Test
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11.09.2020

Praxis

Ausrichtbarkeit ein Segen

Das t.bone MB 7 Beta ist ordentlich verarbeitet. Die Oberflächen sind ohne Makel, die Mechanismen zum Drehen und Kippen funktionieren tadellos. Die eben genannten Möglichkeiten sind wirklich praktisch, egal ob das Mikrofon auf einem Tischstativ mit Galgen über Kopf hängt, ob es auf einem kleinen Dreifuß oder Rundsockel steht, oder ob es ganz klassisch auf einem Mikrofonständer benutzt wird – die Möglichkeit zur flexiblen Ausrichtung ist ein Segen, den auch Nutzer des Shure SM7B zu schätzen wissen.

Klang: professionell

Der Grundklang des Mikrofons ist vor allem eines: erstaunlich hochwertig und professionell. Obwohl es als Allrounder angepriesen wird, zeigt sich klar, dass die menschliche Stimme bei der Entwicklung im Vordergrund stand. Sie klingt satt, dick und präsent und somit ein wenig so, wie man es von Stimmen als Konsument kennt. Dennoch gibt es genügend Möglichkeit, regulatorisch einzugreifen, also mit EQ, Kompressor oder anderen Bearbeitungen, denn dafür liefert das Signal ausreichend Reserven. Anders als der grafische Frequenzgang suggeriert, ist das Mikrofonsignal aber nicht übertrieben offen oder höhenreich. Das MB 7 Beta neigt auch nicht zum Kratzen oder zu scharfen Spitzen, die mit einem De-Esser entfernt werden müssten. Im Vergleich mit den deutlich teureren Mikrofonen Electro-Voice RE20 und Shure SM7B zeigten sich dennoch die Klassenunterschiede im Test. Das RE20 ist nicht umsonst bekannt für seine natürliche Wiedergabe und die gewisse Transparenz und Luftigkeit auch bei geringeren Besprechungsabständen, die Kernigkeit und das ultrasolide Fundament des SM7B erreicht das MB 7 Beta nicht. Dennoch: Die dynamische Ansprache ist erstaunlich gut für ein derart preiswertes Mikrofon, die Verschleifungen gering. Das ähnlich wie das MB 7 Beta bepreiste Sontronics Podcast Pro klingt in den Mitten etwas fusseliger, kann aber wie RE20 und SM7B mit angenehmerer Off-Axis punkten – dazu gleich mehr im folgenden Abschnitt.

Dürfte ich mir etwas wünschen, dann könnte das t.bone MB 7 Beta gerne ein wenig straffer im Bass sein. Jener ist auch bei äußerst naher Besprechung nicht überbordend im Pegel, wenngleich ein Abstand von über fünf Zentimetern zum Mikrofon dem Stimmenklang gut tut. Die rückwärtige Dämpfung des Nierenpatterns ist ordentlich, wenngleich sich hier ein Unterschied zu teureren Vertretern zeigt: Das SM7B beispielsweise klingt aus 90 Grad besprochen noch deutlich kompletter, wohingegen das t.bone besonders die Höhen beschneidet. Bedenkt man aber, dass bei typischen Schreibtischsituationen eher Tastaturenklappern und Lüftergeräusche die Störschallquellen sind als dass benachbarte Signale möglichst natürlich mit aufgenommen werden (wenn sie sich schon nicht vermeiden lassen), dann ist das aber eigentlich keine schlechte Nachricht.

Popplaute werden meist recht gut unterbunden, wenn man es nicht gerade wirklich darauf anlegt, welche zu generieren. Vorsichtiger sollte man da mit Körperschall sein, der bei Berührung über das Stativ, das angeschlossene Kabel oder das Housing selbst seinen Weg in das Signal finden kann. Dass Broadcastmikrofone angefasst werden, ist nicht selten, nur sollte man bei der Aufnahme/Sendung davon absehen. Aber in der Coronazeit sollten alle gelernt haben, sich nicht dauernd in das Gesicht zu fassen, das klappt dann wohl sicher auch mit Mikrofonen.

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