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Test
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07.12.2021

Sonicware Liven XFM Test

Digitaler Desktop-Synthesizer

Groovebox mit FM-Synthese

Sonicware ist eine kleine japanische Synthesizerschmiede um den Entwickler Yu Endo, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, kreative, kleine, digitale Instrumente zu entwickeln. Den Anfang machte der ELZ_1, eine Mini-Workstation im Stile des Teenage Engineering OP-1. Schon dort war eine FM-Engine mit vier Operatoren und 31 Algorithmen enthalten. Und auch im Sonicware Liven 8bit Warps ist FM als Syntheseoption enthalten. So ist es nicht verwunderlich, dass Sonicware mit dem Liven XFM ein spezialisiertes FM-Instrument vorlegt, im gleichen Gehäuse wie die anderen Liven-Instrumente 8bit Warps und Bass & Beats, als Groovebox, mit Vier-Spur-Sequenzer und somit auch vierfacher FM-Tonerzeugung. Das X steht übrigens für das Morphing zweier FM-Quellen und klingt schon von der Idee her sehr vielversprechend. 

Details

Auspacken

Der Sonicware Liven XFM kommt in einem brauen Karton mit schwarzem Aufdruck, auf dem neben dem Gerät selbst auch die Tentakel eines Kraken und ein Insekt gedruckt sind. Im Lieferumfang befinden sich neben der Groovebox selbst noch ein Overlay, ein Garantiezettel und ein visitenkartengroßer Willkommensgruß samt QR-Code, der uns auf die Herstellerwebsite beamt. Ich kann schon vorausschicken: Obwohl das Gerät dank der vielen Bedienelemente und cleveren Shift- und Funktionstasten ohne tiefe Menüs auskommt, ist ein Blick ins eher karg geschriebene Online-Manual manchmal unumgänglich.

Äußere Erscheinung

Das Liven XFM-Gehäuse ist einfach und pragmatisch gestaltet. Über den zweieinhalb Oktaven bietenden, sehr klapperigen 27 Keyboardtastern befindet sich eine Reihe mit 16 runden, grauen Schaltern und dazugehörigen roten LEDs für Sequenzereingabe und Menü-Anwahl, darüber eine weitere Reihe mit 16 hintergrundbeleuchteten Schaltern (z. B. für die Trackanwahl und Transportfunktionen) und wiederum darüber 16 schlicht gestaltete schwarze Plastikpotis.

Sämtliche Anschlüsse befinden sich ebenfalls auf der Oberfläche: Ein 9V-Stromanschluss, Sync-Ein-und-Ausgänge für Triggersignale, MIDI-Ein-und-Ausgänge im regulären 5-Pin DIN-Format, sowie Audio Ein- und -Ausgänge sowie ein Kopfhöreranschluss im 3,5 mm Stereo-Miniklinkenformat. Komplettiert wird das Bedienfeld mit einem vierstelligen LCD-Display sowie einem eingebauten Minilautsprecher. Der Liven XFM kann also ohne zusätzliche Verstärkung auch über den eingebauten Speaker abgehört werden und das auch draußen, denn die kleine Groovebox begnügt sich mit sechs AA-Batterien, wenn kein Stromanschluss in der Nähe ist. Wohl aus diesem Grund hat der Hersteller auch kein Netzteil beigelegt. Weil ein USB-Anschluss für Computeranbindung und USB-Stromversorgung ebenso fehlen, habe ich für diesen Test zu einem handelsüblichen Universalnetzteil gegriffen. Der Liven XFM macht auf den ersten Blick keinen sehr wertigen Eindruck. Das Gehäuse, der eingebaute Lautsprecher, die Potis und vor allem die klapperige Plastik-Tastatur sind eher mit einem Spielzeug, als mit einem ernsthaften Musikinstrument vergleichbar. Aber so hat man vor 40 Jahren über eine kleine silberne Plastikschachtel mit der Bezeichnung TB-303 auch gedacht. Und deshalb schauen wir jetzt mal auf die inneren Werte.

FM-Morphing

Die Klangerzeugung besteht aus vier FM-Engines mit je vier Operatoren, die sich eine insgesamt sechsstimmige Polyphonie teilen. Die Stimmenverteilung erfolgt dynamisch. Für jede dieser Engines stehen drei verschiedene Morphing-Modi sowie ein überschaubares Set an klangverändernden Parametern wie Filter, LFO und Effekte zur Verfügung. Und natürlich der Sequenzer. 

Sequenzer

Der Sequenzer verfügt über 128 Pattern. Für jeden der vier Patterntracks können neben Tonhöhe- und -länge auch Parameter-Einstellungen für Synthesizer und Effekte live getweaked oder Step by Step mit Parameterlock programmiert werden, auch das Morphing. Das verspricht viel Bewegung im Spiel. Der XFM bietet einen globalen Effektgenerator mit folgenden Modi: Chorus, Flanger, Send Delay, Insert Delay, Bitcrush, Reverb, Mono Reverb, Distortion, Tiefpassfilter, Hochpassfilter, Isolator und Tremolo. Einige Effekte sind Send-Effekte mit regelbarem Effektsend, andere wirken on/off als Insert auf einen oder mehrere Tracks. Für jede der vier Patternsequenzen sind individuelle Längen von bis zu 64 Steps definierbar, beispielweise eine Percussionspur mit 16 Steps, eine Bassline mit 12 Steps und eine Melodie über vier Takte. Patterns und Soundbanks können ganz old-school-mäßig, wie in den 1980er Jahren zur schönsten FM-Zeit, per MIDI-Übertragung gesichert werden. 

Preset Sounds

Der XFM ist mit acht Soundbänken und insgesamt 512 Speicherplätzen ausgerüstet. Die über 300 internen Presets bieten klanglich keine Überraschungen, sondern einen bunten Querschnitt durch die best-of-was-man-von-FM-so-erwartet-Sounds: Digitale Bässe, scharfe Strings, glockige Bells, perlige E.Pianos, Orgeln, Chords und Dissonantes. Mehrere Presetgruppen widmen sich dem Thema Percussion, aber pro Track gibt es keine Drumkits, sondern jeweils nur einen Sound, wie Kick oder Snare oder HiHat, natürlich FM-generiert. Alle Presets können kopiert, editiert und das neue Ergebnis mit vierstelligem Namen für die spätere Nutzung abgespeichert werden.

Noch tiefer in die FM-Synthese tauchen

Bei den alten Yamaha FM-Synthesizern mit Menü und Folientastern war das Programmieren von Sounds ein langwieriger und akademischer Prozess. Hier musste man genau wissen, was man tut.  Also nichts für Gelegenheitsschrauber. Beim Liven XFM stehen die entscheidenden Parameter als Drehregler zur Verfügung und laden zum Suchen und Finden ein. Wir haben es hier mit einer 4-Operatoren FM-Synthese zu tun. Auch die günstigeren, aber sehr kultigen Yamaha-Klassiker wie DX100, TX81Z oder der immer noch aktuelle Reface DX von 2015 nutzen lediglich vier Operatoren. Der Liven XFM hat im Gegensatz zu diesen keine festgelegten Algorithmen-Presets. Jeder Operator kann mit jedem anderen oder sich selbst interagieren, hat seine eigenen Hüllkurven für Lautstärke und Tonhöhe und anders, als bei der guten alten analogen subtraktiven Synthese, verändern die Lautstärken der Hüllkurven auch den Klang. Je nach Operatorenverbindung kann das extreme Klangveränderungen hervorbringen. Also begeben wir uns in den Praxistest und betreten den Edit-Modus des Liven XFM. Und weil dort alles anders ist, platzieren wir das beigelegte Overlay, auf dem die Funktionen des Edit-Modes aufgedruckt sind.

Demo-Patterns Bank 1

16 kurze Jams mit den Demo-Patterns auf Bank 1 des Sonicware Liven XFM

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