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19.01.2018

Soundcheck-Tipps vom FOH für Musiker

So holt ihr als Band mehr aus eurem nächsten Soundcheck raus

Ein gelungener Soundcheck ist wesentliche Voraussetzung für ein gelungenes Konzert. Schon einige Dinge anders gemacht, könnt ihr als Band aus eurem nächsten Soundcheck viel mehr rausholen. Bei einem Soundcheck arbeiten sehr unterschiedliche Persönlichkeiten von Musikern und Technikern, die sich zuvor nicht kannten, in einem begrenzten Zeitrahmen mit hohen Erwartungen gut zusammen – im Idealfall. Techniker sind auf ihrem Gebiet oftmals Künstler, ebenso wie Musiker. Aber Techniker sind auch strukturierte, planvolle, technisch orientierte Menschen. Insofern arbeiten Band und Techniker mit sehr unterschiedlichen Herangehensweisen an derselben Sache, einem gelungenen Auftritt. Im besten Fall kann jeder sein Potenzial einbringen. Dieses Grundverständnis für die Sichtweise des jeweils anderen bietet eine tolle Grundlage für eine gelungene Performance.

Beim Konzert werdet ihr es in einer für euch möglicherweise fremden Venue mit FOH-Mischern zu tun haben, die jede Nacht eine oder mehrere unterschiedliche Bands vor sich haben, dafür aber den Sound in ihrem Club gut kennen. Die stundenlange Konzentration am Abend bei oftmals großer Lautstärke mit immer neuen Musikern ist kräftezehrend. FOH-Menschen haben in der Regel viel Erfahrung mit „ihrem“ Club und ihre eigene Routine, mit der sie allabendlich durch die Nacht kommen. Respektiert man ihre Arbeitsweise, ist oft eine bessere Zusammenarbeit mit Technikern und Technikerinnen möglich. Eure gute Vorbereitung beginnt schon lange vor dem Auftritt.

1. Die Backline

Wer stellt die Backline? Spielen an eurem Auftrittsabend mehrere Bands, solltet ihr euch absprechen, ob ihr dieselbe Backline nutzt. Aus Sicht der Musiker möchte sicherlich jeder lieber das eigene Instrument spielen. Aus Sicht des FOH-Engineers bedeutet dies jedoch unter Umständen ein Raum-, Zeit-, Technik- und Personalproblem. Bringt beispielsweise jede Band einen eigenen Bass-Amp mit, so wird’s auf der Bühne möglicherweise eng. Wird der Amp pro Band auf die Bühne geschleppt, verlängert das den Changeover zwischen den Bands, was möglicherweise dem Zeitplan des Veranstalters zuwiderläuft. Jeder größere Umbau erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Verkabelung auf der Bühne nicht mehr stimmt, Mikros werden verschoben, Stecker versehentlich gezogen. Also wäre ein erneuter Line-Check erforderlich. Hat der Club nicht die zur Abnahme des Basses erforderliche Technik mehrfach, so muss der FOH-Engineer auf der Bühne einiges umstecken. Auf einer großen Bühne mit genügend Personal ist da sicherlich mehr möglich, ansonsten empfehle ich, in Absprache mit dem Veranstalter einen für alle tragbaren Kompromiss zu finden. Gern vergessen und doch so wichtig klärt, wer den Drum-Carpet stellt.

2. Der Technical Rider

Wenn man sich als Sound-Mensch tagsüber mit der Vorbereitung von Konzerten, insbesondere mit dem Checken von Ridern beschäftigt, freut man sich über klare, leicht verständliche Informationen. Also könntet ihr, nachdem die Backline geklärt ist, netterweise dem FOH-Mischer entgegenkommen, indem ihr einige Wochen vor dem Auftritt dem Club einen übersichtlichen Tec-Rider sendet, der zu 100 Prozent stimmt. Am Auftrittstag kein zusätzliches Instrument, keine vertauschten Positionen auf der Bühne, keine Überraschungsmusiker, keine spontane Eingebung. Um vollständig und selbstverständlich pünktlich am Auftrittsort zu sein, sollten Anfahrt, Load In- sowie spätere Parkmöglichkeiten vorab geklärt werden.

3. Die Packliste

Ein Ranking der von Musikern am häufigsten vergessenen UtensilienWas wird von Musikern gern vergessen? Beim Ranking würden bei mir Sänger den ersten Platz belegen. Sofern sie ein eigenes Mikro wünschen, haben sie es in der Regel dabei. Auch Pianisten sind in der Regel komplett. Panische Blicke hinterm Drumset: Spielen ohne Sticks wird ’ne ruhige Nummer. Nachdem irgendwo Sticks aufgetrieben werden konnten, lauert schon die nächste üble Überraschung. Das Schlagzeug klingt, aber wie, der Stimmschlüssel fehlt. Auf die Packliste eines Schlagzeugers gehören außer Sticks auch Ersatzsticks und Stimmschlüssel und gegebenenfalls der Schlagzeugteppich.

Der elegante und ansonsten ganz ruhig wirkende Streicher hinterm Notenpult wirkt ganz zufrieden, aber nur, solange das Putzlicht noch angeschaltet ist. Die Pultbeleuchtung vergessen! Gegebenenfalls Notenpultbeleuchtung und Bühnen-Outfits nicht vergessen. Schweißperlen tropfen schon mal beim Keyboarder. Keine Klinkenkabel dabei, da er davon ausging, der Club werde schon alles haben. Der Club ging hingegen davon aus, dass Musiker ihre Klinkenkabel selbst mitbringen. Ich empfehle, sämtliche Klinkenkabel, also auch für E-Gitarren und Bässe, selber mitzubringen, oft herrscht in Clubs daran großer Mangel. Sämtliche Kabel markiert mit eurem / dem Namen eurer Band, um den Abbau zu erleichtern. Unruhe am Bass: Das Effektgerät will nicht, dabei lief es in den letzten Jahren problemlos! Genau das ist leider das Problem. Nun ist die Batterie leer.

Und auf dem letzten Platz der Klassiker: Hektik beim Gitarristen, eine Saite gerissen! Auf die Packliste von Musikern mit Saiteninstrumenten gehören Ersatzsaiten und Stimmgeräte mit Ersatzbatterien, auch für Effektgeräte. Insgesamt empfehle deshalb eine Packliste. Einmal angelegt kann diese bei allen weiteren Auftritten nur noch abgearbeitet werden.

4. Die Ankunft im Club

Zehn Minuten vor Beginn der eigenen Soundcheck-Zeit meldet sich einer von euch bei größeren Veranstaltungen beim Stagemanager, sonst beim FOH-Engineer an. Dieses Bandmitglied ist während des gesamten Soundchecks euer Ansprechpartner für den FOH-Menschen und klärt gleich, ob dieser Fragen zum Rider hat, wo sich Bühnenstrom zum Verkabeln eurer Backline befindet, gglfs. Load In, die Parksituation und wo ihr leere Cases lagern könnt.

5. Der Aufbau

Er sollte zügig und koordiniert erfolgen. Selbstverständlich betritt man Bühnen nur nach Aufforderung. Habt ihr im Proberaum Wünsche zum Licht entwickelt – Licht wird meines Erachtens beim Erarbeiten von Shows oft unterschätzt – so ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diese dem Lichttechniker mitzuteilen. Dann hat er während des Soundchecks genügend Zeit zum Einleuchten. Bitte habt Verständnis dafür, dass wenn mehrere Bands am selben Abend spielen, nicht immer alles nach euren Vorstellungen umgesetzt werden kann, da ihr euch das Licht „teilen“ müsst. In der Regel kümmert sich jeder um sein Instrument. Die Backline baut man am besten gleich an der richtigen Position auf. Zeit, die ihr hier verwendet, habt ihr später nicht mehr zum Soundcheck. Langatmige Gespräche über vergangene Auftritte oder die großartige durchzechte letzte Nacht sind beim Aufbau fehl am Platze. Getränke haben zu diesem Zeitpunkt noch nichts auf der Bühne zu suchen, damit nichts verschüttet werden oder auslaufen kann.

Die Instrumente werden nun kurz gestimmt. Seid ihr aufgebaut, lasst ihr euch mikrofonieren. Wenn empfindsame Technikerohren auf der Bühne sind, spielt man grundsätzlich kein Instrument, damit der Sound-Engineer in Ruhe für euch arbeiten kann. Vielleicht möchte er sich mit seinem Tonassistenten besprechen. Das geht in Ruhe sicherlich leichter, als wenn er euch übertönen muss. Kniet er vor dem Schlagzeug, bedeutet das nicht, dass er die Bass-Drum einmal ausgiebig von nahem hören möchte, sondern dass er diese gerade mikrofoniert. Der zeitliche Aufwand fürs Mikrofonieren sollte nicht unterschätzt werden, was ebenfalls für einen zügigen Aufbau durch euch spricht.

6. Der eigentliche Soundcheck

Ich schlage vor, wenn der FOH-Mischer eine Wunschreihenfolge hat, geht darauf ein, ansonsten habt ihr euch im Proberaum eine Instrumentenreihenfolge überlegt. Derjenige von euch, der euch zu Beginn dem FOH-Mischer vorgestellt hat, hält den Kontakt zum Mischer, hat jetzt auch den Zeitplan im Blick und achtet darauf, dass der Soundcheck zügig abläuft. Gespielt wird grundsätzlich nur nach Aufforderung durch den FOH-Mischer. Spielt jedes Instrument von der minimalen bis zur maximalen von euch im Konzert verwendeten Lautstärke und alle im Konzert benutzten Effekte, z. B. bei Gitarren und Bässen. Sänger sollten sich darauf einstellen, dass sie beim Soundcheck länger solo in Originallautstärke singen müssen, damit der Engineer eure Stimme möglichst gut rausbringen kann.

7. Technische Probleme

Gibt es Passagen eures Auftritts, die in der Vergangenheit technische Probleme gemacht haben, z. B. Feedback bei sehr leisen Instrumenten oder Gängen ins Publikum? Dann ist dies der richtige Moment, genau das auszuprobieren. Ebenso können jetzt Wünsche zu Effekten, die vom FOH kommen, z. B. Gesangshall geklärt werden. Macht euch der FOH-Mischer während des Soundchecks einen Vorschlag, so tut er das möglicherweise aufgrund seiner großen Erfahrung. Überlegt doch einmal, ob ihr darauf eingehen mögt. Schon oft konnten Musiker davon erheblich profitieren. Irgendwann wird der FOH-Mischer das Stichwort „Monitor“ anbringen. Nur selten macht der Monitorsound den Klang im Raum für eure Zuschauer besser. Überlegt euch deshalb im Proberaum, was ihr unbedingt hören müsst. Weniger ist hier in aller Regel für die Zuschauer mehr. Tieffrequente Signale im Monitor lassen den Raumklang oft mumpfig erscheinen. Baut man den Monitor am Drumset erhöht auf ein Case, kann man an der Lautstärke sparen. Aber natürlich ist es wichtig, dass ihr ein gutes Gefühl auf der Bühne habt, auch dann noch, wenn ihr euch lautes Publikum und eure Anspannung während des Auftritts hinzudenkt. Der Monitorsound ist im Idealfall während des Konzerts kein Thema mehr. Anmerkungen eurerseits dazu während des Konzerts stören nicht nur euren Auftritt, sondern sind auch für den FOH-Techniker eher unerfreulich, da er möglicherweise seine Arbeit vor Publikum kritisiert sieht.

Deshalb achtet auf euer gutes Gefühl beim Soundcheck. Nach dem Check aller einzelnen Instrumente werdet ihr die Gelegenheit haben, ein oder zwei Titel kurz anzuspielen. Die Betonung liegt hier auf ein oder zwei und kurz. Ja, ein Soundcheck ist keine Probe. Ganze Titel, Arbeiten am Song und Kritisieren von Bandkollegen gehören in den Proberaum, nicht auf eine Bühne. Also habt ihr euch bei der letzten Bandprobe zwei vom Sound her sehr unterschiedliche Titel überlegt, bei denen alle Instrumente mitspielen. Aus diesen zwei Songs wählt ihr jeweils den Ausschnitt, der am prägnantesten ist. Das kann eine sehr laute und eine sehr leise Stelle sein, ein langwieriges Intro gehört nicht dazu. Wenn ihr mögt, kann einer von euch in den Saal gehen, um mal zu hören, wie ihr klingt und dem FOH seine Wünsche mitteilen.

8. Der Abschluss des Soundchecks

Ihr könnt, obwohl das eigentlich selbstverständlich sein sollte, den Sound-Engineer bitten, eure Einstellungen zu speichern. Die Pause zwischen Soundchecks und Konzert ist übrigens nicht nur für euch, sondern auch für den Sound-Engineer wertvolle Zeit zur Erholung. Also empfiehlt sich ein zügiger Abgang, ohne Zeitfresser à la „könnten wir noch mal eben kurz anspielen“. Stattdessen könnt ihr an den Sound-Engineer das große Wort mit den fünf Buchstaben richten und er oder sie wird sich freuen, wenn ihr es zum Abschluss eures Konzerts vor Publikum wiederholt: DANKE!

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