbinden und den internen Phono-Vorverstärker aktvieren. Eine kostenlose Software wie Audacity oder Oceanaudio nutze ich für die Aufnahme. Wenn ich über USB aufnehme, muss ich mir um eine Aussteuerung des Signals keine Gedanken machen - das erledigt der interne AD-Wandler des Plattenspielers automatisch. Bei allen Tests entstanden keine Übersteuerungen, auch bei sehr laut geschnittenem Vinyl gab es noch genügend Headroom. Wenn ihr das beiliegende System durch ein etwas lauteres tauschen wollt, müsst ihr diesen Umstand bedenken. Dann können mitunter Clippings auftreten und ihr müsst die Aufnahmen über den analogen Weg machen. Richtige Hi-Fi-Connaisseure schlagen diesen Weg vermutlich sowieso ein und pfeifen auf eine Auflösung von 16 Bit und 48 kHz.

Ich habe mal eine kleine Hörprobe des Techno-Tracks „Journey“ von Caldera (mit freundlicher Genemigung von sonic moiré) beigefügt - aufgenommen über den USB-Ausgang, nicht normalisiert und in 44,1 kHz exportiert.

Sound

Mit dem audio-technica AT 95E kommt der Thorens TD 202 ja bereits mit einem sehr geschätzten Tonabnehmer, der für einen ausgewogenen und runden Sound bekannt ist. Und genau diese Attribute würde ich diesem Setup auch bescheinigen. Unaufgeregt passt mit Sicherheit ebenso - ganz besonders wenn ich die Lautstärke mit einem für den Club gedachten Ortofon Concorde vergleiche. In dieser Hinsicht liegen Welten dazwischen. Das ist hier aber kein Manko, sondern eigentlich genau richtig. Ich habe mir die unterschiedlichste Musik angehört und es hat immer Spaß gemacht. Der Thorens TD 202 ist eine ehrliche Haut - ich mag das.

Wie ihr bereits gesehen und gelesen habt, lassen sich Headshell und Tonabnehmer schnell austauschen, wer also klangliche Upgrades machen will, kann diese jederzeit vornehmen. Super!

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