Feature
4
10.04.2021

Snareteppich-Vergleich & Kaufberatung

Wie wirken sich unterschiedliche Snareteppiche auf den Klang der Snare aus?

Auf die Frage, welches Bauteil einer Snaredrum ihren Sound am stärksten beeinflusst, werden viele Drummer den Kessel und seine Dimensionen nennen, aber auch die Felle dürften auf der Liste ganz vorne rangieren. Vor einigen Jahren verschob sich die Aufmerksamkeit allerdings verstärkt in Richtung des verwendeten Snareteppichs. Aus einem billigen Zubehörteil wurde eine wichtige Zutat bei der Suche nach dem persönlichen Traumsound. Speziell die US-Firma Puresound machte mit speziellen, nicht-verchromten Stahlspiralen und den kupferfarbenen Endplättchen auf sich aufmerksam und plötzlich waren Trommler bereit, mehr als fünf Euro für ihre „Schnarrsaiten“ auszugeben. Gleichzeitig stellten Schlagzeugfirmen immer mehr Snares mit alternativen Durchmessern wie 10, 12 und 13 Zoll vor, und auch der Vintageboom nahm Fahrt auf. Beides förderte den Absatz hochwertiger Snareteppiche. 

Heute bieten fast alle großen Marken mehrere Typen an Teppichen an, vom günstigen Ersatzteil bis zu teuren, manchmal überbreiten Versionen für spezielle Ansprüche. Trotzdem bleibt für viele Drummer die Frage: Was bewirkt denn der Tausch des Teppichs nun genau? Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir eine hochwertige Snaredrum geschnappt, diese nacheinander mit insgesamt zehn Snareteppichen unterschiedlicher Preisklassen und Breiten bestückt und darauf gehört, was sich in Sachen Ansprache und Kesselton, aber auch beim Spielgefühl tut. Die Ergebnisse erfahrt ihr auf den folgenden Zeilen. 

Nicht jede Snare funktioniert mit jedem Teppich!

Um einen möglichst ungefärbten Eindruck aller zur Verfügung stehenden Snareteppiche zu erhalten, habe ich mir als Vergleichstrommel eine nagelneue Gretsch Brooklyn Standard ausgesucht. Das liegt nicht nur daran, dass ich genau diese Trommel gerade zum Test hier hatte, ein weiterer Grund ist das üppig dimensionierte Snarebed, welches Gretsch bei vielen seiner Snares verwendet. Und genau hier solltet ihr aufpassen, denn wenn euch schon immer mal interessiert hat, wie eure eigene Trommel wohl mit einem sehr breiten 30er oder gar 42er Teppich klingt, wird euch ein eher schmales Standard-Snarebed vermutlich einen Strich durch die Rechnung machen. Statt sattem Teppichsound ist dann nämlich unkontrollierbares Geraschel angesagt. Kommen wir nun zu den Snareteppichen.

Das Vergleichs-Setup

Um euch einen guten akustischen Eindruck der verwendeten Teppiche zu vermitteln, habe ich das Schlagfell der Gretsch Snaredrum in eine mittlere Tonlage gebracht, der eingebaute Dämpfer ist so eingestellt, dass er nur minimal dämpft. Damit bleibt das Verhältnis aus Trommel-Ausklang und Teppichanteil gewahrt, gleichzeitig wird der Teppichsound nicht zu stark vom „Ring“ der Snare überlagert. Das Resonanzfell habe ich sehr hoch gespannt, wodurch es klanglich neutral bleibt und dem Teppich eine konkrete Auflage bietet. Hier sind die Geschmäcker verschieden, als Fan von Ghostnotes ist dies meine persönliche Wahl. Entgegen meiner Gewohnheit habe ich mich entschlossen, die Snaredrum auch von unten abzunehmen. Zusätzlich zu einem Telefunken M80 oben kommt ein AKG C214 auf der Resoseite zum Einsatz. Da das Signal von der Snare-Unterseite naturgemäß stark komprimiert klingt und den tatsächlich im Raum gehörten Klang verfälschen kann, habe ich es nur sehr wenig hinzugemischt. 

Mehr Drähte = mehr Sensibilität? Die Anzahl der Spiralen im Vergleich

Um die Anzahl der Spiralen ranken sich – zumindest nach meiner persönlichen Beobachtung – verschiedene Mythen. Beispielsweise jene, dass mehr Spiralen zu einer „besseren“ Ansprache führen. Unser Vergleich zeigt, dass dies nur sehr eingeschränkt zutrifft. Wie erwartet, liefern die Teppiche in 20er Standardbreite einen vielseitig einsetzbaren Sound mit einer ausgewogenen Mixtur aus Kesselton, Ansprache und Spielgefühl. Interessant ist jedoch, was an den unteren und oberen Enden der Spiralanzahl passiert. So war ich sehr positiv vom schmalen 12er Puresound überrascht, der dank seines extrem geringen Gewichts eine äußerst zügige, perfekt kontrollierbare und entsprechend sauber integrierte Ansprache ablieferte. Gleichzeitig erzeugt er weniger „Rauschen“, dafür allerdings mehr Kesselton, wodurch die Snaredrum subjektiv „fetter“ wirkt. Der umgekehrte Effekt stellt sich bei dem überbreiten 42er Gretsch ein. Dieser Teppich – genau wie der 30er Millenium – braucht eine höhere Spannung und reagiert träger auf Ghostnotes. Gleichzeitig ist die Komplexität und der Anteil des Raschelns am Gesamtklang deutlich präsenter. Die große Auflagefläche wirkt zudem wie ein zusätzlicher Dämpfer am Resofell, Aus- und Einlenkbewegungen gestalten sich massebedingt träger. 

Verchromt oder nicht verchromt?

Als ich selbst mit dem Schlagzeugspielen angefangen habe, waren Snareteppiche immer verchromt. Später kamen dann Versionen mit unverchromten, „roh“ aussehenden Drähten hinzu, welche ganz offenbar heute von der Mehrheit der Drummer bevorzugt werden. Physikalisch sorgen Verchromungen für eine glattere Oberfläche, die eher auf dem Resonanzfell schwimmt, während sich unverchromte Teppiche schon beim Anfassen deutlich rauer anfühlen und sich mehr im Resofell „verhaken“. Dies sorgt für eine etwas crispere, genauer Ansprache, wie auch der Vergleich zwischen den – ansonsten identischen – Canopus High End Teppichen zeigt. Man sollte hier keine Wunder erwarten, für den erfahrenen Snare-Dynamiker sind die Unterschiede aber hörbar. 

Teuer gegen billig: Lohnt sich die Investition in einen High End Teppich?

Ob ihr knappe neun Euro für den Millenium SW20BR oder das Vierfache für den Canopus Vintage Dry ausgeben wollt, hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Zunächst muss ich zugeben, dass mir der Millenium wirklich gut gefiel. Das zur Verfügung stehende Modell war sauber verarbeitet und lieferte prima Ergebnisse. Die etwas längeren, stark vorgespannten Canopus-Spiralen mit ihrer perfekten Verarbeitung klingen allerdings noch etwas besser, crisper, bei gleichzeitig weniger Spannung. Dadurch erweitert sich der Dynamikbereich gerade für Drummer, die das Maximum aus ihrer Snaredrum herausholen möchten. Wem der Preis zu happig ist, dürfte allerdings auch mit dem Pearl Ultra-Sound (oder mit einer der zahlreichen Alternativen, die hier nicht gecheckt wurden) sehr glücklich werden, welcher dem Canopus kaum nachsteht. Für mich persönlich habe ich während vieler Jahre des Ausprobierens herausgefunden, dass mir generell nicht allzu breite Teppiche zusagen, welche relativ stark und – vor allem! - gleichmäßig vorgespannte Drähte besitzen. Denn der Teppich kann noch so teuer sein, wenn nur eine einzige Spirale aus der Reihe tanzt, zerstört sie das komplette Sounderlebnis.

Schnur, Gewebeband oder Plastikstreifen zur Befestigung?

Auch die Frage nach der standesgemäßen Befestigung des Teppichs treibt Snare-Enthusiasten regelmäßig um. Rein klanglich sind Unterschiede zwischen verschiedenen Materialien nur schwer hörbar, indirekt wirkt sich ihre Beschaffenheit aber doch aus. So bieten Schnüre den Vorteil, dass sich der Teppich zumindest teilweise selbst justiert, sofern man ihn nicht grob schief montiert hat. Ein starrer Plastikstreifen hat den Nachteil, dass es eine Weile dauert, bis er sich an Teppich und Snaredrum angepasst hat, gleichzeitig wirkt sich eine schiefe Montage deutlicher aus, denn die Streifen sind wenig flexibel. Einige Hersteller – beispielsweise Tama und Puresound – verwenden daher Bänder aus Nylon- oder Kevlargewebe. Die sind einerseits dünner und drücken den Teppich daher nicht vom Fell weg, bieten andererseits aber auch mehr Flexibilität.

12 Spiralen: Puresound C1412 Concert Wires

Mit nur zwölf Spiralen stellt der Puresound C1412 Concert einen Exoten im Drumset-Bereich dar. Obwohl einige bekannte Drummer wie Gavin Harrison als Fans sehr schmaler Teppiche gelten, bleibt der Standard doch die Version mit 20 Drähten. Bei der Concert-Reihe kommen die von Puresound bekannten, kupferfarbenen Endplättchen zum Einsatz, die Wicklung der unverchromten Edelstahldrähte ist jedoch weniger eng gestaltet als bei der Custom-Serie, was eine reduzierte Kontaktfläche zwischen Drähten und Resonanzfell zur Folge hat. Der 12er Concert bringt mit nur 19 Gramm zudem das geringste Gewicht aller Teilnehmer auf die Waage, auch bei der Auflagefläche rangiert er ganz unten. Bemerkenswert ist jedoch die Länge der Spiralen, welche – ohne Endplättchen – satte 29,5 Zentimeter beträgt.

Thomann Shop Link

16 Spiralen: Puresound C1416 Concert Wires

Vier Spiralen mehr und entsprechend breitere Endplättchen bringt der Puresound C1416 der Concert-Serie mit, ansonsten ist das Modell baugleich mit der 12er Variante. 

Thomann Shop Link

2x8 Spiralen: Puresound E1416 Equalizer

Beim Puresound E1416 Equalizer Modell handelt es sich um eine spezielle Teppichvariante. Seine verbreiterten Endplättchen nehmen nicht etwa mehr Spiralen auf, stattdessen lassen sie Platz zwischen zwei Achter-Reihen. Dies soll für reduziertes Mitschnarren der Spiralen sorgen, wenn beispielsweise Toms angeschlagen werden.

Thomann Shop Link

20 Spiralen: Millenium SW20BR

Mit seinen 20 Spiralen aus unverchromtem Edelstahl und den Messingendplättchen markiert der SW20BR der Thomann Hausmarke Millenium eine weit verbreitete Bauart. Modelle wie dieses werden mit unzähligen Snaredrums ausgeliefert und auch als Ersatzteil oder Upgrade oft gekauft. Als Befestigungsmaterial werden durchsichtige Plastikbänder mitgeliefert, knappe neun Euro Ladenpreis dürften auch kleinere Budgets nicht überfordern. Als typischen Vertreter einer Standardbauweise habe ich diesen Teppich mal auf meine Digitalwaage gelegt, 36 Gramm wiegt das gute Stück. 

Thomann Shop Link

20 Spiralen: Canopus Vintage Dry (unverchromte Spiralen)

Dass die Budget-Freundlichkeit bei der Entwicklung der in Japan gefertigten Canopus Vintage Teppiche im Vordergrund stand, darf in Anbetracht der fast 40 Euro Ladenpreis bezweifelt werden. Mit ihren festen Spiralen, den speziellen „getunnelten“ Endplättchen und der sauberen Verarbeitungsqualität haben sie sich allerdings einen Namen unter Fans fetter und gleichzeitig sensibel ansprechender Snaresounds gemacht. Das Dry-Modell besitzt unverchromte Spiralen, die mitgelieferten Nylonschnüre sollen für dehnungsfreie Befestigung sorgen. 

Thomann Shop Link

20 Spiralen: Canopus Vintage Chrome (verchromte Spiralen)

Wie sich verchromte und unverchromte Spiralen klanglich voneinander unterscheiden, dürfte der Vergleich des Canopus Vintage Dry mit dem nächsten Kandidaten, dem Vintage Chrome, zeigen. Beide sind baugleich, beim Chrome sind jedoch sowohl Spiralen als auch Endplättchen – richtig geraten! – verchromt. 

Thomann Shop Link

20 Spiralen: Pearl S-1420D Ultra-Sound

Nicht nur Drittanbieter haben edle Snareteppiche im Programm, auch die großen Hersteller haben das Potenzial dieses Marktes erkannt. Pearl bietet in seiner Ultra-Sound -Reihe drei unterschiedliche Soundprofile an, welche mit Buchstaben markiert sind. I, C und D spiegeln die Form der Endplättchen wider, das D-Modell tritt heute zum Vergleich an. Die äußeren Spiralen sind etwas länger und mit minimal weniger Spannung verlötet als die inneren. 

Thomann Shop Link

24 Spiralen: Puresound CPS1424 Custom Pro

Wem 20 Spiralen nicht reichen, 30 oder mehr jedoch zu viel des Guten sind, bekommt beispielsweise bei Puresound das Custom Pro Modell CPS1424. Die Spiralen der Custom Pro Serie bestehen aus unverchromtem Edelstahl und besitzen – im Gegensatz zu den Concert-Typen – eine normale, etwas engere Wicklung. Die Endplättchen der Custom Pro Serie sind etwas anders geformt als jene der regulären Custom- und Concert-Serien, was laut Puresound eine festere Spannung ermöglichen soll, ohne dass die Snare abgewürgt klingt.

Thomann Shop Link

30 Spiralen: Millenium SW30S Chrome

Während auch Kenner bei 24ern manchmal nachzählen müssen, um die zusätzlichen Drähte zu identifizieren, stellt die 30er Breite auch optisch ganz klar ihr Übermaß zur Schau. Satte acht Zentimeter sind die verchromten Endplättchen des günstigen Millenium SW30S breit, hier solltet ihr also, wie eingangs erwähnt, checken, ob eure Snare ein entsprechend breites Snarebed besitzt. 

Thomann Shop Link

42 Spiralen: Gretsch, verchromt

Gretsch selbst stellt keine Snareteppiche her, das bei der Referenzsnare verbaute – ebenfalls komplett verchromte – Modell ist sogenannte OEM-Ware und kommt vermutlich vom zur Firmengruppe gehörenden taiwanesischen Hersteller Gibraltar. Das macht das gute Stück natürlich nicht weniger beeindruckend. Seine Spiralen-Auflagefläche liegt bei etwa 270 Quadratzentimetern, ungefähr das Doppelte wie bei einem 20er Standardmodell. Auch das erhebliche Gewicht von 77 Gramm lässt vermuten, dass dieser Teppich ein anderes Spielverhalten an den Tag legen wird als das federleichte 12er Puresound-Modell. Interessant finde ich auch, dass der Gretsch aufgrund seiner Breite nur sehr kurze Spiralen besitzt, 27,6 Zentimeter markieren die geringste Länge im Vergleich. Den auf der Gretsch Snare montierten Teppich gibt es wohl nur auf Sonderbestellung, unten habe ich euch ein sehr ähnliches Modell verlinkt.

Thomann Shop Link

Fazit

Zehn Snareteppiche haben wir uns für diesen Berater herausgesucht, denn es galt zu ergründen, wie sich die Anzahl der Spiralen, die verwendeten Materialien und nicht zuletzt der Preis auf den Klang der Gretsch Brooklyn Standard Vergleichs-Snare auswirken. Der Befund ist recht eindeutig, denn tatsächlich hat die Anzahl der Drähte und die damit einhergehende Masse und Auflagefläche einen erheblichen Einfluss darauf, wie sich die Snaredrum beim Spielen anfühlt, wie sie anspricht und wie sich das Verhältnis aus Kesselton und Teppichrascheln gestaltet. So bietet ein sehr breiter 42er Teppich eindeutig mehr „Raschel“, reagiert aber gleichzeitig wesentlich weniger schnell und sensibel als das extrem schmale 12er Modell. Welchen Typ man selber favorisiert, bleibt Geschmacksache. Dass ein niedriger Preis nicht unbedingt zu einem schlechten Teppich führen muss, beweist das Millenium-Modell, welches mit seinen 20 Spiralen einen akkuraten Job macht, noch exakter geht es jedoch mit den vielfach teureren Canopus-Teppichen und dem Pearl-Modell zu. Es gilt: Wer ein Maximum an Sensibilität und Ton aus seiner Snare herausholen möchte, sollte an ein paar Euro nicht sparen. 

Verwandte Artikel

User Kommentare