Test
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19.01.2017

Praxis

SU-011: weich und transparent

Kleinmembraner, die mit Röhren ausgestattet sind, finden sich nicht allzu häufig, und auf den ersten Blick könnte diese Kombination sogar einen kleinen Widerspruch in sich tragen. Wenn es um die grundsätzlichen Eigenschaften geht, dann erwartet man von einem Kleinmembraner in der Regel einen weitgehend sauberen und realistischen Klang, während Röhrenmikrofone vielmehr für schöngeistige Signale stehen, die größer oder wärmer klingen als die Realität. Und tatsächlich lässt sich beim Soyuz SU-011 eine gewisse Grundwärme eindeutig erkennen. Allerdings ist das Mikrofon weit davon entfernt, mit seinem Klang ein ähnlich hohes Maß an Aufmerksamkeit wie mit seiner Optik einzufordern. Man bemerkt durchaus, dass es sich hier um einen Kleinmembraner handelt, der die harte Realität allerdings in eine samtige Hülle aus Röhrenklang packt. 

Dieser grundsätzliche Charakter bleibt im Zusammenspiel mit allen drei Kapseln erhalten, die auch abgesehen von der Richtcharakteristik wiederum selbst ihre Eigenheiten mit ins Spiel bringen. Die Hyperniere fängt mit ihrer erhöhten Richtwirkung relativ lineare Mitten ein, ist im Tiefbass und den absoluten Höhen dagegen etwas zurückhaltender. Die Kugel, die bekanntlich gleichermaßen in alle Richtungen lauscht, zeigt eine durchaus deutliche Betonung der hohen Mitten und Höhen und ist auch „untenrum“ die kräftigste Variante. Die Nierenkapsel liegt sowohl mit ihrer Richtwirkung als auch ihrem Frequenzgang in der goldenen Mitte und zeigt sanfte Betonungen bei 8 kHz und 12 kHz sowie leichte Dips bei etwa 3 kHz und 10 kHz.

Definiert und griffig

Als Overheads gefielen mir (wie zu erwarten) die Nierenkapseln am besten, wobei in Abhängigkeit vom Aufnahmeraum und Mikrofon-Setup natürlich auch die Kugeln heiße Kandidaten für einen solchen Einsatz darstellen. Im Vergleich zum Neumann KM 184 mit seiner festen Nierencharakteristik wirkt das SU-011 zurückhaltender in den Höhen aber trotzdem extrem smooth und deutlich gutmütiger im Umgang mit Becken. Das Oktava MC 012 verhält sich im für Harschheit anfälligen Präsenzbereich generell sehr vorsichtig und lässt dabei ein wenig Detail beim Stockanschlag vermissen, klingt im Gegenzug aber dicker. Vor allem im Bereich der tiefen Mitten zeigt das kleine Soyuz ein warmes und doch höchst definiertes und griffiges Klangbild, von dem die Vergleichskandidaten nur träumen können. Allerdings darf man nicht vergessen, dass man für den Preis eines einzelnen SU-011 in der günstigsten Variante zwei Neumann KM 184 und etwa acht aktuelle Oktava MK 012 bekommt. Der Vollständigkeit halber gibt es im Anschluss noch einmal die Nieren-Varianten der obigen Klangbeispiele mit unterstützenden Direktmikros an Kick und Snare.

Bei der Aufnahme einer akustischen Gitarre ließen sich die Unterschiede zwischen Soyuz und Neumann noch einmal bestätigen. Bei dem hier zusätzlich verwendeten Groove Tubes AM40 handelt es sich ebenfalls um einen Röhren-Kleinmembraner, der Präsenzband und Höhen noch etwas deutlicher betont, mit der gleichzeitigen Wärme und seidigen Transparenz des SU-011 aber nicht ganz mithalten kann.

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