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Test
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26.05.2013

Pioneer DJM-750 Test

4+1-Kanal Digital-Clubmixer

Frische Brise

Mit dem DJM-750 bringt Pioneer ein Update der oberen Mittelklasse im Segment Vierkanal-DJ-Mischer. Wo und wie die Auffrischung im Detail vollzogen wurde und ob der 750er konzeptionell nun näher am „alten“ Siebenhunderter oder dem Achtfünfziger angesiedelt ist, haben wir natürlich ausprobiert.

Details

Der Pioneer DJM-750 ist ein Vierkanal-Clubmixer mit einer vollständig digitalen Signalarchitektur, deren Berechnung intern mit einer Wortbreite von 32 Bit erfolgt. An den Ein- und Ausgängen wird dann auf gängige 24 Bit bei einer Abtastrate von 96 Kilohertz konvertiert. Und da die Bedienelemente und Signalverarbeitung ohnehin schon binär agieren, wurden dem Pult direkt weitergehende digitale Mehrwerte spendiert: Zum Beispiel eine umschaltbare Klangregelung (Standard-EQ, Kill-EQ), eine Vollduplex-Soundkarte und die Möglichkeit, den Mischer als vollwertigen MIDI-Controller zu verwenden.

Auch die Effektsektion profitiert von der vorhandenen DSP-Power, die vom gleichen 32-Bit-Prozessor bereitgestellt wird, der auch im DJM-900 Nexus seinen Dienst verrichtet. Zwei Instanzen werden so berechnet. Und zwar zum einen die Abteilung “Boost FX”, die mit vier Effektmodellen an den Start geht, zum anderen die 13 Programme umfassenden “Beat FX”. Alle relevanten Parameter der Effektbatterien werden in einem leuchtstarken Punktmasken-Display visualisiert. Neben den vier Hauptkanalzügen steht ein Mikrofonkanal bereit, der über eine Zweiband-Klangregelung und eine zuschaltbare Talkover-Funktion verfügt. Eine umfassende Headphones- und Monitoring-Abteilung (Stereo/Mono-Split, Cue/Master-Mischung und Booth/Monitor-Regler) komplettieren die professionelle Konzeption des DJM-750.

Der knapp acht Kilo wiegende Bolide erreicht die Redaktion in Form eines Vorserienmodells, dem lediglich ein Stromkabel beiliegt. Mit Beginn der offiziellen Auslieferung (voraussichtlich ab Juni 2013) wird der DJM-750 mit folgendem Zubehör ausgestattet sein: Eine mehrsprachige Bedienungsanleitung, ein USB-Kabel, ein Stromkabel sowie eine CD mit Treibern und Dokumentation. Was sich auch beim Serienmodell nicht ändern wird, ist die Bauform der Strombuchse. Diese ist als zweipoliger Typ C-17 ausgeführt und nicht in der weitaus öfters anzutreffenden, dreipoligen C-13-Version (mit Masse-Pol). Für die Funktion des Mixers macht das jedoch so gut wie keinen Unterschied.

Äußerlichkeiten

Mit seinen 32 Zentimetern in der Breite, 37,6 cm in der Tiefe und 10,8 cm in der Höhe beansprucht der DJM-750 knapp vier Zentimeter mehr Raum nach hinten als sein Vorgänger - was im Wesentlichen der neu hinzugekommenen Boost FX geschuldet ist. Verschlankt wurde beim neuen Modell dagegen der Durchmesser der Potentiometerknöpfe im Mikrofonkanal. Ich persönlich mag hier die schmale Bauform, da sie sich eindeutig gegenüber den Kanal-EQs absetzen.

Ansonsten gleichen sich 700er und 750er in Bezug auf das Layout fast bis auf die Faderkappe. Nur die Eingangswahlschalter haben neben Phone/Line noch eine dritte Reglerstellung spendiert bekommen, nämlich „USB“. Wähle ich diese und ist ein PC oder Mac an der rechts neben dem XLR-Mikrofoneingang positionierten USB-Buchse angeschlossen, verwandelt sich der Pioneer augenblicklich (sofern die nötigen Treiber installiert sind) in eine vollwertige Soundkarte, die mit 96 Kilohertz und 24 Bit operiert. Doch dazu später mehr.

Auch beim 750er kommen im Bereich des Monitorings und der Fader-Justierung die leicht erhabenen, dreieckigen Taster zum Einsatz, die mir schon beim Vorgänger angenehm aufgefallen sind. Die für Pioneer typischen, auf Augenhöhe mit der Faceplate abschließenden Schiebeschalter finden dagegen in gewohnter Weise beim Routing der Einzelkanäle (A, B, Thru) Verwendung.

Wo wir schon bei der Faceplate sind: Der DJM-750 ist vorerst in den Lackierungen Schwarz und Silber erhältlich (K und S). Ob eine weiße Farbvariante erhältlich sein wird, war zum Zeitpunkt dieses Tests noch nicht in Erfahrung zu bringen. Was ich dagegen mit Sicherheit sagen kann: Auch beim 750er kommen die neuen P-Fadercaps zum Einsatz, die wirkungsvoll die Flucht der Plastikkappe vor den Strapazen des Battle-Gefechts verhindern. Will man den Fader doch einmal von seinem Regelhütchen befreien, muss man mit einem feinen Schraubendreher das weiße Markierungs-Inlay nach oben schieben.

Das wird beispielsweise dann erforderlich, wenn man einen der Fader wechseln will. Und genau hier zeigt sich der DJM-750 gewohnt servicefreundlich. Caps entfernen, die fünf Schrauben des Battle-Area lösen und schon liegt die gesamte Fader-Sektion frei zugänglich vor einem. Ein halber Pluspunkt dafür.

Noch knapp einen halben Pluspunkt heimst der Mixer für die kluge Konstruktion der Fader-Halterungen ein. An deren Enden wurden nämlich eine Art Stopper aus dem Metall gestanzt, die dafür sorgen, dass der Kontaktschlitten auch bei brachialen Bewegungen nie ganz am Ende der Fader-Schiene anschlägt. Die mechanische Energie wird auf das Metall verteilt und nicht auf den Flachbahnregler selbst. Ich kann natürlich keinen Erfahrungswert geben, ob dies die Lebensdauer des Crossfaders im jahrelangen Einsatz wirklich verlängert. Rein elektromechanisch halte ich es aber für eine wirklich gute Idee.

Insgesamt wirkt der DJM-750 äußerst robust und solide. Von der Seite betrachtet kommt sogar der Eindruck einer gewissen „Bulligkeit“ auf. Das Teil ist kein Spielzeug. Nebenbei gesagt verrät das Typenlabel an der Seite auch, dass der Mixer aus der Pioneer-eigenen Fertigung in Malaysia stammt. In Bezug auf die Haptik kann ich dem Mixer das Prädikat „Handschmeichler“ vergeben, denn alle Taster besitzen einen eindeutigen Klickpunkt. Potis und Faderkappen haben dank ihrer Gummierung einen präzisen Grip, und die Fader pflügen ohne Murren über die Leiterbahn. Etwas unangenehm fiel eine hauchfeine „Kratzigkeit“ einiger EQ-Potis im Bereich von ungefähr ein bis drei Uhr auf und ich hoffe, es handelt sich hier nur um eine Besonderheit unseres Vorserien-Samples. Positiv wirkt dagegen (eine gute Tradition bei Pioneer) auch das gut bemessene Platzangebot rund um den Crossfader. Das, in Verbindung mit dem klar strukturierten Layout und dem guten Abstand der Bedienelemente zueinander, sorgt für Bestnoten in den Bereichen Verarbeitung, Haptik und Layout.

Ich schaue auf die Rückseite und sehe (von links nach rechts): Zunächst einen seitlich gegen versehentliches Betätigen geschützten Power-Taster, der über der Strombuchse thront. Rechts daneben folgen die Anschlüsse für eine externe Stereo-Effektschleife. Ein halber Pluspunkt für dieses Feature, das gerade vor dem Hintergrund lobenswert ist, dass es sich um einen Digitalmischer handelt und Ein- und Ausgänge, sprich AD/DA-Wandler, teuer sind. Es folgen zwei Reihen mit Anschlüssen.

Die Obere hält alle notwendigen Cinch-Buchsen zur Konnektivierung von insgesamt acht Stereo-Zuspielern (2x Phono/Line, 2x CD/Line) plus zwei Erdungsrändelschräubchen bereit. In der unteren Reihe sind von links nach rechts versammelt: Master1 (XLR, symmetrisch) Master2 (Cinch, unsymmetrisch), Record Out (Cinch, unsymmetrisch), Booth Out (Cinch, unsymmetrisch) und Digital Master Out (Cinch, AES). Den Abschluss nach rechts bilden zwei Faderstart-Buchsen (Miniklinke) und ein Kensington-Lock, welches bei mir für die heitere Vorstellung sorgt, wie jemand dem DJ unbemerkt den acht Kilo schweren Boliden unter den Fingern wegmopsen soll. Hier dürfte die Präsentation auf Messen wohl eher der Grund für die Ausfräsung des Gehäuses gewesen sein.

Kanalzüge

Schauen wir uns einen der vier identischen Stereo-Kanalzüge im Detail an. Zuoberst wähle ich mit einem gerasterten dreistufigen Schiebeschalter, welche der drei möglichen Audioquellen (CD/Line, Phono, USB) auf dem Kanal landen soll. Ein Trim-Poti dient der Aussteuerung im Bereich von minus unendlich und plus neun Dezibel. Direkt darunter beginnt in Form dreier mittengerasterter Potis bereits die Klangregelung. Flankiert wird diese von einer 15-segmentigen Pegelanzeige, die einen Bereich von -24 bis +10dB (inklusive Overload-LED) visualisiert. Aus der Erfahrung, dass viele DJs eher mit Vollausschlag anstatt mit vorsichtiger Pegelung rund um die +6dB-Marke arbeiten, haben Pioneer ja bekanntermaßen die Tugend gemacht, den Headroom so zu dimensionieren, dass auch bei voll aufgerissenem Trim ein Übersteuern des Kanals nicht stattfindet. Entsprechend wollen (und können) die Kanalzüge mit ordentlich Strom befeuert werden, bevor sich die Pegelanzeige die Mühe macht, in Richtung der Null-Dezibel-Marke zu wandern. “Over” lässt sich letztlich nur durch Maximalanhebung von Trim und EQs provozieren und selbst dann ist noch keine Verzerrung wahrnehmbar. Sehr gut.

Unter dem EQ-Areal folgen dann der hintergrundbeleuchtete Cue-Taster, der 45-Millimeter-Linefader und der bekannte Schiebeschalter, mit dem sich das Audiosignal entweder auf die linke (A) oder rechte (B) Seite des Crossfaders routen lässt (was konzeptionell einen Reverse-Schalter, umgangssprachlich „Hamster-Switch“, überflüssig macht). In Mittenstellung wandert das Signal am Crossfader vorbei direkt auf den Master-Out. Global für alle Kanalfader kann das Regelverhalten wahlweise auf linear oder exponentiell geschaltet werden.

Plus Eins

Neben den vier Hauptkanalzügen besitzt der DJM-750 einen separaten Mikrofoneingang (ohne Phantomspeisung), der im hohen Norden mit einer XLR/Klinken-Combobuchse startet. Ihr folgen das Input-Trim-Poti zusammen mit einem Zweibänder (High/Low), der jeweils mit einem Hub von +/-12dB in Aktion treten kann. Moderierende DJs oder Podcaster werden sich über die zuschaltbare Talkover-Funktion („Ducking“) freuen, die das Signal der Fader-Sektion abhängig vom Mikrofonsignal automatisch absenkt.

Klangregelung

Die Kanal-Equalizer kennen zwei Betriebsmodi, zwischen denen via Schiebeschalter gewechselt werden kann. Zum einen ist das der klassische EQ-Modus, bei dem in allen Bändern (Hi, Mid, Low) eine maximale Verstärkung von sechs und eine Absenkung von 26 Dezibel möglich ist. Schaltet man dagegen auf Isolator-Betrieb, wird das jeweilige Band mit der Lizenz zur Vollauslöschung ausgestattet. Klanglich kann der EQ in beiden Modi voll überzeugen. Die Grenzfrequenzen und das Regelverhalten sind im Bereich der Anhebung so ideal gewählt, das auch bei extremen Klang-Schraubereien die Integrität des Audiosignals (ab wo es anfängt, „bearbeitet“ zu klingen) extrem lange erhalten bleibt. Absenkungen dagegen pariert der DJM-750 mit verbindlicher Frequenzausdünnung, die sich – zielführend eingesetzt – als mächtige Waffe bei Frequenzüberblendungen erweist.

Effekte

Die rechte Flanke des DJM-750 wird von den beiden Effekteinheiten samt Display dominiert. Darin sichtbar sind nicht nur das aktuell gewählte Effektprogramm und der zugewiesene Kanal (1, 2, 3, 4, MIC, Crossfader A/B, Master), sondern auch die Schätzung des integrierten BPM-Counters. Ferner der metrische Teiler, mit dem der Effekt zu Werke geht und eine kleine Grafik, die Auskunft über den aktuellen Parameterbereich gibt.

Darunter stellen zwei Beat-Taster das Effekt-Timing ein. Die Feinjustierung dagegen übernimmt der weiter unten angesiedelte Drehregler “Time”. Hierin liegt allerdings einer meiner (wenigen) Kritikpunkte. Grundsätzlich ist es ja erfreulich, dass der DJM-750 mit Sound Color FX und Beat FX direkt zwei Effekteinheiten an Bord hat (den Boost-Modus zähle ich mit zu den Color FX),  diese wurden allerdings etwas „zersiedelt“ platziert. So visualisiert das oben beheimatete Display die Informationen der Beat-FX-Sektion, darunter folgen die Regler für Boost und Color FX und unten, weit vom Display und Beat-Taster entfernt, die Potenziometer der Beat FX. Auf mich wirkte dies zunächst verwirrend und ich brauchte eine gewisse Einarbeitung, um mich zielsicher zurechtzufinden.

Beat FX

Im Bereich der Beat FX wird dem spielerisch veranlagten DJ eine umfassende Grundausstattung von dreizehn Klangverbiegern in hervorragender Qualität geboten. Positiv zu vermerken ist die hier zusätzlich hereinholbare externe Effektschleife. Sei es, dass man hier einen eigenen Klangverbieger einbringen will oder auch als zusätzlicher Stereo-Zuspielkanal. Alle Programme arbeiten – der Name „Beat” FX ist Programm - sofort nach ihrer Aktivierung mit der vom Beatcounter ermittelten Geschwindigkeit. Apropos Beatcounter: Der hat mir sowohl in der Geschwindigkeit, mit der er sein Votum abgibt als auch in seiner Genauigkeit mächtig imponiert. Gerade mal vier Schläge (ein Takt) braucht das Messgerät, um auf den Schlag genau das Tempo zu schätzen. Top!

Sound Color FX

Anders als die Beat FX folgen die Color FX (Noise, Crush, Jet und Filter) nur dem Drehen des DJs am farblich abgesetzten Potentiometer. Via Boost-Taster wird der gerade aktivierte Effekt noch mit einem Delay geheckspoilert, welches sich beim Abschalten mit dem typischen Sound eines Analog-Delays ins Nirwana verabschiedet. Dabei signalisiert ein roter Lichtkranz, der das entsprechende Poti einfasst, wenn das Effektprogramm in Aktion tritt. Das liest sich übrigens nicht nur gut, sondern klingt auch so. Zu befürchten ist allerdings, dass regelmäßigen Club-Besuchern der charakteristische Tischtennisball-Ausklang des Effekts in naher Zukunft sehr oft begegnen wird.

Das, was ich an Kritik am etwas unglücklichen Layout der Effektsektion anzubringen habe, macht sie allerdings klanglich wieder wett. Sehr gut gefallen hat mir hier vor allem die Tatsache, dass alle Effekte dynamisch auf Umschalten oder Parameteränderungen reagieren. Der Effekt bricht also nicht ab, sondern geht nahtlos in die neue Einstellung über. Ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen sind die Qualität und der praktische Nutzwert. Klanglich ist die Sektion nämlich über jeden Zweifel erhaben. Besonders die „Musikalität“, also wie die Effekte im Zusammenspiel mit dem ihnen zugeführten Audiomaterial reagieren, konnte mich voll überzeugen. Nicht zuletzt auch die einfache Bedienung, denn im Kern hat man es eigentlich immer nur mit einem (sehr wirkungsvollen) Parameter zu tun, den man im Griff haben muss.

Audiointerface

Bevor ich den DJM-750 als Vollduplex-Soundkarte für einen PC oder MAC verwenden kann, steht natürlich zuerst einmal die Installation der Treibersoftware an. Die ist mit wenigen Mausklicks abgearbeitet und ich öffne den Einstellungsdialog. In Richtung Rechner kann ich die vier USB-Stereo-Kanäle dann mit vier von acht unterschiedlichen Signalquellen belegen. Neben dem Kanalsignal selber sind dies unter anderem der Crossfader (A/B), das Mikrofon und der Record-Out oder ein optionales Timecode-Signal (Traktor Scratch) von CD oder Phono. Belasse ich den Audiopuffer auf den werksseitigen 512 Samples, kommt es auf einem MacBook Pro (i7 2Ghz) zu einer Gesamtsystem-Latenz von 12 Millisekunden. Schraube ich hier auf 128 Samples runter, lande ich (ohne Aussetzer) bei flinken vier Millisekunden. So lässt sich arbeiten.

MIDI-Controller

Als reinrassiger Digital-Mischer hat der DJM-750 vom USB-Anschluss bis hin zur digitalen Abtastung sämtlicher Bedienelemente natürlich schon alles an Bord, um auch als vollwertiger MIDI-Controller zu agieren. Ein Blick auf die lobenswerte MIDI-Implementierung zeigt dann auch, dass die Regelstellungen sämtlicher Bedienelemente an den Rechner übermittelt werden. Ein Druck auf MIDI-On/Off aktiviert den Sendemodus. Start/Stop sorgt logischerweise für das Clock-Signal.

Schade nur, dass sich die aktive Klangregelung des Mischers selbst nicht ausschalten lässt. Denn bedient man beispielsweise einen Kanalfader von Traktor über den DJM-750 und benutzt ihn auch (naheliegenderweise) als Soundkarte, wird das Signal ja sowohl in der Software als auch am Mischer gleichzeitig geregelt - oder umgangssprachlich gesagt “doppelt gemoppelt”.

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