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Test
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27.05.2014

Pioneer DDJ-SZ Test

Fullsize DJ-MIDI-Controller und Vierkanal-Mischpult

Der Sternenkreuzer für Serato DJ?

MIDI-Controller mit Mischpultfunktion sind keine Seltenheit mehr in der DJ Gear-Flotte der Hersteller. Schlachtschiffe, die entgegen des allgemeinen Miniaturisierungsbestrebens die Größe eines klassischen analogen Setups einnehmen, sieht man allerdings seltener. Wenn so eine ausgewachsene Kommandozentrale dann noch mit besonderen Schmankerln aufwarten kann, wie es beim Pioneer DDJ-SZ der Fall ist, der mit gleich zwei USB-Soundkarten, mehrfarbigen Performance Pads und Vollformat-Jogwheels ein heißer Kandidat auf den Titel „Bester Performance-Controller des Jahres“ sein dürfte, wird die bonedo.de DJ-Redaktion hellhörig. Ein Preis für das „Flexibelste DJ-Controller-Interface“ wegen des dualen Serato DVS-zertifizierten DJ-Interfaces, das es zwar schon bei Mixern und USB-Soundkarten des Konkurrenten Rane gibt, das allerdings ein Novum im Hause Pioneer und in dieser Produktgruppe darstellt, ließe sich bis dato wohl ebenfalls vergeben.  

Letztlich muss der Pioneer DDJ-SZ aber auch die Kröte „Teuerster DJ-Controller“ schlucken, denn mit 1999 Euro UVP dürfte er bis auf Weiteres die Investitionsvolumen-Charts anführen und die Schmerzgrenze vieler potenzieller Interessenten, vor allem Hobbyisten und MP3-Auflegern aus dem semiprofessionellen Sektor, überschreiten. Ihr seht schon, ich geize in der Einleitung nicht mit Superlativen und auch die Feature-Dichte wäre vielleicht noch als „reichhaltigste“ zu bezeichnen und könnte in der Folge einen abendfüllenden Testbericht zum DDJ-SZ und Serato DJ mit all seinen Funktionen und Plug-ins auslösen. Wir wollen uns aber auf das Wesentliche beschränken und zudem die Frage in den Raum werfen, was den nahezu doppelten Verkaufspreis zum DDJ-SX rechtfertigt und wer mit dem neuen Topmodell der Pioneer Controller-Flotte gut beraten ist.

Details

Serato hat ja im Moment einen echten „Run“, verglichen mit dem, was vor knapp fünf Jahren den Status quo darstellte. Neuerdings mit einer Heerschar (semi-) professioneller DJ-Controller kompatibel, dazu Effekte aus der Schmiede von iZotope, eine Remote-App, die Serato-Funktionen für Controller bereitstellt, die quantitativ weniger gut mit Bedienelementen ausgestattetet sind und einen ganz großen Kooperationspartner im Boot: Pioneer. Konnte bereits der DDJ-SX in 2013 von sich behaupten, seinerzeit der erste Hybrid-Mixer weltweit gewesen zu sein, der exklusiv mit der gerade frisch veröffentlichten Software Serato DJ ausgeliefert wurde, ist nun der DJ-SZ der erste Dual-USB-Hybrid im Controller-Universum. Ich wage sogar zu behaupten, dass Pioneer mit den Produkten DDJ S1/SB/Ergo/SR/SX/SP1 und WeGo sowie den CDJs neben der nicht minder stark vertretenen Numark-Flotte maßgeblich dazu beiträgt, dass Serato aktuell in einer Marktposition ist, die vor wenigen Jahren andere innehatten. Aber das ist wohl ein Thema für den DJ-Stammtisch und soll nun nicht weiter Gegenstand dieses Artikels sein.  

Konzept

Pioneer DDJ-SZ ist Mischpult und DJ-Controller in Personalunion – also ein vollwertiger, eigenständiger Vierkanal-Mixer mit Filter-, Color- und Oszillator-Effekten, zwei integrierten USB-Audiointerfaces, einstellbaren Vollformat-Jogwheels mit Cue-Countdown und -Positionsanzeige und einer Vielzahl an MIDI-Controllern, allen voran die mehrfarbig beleuchtete Performance-Pad-Sektion zur Befehligung von Serato DJ oder jeder anderen MIDI-kompatiblen Software. Das Gewicht beträgt 10,4 Kilo und die Maße liegen bei 870 x 419,5 x 98,4 Millimetern (BxTxH). Nichts für den urbanen Wander- oder Fahrrad-DJ also. Insgesamt vereinigt der DDJ-SZ auf seiner Oberfläche rund 150 Bedienelemente, die zum Teil doppelt oder in der Pad-Sektion sogar achtfach belegt sind, daher kommt der Kommandobrücke ihr großzügiges Layout natürlich sehr zugute: In Sachen Bedienergonomie muss man hier wahrlich nicht mit den Fingerspitzen zu Werke gehen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet könnte man dem SZ durchaus zugestehen, dass er allein durch sein imposantes optisches Erscheinungsbild noch ein wenig professioneller „rüberkommt“, als sein Bruder. Ach was sag ich, den Eindruck der „professionellsten“ MIDI-Befehlszentrale aus dem Hause Pioneer erweckt, womit auch schon das erste „Beleg-Superlativ“ am Start ist.  

Pult

Der SZ verfügt über sechs Stereo-Cinch-Eingänge für bis zu vier CD-Player und zwei Turntables (Kanal 3 und 4, separate Erdungsschrauben vorhanden) und kann in Verbindung mit den zuvor genannten Zuspielern, dem Timecode-Control-Plug-in und Steuermedien „als DVS-System auftreten“. Zwei rückseitige Mikrofoneingänge (Klinke, XLR-Klinke-Combo) mit nun eigenem Kanalzug, denen auf der Bedienoberfläche ein Einschaltknopf nebst Zweiband-EQ (+/-12 dB) und eine einstellbare Talkover-Funktion spendiert wurde, unterstützen Moderatoren und Sänger in ihrer Arbeit. Sollte man als Bedroomer einen DDJ-SZ in besagte Räumlichkeit stellen, hört man sicher gern, dass das Teil auch Cinch-Ausgänge bereitstellt. Professionelle Beschallungsumgebungen verwenden stattdessen XLR und die Kanzel darf auf einen separaten Booth-Ausgang, selbstverständlich separat regelbar, zurückgreifen. Hinten sind auch noch ein Kensington Lock, der Netzteilanschluss nebst Power-Schalter und die USB-Buchsen versammelt, wohingegen es die beiden Kopfhöreranschlüsse standesgemäß nach vorn verschlagen hat. Wie üblich bei Pioneers DJ-Mischpulten findet sich die Preview-Einheit links unten unter der Mikrofonsektion ein. Dazwischen haben die Color FX (Echo, Jet, Pitch, Filter) Platz gefunden. Der Master-Regler ist mit der zehnstelligen Pegelanzeige (beim SX nur fünfstellig), die auch in jedem Kanalzug als Mono-Variante zu finden ist, rechts außen platziert. Ferner residieren hier die neuen, in einem Parameter sowie der Lautstärke regelbaren Oscillator FX (Noise, Cymbal, Siren, Horn). Vorgehört werden können auch die Einzelkanäle, was uns zum Mischpult mit seinem 45er-Linefadern, dem Gain, dem Dreiband-EQ (Kill bis +6 dB, DDJ-SX hat „lediglich“ -26 dB Absenkung) und dem dedizierten, softwareunabhängigen Regler für die Color FX führt, die sich auch dem Mikrofonsignal, dem Sampler und dem Master-Kanal zuweisen lassen. Viel Spielraum für den kreativen DJ, selbst wenn er nicht mit Serato auflegt, oder? Und was die Verarbeitungsqualität der Komponenten, des Gehäuses und die Güte und das haptische Feeling der Pads, Taster, Dreh- und Flachbahnregler angeht, finde ich im Trockenlauf ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung. In diesem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, dass ein freies Crossfader-Routing der Kanäle erfolgen darf, dass der kontaktlose, magnetische Magvell-Fader im Widerstand und im Kurvenverhalten justierbar ist und sogar der „Cut-In-Lag“ über das Setup-Menü einstellbar ist, was gerade für die DVS-Fraktion und Scratcher von Bedeutung sein dürfte. Genauso dürfte allerdings wichtig sein, dass der Crossfader im Gegensatz zum kleinen Bruder nicht austauschbar ist, wenngleich Pioneer von 10 Millionen „Lebenszyklen“ spricht. Eine Cuepoint-abhängige Faderstart-Funktion ist ebenfalls implementiert. Oben in jedem Kanalzug empfangen einen die Zuweisungstasten der Software-Effektracks und natürlich die Quellwahlschalter (beim SX am Frontpanel zu finden) für bereits erwähnte Zuspieler, wobei jeder Kanal obendrein auf USB gestellt werden kann. Hoch im Norden logieren nun, wo beim DDJ-SZ die „Load“-Buttons zu finden sind, in doppelter Ausführung die USB-Selektionstasten für Laptop A und B.

Controller

Rechts und links mit Ausnahme des Panel-Buttons identisch aufgebaut versammelt sich eine Schar Bedienelemente für Serato. Hier findet sich so ziemlich alles ein, was das Herz des Digital-DJs begehren dürfte. Beispielsweise eine CDJ-typische Transportsektion, ein Schleifenbaukasten für manuelle und automatische Loops mit Aktivator, Speicherplatz-Selektionstaste, Cutter, Reloop und „Shifter“ sowie einer umfassende Browser-Sektion mit Ladetasten sowie Ansichts- und Panel-Umschaltung für die Software-Bereiche, begleitet vom berührungsempfindlichen Needle Search-Streifen zum Spulen im Song. Ferner entdecke ich zwei Tasten zur Bearbeitung des Taktrasters direkt vom Controller aus (stauchen, strecken, verschieben, setzen, löschen). Ihnen gegenüber sitzt der Pitch mit seinen Gefolgsleuten und über allem thront die obligatorische Effektsektion im Standard-Layout (vier Drehregler, vier Buttons) mit angrenzenden Druckknöpfen, welche die Funktionen „Censor“, „Slip“, „Reverse“ und „Shift-Censor“ aufrufen. Jogmode (de-) aktiviert den „Vinyl“-Modus, dargestellt im Teller durch den Schriftzug „Vinyl“. In dieser Betriebsart lässt sich mit dem Jogwheel scratchen, im „Slip“-Mode sogar beatsynchron. Der alternative „Bend“-Modus dient zum Taktabgleich ohne Touch Sensor-Funktionalität. Das 206-Millimeter-Jogwheel mit integriertem Display entspringt dem CDJ-2000, ist ein echter Hüne und im Start/Stopp-Verhalten sowie dem physischen Regelwiderstand von leichtläufig bis hart in 12 Schritten justierbar. Und hart ist hier auch wirklich hart! Prima. Für den Sensor kann ich allerdings keine Stellschraube entdecken, doch ein Schnelltest verdeutlicht: Das Jogwheel unseres Testmusters löst aus, wenn die Hand auf dem Teller liegt und nicht bereits einige Zentimeter davor. Gut so. Zum „Controller“ gehören natürlich auch noch die Pads, die Loop-Abteilung und der Sampler, die wir uns im nun folgenden Praxisteil anschauen.

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