Hersteller_Stanton
Test
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14.09.2012

Praxis

Genug der einleitendenden Worte – an die Arbeit. Die Installation von Virtual DJ verläuft problemlos und die im Vergleich zu Traktor wesentlich schlankere Ausführungsdatei findet in wenigen Minuten ihren Weg auf die Festplatte. 

Nach dem Programmstart präsentiert sich VDJ in einem Stanton-gebrandeten und auf die Benutzung mit dem DJC.4 ausgelegten Vierdeck-Layout. Im Gegensatz zur Pro-Version ist in der LE-Variante die Screen-Auflösung fest eingestellt. Entsprechend werden Netbook-User hier schnell an ihre Bildschirmgrenzen stoßen. Aber auch mit den 1600 x 900 Pixeln meines Testrechners wirkt die Textdarstellung an manchen Stellen (Effekt- und EQ-Sektion) nicht unbedingt wohlproportioniert. Gut, letztlich soll die Arbeit ja am Controller gemacht werden und nicht am Bildschirm – kein Minuspunkt dafür. 

Als ich die Audio-Konfigurationsseite aufrufe merke ich, dass ich ja bislang noch gar keine ASIO-Treiber installiert habe. Denn direkt nach dem Einstöpseln wird der DJC.4 ohne Beanstandung durch das gastgebende Betriebssystem als HID-Interface erkannt und auch die Quickstart-Anleitung schenkt diesem Umstand keine Zeile – für absolute Neueinsteiger könnte dies schon eine frustrierende Startschwierigkeit sein. Also, noch einmal ein Blick auf die Beipack-CD geworfen und dort finden sich in der Tat die benötigten ASIO-Treiber. 

Dass während der Installation der Name Ploytec zu sehen ist, lässt auf eine gute Audio-Performance hoffen, denn die kleine Treiberschmiede aus Süddeutschland hat bislang noch jeden USB-Audiochipsatz erfolgreich zur zügigen Klangausgabe motivieren können. Und in der Tat: Nach erfolgter Installation und erneutem Aufrufen der Konfigurationsseite darf ich mit dem schnellen ASIO-Standard arbeiten. Die Ausgabe-Latenz ließ sich auf meinem Testsystem ohne "Buffer Underruns" auf fünf Millisekunden drücken. Nicht so ganz zeitgemäß hingegen scheint die fest vorgegebene Wortbreite von 16 Bit – 24 Bit sind heutzutage sicherlich kein Luxus mehr. Größte Vorsicht sollte man beim Laden von Stücken walten lassen, falls man doch die eine oder andere 24-Bit-Datei in der Library hat, denn VDJ7 lädt diese ohne Fehlermeldung, gibt aber dann beim Abspielen einen ohrenbetäubenden Null-dB-Bitkrach von sich.

Nach erfolgter Verbindung zur Studio-PA und dem Beladen der Decks mit Audiomaterial gebe ich Vollschub auf dem Master-Out. Dessen Schallausstoß gibt sich im Vergleich zu Artgenossen etwas bescheiden, obwohl ihm die technischen Daten mehr als +6dBV (2V) bescheinigen. Zugutehalten muss ich ihm dabei, dass er nicht nur die Ausgangsverstärkung, sondern auch die komplette Tastaturbeleuchtung mit dem betreiben muss, was ihm der gastgebende Rechner als Spannungsreserven via USB bereitstellt, so man ihm denn kein externes Netzteil spendiert. Kein Punktabzug dafür, denn zur weiteren Verstärkung am Pult oder an der Saal-PA reicht es in jedem Fall.

Für mich als Neuling im Bereich Virtual DJ gestaltet sich die Arbeit mit der Software auf Anhieb weitgehend unproblematisch und zielführend: Tracks in die Decks laden, klangregeln, pitchen und mischen geht problemlos von der Hand. Erst beim Thema Effekte komme ich ernsthaft ins Stolpern. Eine Viertelstunde brauchte es, zu ergründen, was das Prinzip des Effektroutings ist. Bis ich endlich verstand, dass ich es hier im Grunde mit drei Slots zu tun habe, wobei in jedem davon theoretisch alle Effekte aktiviert sein können. Man kann also einen Effekt einschalten und dann zum nächsten scrollen und der vorherige läuft munter weiter – wohlgemerkt im Hintergrund, denn visuell ist das an keiner Stelle ersichtlich. Im schlimmsten Fall muss man, um einen einmal angeschalteten Klangverbieger wieder zum Schweigen zu bringen, alle Effekte durchscrollen. Auch das Durchschalten der drei Effekt-Slots über Drücken des FX-Select-Encoders halte ich für eher unhandlich. Vielleicht sind meine neuronalen Verknüpfungen schon so in Richtung Traktor geschaltet, dass mir hier die geistige Flexibilität fehlt – oder es ist am Ende einfach wirklicher krude. Das ist übrigens auch der Eindruck, den ich vom Layout der Effektsektion habe: Dass die beiden FX-Select-Encoder jeweils außen sitzen, macht vor dem Hintergrund eines spiegelsymmetrischen Aufbaus noch Sinn, entsprechend sind dann aber die folgenden Bedienelemente linksbündig eingeschoben, was der Orientierung ungefähr so zuträglich ist, wie ein Navigationsgerät an der Heckschiebe zu befestigen, um es im Rückspiegel sehen zu können. Ein echter Minuspunkt. Auch warum das für die Lautstärke der Sampler-Sektionen vorgesehene Poti nur auf die linke Hälfte dieser Sektion wirkt, blieb mir ein Rätsel. Ein Software- oder Mapping-Bug?

Falls man den Sprung zur Pro-Version wagen sollte, kommt noch eine weitere Orientierungshürde dazu. Ich zitiere dazu meinen bonedo-Kollegen Peter Westermeier, der in seinem zuvor erwähnten Testbericht die „skinabhängige Featurenutzung“ kritisiert. Tatsächlich kann es einen völlig kirre machen, wenn von Layout zu Layout Funktionen verschwinden, dazu kommen oder grundsätzlich an anderer Stelle zu finden sind. Am unangenehmsten stieß mir das bei der Fader-Positionierung auf, als ich testweise zur Pro-Version wechselte und dort zwischen verschiedenen Layouts umschaltete: Sind im Stanton-Layout die vier Linefader von innen nach außen angeordnet (C-A-B-D), reihen sie sich im VDJ-Standard-Layout von links nach rechts auf (A-B-C-D). Zugegeben, hat man sich einmal für ein Layout entscheiden, wechselt man es naturgemäß nicht mehr häufig – schön ist es dennoch nicht.

Aber genug gekrittelt. Vieles in VDJ ist hervorragend gelöst. Und die Tatsache, dass es so beliebt ist, untermauert diese Feststellung. Als Beispiele wäre hier die vorbildliche Tonhöhenerkennung zu nennen, die direkt in die Deck-Anzeige integriert ist und das tonal stimmige Mixing effektiv unterstützen kann (mal abgesehen vom Gehör des DJs). Auch gefallen die übersichtliche Beat-Visualisierung direkt unterhalb der Wellenformdarstellung und die Möglichkeit, Effekte in einem Beat-Grid zu parametrisieren.

Da zum Zeitpunkt dieses Tests bereits eine Traktor-Mapping-Datei (.tsi) auf der Stanton-Seite verfügbar war, habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, den DJC.4 auch im Zusammenspiel mit Natives Audioschleuder testzufliegen. Das Template ist auf die Benutzung mit vier Player-Decks oder zwei Playern plus zwei Remix-Decks hin optimiert und arbeitet auf Anhieb weitgehend problemlos mit Stantons Kommandozentrale zusammen. In Traktor bekommt auch der zentrale Select/Action-Knopf Arbeit, denn seine Aufgabe ist es, die Steuerung von Loop-Länge und Record/Play des Loop-Recorders zu übernehmen. Sehr gut. 

In zwei Punkten ist das Template allerdings noch verbesserungsfähig: So funktionierte der FX-On/Off-Taster beidseitig noch nicht und auch die Sample-Steuerung sollte überarbeitet werden. Aktuell muss ich, um Audioschnipsel abzufeuern, jeweils den Deck-Umschalter betätigen, was sich in der Praxis als mühselig erweist. Ansonsten macht mir der DJC.4 im Zusammenspiel mit Traktor mächtig Spaß. Besonders die Jogwheels können hier gefallen: gefühlt und gehört ist das Ansprechverhalten und die Bewegungsumsetzung hier noch eine Klasse besser als im Verbund mit VDJ. Aber auch in Details wie etwa der umfassenden Hintergrundbeleuchtung – gerade bei so vermeintlichen Kleinigkeiten wie den Kill-LEDs neben den EQ-Potis - kommen die professionellen Qualitäten des Stanton-Controllers zum Vorschein. 

Für das Auge unsichtbar, aber für die sensiblen Hände des Testers spürbar: die angenehme Haptik aller Bedienelemente. Und zwar so, dass sie genau dem entsprechen, was man sich in der betreffenden Sektion wünscht (was natürlich auch ein Stück weit Geschmackssache ist). So bewegt sich der Crossfader wesentlich leichtgängiger als die Linefader, EQ- und Effekt-Potis liefern mit ihrer Riffelung einen ordentlichen Grip, Encoder rastern eindeutig aber nicht schwergängig durch die Parameterstellungen und die Taster geben einen deutlich spürbaren Schalt-Klick von sich. Allein die Touch-Sensitivity-Potis sind aufgrund ihrer versenkten Bauweise etwas friemelig einzustellen, wobei man diese in der Praxis wohl nur selten während eines DJ-Sets nachregeln wird. Am besten lässt man sie in 12-Uhr-Stellung, denn bei maximaler Empfindlichkeit sind sie so sensibel, dass sich die Platte bereits beim Annähern der Finger bis auf wenige Zentimeter angefasst fühlt und in den Scratch-Modus wechselt. Und damit wären wir auch schon beim ...

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