Workshop
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09.04.2015

IKEA Regal aufbauen

Zuerst baut ihr das IKEA-Regal Gersby nach der beigelegten Anleitung zusammen, wobei die einzigen beiden Ausnahmen folgende Umstände bilden: Zum einen müsst ihr die locker eingehängten Böden nicht einbauen, denn diese benötigen wir für etwas anderes. Die andere Sache wiederum ist kein Muss, macht aber auch durchaus Sinn: Ihr nagelt die Rückwand mit der weißen Seite nach außen an das Regal. So könnt ihr die Absorber auch mal in den Raum stellen, ohne das ihr die Seite mit der „brauner Karton“-Optik bewundern müsst.

Die Modifikation

Und schon kann unsere Modifikation losgehen! Benutzt die drei übrig geblieben Einlegeböden und bastelt aus diesen eine massive Rückwand für den unteren Teil. Diese muss, um akustisch korrekt zu arbeiten, luftdicht werden. Deswegen geizen wir hier nicht mit Acryl und Montagekleber! Und damit die dünne Rückwand später nicht an unserer massiven Wand klappert, hauen wir vor allem hier ordentlich Kleber rein!

Anschließend habe ich die ersten zwei Böden an den Rand geschoben, damit der Kleber sich ordentlich in den Kanten sammelt, um dann den dritten Boden so überlappend aufzulegen, das links und rechts in etwa der selbe Überstand entsteht. Die bereits vorhandenen Fräsungen für die Halte-Pins der Regalböden bieten dabei eine gute optische Orientierung, wie man an den Bildern erkennen kann. Auch hier habe ich wieder ordentlich Kleber dazwischen geschmiert.

Im nächsten Schritt werden an den wichtigsten statischen Stellen zusätzlich Stuhlwinkel montiert, welche wir natürlich immer mit vier Schrauben fixieren. Anschließend dichten wir auch nochmal hier alle Kanten sauber ab.

Der Breitbandabsorber verlangt es leider: Glaswolle schneiden

Jetzt kommt der kratzige Teil beim Breitbandabsorber-Selbstbau: Es gilt, Glaswolle zu schneiden, so dass sie in unsere Box passt. Das macht ihr am besten draußen und nicht in eurer Wohnung, da die Späne ziemlich aggressiv sind. Außerdem empfiehlt es sich Schutzkleidung während des Schneidens zu tragen (Staubschutzmaske, Handschuhe, Brille). Am besten schneidet sich Glaswolle meiner Meinung nach übrigens mit einem Brotmesser. Je nachdem, was für eine Plattendicke ihr gekauft habt, müsst ihr eventuell stapeln. Quetschen solltet ihr hier allerdings nichts, und es reicht auch, wenn 2/3 unserer Box gefüllt sind. Damit die Wolle nicht nach vorne purzelt, bringen wir außerdem noch zwei Querstreben mit Winkeln an.

Resonatormembran aufkleben

Wie ihr in den oberen Bildern bereits sehen könnt, müssen außerdem noch zwei weitere Leisten angebracht werden. Hier müsst ihr besonders sauber arbeiten, damit diese bündig mit den leicht nach innen versetzt angebrachten Böden abschließen. Es empfiehlt sich dabei, die Leisten vorzubohren, damit Sie nicht beim Verschrauben aufreissen. Anschließend werden hier unsere Sperrholzplatten aufgeklebt. Dies muss luftdicht geschehen, deswegen muss hier also wirklich höchste Präzision an den Tag gelegt werden. Anschließend beschwert ihr unsere Klebeflächen massiv und achtet darauf, das wirklich überall Kleber herausgedrückt wird, damit hier wirklich alles dicht ist. Solltet ihr euch unsicher sein, schmiert lieber noch etwas mehr Kleber hinterher. Dann heißt es warten, bis der Kleber trocken ist – oder ihr baut schon mal den nächsten Gersby zusammen! Bezüglich der Dicke der Sperrholzplatte werde ich noch etwas unter den Aufstellungs-Tipps des Breitbandabsorbers schreiben.

Der Rest ist ziemlich simpel: In den oberen Teil kommt nun einfach nur noch Glaswolle – entweder in Folie (Müllsäcke) gepackt oder nicht. Die Folie sorgt dabei dafür, dass nicht zu viele Höhen gedämpft werden. Wann und wo welche Variante dann aufgestellt wird, klären wir auch später in den Aufstellungs-Tipps. Als Faustregel gilt: Von drei Absorbern sind zwei in Folie zu packen, einer nicht.

Dekorahmen mit Stoff betackern

Anschließend bauen wir einen weiteren Rahmen, der genau in das obere Rechteck des späteren mobilen Breitbandabsorbers passt. Auf diesen tackern wir dann den Deko-Stoff, um die Glaswolle oder die befüllten Müllsäcke ästhetisch-ansprechend verstecken zu können. Es ist übrigens nicht notwendig, die Glaswolle-Pakete maximal zu befüllen, es reicht vollkommen aus diese ca. 18 cm dick zu machen, sodass noch circa 5 cm Luft bis zu der Stoffbespannung vorhanden sind. Und et voilà, wir sind fertig!

Wo stellt man einen Breitbandabsorber hin – Aufstellungshinweise

Grundsätzlich könnt ihr unsere Absorber überall hinstellen, trotzdem gibt es noch ein paar Faktoren, um die Wirkungsweise zu optimieren. Hierbei ist es natürlich auch wichtig zu wissen, wie viele Absorber ihr bauen werdet. Beispielsweise würde ich grundsätzlich an die Stellen der Erstreflexionen – also die Orte/Wände an denen der Schall über nur eine Reflexion unmittelbar an eurem Abhörpunkt landet – immer die Variante mit der offenen Glaswolle im oberen Bereich platzieren. Solltet ihr einen Absorber hinter eure Lautsprecher stellen wollen oder beispielsweise zwei der Absorber nebeneinander, dann würde ich hier auch die Variante mit der Glaswolle in den Mülltüten wählen, damit insgesamt nicht zu viele Höhen gedämpft werden. Nichts klingt schlimmer als ein in den Höhen überdämpftes Studio! Stoff ist allerdings bei jeder Variante davor.

Konkret: Auf jeden Fall einen Absorber links und einen Absorber rechts vom Abhörpunkt aufstellen – überall da, wo ihr eure Lautsprecher über einen Spiegel an der Wand sehen könntet.

Wenn ihr an diese Stelle mehrere Absorber stellen wollt, würde ich im absoluten Reflektionspunkt ein Variante mit offener Glaswolle wählen, und links und rechts davon eine Variante mit Folie aufstellen. Soviel zu den oberen Kammern unseres Absorbers.

Theorie des Plattenschwingers

Im unteren Bereich unseres mobilen Breitbandabsorbers kleben wir ja eine Sperrholzplatte ein. In Verbindung mit dem dahinter befindlichen Luftpolster ergibt sich ein Feder-Masse Prinzip, welches natürlich eine Resonanzfrequenz hat. In diesem Fall schwingt die Platte maximal mit und wandelt diese Energie durch Luftreibung im Inneren (verstärkt durch die Glaswolle) in Wärme um. Die Resonanzfrequenz ergibt sich dabei aus der Masse der Frontplatte und der Tiefe des Systems. 

Da wir bei unserem selbstgebauten Absorber durch die IKEA-Maße bereits eine Vorgabe haben, was die Tiefe anbelangt (23,5 cm), können wir hier also nur Einfluss über das Flächengewicht der Membran nehmen, was sich aus der Dicke der Sperrholzplatte ergibt. Ohne weiter auf die ganzen theoretischen Hintergründe eingehen zu wollen, sei an dieser Stelle erklärt, dass nur Pappel-Sperrhölzer zu verwenden sind, und zwar in einer Dicke zwischen 3 mm und 9 mm. Je nach Holzlieferant wird der in diesem Bereich auch nur konkrete Werte anbieten können, also meist 3 mm, 4,5 mm, 6 mm und 8 mm. 

Dazu eine kleine Tabelle mit ungefähren Werten für unsere gebauten Absorber:

Plattendicke    Resonanzfrequenz
      3 mm             99 Hz
      4 mm             90 Hz
      5 mm             78 Hz
      6 mm             71 Hz
      7 mm             65 Hz
      8 mm              61 Hz
      9 mm             59 Hz

 

Okay, jetzt sind wir doch kurz ganz schön theoretisch geworden. Macht euch aber bitte nicht verrückt! Nur weil hier konkrete Resonanzfrequenzen stehen, heißt dass noch lange nicht, das der Absorber nur hier wirkt. Der Wirkungsbereich ist zwar im Vergleich zu anderen Absorber-Arten schmal, aber immer noch breit genug, dass es hier auf 5 Hz mehr oder weniger auch nicht ankommt. Demzufolge reicht es, wenn ihr einfach die Pappel-Sperrholz Platten nehmt, die euer Baumarkt vorrätig hat. Und orientiert euch zuerst an den dünneren Varianten, da es ohnehin nicht viel Sinn macht zu versuchen in einem kleinen 15 qm Raum 35 Hz zu dämpfen. Falls ihr also eure Problemfrequenzen kennt, konzentriert euch zuerst auf den Bereich um die 100-200 Hz, zumal hier auch Vielfache von euren eigentlichen ,“theoretischen“ Grundmoden relativ eng zusammen fallen, denn auch in 140 Hz stecken 35 Hz viermal drin. 

Faustregel: In die Ecken kommen die Absorber mit den dickeren Platten, überall anders die dünneren hin. Da unsere selbst gebauten Absorber mobil sind, könnt ihr hier durch Rücken der Absorber auch noch ein wenig mehr experimentieren, denn so kann es sein, dass an einer Postion eure 3mm-Variante stärker vibriert als anderswo. Und wir wollen, dass die Platten schwingen, denn nur dann wird Schall effektiv geschluckt! Erwartet allerdings nicht zu viel, die Platten werden nicht vor oder zurückschlagen, sondern nur ganz leicht vibrieren. Um zu testen, wo eure Absorber arbeiten, könnt ihr auch Sinustesttöne abspielen, und dann vorsichtig die Hand auf die Membran legen, um zu spüren, bei welcher Frequenz sie am stärksten vibrieren – das ist dann eure Resonanzfrequenz!

Und für alle, denen das gerade viel zu kompliziert war, hier ein paar Bilder die Beispiel-Installationen zeigen, welche ihr auch genauso nachbauen könnt. Ich würde euch selbstverständlich die Variante mit den zehn Stück empfehlen.

Und nun viel Spass in eurem „neuen“ Studio!

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