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the t.bone MB 7 Beta Test

Praxis

Ausrichtbarkeit ein Segen

Das t.bone MB 7 Beta ist ordentlich verarbeitet. Die Oberflächen sind ohne Makel, die Mechanismen zum Drehen und Kippen funktionieren tadellos. Die eben genannten Möglichkeiten sind wirklich praktisch, egal ob das Mikrofon auf einem Tischstativ mit Galgen über Kopf hängt, ob es auf einem kleinen Dreifuß oder Rundsockel steht, oder ob es ganz klassisch auf einem Mikrofonständer benutzt wird – die Möglichkeit zur flexiblen Ausrichtung ist ein Segen, den auch Nutzer des Shure SM7B zu schätzen wissen.

Das Mikrofon kann auf zwei Achsen gedreht werden, ohne dass das Mikrofonstativ dafür bewegt werden müsste.
Das Mikrofon kann auf zwei Achsen gedreht werden, ohne dass das Mikrofonstativ dafür bewegt werden müsste.

Klang: professionell

Der Grundklang des Mikrofons ist vor allem eines: erstaunlich hochwertig und professionell. Obwohl es als Allrounder angepriesen wird, zeigt sich klar, dass die menschliche Stimme bei der Entwicklung im Vordergrund stand. Sie klingt satt, dick und präsent und somit ein wenig so, wie man es von Stimmen als Konsument kennt. Dennoch gibt es genügend Möglichkeit, regulatorisch einzugreifen, also mit EQ, Kompressor oder anderen Bearbeitungen, denn dafür liefert das Signal ausreichend Reserven. Anders als der grafische Frequenzgang suggeriert, ist das Mikrofonsignal aber nicht übertrieben offen oder höhenreich. Das MB 7 Beta neigt auch nicht zum Kratzen oder zu scharfen Spitzen, die mit einem De-Esser entfernt werden müssten. Im Vergleich mit den deutlich teureren Mikrofonen Electro-Voice RE20 und Shure SM7B zeigten sich dennoch die Klassenunterschiede im Test. Das RE20 ist nicht umsonst bekannt für seine natürliche Wiedergabe und die gewisse Transparenz und Luftigkeit auch bei geringeren Besprechungsabständen, die Kernigkeit und das ultrasolide Fundament des SM7B erreicht das MB 7 Beta nicht. Dennoch: Die dynamische Ansprache ist erstaunlich gut für ein derart preiswertes Mikrofon, die Verschleifungen gering. Das ähnlich wie das MB 7 Beta bepreiste Sontronics Podcast Pro klingt in den Mitten etwas fusseliger, kann aber wie RE20 und SM7B mit angenehmerer Off-Axis punkten – dazu gleich mehr im folgenden Abschnitt.

Audio Samples
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Dürfte ich mir etwas wünschen, dann könnte das t.bone MB 7 Beta gerne ein wenig straffer im Bass sein. Jener ist auch bei äußerst naher Besprechung nicht überbordend im Pegel, wenngleich ein Abstand von über fünf Zentimetern zum Mikrofon dem Stimmenklang gut tut. Die rückwärtige Dämpfung des Nierenpatterns ist ordentlich, wenngleich sich hier ein Unterschied zu teureren Vertretern zeigt: Das SM7B beispielsweise klingt aus 90 Grad besprochen noch deutlich kompletter, wohingegen das t.bone besonders die Höhen beschneidet. Bedenkt man aber, dass bei typischen Schreibtischsituationen eher Tastaturenklappern und Lüftergeräusche die Störschallquellen sind als dass benachbarte Signale möglichst natürlich mit aufgenommen werden (wenn sie sich schon nicht vermeiden lassen), dann ist das aber eigentlich keine schlechte Nachricht.

Popplaute werden meist recht gut unterbunden, wenn man es nicht gerade wirklich darauf anlegt, welche zu generieren. Vorsichtiger sollte man da mit Körperschall sein, der bei Berührung über das Stativ, das angeschlossene Kabel oder das Housing selbst seinen Weg in das Signal finden kann. Dass Broadcastmikrofone angefasst werden, ist nicht selten, nur sollte man bei der Aufnahme/Sendung davon absehen. Aber in der Coronazeit sollten alle gelernt haben, sich nicht dauernd in das Gesicht zu fassen, das klappt dann wohl sicher auch mit Mikrofonen.

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Profilbild von HM

HM sagt:

#1 - 15.09.2020 um 11:33 Uhr

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Hallo und danke für den tollen Test! Hast du das Mikrofon zufällig auch mal in den anderen "typischen" SM7B-Situationen getestet: Git- oder Bassamp, Bassdrum, Snare, usw.
Vielleicht kannst du da ja noch etwas hier in den Kommentaren ergänzen.
Danke für deine tollen Test - bitte weiter so!

    Profilbild von Nick (Redaktion Recording)

    Nick (Redaktion Recording) sagt:

    #1.1 - 15.09.2020 um 13:24 Uhr

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    Hallo HM,danke zurück!Ja, ich hatte es an einem verzerrten Amp (Hiwatt/WEM Starfinder) und einem cleanen (Magnatone Twilighter) benutzt, zudem mit Taschentrompete und Altsaxophon, aber nicht am Bassamp oder an Drums. Kurz: Klangqualität hoch, im Vergleich zu SM7B etwas weniger Pfund, besonders bei cleanen Sounds und dem Gebläse etwas weniger Auflösung als etwa mit RE20 oder MD421. In jedem Fall aber eine gelungene Alternative zu anderen Dynamikern, gerade vor dem Speaker.Und überredet: Ich mache weiter so. :-DBeste Grüße
    Nick

Profilbild von Michael Krause

Michael Krause sagt:

#2 - 21.10.2020 um 11:28 Uhr

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Hallo, wir können dieses Testergebnis nicht nach empfinden sind doch sehr überrascht das dafür 4,5 Sterne vergeben werden. Wir sind ein privater Radiosender im kulturellen Bereich und haben das Mikrofon ausgiebig getestet zu dritt (2 Männer, 1 Frau), wir haben unterschiedliche Stimmfarben. Das Mikrofon wurde an folgende Mischpulten und Audio Interface angeschlossen: Rode Rodecaster Pro, D&R Airmate und am Arturia AudioFuse Studio und ausgiebig getestet in neutraler Einstellung ohne EQ usw.. Desweiteren wurde es mit folgenden Mikrofonen verglichen: EV RE20, EV RE320, Neumann BCM 705 u. BCM 104, Rode Broadcaster, Rode Procaster, Rode Podmic und Sontronics Procaster Pro. An den Neumann BCM104 (4,5 Sterne) und den EV RE20 (5 Sterne) kommt es um Lichtjahre nicht ran, bei den Neumann BCM 705 , EV RE320 (4,5 Sterne) und Rode Broadcaster ist es auch ein großer Abstand. Rode Procaster (4,5 Sterne) liegt auch vorm getesteten Mikrofon mit kleinen Abstand. Mit dem Podmic kann es bei der weiblichen Stimme gleich setzen aber bei den männlichen Stimmen ist das Podmic knapp vorne. Nur gegen das Sontronics (4,5 Sterne) ist das T.Bone minimal besser entscheident der Pop- und den Zischlauten, allerdings haben wir bei beiden Mikrofonen zuzüglich ein Popschutz nutzen müssen. Das T.Bone und das Sontornics müssten im Gegensatz zu den anderen Mikrofonen max. nur 3 Sterne erhalten weil beide qualitativ schlechter sind. Die Sternebewertungen in Klammern gesetzt sind Bewertungen von Bonedoteste.

    Profilbild von Nick (Redaktion Recording)

    Nick (Redaktion Recording) sagt:

    #2.1 - 21.10.2020 um 12:36 Uhr

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    Hallo Michael,ja, was bei den letztlichen Bewertungen der Tests hier immer mit ausschlaggebend ist, ist der Preis des Produkts. RE20, BCM 705 und SM7B sind beispielsweise hervorragende Mikrofone, kosten aber rund das Vierfache des MB 7 Beta. Auch das Rode Broadcaster (kapazitiv) ist in dieser Preisregion, das BCM 104 kostet sogar fast das Zehnfache. Da passt es auch ins Bild, dass das Sontronics (ungefähr gleicher Preis) auch qualitativ im gleichen Rahmen liegt. Insofern sind die Gefüge von Qualität und Preisgestaltung so, wie man sie erwarten würde. Das Fazit greift diese Thematik ja noch explizit auf: Wenn man einhundert Euro zur Verfügung hat, ist das MB 7 Beta eine gute Wahl. Wenn der Umstand, dass wir den Preis nicht außen vor lassen, nicht ganz deutlich wird, dann tut mir das leid, vielleicht können wir das zukünftig plakativer gestalten. Insofern danke für den Input!Beste Grüße
    Nick Mavridis (Redaktion Recording)

    Antwort auf #2 von Michael Krause

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