Test
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19.11.2020

Praxis

Zur Inbetriebnahme des Pro-Ject Primary E Phono sind nur wenige Handgriffe nötig, da der Player ab Werk vormontiert wurde. Nach der Verkabelung des analogen Ausgangs mit einem Phono- oder Line-Eingang eines Verstärkers muss lediglich der Antrieb durch Anlegen des Riemens um den Pulley und Plattenteller „aktiviert“ werden. Dieser Vorgang bedarf beim ersten Mal etwas Geduld, zumal es am Plattenteller keine Führung für den Riemen gibt. Die Änderung der Umdrehungsgeschwindigkeit erfolgt durch ein Umlegen des Antriebsriemens, was sicherlich etwas aufwändiger ist, als das Umschalten per Taster, aber auch einen besonderen Charme hat. Mit dem Tonarmlift kann das System weich und plattenschonend aufgelegt werden.

Der Pro-Ject Debut RecordMaster ist ebenfalls teilvormontiert. Nach der Entnahme des Geräts und Sortierung des Zubehörs habe ich den Flachriemen über die obere Riemenscheibe gelegt, um die gängigen Drehgeschwindigkeiten 33 und 45 U/min nutzen zu können und danach den Plattenteller auf der Spindel des Subtellers positioniert. Mit dem aufschraubbaren Gegengewicht tariert man den Tonarm zunächst aus und stellt dann das Auflagegewicht von 1,5 g (= 15 mN) für das montierte Tonabnehmersystem ein, so wie man es von den meisten Plattenspielern kennt.

Im Anschluss daran erfolgt durch Einhängen eines kleinen Gewichts die Justierung des Antiskatings. Zum Einhängen gibt es drei Positionen, die erste Position ist für 10 bis 14 mN, die zweite für 15 bis 19 mN und die dritte für Auflagekräfte ab 20 mN gedacht. Um das Gewicht einzuhängen, braucht es etwas Fingerspitzengefühl und im Anschluss sollte man den Plattenspieler auch nur noch behutsam bewegen, da das Gewicht sonst möglicherweise verrutscht oder abfällt. Der Plattenspielermotor wird mittels des unbeschrifteten Tasters auf der Oberseite in Bewegung versetzt, zwei LEDs informieren, welche Geschwindigkeit selektiert wurden und blinken, solange die gewünschte Umdrehungsgeschwindigkeit noch nicht erreicht wurde.

Tonabnehmerwechsel

An beiden Geräten lassen sich alternative Tonabnehmersysteme mit Halbzoll-Befestigung montieren (nur Moving Magnet (MM), keine Moving Coil (MC)). Dieser Vorgang ist nicht ganz so einfach wie bei Plattenspielern mit einer SME-Bajonettbefestigung, da man eine Verkabelung des Systems per Hand und danach per Tonarmwaage und Schablone (Primary E Phono) oder mittels einer Justagelehre (Debut RecordMaster) eine Ausrichtung vornehmen muss.

Einsatzbereiche

Die beiden Pro-Ject Player sind, wie eingangs erwähnt, keine Geräte für den DJ-Gebrauch, da sie zum einen per Riemen angetrieben werden und zum anderen keine Tempofeinjustierung bieten. Ich sehe beide Geräte schon aufgrund ihrer besonderen Optik eher als funktionales Möbelstück und prädestiniert zur Wiedergabe von Vinylraritäten. Entscheidet man sich für den Debut RecordMaster, so ergibt sich noch ein weiterer Usecase, da dieser Plattenspieler über eine USB-Schnittstelle verfügt.

Verbindet man das Gerät per beiliegendem USB-Kabel mit einem Computer, so lassen sich Vinyls sehr einfach digitalisieren. Für meinen Praxischeck habe ich den Debut RecordMaster an meinen Mac angeschlossen und die Aufnahmen per Audacity festgehalten. Das Ganze funktioniert als Plug&Play, da man nach der Verkabelung in der Software nur das entspreche Gerät selektieren muss. Eine Pegelaussteuerung entfällt, sodass man seine Lieblingstracks, Klassiker oder aktuelle Vinylscheiben mit wenigen Mausklicks als digitale Version auf seinem Rechner zur Verfügung hat.

Klang

Hersteller Pro-Ject legt nach eigenen Abgaben Wert auf einen guten Klang, weniger auf einen großen Funktionsumfang und das kann ich auch bestätigen. Beide Plattenspieler haben mir klanglich gut gefallen, wobei man natürlich auch den jeweils verlangten Preis nicht außer Acht lassen und keinen High-End-Sound erwarten sollte. Für die meisten Anwendungen finde ich das Gebotene ausreichend und durchaus sehr ordentlich, wie Klangbeispiele belegen, unterscheiden sich die beiden Vinyl-Player nur in Nuancen. Wer mit dem Klang nicht glücklich wird, kann zudem ein Upgrade in Form eines alternativen Tonabnehmersystems vornehmen.

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