Test
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21.12.2016

Praxis

DJ-Controller bedeutet auch DJ-Software, folglich soll der erste Test unter Pioneers Mix-Programm rekordbox dj laufen. Dies ist von der Herstellerwebsite zu laden (Win: 150 MB, Mac: 60 MB). Dazu kommt optional ein kostenloses Sampler-Plus-Pack mit Soundeffekten, Drums etc. Nach der Installation und Inbetriebnahme der Hardware kann man sich schnell in den Workflow des DDJ-WeGo4 einarbeiten, da er den Anwender nicht mit Funktionen erschlägt.

rekordbox dj

Ein Zweikanal-Mixer mit Zweiband-EQs und Filter, Jogwheels, Pitchfader und das Cue/Play-Duo, das sind hier die Basics fürs Mixen und für das manuelle Beatmatching. Ins Software-Deck befördert werden die Musikstücke via Encoder und Ladetasten. Wer mit einem Tablet arbeitet, kann auch auf den Touchscreen eintippen, aber für Playlisten ist der Drehknopf schon sehr komfortabel und er führt niedergedrückt auch die Back-Funktion aus. Außerdem hier zugegen: Der Lautstärkeregler für den Kopfhörer, leider nicht in Begleitung eines stufenlosen Cue-Mix-Reglers, dafür aber mit einer gesonderten Master-Vorhörtaste neben den obligatorischen Previews pro Kanal. Auch gut.

Mit dem knapp 45 Millimeter langen Pitch-Fader lässt sich das Tempo zehntelgenau einstellen, am stark einrastenden Nullpunkt muss man indes schon etwas aufpassen, damit der Fader/Pitch-Wert keinen großen Sprung macht. Die Jogwheels sind mit einem LED-Kranz ausgestattet, der intensiver illuminiert, wenn die Telleroberfläche zum Scratchen oder Kickdrum-Abwurf berührt wird. Sie liegen beim Phasenangleich, wenn man zwei Titel in den Gleichschritt manövriert, gut an der Hand und kommen nach Schubsern zügig zum Stehen. Bei einem starken Backspin hat dies zur Folge, dass die Teller nicht mehr nachdrehen, obwohl der Rückwärtslauf noch aus den Boxen tönt und die LEDs nach wie vor zirkulieren. Erbsenzählerei? Mag sein, doch ich meine das gar nicht negativ, denn mir gefällt der physische Jogwheel-Widerstand. Die im Takt pumpende Lightshow beim Mixen ist wie immer Geschmackssache. Zur automatischen Synchronisation, welche die Decks auf Tastendruck im Gleichschritt galoppieren lässt, ist zu sagen: Sie funktioniert problemlos.

Die EQ-Taster im Kanal liegen weit genug auseinander, sodass man nicht mit den Fingern versehentlich am Nachbarregler hängen bleibt. Übrigens dürft ihr in der Software den EQ-Typ (DJM-900NXS/NXS2) festlegen und entscheiden, ob es ein Drei- oder Zweibänder mit Filter sein soll, wobei der Filter nur eine Möglichkeit der Belegung ist, denn ihr könnt hier jeden Color-FX, also beispielsweise Noise, Dub Echo etc. verwenden und diesen im GUI nach Geschmack einstellen. Dazu einige Audiobeispiele.

Dass Taster für FX, Loops und Cues kreisförmig um den Teller arrangiert sind, ist für einen DJ-Controller äußerst ungewöhnlich. Es versprüht aber einen gewissen Charme, spart Platz und sieht beleuchtet gut aus. Allerdings sind die Tasten als Trigger für Hotcues und Samples recht gewöhnungsbedürftig, wenn man Controller mit Pad-Matrix gewöhnt ist. Ohne LED-Feedback ist es zudem nicht ganz leicht, die Befehle zu erkennen, aber es sind ja nicht so viele (12 + Shift + Modus pro Teller). Mit Ausnahme des Color-FX ist der Laptop-DJ ist für sein Kreativfeuerwerk beim Wego4 also auf Tasten beschränkt.

Die Befehlsverzahnung mit rekordbox dj gleicht der Funktionsbeschriftung am Controller. Oben drei Tasten für automatische Wiederholschleifen und zum Faktorisieren der Länge (*2 und /2), manuelle Loops mit Reloop gibt´s via Shift. Daneben warten drei Pad-FX (Nr. 4-6 via Shift) auf ihren Einsatz. Unten folgen Play/Cue und vier Tasten zum Anlegen, Abfeuern und Löschen (Shift) von Hotcues, umschaltbar auf Samples. Die Bestückung der Pad-FX inklusive Release-FX und Sample-Bänke erfolgt über das Recordbox-GUI. Dass die Aktualisierung vom zweiten zum ersten FX-Layer erst nach Berührung der FX-Taste und nicht nach Loslassen von Shift erfolgt, finde ich eigentümlich.

Rekordbox wartet mit zahlreichen Stellschrauben für kreative Mixes auf und bietet allerhand Einstelloptionen. Wir haben die Software für euch in diesem Artikel ausführlich getestet, falls ihr weitere Details erfahren möchtet. Außerdem haben wir hier einen Crashkurs mit Tipps und Tricks für euch. Das Musikmanagement ist sicherlich eines der besten am Platz und bietet zahlreiche Filter, Such- und Kategorisierungsfunktionen. Als störend empfand ich, dass es nicht möglich ist, via Controller die Vollbildansicht für den Browser aufzurufen. Ich muss stattdessen die Space-Taste verwenden.

Summa summarum gefällt das Zusammenspiel zwischen Hard- und Software. Klanglich bin ich, abgesehen vom Mikrofonkanal, der eher was für Notfalldurchsagen ist, mit dem Gebotenen zufrieden. Dies betrifft das Ausgabesignal des Wego4 selbst, den für Bedroomer und Hobby-DJs hinreichend lauten Kopfhörerausgang und die Qualität der FX und Klangregelung der Software. Hier noch ein Nachschlag an Audios. Der nächste Schritt führt uns zu Pioneers neuer App WeDJ.

WeGo und WeDJ

Pioneer hat seit Kurzem mit WeDJ seine eigene DJ-App im Sortiment. Verständlich, ist der App-Sektor doch ein sehr lukrativer Markt und eine eigenständige Mix-App fehlte Pioneer nach rekordbox und remotebox noch. Das GUI ist branchentypisch: Zwei virtuelle Plattenspieler an den Außenseiten, austauschbar gegen horizontale oder vertikale Wellenformansichten. In der Kopfzeile Titelinformationen und die Peak-Vorschau, dazu Transportsektion, Pitch- und Crossfader auf der Hauptseite. Besondere Effekte und der Browser erscheinen als Panels. Die Musikverwaltung bedient sich aus der iTunes-Bibliothek und wartet unter anderem mit diversen Filtern, Tag-Listen und einer History auf. Das kennt man beispielsweise auch von Algoriddim Djay. Ein Streaming-Angebot wie Spotify oder Pulselocker wird momentan nicht unterstützt.

WeDJ ist mit einigen kleinen Helferlein ausgerüstet, die einem das Mixen erleichtern sollen. Dazu zählen Autosync, Automix und Autogain. Ebenso bietet die App Hotcues, Slip und Loops, zwei FX-Layer, einmal mit zwei FX und Release-FX, einmal mit drei unterschiedlichen Parameterwerten für einen Effekt (Beispiel: LPF (20, 60,100 oder Spiral 1/8, ½, 1). Beim Sampler gibt’s aktuell (Dezember 2016): Essentials, FX, Voice und ein 909 Drum-Pack.

WeDJ iOS und die Hardware sind gut aufeinander abgestimmt, das Zusammenspiel erfolgt mit meinem iPad Air 2 verzögerungsarm. Bei einer versehentlichen Trennung muss die Hardware erneut eingeschaltet werden. Ein Refresh erfolgt sonst nicht. Ebenfalls ein deutliches Indiz in Richtung Hobby-DJing. Echte Knöpfe und Tasten, um an den Frequenzen zu schrauben oder FX zu triggern, dazu Line- und Channel-Fader anstatt eines lediglich virtuellen Crossfaders und natürlich ein ordentliches Soundinterface – das ist schon eine sinnvolle Erweiterung für die App. WeGo-Besitzern würde ich eine Probefahrt mit WeDJ ans Herz legen: Es kostet nur zehn Euro und stellt eine vollwertige DJ-Lösung für Studentenbude oder Partykeller dar. Außerdem ist die App ein leichtes Backup-System bei einem Rechner-GAU. Spaß macht es allemal.

Andere Programme und Apps

Aber man kann noch mehr mit dem WEDJ bedienen, auch Traktor, VDJ und Algoriddim Djay kommen zum Zug. Seit der ersten Ausgabe hat Pioneer seinem Controller eine Lizenz für Virtual DJ LE beigelegt und so ist es auch diesmal - der Klassiker für den WeDJ. Das Zusammenspiel erfolgt Plug´n´Play und die steuerbaren Programmbefehle richten sich nahezu 1:1 nach den Hardware-Vorgaben, also kann man auch hier von einem prima Tool für VDJ-Fans reden, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Hardware-Controller zuzulegen. Erst recht, wenn sie im Besitz der Vollversion sind.

Ähnlich ist es bei Traktor, für das Pioneer passende Mapping-Dateien bereits stellt (Windows, MacOS Yosemite, MacOS Sierra). Seitens Algoriddim ist man jedoch auf Djay 2 beschränkt, DJ Pro läuft nicht mit dem WeGo4. Anders als bei WeDJ erfolgt das visuelle Feedback nicht App-übergreifend. Ein besonderes Lob noch an den Pioneer-Support, denn für jedes unterstützte Programm ist auf der Website ein Belegungs-PDF zum Download erhältlich und dazu noch ein MIDI-Chart.

Zu guter Letzt stand ein Test unter Android auf der Liste, denn es gibt wahrlich nicht viele Controller, die sich mit der Unterstützung dieser Plattform brüsten können. Also flugs das Galaxy Tablet S2 (Android 6.01) mit Algoriddim Djay 2 via OTG-Kabel angeschlossen. Der Pioneer-Controller (Firmware 1.0.0) wird umgehend erkannt, das Firmenlogo erscheint als Splash-Screen und abgesehen vom Browser-Knob lässt sich die App via Controller bedienen. Erstaunlicherweise gab es jedoch erhebliche (vermutlich treiberbedingte) Probleme mit dem Audiosignal. Das gleiche war am Galaxy S4 unter Android 5 festzustellen. Hier war dann erst einmal Schluss mit dem Android-Test.

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