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Test
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13.11.2018

Praxis

Workflow

Als Freund von analogen Synthesizern bin ich an viele Potis und Knöpfe gewöhnt, um mein klangliches Ziel spielerisch und schnell zu erreichen. Da muss ich beim AX-Edge erst einmal schlucken: Ein kleines Display sagt mir, welcher Parameter gerade bearbeitet wird. Für Parameterwahl und Werteinstellungen sind jeweils lediglich zwei Buttons zuständig. Möchte ich beispielsweise einen Wert von ‚0‘ auf ‚120‘ ändern, muss ich dafür recht lange den Plus-Button gedrückt halten. Zwar sind diverse Parameter im Detail einstellbar, jedoch brauche ich für einen eigens kreierten Sound aufgrund des mühsamen Eingabekonzepts gefühlt doppelt so lange, wie an einem herkömmlichen Analog-Synth. 

Außerdem verliert man schnell den Überblick, da die getroffenen Einstellungen ja nicht in Form von Poti-Stellungen oder Ähnlichem sichtbar sind. Da tendiert man schnell dazu, es bei den Preset-Sounds zu belassen, und sich auf die Performance zu stürzen, obwohl eben so viel Klangvielfalt in dem Gerät zu stecken scheint. Schade. Aber andererseits: Vielleicht ist das auch zu viel verlangt, stehen bei einer Keytar doch seit Jahrzehnten weniger die Echtzeitbearbeitung von Klängen, als vor allem die publikumswirksame Performance im Vordergrund.

Die macht aufgrund des schnittigen Gehäuses und der leicht bespielbaren Tastatur schnell Spaß. Endlich auch mal auf der Bühne herumlaufen, ohne durch ein Keyboard an einem Ort zu kleben. Die guten, alten Keytar-Vorteile eben. Sie sind geblieben. Wer seine eigenen Klänge auf der Bühne einsetzen möchte, der sollte sie in Ruhe zu Hause und unter Zuhilfenahme der Editor-App vorbereiten und sich auf deren Einsatz auf der Bühne freuen.

Klang

Das AX-Edge besticht klanglich zunächst vor allem mit seiner Vielfalt in Form von acht Sound-Kategorien, die quasi alle erdenklichen Klangfacetten des Tasten-Kosmos in einem Gerät versammeln: Lead, Bass, Pad, Poly, Brass, Keys, Other, FX. Quantität vs. Qualität? In diesem Fall ein angenehmes Mittelmaß. Die vielen Sounds klingen allesamt grundsolide, auch wenn ihnen hier und da ein wenig Tiefgang und Facetten-Reichtum fehlt, der bei spezialisierteren Instrumenten vorherrscht. Dieses breit aufgestellte Konzept macht wiederum aber auch Sinn, gilt die Keytar seit jeher weniger als HiFi-Studio-Instrument, sondern mehr als ‚Allround-Performance-Maschine‘. Dennoch scheint Roland mit der AX-Edge klanglich einen guten Kompromiss gefunden und das Instrument somit würdevoll in das 21. Jahrhundert getragen zu haben.

Die meisten Presets der Lead-Sektion sind angelehnt an analoge Synth-Sounds der 1970er/1980er Jahre, was sich mir anhand der Namen wie „Jupiter Lead“ oder „Square Lead“ verdeutlicht. Herkömmliche Oszillator-Wellenformen bieten hier die Basis und werden mit den On Board-Effekten des AX-Edge verfeinert. Abgefahrene Sounds auf Basis von unkonventionellen digitalen Oszillatoren bleiben zumindest im Lead-Bereich zunächst aus. Am Keytar-Hals regelt der Control-Poti meist als Default-Preset den Cutoff des Filters, ihm können aber alle erdenklichen Funktionen zugewiesen werden. Die Modulation-Bar bietet mir ein angenehmes Vibrato. Was braucht man mehr für ein gediegenes 1980er Jahre Synth-Solo?

In der Kategorie „Bass“ geht es dann ähnlich weiter. Wie schon bei den Leads sind die Presets meist von Grund auf bereits mit einigen Effekten und Modulationen ausgestattet. Vernünftige, trockene Basis-Sounds suche ich vergebens. Klar, das haben Werks-Presets in der Regel so an sich. Aber in diesem Falle ist es aufgrund des mühsamen Workflows sehr lästig, einen Preset-Sound selber von seinen Effekten zu befreien und somit einen puristischen Synth-Klang zu erzeugen. Das Filter, für den Bass ja besonders interessant, klingt solide, tendenziell aber etwas verwaschen und mir persönlich schnell zu sanft. Es fehlt mir persönlich ein wenig an Präzision und Druck. 

Bei den Pad-Klängen wird es dann schon etwas abgefahrener. Neben überraschend warm klingenden Analog-Flächen kommen mir auch ‚housige‘, bewegte Pads mit komplexen Harmonie-Strukturen entgegen. Sogar FM-Sounds sind mit an Bord.

Auch akustische Strings sind in der Kategorie „Pads“ vertreten, weitere akustische und elektromechanische Sounds finde ich dann im Bereich Keys. Zu diesen Programmen lässt sich sagen: Optimal für die herkömmliche Rolle der Keytar. Die Sounds sind vertretbar und verwendbar, solange sie nicht im zentralen Fokus eines Songs stehen. Dann könnte ihnen klanglich die nötige Tiefe, Dynamik und Authentizität fehlen. Mittels externem Sustain-Pedal stellt sich bei den Piano-Sounds ein angenehm realistisches Spielgefühl ein, das einsetzende String-Vibrato im Aftertouch ist ebenfalls ein nettes Gimmick. 

Experimentelle Klänge finde ich schließlich im Bereich „FX“. Mit der großen Zahl an Effekten lässt sich da schon einiges anstellen. Außerdem werden vorprogrammierte Sequenzen geboten, auch wenn in dem Gerät an sich kein Sequenzer verbaut ist. Generell kann man sagen: An Sounds fehlt es der AX-Edge keineswegs. Hier wurde wirklich keine Mühe gescheut, um eine breit gefächerte Palette an Klängen aller Art unterzubringen. Dieser Test würde explodieren, wenn ich alleine nur alle Basis-Sounds vorstellte. Jetzt aber noch eine Auswahl der FX-Klänge.

Schließlich ist dann da auch noch ein Vocoder. Die Einbindung des Mikrofones funktioniert reibungslos, ebenso die Synth-Ansprache. So lassen sich dann nach Bedarf mit der AX-Edge eben auch typische Vocoder-Effekte abfeuern, was der Keytar einen universellen Touch verleiht.

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