Test
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23.11.2017

Roland DJ-202 Test

DJ-Controller

Kreatives Werkzeug für kleines Geld?

Im Frühjahr dieses Jahres überraschte der Synthesizer-Spezialist Roland mit der Veröffentlichung seines ersten DJ-Controllers, dem DJ-808. Das vierkanalige Gerät überzeugte durch eine umfassende Serato-DJ-Kontrolle und einen Sequencer, inklusive formbarer Sounds aus Rolands Kult-Drum-Maschinen TR-606, 707, 808 und 909. Auf das Topmodell folgen jetzt die beiden einfacher gehaltenen Controller DJ-505 und DJ-202, um den Nutzerkreis zu erweitern. Den DJ-202 habe ich mir angeschaut und berichte, wie sich mit dem zweikanaligen Vierdeck-Controller arbeiten lässt, der als Besonderheit ebenfalls einen Sequencer und interne TR-Drum-Sounds bietet.

Details

Der Roland DJ-202 richtet sich preislich an Einsteiger, verfügt aber über einige einzigartige Extras. Der Controller wird inklusive der Software Serato DJ Intro ausgeliefert, ein kostenpflichtiges Upgrade auf die Vollversion Serato DJ ist möglich. Im Laufe dieses Tests werde ich auf die Unterschiede zwischen beiden Software-Versionen hinweisen.

Der Inhalt der Umverpackung des Roland-Geräts ist recht übersichtlich, denn es befindet sich lediglich der Controller, ein USB-Anschlusskabel und eine gedruckte Kurzanleitung darin. Ein separates Netzteil ist nicht vorhanden, da der DJ-202 keine Standalone-Funktionen beherrscht und mit der Spannung auskommt, die via USB von einem Computer zur Verfügung gestellt wird. Das Kunststoffgehäuse des Gerätes misst 478 x 279 x 62 Millimeter und bringt leichte 2,1 Kilogramm auf die Waage.

Die Verarbeitung des Roland-Boliden ist ordentlich, die Materialqualität der Bedienelemente aber einfach gehalten. Neben leicht gleitenden Fadern bietet das Gerät geriffelte Drehregler, die sich auch mit schwitzigen Fingern gezielt bedienen lassen. Die Jogwheels sind berührungsempfindlich, aber nicht beleuchtet und haben einen Gesamtdurchmesser von circa 14,5 Zentimetern. Aufgrund ihrer Größe sind sie gut handhabbar. Für die Kontrolle zahlreicher kreativer Funktionen in Serato DJ Intro gibt es pro Deck acht gummierte und beleuchtete Pads, die zwar ohne Anschlagsdynamik auskommen müssen, aber einen hör- und fühlbaren Druckpunkt besitzen. 

Anschlüsse

Die Anschlussmöglichkeiten des DJ-202 fallen recht spartanisch aus. Auf der Rückseite des Geräts befindet sich ein Cinch-Master-Ausgang für den Submixer oder eine Verstärkeranlage. Einen weiteren Ausgang zur Speisung eines Monitorsystems gibt es nicht. Diese Einschränkungen sind bei einem privaten Einsatz aber verschmerzbar und viele Geräte in dieser Kategorie sind ebenfalls nicht reichhaltiger ausgestattet. Als einzigen Eingang verfügt der DJ-202 über einen Mikrofoneingang mit einer Pegelsteuerung. Zur Synchronisation zusätzlicher Hardware oder einer Software auf einem zweiten Computer gibt es eine MIDI-DIN-OUT-Buchse. Die Kommunikation mit einem Computer übernimmt ein USB-Port und eine Anschlussoption für ein Kensington-Schloss soll den Diebstahl des Controllers verhindern.

Auf der Vorderseite lässt sich ein Kopfhörer per 3,5-Millimeter-Klinkenstecker einstöpseln und das entsprechende Signal in der Mitte des Controllers in der Mischpultsektion regulieren. 

Deck-Ausstattung

Die beiden Decks des DJ-202 sind mit beleuchteten Transporttastern und den schon beschriebenen Jogwheels ausgestattet, mit denen sich Songs anschieben und abbremsen und im Vinyl-Modus auch scratchen lassen. Wer das Angleichen der Titelgeschwindigkeiten manuell vornehmen möchte, findet Pitchfader mit einem Regelweg von 4,5 Zentimetern vor. Direkt nebenan sind die Bedienelemente zur Kontrolle der Effekte platziert. Roland hat den Controller dazu pro Deck mit vier Tastern und einem Drehregler ausgestattet. Diese Bestückung ist bei vielen Einsteigergeräten zu finden und für Serato DJ Intro ausreichend, bringt aber Einschränkungen in Verbindung mit Serato DJ mit sich, da viele Parameter nur gemeinsam steuerbar sind.

Die Effekte lassen sich mit den Tastern auswählen und aktivieren und ihr Anteil mit einem Poti regeln. Mit dem Taster auf der rechten Seite lässt sich das Tempo manuell tappen und das Beatraster wird bei gedrückter Shift-Taste mit dem Poti selektiert.

Unterhalb der Jogwheels gibt es Sync-Tasten zum automatischen Beatmatchen sowie Tasten zum Umschalten der Decksteuerung. Die Taste Key-Lock erlaubt das Einschalten der Tonartkorrektur und in Verbindung mit Shift die Wahl des Pitch-Bereichs.

Performance-Pads

Mit den grün leuchtenden Performance-Pads gelingt der Zugriff auf die kreativen Funktionen in Serato DJ Intro. Die Funktionsauswahl erfolgt mit einer beschrifteten Tastenreihe direkt oberhalb der Pads. Zu beachten gilt, dass in Verbindung mit Serato DJ Intro nur Hotcue, Loop und Sampler nutzbar sind, ebenso der Sequencer. Die Funktionen Cue Loop (Loops, die am Hotcue-Marker starten), Roll (temporäre Loops) und Slicer (acht spielbare Songs-Schnipsel) können in Kombination mit Serato DJ genutzt werden.

Die Funktion Hotcue erlaubt das Speichern und Triggern von vier Hotcue-Punkten und mit den vier unteren Pads lassen sich manuelle Loops einfangen. Die Funktion Loop ermöglicht die Aktivierung von vier vordefinierten, automatischen Loops und ebenfalls die Kontrolle manueller Loops. Aktiviert man den Sampler, lassen sich bis zu vier Samples in Serato DJ Intro abfeuern und auch wieder manuelle Loops steuern.

Als Besonderheit bietet der DJ-202 einen Sequencer, mit dem sich interne Drumsounds aus den legendären Drum-Maschinen TR-808 und TR-909, aber auch Samples in Serato DJ Intro spielen lassen. Die internen Sounds sind als Kits mit je acht Percussion-Instrumenten zusammengestellt und beinhalten Bassdrums, Snares, Hihats, Cymbals, Toms, Claps, Rim Shots und Cow Bells. Auf der Website des Herstellers ist vermerkt, dass mit einem späteren Firmware-Update des Controllers eine Erweiterung um TR-606 Sounds geplant ist, zusätzlich lassen sich dort Drumsamples herunterladen. Im Gegensatz zu den beiden großen Controllern DJ-808 und DJ-505 bietet der DJ-202 keine Modifikationsmöglichkeiten für die internen Sounds und auch ihre Lautstärken sind nicht anpassbar.

Der Sequencer erlaubt das Aufnehmen von Sechzehntel-Noten-Pattern per Step-Eingabe, aber auch als Einspielung. Samples und interne Sounds lassen sich gemeinsam in einem Pattern verwenden, insgesamt sind 16 Pattern speicherbar. Das Ein- und Ausschalten des Sequencers sowie dessen Lautstärkeregulierung erfolgt mit Bedienelementen im Mixerbereich. Die Pattern sind per Tastendruck synchronisierbar und auch das Umschalten gelingt ohne Unterbrechungen und quantisiert, sodass verschiedene Inhalte nutzbar sind. Da keine Nudge-Funktion zum Anschieben oder Abbremsen des Sequencers implementiert wurde, muss beim Einstarten der Pattern sehr sorgfältig vorgegangen werden, damit kein akustisches Chaos entsteht. Die Pattern lassen sich per Cue-Funktion vorhören, sodass der Einstartpunkt und der gewählte Inhalt ohne Anteilnahme des Publikums überprüft werden können. Alternativ zu den programmierten Sequenzen können die Sounds auch mittels Fingerdrumming live in einem DJ-Set gespielt werden.

Mixersektion

Die Mixersektion des Roland DJ-202 bietet zwei Kanalzüge, die mit Dreiband-EQ- und Trim-Reglern ausgestattet sind. Mit Filter-Potis lassen sich die Dualmode-Filter in Serato DJ Intro steuern und zum Mixen gibt es Kanalfader mit einem Regelweg von 45 Millimetern. Das Überblenden übernimmt ein Crossfader, dessen Kurvenverlauf in der Software anpassbar ist, entsprechende Bedienelemente gibt es am Controller nicht. Das Cut-Lag beträgt circa zwei Millimeter, was für den Einsteigerbereich in Ordnung geht. Da der Controller keine Line- und Phono-Eingänge besitzt, entfallen etwaige Quellenwahlschalter. Zwischen den Kanal-Fadern befindet sich eine sechsstufige Master-Pegelanzeige, LED-Ketten für die Kanalsignale sind nicht vorhanden. In der Mitte der Mixersektion sind Drehregler platziert, die das Master- und Kopfhörersignal steuern.

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