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Test
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11.04.2014

Praxis

Auf der rechten Seite bilden fünf im oberen Halbkreis arrangierte Tasten die Abteilung „Rhythm FX“, die den Direktzugriff auf die Effekte „Roll“, „Trans“, „Add“ (Multi-Tap-Delay), „Rev Delay“ und „Offset“ erlauben, wobei die Drehung für vier unterschiedliche Timings steht und die Andruckfunktion sehr schöne Variationen einleitet. Interessant ist hier: Mit der Overdub-Funktion zeichne ich die Effekte im Vier- oder Acht-Beat-Raster hinsichtlich des Status' und der Laufzeit (an/aus oder wie oft, wie lange) auf: Hier stellt sich heraus, dass je nach Effektart unterschiedliche Zeiten realisierbar sind, beispielsweise lässt sich der Roll auf jede Sechzehntelnote setzen, wohingegen der Trans-Effekt mit vier On/Off-Triggern pro Zyklus auskommen muss – auf jede Note allerdings nur ein Effekt fallen kann. Es ist also nicht möglich, beispielsweise Reverse und Add auf jeden zweiten Beat zu setzen. Auch lassen sich die Regler-Tweaks nicht in den Speicher schreiben, sondern nur der Zustand On/Off. Das gilt auch für die vormals vier, nun fünf Drums (jetzt plus Cymbals), die wir uns nach den Soundbeispielen zu den Rhythm FX zu Gemüte führen wollen.

In der Drum-Sektion beheimatet sind folgende Sound-Gruppen: Kick, Snare, Clap, Hi Hat und Cymbal (inkl. Cowbell). Hier gibt es zwei Möglichkeiten, um „Beats“ zu generieren:  

Ich aktiviere eine Drum, die analog zu meinem Tempo an den vier Schlägen des Taktes erklingt und sich in vier Stufen per Drehung beschleunigen lässt. Kommt es beim Zurückschalten auf die Ausgangsstellung zu einem unbewusst oder bewusst erzeugten Versatz, dann reicht es, einmal in Nullstellung zurückzukehren und den Regler neu aufzureißen. In diesem Modus kann nur eine Drum-Spur abgespielt werden. Er bietet sich ganz gut für dramaturgische „Trommelwirbel“, für schnelle Beatvariationen, zum Boosten einer Drum eines eingespielten Titels oder für Blends an, besonders auch in Kombination mit dem Push-Effekt. Alle Achtung. Aber es geht noch besser:  

Spiele ich Drums per Overdub-Sequencing live ein, wobei ich über die „Customize“-Taste die einzelnen Samples gemäß nachstehender Übersicht auszutauschen vermag, ist es mir möglich, die Wiederholschleife von vier auf acht Beats auszudehnen. Bis zu fünf Samples der Bereiche Kick, Snare, Clap, Hi-Hat und Cymbal bilden den Loop, wobei die Sounds je nach Art und auch nach Dauer des Tastendrucks variieren. Trommelwirbel bis zu einer Sechzehntel sind kein Problem. Einzelne Spuren lassen sich muten oder durch Überschreiben löschen, das geht wirklich kinderleicht von der Hand. Gut, mit sechs Vertretern pro Drum und ohne Einflussnahme auf Tune, Attack oder Decay sind einem natürlich Grenzen gesetzt, aber um ganz ehrlich zu sein: Wir reden hier von einem ohnehin schon gut ausgestatteten Effektor und wer während seiner DJ-Session tiefer ins Fingerdrumming einsteigen will, der nimmt einen Drumcomputer oder Ähnliches hinzu und gut ist. Für DJ-Anwendungen, Track-Polituren oder ein paar schnelle Beats reicht das Gebotene völlig aus, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich noch Variationen mit den Beat FX ergeben.  

Beim „Overdubbing“ muss man ziemlich genau treffen, da der RMX-500 keine Quantisierungsfunktion hat. Liege ich daneben, überschreibe ich die Spur einfach im Handumdrehen, wobei das im Außenring im Takt wandernde Lauflicht, das im Achter-Loop an jedem Beat zweimal blinkt statt einmal, eine Orientierungshilfe darstellen kann. Sind die Beats „straight“ und liegen trotzdem leicht neben dem Taktraster eines simultan laufenden Musikstückes, bringe ich den Loop und die Mucke mit der Nudge-Funktion in den Gleichschritt. 

Was soll ich sagen, mit einer guten Koordination von Ohr-zu-Hand, dem erstaunlich zuverlässigen BPM-Counter, den Beat FX und den gut klingenden Samples macht die Sache richtig Laune und sorgt für Abwechslung im Track. Jedoch: Wenn ich den Instrumentenpegel (einstellbar von -9 bis +3) voll aufreiße, gelange ich je nach Sound und FX auch schon mal in den roten Bereich. Vor diesem Hintergrund ist es schon etwas schade, dass keine Masterlautstärke nach der Effektkette vorhanden ist.

Verschweigen möchte ich nicht, dass Pioneer die Möglichkeit zur Signalflussumkehrung eingebaut hat, was ich wirklich gut finde, denn so lässt sich beispielsweise ein Track durch die Szeneneffekte jagen, aber der punchige, selbst eingeklopfte, überlagernde Drum-Beat bleibt „naturbelassen“. Ein Druck auf die Umkehrtaste und besagte Trommelschleife wird genauso durch den Scene FX gejagt wie der Rest des Sounds. Was will man mehr? Möglichst beatgerecht und Dancefloor-tauglich zurück zum Originalsound? Ein Tastenhieb auf Release und der Effektspuk hat ein Ende. Alternativ kann ich den Effekt natürlich durch Deaktivierung normal oder besser gesagt „brachial“ beenden oder per Drehung zurückführen. Dass sich damit völlig unterschiedliche Ausklänge generiere, dürfte klar sein. Klasse. Das Teil will man gar nicht mehr hergeben. Auch vor dem Hintergrund, dass ich gern noch einen Bypass als Alternative zur Einzeldeaktivierung der Sektionen gesehen hätte.  

Sei es, wie es ist: Wenn man einmal kurz ins Gedächtnis rufen darf, dass Pioneer nun schon seit mehr als einer Dekade DJ-FX in Mischpulte und/oder DJ-Effektgeräte implementiert und mit den DJM- und CDJ-Serien den amtierenden Clubstandard stellt, lehne ich mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die Soundqualität der Pioneer-FX auf sehr hohem Niveau spielt. Da bildet auch der RMX-500 keine Ausnahme, der im Punkt „Parametrisierung der Effekte“ wieder einmal sehr „DJ-freundlich“, aber dennoch nicht idiotensicher konzipiert ist. Schließlich muss nach einer gewissen Einarbeitungszeit niemand mehr unerwartete Ausbrecher fürchten. Der RMX-500 bietet mit seinen Rhythm und Scene FX, der Timing-Control, den Effektattributen, dem Drum-Sequencer sowie dem überlagernden Echo natürlich auch hinlänglich Bordmittel, um den Bogen gerade bei den ersten Gehversuchen zu überspannen. Ja, er ist nicht der unterschwelligste oder subtilste Effekttor, sondern eher ein Werkzeug, um dem Sound richtig auf die Pelle zu rücken und dramaturgische Höhepunkte zu setzen, die in interessanten Übergängen fußen können und selbst bei aufgeschaukelten Soundeskapaden den Track mittels eines Tastendrucks zurück auf den Boden zu holen. Da liegt seine Stärke. Wer es jedoch von DJ-Software gewohnt ist, die uneingeschränkte Kontrolle über sämtliche Einzelparameter zu haben, der findet es vielleicht schade, dass er Attribute wie Scaling, Feedback, Resonanz, LFO, Delay oder den metrischen Teiler eines Effektes nicht bis ins Detail steuern kann oder dass ihm Einzelparameter aufgrund der angedachten und in meinen Augen gelungenen 1-Knopf Twist-and-Push-Handhabe verwehrt bleiben. Wie sagt man so schön: Man kann nicht alles haben.

Das 2-In/2-Out USB-Audiointerface arbeitet mit 48 Kilohertz und 16 Bit und lässt sich auch ohne Netzteilanschluss am Computer in Betrieb nehmen. Ich halte fest: Sämtliche Features funktionieren auch im Rechnerverbund wie vorher, allerdings nur so lange, bis ich eine Host-Software aufrufe und das Interface zur Audioausgabe verwende. Als ich also ganz unverblümt iTunes starte, um zu testen, ob es denn auch möglich ist, die USB-Audiosignale durch die FX-Sektionen zu jagen, schlugen die LEDs erstmal tief in den roten Bereich ein und selbst bei 3/4 Lautstärke bekam ich noch ein klares Gelb ausgewiesen. Gut, wo ich schon mal dabei bin, koppele ich die Masterlautstärke über das Pioneer-Konfigurationstool an den Phones-Regler, dann muss ich die Lautstärke nicht in der Software festlegen. Festzustellen ist in jedem Fall, dass auf diesem Weg keinerlei Effektivieren stattfindet. Drums, Eingangssignale und FX können zwar über den Eingang abgehört werden, auf dem Ausgang jedoch liegt nur der iTunes-Sound an. Beende ich die Wiedergabe, wird nach einer kurzen Reaktionszeit wieder auf die Konsole inklusive eines eventuell anliegenden Signals umgeschaltet.  

Als Nächstes wollte ich herausfinden, ob es grundsätzlich möglich ist, eine DJ-Performance, die vom Master-Output über den Effektor läuft, mit dem integrierten Audiointerface aufzuzeichnen. In der Tat ist das möglich, doch dabei wird der Audioausgang für das anliegende Signal gemutet, da es in die Software überführt wird – der praktische Nutzen tendiert für diesen Fall Richtung null und es wäre schon ein großer Wurf gewesen, wenn das Schaltungsdesign es hergegeben hätte, dass trotz der Aufzeichnung der Sound weitergereicht wird. Okay, ein Großteil der Anwender dürfte den RMX-500 zwischen die CDJs oder an die Send/Return-Schleife des Mixers klemmen (hier hätten sich auch Klinkenbuchsen bezahlt gemacht!) und dessen Ausgang abgreifen, aber dennoch sollte dies Erwähnung finden.  

Plug-in

Zunächst einmal die „Hiobsbotschaft“ für Windows XP und Mac OS Leopard: Diese Systeme werden nicht mehr berücksichtigt, was ich aber in Anbetracht des Alters von mittlerweile 10 Jahren und mehr und trotz sicherlich zahlreicher Nutzer nicht negativ ankreiden möchte. De facto läuft das Plug-in unter Windows Vista, 7 und 8, auf 32- oder 64 Bit-Systemen und auf Intel Macs mit OS X 10.6 und 10.7 (32/64 Bit) sowie OS X 10.8 mit 64 Bit. Laut Website soll es vereinzelt unter OS X 10.92 zu Problemen gekommen sein. 

Die Installation des VST/AU/RTAS-Plug-ins ist auf dem Mac mit wenigen Klicks erledigt. Voraussetzung für den Start des Installers ist allerdings die angeschlossene Hardware, ansonsten verweigert der Installationsprozess den Dienst. Wie schon der RMX-1000 legt der 500er in seiner Produktbeschreibung ebenfalls ein Augenmerk darauf, dass er speziell auch auf die Anforderungen im Tonstudio entwickelt wurde und DJ-typische Bediengepflogenheiten in den Produktionsalltag integriert. Ich bin also mal so frei und öffne Ableton Live, woraufhin ich nun die Remix Station als Audiointerface und MIDI-Controller für das Geschehen auf dem Bildschirm einsetze, wo sämtliche steuerbaren Parameter bereits gemappt sind – besten Dank dafür, ehrlich. Das hätte ich mir seinerzeit auch für den Tausender gewünscht (Vergleich: siehe Grafik). Was die Drehregler angeht, ist zunächst, so sie nicht in Nullstellung stehen, eine Parameterabholung erforderlich. Die Bewegung selbst wird von der Software in einem Koordinatenkreuz dargestellt, was sehr übersichtlich ist. Anhand der vorkonfigurierten Parameter in Ableton stellt sich dann schnell heraus, dass nicht nur die Drehbewegung des Reglers bis ins Hundertstel genau auflöst, sondern dass auch die Werteübermittlung beim Andruck auf zwei Nachkommastellen genau erfolgt. Wer hätte das gedacht. Damit steht feinsten Parameterfahrten in der DAW kaum etwas im Wege, es sei denn, man ist von grobmotorischer Natur. Über den „Customise“-Button und den sich daraufhin öffnenden drei Reitern „Rhythm“, „Scene“ und „Release“ sind die diversen Drum-Samples und die alternativen Effekttypen und Release Timings zugänglich. Auch die Kennzeichnung der MIDI-relevanten Attribute (RytmHiHat, ScnSpiralUp, ScnKnobPush, RlsOn) ist treffend gewählt.  

In der Folge habe ich mich an ein bestehendes Mixset herangemacht, bei dem ich an einigen Stellen ein wenig Pioneer-FX eingearbeitet und hier und da die Übergänge „geschliffen“ habe. Das funktioniert prima, denn das Handling ist identisch wie bei der Hardware, allerdings ist für mich in diesem Szenario die integrierte „Trommelmaschine“ nicht so ein großer Pluspunkt wie beispielsweise am Mixer. Stattdessen stehen hier die Beat und Scene FX im Fokus – non destruktiv und im Nachhinein editierbar versteht sich. Ob man diese dann letztlich in einer Instrumentenspur, in einem Audiofile oder in den Returns verwendet, bleibt einem selbst überlassen. Die Verzahnung ist jedenfalls nahtlos, die Bedienung intuitiv, als würde man „Live On Stage“ abrocken. Sind mehrere Plug-ins gleichzeitig aktiv, wird selbstverständlich nur die aktive Spur verfügbar, wobei der MIDI-Kanal und die allgemeine Befehlsfunktion im Pioneer-Konfigurationstool eingestellt werden dürfen. Erneut muss ich feststellen, dass diese Herangehensweise erheblich mehr zu bieten hat als die Parameterunterjochung mit Maus und Tastatur und auch in diesem Kontext einfach Laune macht. Einen Wermutstropfen gilt es im Umgang mit dem Plug-in zu schlucken, denn es findet leider keine bidirektionale Kommunikation zwischen der Hardware und dem Software-Plug-in in Ableton statt, will sagen, dass die Tasten bei Betätigung an der Hardware zwar kurz aufleuchten, nicht jedoch ihrem Status in der Software entsprechend an oder aus bleiben oder blinken.

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