Hersteller_Pioneer
Test
5
23.10.2009

Der erste Eindruck

Optisch, preislich und ausstattungstechnisch ist der CDJ-400 ein Mix aus den 200-er und 1000-er Geschwistermodellen. Der großteils abgerundete Formklassiker kommt zwar in einem Plastik-Body aus der Kartonage, wirkt jedoch ausreichend robust, um im DJ-Alltag zu bestehen. Sicherlich ist er mit 2,7 kg kein Leichtfuß, zusammen mit einem DJM 400 Mischpult (3,2 kg) und einem zweiten Player bringt er 8,6 immer noch transportfähige Kilos auf die Waage. Zum Vergleich: Ein SL1200-Mk2-Plattenspieler allein wiegt 11 kg. Das Trio benötigt zusammen ein Case von circa 70 x 35 cm Ausmaßen, solche sind ab 100 Euro im Fachhandel erhältlich. Sollte der DJ bereits zuvor mit Tabletop-Playern gearbeitet haben, findet er sich direkt zurecht. Die Druckpunkte der Taster sind gut definiert und lösen Pioneer-üblich auf der vollen Oberfläche aus. Dadurch sollte der DJ auch in hektischen Situationen alles unter Kontrolle haben. Das schwarz-silbrige Design hat die letzten beiden Jahre schadlos überstanden und weiß nach wie vor zu gefallen. Mit 11,5 cm Durchmesser ist das Jogdial des Frontloaders wahrscheinlich nicht primär zum Einsatz auf Scratch-Battles oder DMC-Competitions konstruiert worden. Stantons C.324 Wheel ist mit 21 cm schon ein Quäntchen fingerfreundlicher und zudem leiser, denn Pioneers Wheel verursacht in Bewegung versetzt ein vergleichsweise lautes Schnarren, das mir persönlich so gar nicht zusagt. Unauffällig in der linken oberen Ecke platziert, wartet ein USB 1.1 Port auf digitalen Kontakt. Die Kommunikation mit dem Rest des Equipments übernehmen zwei analoge Cinch-Buchsen, ein digitaler S/PDIF Ausgang, der Pioneer-Service-Plug und ein USB-MIDI-Port. Eine Mini-Klinken-Buchse, die zwar quasi Standard bei CD-Decks ist, aber aufgrund ihres Formates verglichen mit einer 6,3 mm-Klinke bei weitem nicht so kontaktsicherer und beständig ist, ermöglicht Faderstart. Faderstart schließt, sobald der Schieber eine bestimmte Position erreicht, einen Kontakt. Dieser wiederum startet eine angeschlossene Audioquelle. Bekannt ist diese Technik vom Broadcasting. Hier ermöglicht sie, Anmoderation und Musik unkompliziert und genau zu timen. Alle nötigen Anschlusskabel sind dem Karton beigelegt, dazu bekommt der Käufer drei Slipmats, ein siebensprachiges, 161 Seiten starkes Handbuch und einen 10-Dollar-Gutschein für Beatport.

Punkt, Punkt, Komma, Strich

Das helle zweifarbige Punkt-Matrix-Display zeigt CD-Text, ID3-Tags mit Icons und lobenswerterweise auch Ordnernamen an. Seine Darstellung ist jedoch auf zehn Zeichen beschränkt, danach wird automatisch gescrollt. Neben Statusmeldungen zeigt es Laufzeiten (elapsed/remaining) nebst grafischer Balken-Visualisierung an, auf die ich, ehrlich gesagt, nie geachtet habe. Ein Wellenformdisplay hätte mir stattdessen besser gefallen. Dieses bleibt jedoch den teureren Modellen vorbehalten. Das Tempo eines laufenden Songs wird in vollen BPM angezeigt, Pitchwerte in hundertstel Prozent. Leider lässt sich das Display nicht regulieren. Dot-Matrix-Displays sind zwar bei Tabletops üblich, ich bin jedoch der Meinung, dass auch im mittleren Preissegment höher auflösende, hintergrundbeleuchtete Farbdisplays angebracht wären, ermöglichen sie doch gerade bei vollgepackten Wechseldatenträgern einen effizienteren Workflow.

Was muss, das muss

Meinem betagten 100-er Modell gegenübergestellt, besitzt das heutige Testobjekt zwar einige Knöpfe mehr, sein Layout ist allerdings im Wesentlichen identisch. Okay, zugegeben, der Korpus ist geschwungener und das Finish unterscheidet sich. Auch die 25 mm großen PLAY- und CUE-Buttons sind jetzt rund statt eckig, aber den angestammten Platz auf der linken Seite konnte ihnen bisher kein Bedienelement streitig machen, und das ist auch gut so. Search, Track-Search und Direction sind mit 10 mm etwas kleiner geraten, verteidigen aber ebenfalls ihre angestammte Neun-Uhr-Position.

Richtgeschwindigkeiten

Satte 100 mm misst der rechtsseitig platzierte Pitchfader. Er lässt sich vierstufig in seiner Auflösung skalieren (+/- 6, 10, 16 Prozent und WIDE) wodurch im niedrigsten Intervall Geschwindigkeitsanpassungen von 0,02 Prozent möglich sind. WIDE bringt immerhin noch respektable 0,5 Prozent aufs Display. Diese Range ist ausschließlich bei Audio-CDs verfügbar. Doch selbst in den nördlichen (-100, respektive -99) und südlichen Extremstellungen (+100) sind keine Aussetzer zu hören, es sei denn, der DJ schaltet Master Tempo (Tonhöhenkorrektur) ein. Aber dazu später mehr. Der Tempo-Fader besitzt eine einrastende Nullstellung. Eine Deadzone ist nicht bemerkbar, denn auch von dort geht es mit feinfühligen +/- 0,02 Prozent in beide Richtungen.

Das Rad an der Wiege

Ohne Frage steht oder fällt die Kauflust häufig mit der Qualität des Jogdials. Mix-DJs stellen andere Ansprüche an die Teller als Scratch-DJs, daher besitzen Tabletops oft unterschiedliche Betriebsmodi, im Idealfall samt hard- oder softwareseitiger Empfindlichkeitsanpassung. Das vorliegende Drehelement ist von einem variablen, rot leuchtenden Kranz umgeben, der zum Beispiel die Laufrichtung visualisieren kann. Schiebt der DJ den äußeren Rand an, ändert er je nach Richtung die Geschwindigkeit des Songs. Man nennt diesen Vorgang „Nudgen“. Aktiviert er den Vinyl-Modus, kann er durch Druck auf die berührungsempfindliche Oberfläche Scratch-Mannöver ausführen. Die Art der Steuerung ist von Plattenspielern übernommen und wirft die populäre Plattenspieler-Feeling-Metapher in den Raum – in diesem Fall will ich sie nicht aufgreifen, denn das verbaute Jogdial hat, das muss man in aller Deutlichkeit sagen, so rein gar nichts von einer TT-Emulation. Dafür sorgen die praktischen, seitlich eingelassenen Fingermulden, das eigentümliche Schnarren oder die Oberfläche, die eher wie ein überdimensionaler Button aussieht, der dazu beim Andruck circa 0,5 cm ins Innere des Laufrads verschwindet. Im Pausenmodus ermöglicht das Wheel framegenaues Suchen im Track mit 1/75 Sekunde Auflösung. Eine volle Umdrehung entspricht 1,8 s. Gleichzeitige Betätigung von SEARCH bewirkt Hochgeschwindigkeits-Spulen.

 

 

Scheibenmeisterkleister im Daten-Kreisverkehr

CDJ-400 wendet sich in erster Linie an die Silberling-Fraktion und bringt zur Freude dieser ein vorderseitiges Slot-In-Laufwerk mit. Es liest Audio-CDs, CD-Rs und CD-RWs. Auf jeder Scheibe dürfen maximal 3.000 Tracks in 2.000 Ordnern verpackt sein, auf einem USB-Gerät bilden 30.000 Songs in 20.000 Ordnern die rechnerische Obergrenze. Das reicht bei einem Mittel von fünf Minuten pro Track für mehrere Monate kontinuierliche Beschallung, falls jemand einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde oder im Rekordbuch der Guinness-Brauerei anstrebt (ganz durstlos kann man doch bestimmt nicht so lange am Stück spielen, oder?). Innerhalb von sechs Sekunden ist das System gebootet und Abspielbereit, Track-Skip-and-Play dauert kaum eine Sekunde, frisch eingelegte CDs sind innerhalb von drei Sekunden startklar. MP3- Dateien werden mitsamt der Tags Künstler, Titel oder Album eingelesen. Weitere, zum Beispiel Key oder Comment, werden zum momentanen Zeitpunkt nicht unterstützt. Mit dem obligatorischen Push-Selector navigiert es sich zügig in einer auf acht Ebenen limitierten Ordnertiefe.

Der Hersteller empfiehlt im Handbuch Audiofiles mit konstanter (CBR) anstatt variabler (VBR) Bitrate zu kodieren, da sie etwas schneller eingelesen werden. Wer sich die Frage stellt, warum Pioneer kein DVD-fähiges Laufwerk verbaut hat wie Numark beim iCDX - es liegt wahrscheinlich an der Praxisrelevanz. Zwar ist es weit verbreitet, seine Schätzchen zusätzlich zur Festplatte auf Versatile Disc zu brennen, aber wohl eher zur Archivierung als zum Dauereinsatz im Club. Womit denn auch? - DVD-Laufwerke haben Seltenheitswert. Darüber hinaus ist durch die bereitgestellte USB-Schnittstelle ein Kontakt zu Flashspeichern und Harddisks sichergestellt, die zudem kratzresistenter sind.

 

Ein Quentchen Ich

Pioneer gesteht dem Käufer einen gewissen persönlichen und nicht destruktiven Gestaltungs-Spielraum zu, denn das Oberflächendesign der Jogs kann durch eigene Slipmats verändert werden. Dazu braucht der Hobbytüftler lediglich zwei kleine Schrauben zu entfernen und kann dann den Mattenschutz abnehmen, um das eigene Template aufzubringen. Danach wird die Plastikfolie einfach wieder drübergelegt, festgeschraubt und fertig ist der neue Look. Endlich gibt es mal einen Grund, ein Foto der Geräteunterseite zu schießen, denn Pioneer hat das erforderliche Schraubwerkzeug dort gleich allzeit parat untergebracht. Eine Vorlage, um ein eigenes Slipmat zu entwerfen findet Ihr nachstehend im freien Gimp-xcf-Format. ->Link

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