Test
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04.03.2020

Tama Metalworks Effect Mini-Tymp Snares Test

Effekt-Snaredrums

Drei halbe Portionen?

Dass man mit einer auf das Wesentliche reduzierten Konstruktion und einem schicken Erscheinungsbild Erfolg haben kann, beweisen die günstigen Tama Soundworks Steel und Metalworks Snaredrums seit einigen Jahren. Zur NAMM Show 2020 hat der japanische Hersteller die Palette vergrößert und stellt die „Effect“ Mini-Tymp Snares vor. Dabei handelt es sich um drei „Trömmelchen“ der Dimensionen 6x3, 8x3 und 10x3 Zoll, deren Konzept man Unwissenden am besten als verzwergte Mischung aus Concert Tom und Piccolo Snaredrum verdeutlichen kann. Ganz neu ist die Idee allerdings nicht, denn die Firma LP bietet sie unter der Bezeichnung Micro Snare seit einigen Jahren an. 

Klanglich geht es mit derartig kleinen Kesselmaßen natürlich nicht in die balladeske „Düsch“-Richtung, angesprochen werden sollen vielmehr Fans knalliger, perkussiver Effekte zwischen Latin und Drum'n'Bass. Tama hat seinen neuen Kreationen zudem ein recht aufwendiges System zur Snareteppich-Justierung eingebaut, außerdem liefert man die notwendige Halterung gleich mit. Ob sich damit der Kreativitäts-Boost quasi automatisch einstellt, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Von allem die Hälfte

Dass es sich bei den Tama Metalworks Effect Snaredrums um eine besondere Spezies handelt, ist offensichtlich. Einiges haben sie aber trotzdem mit normalen Snaredrums gemeinsam. Da wären zunächst die nicht nahtlos gezogenen, schwarz beschichtenen Kessel aus Stahlblech mit einem Millimeter Stärke. An beiden Rändern ist der Kessel mit einer Gratung versehen, wobei diese auf der Unterseite eher der Stabilität dient, denn schließlich besitzen die Effect Snares nur ein einlagiges Schlagfell von eher einfacher Machart. Dieses wird mithilfe von jeweils vier Spannböckchen bei der 6er und 8er Version gestimmt, die 10 Zoll Version besitzt sechs davon. Bei den Fellen handelt es sich um klare, einlagige Versionen ohne nähere Herkunftsbezeichnung.  

Der Clou ist die spezielle Abhebung der Effect Snares 

Um trotz der Resonanzfell-losen Konstruktion den charakteristischen Raschelsound zu erhalten, haben sich die Tama Konstrukteure ein interessantes Design einfallen lassen. Wie auch beim Konkurrenzprodukt von LP, der Micro Snare, kommt ein halbierter Teppich zum Einsatz, der von unten das Schlagfell berührt. Bei den Tamas ist der Steuermechanismus aber deutlich komplexer gehalten und soll damit dieselbe Funktionalität bieten wie die Abhebung einer konventionellen Snaredrum. Das System wird komplett über einen zweiteiligen – „gestackten“ – Drehregler von der Kesselaußenseite bedient. Der untere, größere Teil des Reglers besteht aus Kunststoff und ist für das An- und Abschalten des Snareteppichs zuständig. Er sitzt auf einer Achse, welche im Inneren des Kessels eine Art umgedreht arbeitende Drop-Style-Abhebung in Bewegung setzt. Die zweite Rändelschraube ist kleiner, aus Metall gefertigt und sorgt für eine stufenlose Verstellung des Anspressdrucks des Teppichs. Die gesamte Konstruktion wirkt sehr durchdacht, an wichtigen Stellen sorgt Kunststoff für eine klapperfreie Funktion. Eine schöne Dreingabe seitens Tama ist die Halteklammer/Tomhalter-Kombination namens MC69, welche das Anbringen der Trömmelchen an einem Beckenstativ und damit sofortiges Losspielen ermöglicht.  

Das Mod-Tone System funktioniert prima

Dank der guten Haltearme habe ich die drei Mini Snares schnell an meinem Set verteilt und gut erreichbar ausgerichtet. Anschließend widme ich mich dem „Mod-Tone“-System, also der Abhebung. Und siehe da: Ihre Bedienung fühlt sich sehr hochwertig an, und die versprochene Funktionalität lässt sich gut umsetzen. Je nachdem, wie man die Snares im Set positioniert, kann die Abhebefunktion auch während des Spiels bedient werden. 

Knallig-perkussiv können die „Effect“-Snares am besten

Klanglich liegen unsere drei Testobjekte genau dort, wo man sie auch optisch einordnen würde. Ihr knallig-bellender Grundsound ist der von Mini-Timbales, erweitert um ein – je nach Einstellung – mehr oder weniger trockenes, raues Snareteppich-Rascheln. Weil wir es mit Single-Head-Trommeln zu tun haben, sorgt das Anlegen des Teppichs auch für eine starke Dämpfung der Tonalität, bei hohen Spannungen verändert sich mit dem Anschalten zudem die Tonhöhe nach oben. Das Stimmen der Snares geht schnell vonstatten, interessante Intervalle sind entsprechend zügig realisiert – sofern ihr euch mehr als eine der „Effect“-Modelle zulegt. Die Frage, für welchen der drei Zwerge ich mich persönlich entscheiden würde, ist schnell beantwortet. Meine Wahl würde auf die 10er fallen, denn sie besitzt die größte Dynamik und erzeugt charakteristische Drum'n'Bass-Sounds mit wenigen Handgriffen. Die beiden kleineren Versionen sind leiser, klingen kürzer und Attack-betonter. Bei stark angelegtem Snareteppich verlieren sie zudem einen Großteil ihrer Tonalität. Stattdessen geht es perkussiver zu, Latin-mäßiges Rimshotspiel macht so wirklich Spaß. Auch die gute Dosierbarkeit der Teppiche lässt mindestens drei klar unterscheidbare Sounds zu: Teppich aus, tonal-raschelnd und knisternd-kurz. Sofern man nicht zu viel erwartet, taugen die Testkandidaten auch als kleine Toms. Ich habe euch die drei Snares jeweils in drei Stimmungen gruppiert aufgenommen. Im Video könnt ihr auch die genauen Auswirkungen des Teppich-Anpressdrucks beurteilen. 

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