Test
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16.08.2019

Praxis

Zugegeben: Die Verpackungen kamen mir zuerst zusammengewürfelt vor, hatte ich doch in letzter Zeit eher mit schlanken Funkstrecken zu tun, die mit Schachteln der halben Größe antraten. Ausgepackt finde ich die Baugröße des Senders auch noch etwas klotzig. Die Auflösung hier besteht in der Spannungsversorgung. Bauen viele Hersteller auf festverlötete Akkus, setzt Røde auf die klassischen AA-Batterien, rund um den Globus leicht zu erstehen und meist ein Bestandteil des Gepäcks einer jeden reisenden Film- und Ton-Crew.

Die Batterien werden bei dem Sender in ein wechselbares Fach eingelegt. Dieses Fach ist baulich identisch zu den Sony-NP-F-Kamera-Akkus. Es können sowohl die regulären als auch die großen NP-F-Akkus eingelegt werden. Zu beachten ist allerdings das mehr an Gewicht, was die Akkupacks und Batterien mit sich bringen. 222 Gramm wiegt der Sender Netto alleine, da müssen wir am Mikrofon schon eine bequeme Stelle zum Austarieren finden. Daneben funktioniert der Betrieb der Geräte problemlos mit einer Powerbank, Laptop oder ähnlichem über die USB-C-Schnittstelle.

Der anfängliche Missmut schwindet schnell, je mehr Details ich an den Geräten entdecke. Alleine die Verriegelung der Mikrofone über die Rändelschraube ist gekonnt gelöst. Die Verbindung ist extrem fest, selbst bei einem Marathonlauf wird der Sender nicht abfallen, noch müssen wir Drop-Outs fürchten. An dem Sender ist viel Metall verbaut, welches in einer dicken Gummischicht eingehüllt ist. Auf dem Boden sind vier Füße in die Gummihülle eingearbeitet und sorgen auch mit Mikrofon für einen soliden Stand auf ebener Fläche.

Das Gehäuse des Empfängers dagegen besteht aus leichtem, schlagfestem Kunststoff. Røde weiß, dass Mikrofone schon mal mehr abbekommen als die Kamera, auf der der Empfänger anzuflanschen ist. Außerdem haben die intern verbauten Antennen so natürlich einen besseren Empfang als in einem Metallgehäuse.

Die Handhabung von Sender und Empfänger ist intuitiv. Nach dem Einschalten der Geräte gehen diese auf ihre firmenseitig eingestellten Kanäle und koppeln sich selbstständig. Benötige ich einen anderen Kanal, drücke ich die rote Reset-Taste im Batteriefach des Empfängers. Dann am Kanalwahlschalter desselben den gewünschten Kanal vorwählen und bei dem Sender die beiden äußeren Tasten gedrückt halten.

Der Kopplungs-Prozess läuft dann automatisch ab und ist im Nu erledigt. Als weitere Besonderheit arbeitet die Funkstrecke im Dual-Sende-Modus. Das bedeutet, dass zwei Subkanäle aktiv sind. Während die Sendung abgehalten wird, sucht der andere permanent nach einer stabileren Verbindung im 2.4-GHz-Band und loggt sich bei Erfolg nahtlos auf das stärkere Signal ein.

Klang

Die Sendestrecke überträgt zwischen 35 Hz bis 22 kHz bei einem Dynamikbereich von 112 dB. Für den Test werfe ich das dynamische Shure SM58 und als Kondenser das Neumann TLM 103 in den Ring. Beide gehen einmal über Funk und dann über Kabel ins Rennen. Ich nutze den Kopfhörerausgang, um meine Ansage zu kontrollieren. Bei den Kopfhörern gibt es eine kleine Reminiszenz an den Film „This Is Spinal Tap“, bei denen der eine Gitarren-Amp auch bis 11 zu verstärken war.

Mir reicht aber die Einstellung Nummer fünf. Für den XLR-Anschluss ist eine Verstärkung in 10-dB-Schritten möglich (0, +10, +20, +30, +40 dB). Bei der Benutzung von Lavalier-Mics müssen wir uns mit einer Verstärkung von 0 – 20 dB in 10er-Schritten begnügen. Ich stelle die Vorverstärkung auf +20 dB ein.

Die Funkstrecke holt erstaunlich viel aus dem Shure-Mikrofon heraus. Der Sound ist etwas schlanker und präsenter über Funk als über das Kabel. Eine leichte Rauschfahne ist auch bei diesem System nicht von der Hand zu weisen, doch ist diese eher unter Kopfhörer zu registrieren und vermatscht nicht das Signal, wie es bei kleineren Plug-and-play-Funksystemen gerne mal der Fall ist.

Das Neumann hat über Funk auch ein leichtes Säuseln im Hintergrund, was aber zu vernachlässigen ist. Über Kabel kommt in diesem Fall doch noch einiges mehr an Informationen beim Recorder an als über Funk. Doch das macht sich allerhöchstens in etwas mehr Raumtiefe bemerkbar.

Die Stimme ist voll und präsent eingefangen und durch den Äther geschickt. Funktioniert beeindruckend! Besonders interessant ist die Möglichkeit der phantombetriebenen Kondensatormikrofone für die Tonmenschen, die gefilmte Szenen und Interviews mit Richtrohrmikrofonen am Galgen aus dem Set angeln müssen. Die direkte Kontrolle des Audiosignals ist über den Kopfhörerausgang möglich. Røde bietet optional ein Verlängerungskabel für Tonangeln an.

Entfernung und Kryptologie

Zunächst zur Verschlüsselung: Daran muss natürlich gedacht werden, da wir schließlich im lizenzfreien und sehr öffentlichen 2.4-GHz-Band arbeiten. Um die Sendung abhörsicher zu ermöglichen, hat Røde dem Newsshooter eine 128-Bit-Verschlüsselung gegönnt. Diese ist die erste Stufe des dreistufigen, fortschrittlichen Verschlüsselungsstandards (AES).

Die maximale Distanz soll 100 Meter betragen. Einen Wert, den ich auch an anderen Geräten als Marke vorgefunden habe, wobei dann noch nur bis etwa 70 Meter eine Sendegarantie bescheinigt worden ist. Hier sollen 100 Meter absolut garantiert sein. Die Spannung steigt. Für den Test habe ich eine Kamera aufgestellt, positioniere mich auf ca. 100 Meter Abstand von dem Empfänger und laufe dann stetig quatschend auf die Kamera zu. 

Die 100 Meter überbrückt das Newsshooter-System problemlos. Keine Störung, keine Drop-Outs kein Qualitätsverlust. So macht Arbeiten Spaß!

Ladung

Røde empfiehlt, anstatt Alkalie-Batterien lieber Lithium-Ionen-Batterien wegen der größeren Kapazität zu verwenden. Trotzdem wage ich das Experiment und besorge mir im nächsten Supermarkt die günstige Eigenmarke an Alkalie-Batterien. Ein durchaus realistisches Setting, was dem ein oder anderen bekannt vorkommen mag. Mit diesem Satz Batterien habe ich dann alle Tests durchgeführt, auch die mit der Phantomspeisung. Zum Schluss lasse ich eine DJ-Mix kontinuierlich im Loop laufen und sende die Batterien leer. Die Ladeanzeige im Empfänger gibt mit je drei Balken Auskunft über den eigenen Ladestatus sowie den des Senders. Bei kritischer Ladung fangen die auf einen Balken geschrumpfte Anzeige sowie die Betriebs-LEDs an zu blinken. Etwas vor dem finalen Ende der Batterie schaltet sich das Gerät dann selbstständig ab. Das dient zum Schutz der Batterien bzw. Akkus, welche eine vollständige Entladung nicht gut vertragen und die Restladung benötigen. Insgesamt komme ich mit dem Set günstiger Batterien auf viereinhalb Stunden Sendezeit. Acht Minuten wären noch zusätzlich drin, wenn ich den Sender einfach immer wieder einschalte. Der Sender ist es auch, der zuerst aufgibt. Beim Empfänger leuchten da noch alle drei Balken der Ladeanzeige.

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